Kenntnisprüfung ab November 2026: Was ausländische Ärzte jetzt wissen müssen
29.09.2026
Aktualisiert am 25. September 2026
Das Wichtigste in Kürze+
- Ab dem 1. November 2026 müssen Ärzte mit Abschluss außerhalb der EU die Kenntnisprüfung bestehen, die reine Dokumentenprüfung entfällt.
- Die mündlich-praktische Prüfung dauert drei bis fünf Stunden an einem Tag und umfasst Chirurgie, Innere Medizin und ein Wahlfach.
- Die Gebühren liegen je nach Bundesland zwischen 800 und 1.600 Euro, die Berufserlaubnis wird auf die Vorbereitungszeit begrenzt.
- Wer alle Unterlagen bis zum 31. Oktober 2026 vollständig einreicht, fällt noch unter das alte Recht.
- Österreich und die Schweiz regeln ihre Prüfungen zentral; ein Studium in der EU erspart Bürokratie, Geld und Zeit.
Was sich ab dem 1. November 2026 ändert – konkret
Bislang konnte man als Arzt aus einem Drittstaat die Approbation auch über eine reine Dokumentenprüfung erlangen. Das entfällt. Ab November gilt: Prüfung. Punkt. Die Kenntnisprüfung läuft mündlich-praktisch ab, dauert drei bis fünf Stunden, findet an einem einzigen Tag statt – und gliedert sich in drei Abschnitte: Chirurgie, Innere Medizin und ein Wahlfach. Die Gebühren liegen je nach Bundesland zwischen 800 und 1.600 Euro.
Wichtig zu wissen: Die Berufserlaubnis, die viele ausländische Ärzte als Dauerbrennerlizenz genutzt haben, wird künftig strikt auf die Vorbereitungszeit begrenzt. Wer noch einen offenen Antrag hat und alle Unterlagen bis zum 31. Oktober vollständig einreicht, fällt noch unter altes Recht. Das ist die Rettungslüke – und sie schließt sich bald.
Was das Gesetz bezweckt – und was wirklich dahintersteckt
Das Ministerium spricht von Vereinfachung. Und da ist tatsächlich etwas dran: aufwendige Übersetzungsstädte, seitenfüllende Beglaubigungen und wochenlange Dokumentenprüfungen fallen weg. Stattdessen wird direkt gefragt: Kann dieser Arzt seinen Job machen? Das ist logischer, als es klingt. Zusätzlich wird Behördenkommunikation digitalisiert – Daten können elektronisch übermittelt werden, Sprachprüfungen dürfen vorgezogen werden. Das Einsparpotenzial: rund 16 Millionen Euro pro Jahr, laut Bundesgesundheitsministerium.
Was die Reform nicht löst: die chronischen Unterschiede zwischen den Bundesländern. Aber dazu später mehr.
Internationaler Vergleich: So machen es andere Länder
Österreich kennt die Kenntnisprüfung seit Jahren – und regelt sie zentral, bundeseinheitlich. Kein Bundesland-Chaos, keine ungleiche Behandlung je nach Wohnsitz. Die Schweiz macht es ähnlich: Das Institut für Medizinische Ausbildung in Bern verwaltet die Eignungsprüfung für Drittstaats-Ärzte. Einheitlich, berechenbar, transparent.
Ganz anders das Vereinigte Königreich: Der NHS wäre ohne internationale Ärzte nicht funktionsfähig – und hat die Rekrutierung im Ausland systematisch ausgebaut. Gleichzeitig verabschiedete das Parlament 2024 den Medical Training (Prioritisation) Bill, der Ausbildungsplätze vorrangig für britische Absolventen reserviert. Ausländische Ärzte protestierten heftig. Frankreich wiederum schickt Drittstaats-Ärzte durch einen langen Sonderweg – viele warten jahrelang auf vollständige Anerkennung und arbeiten in der Zwischenzeit in Positionen weit unter ihrer Qualifikation. Ein Missstand, den französische Fachverbände offen kritisieren.
Was das für dich als Medizinstudierender bedeutet
Wer sein Medizinstudium im Ausland plant und danach in Deutschland arbeiten will, sollte genau hinschauen, wo er studiert. Abschlüsse aus EU-Ländern – Polen, Ungarn, Tschechien, Rumänien – sind von der neuen Pflicht nicht betroffen. Das EU-Studium bleibt der unkomplizierteste Weg zurück in den deutschen Arbeitsmarkt.
Wer hingegen in der Ukraine, Russland, China oder einem anderen Drittstaat studiert, muss die Prüfung einplanen – plus Kosten, Vorbereitung und Wartezeit auf einen Prüfungsplatz. Bei Medizinerschmiede arbeiten wir mit über 25 Partneruniversitäten zusammen, die alle in der EU ansässig sind. Für unsere Studierenden entfällt dieser zusätzliche Hürdenmarathon.
{{cta}}Meinung des Autors
Im Kern ist die Reform richtig. Wer Bürokratie durch Kompetenzprüfung ersetzt, handelt pragmatisch – und das ist etwas, das ich bei deutschen Behördenprozessen nicht oft sage. Aber: Die Umsetzung liegt wieder bei den 16 Bundesländern, und die sind seit Jahren sehr unterschiedlich gut aufgestellt. In Bayern läuft die Kenntnisprüfung seit Jahren deutlich geschmierter als anderswo. Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern? Monate Wartezeit auf Prüfungsplätze. Österreich zeigt, wie es ginge: zentral, einheitlich, berechenbar. Dass Deutschland das nicht will – oder nicht kann – ist ein altes, müdes Versagen des Föderalismus. Wer jetzt noch offene Anträge hat, sollte nicht auf bessere Zeiten warten. Handeln.
– Marcel Kloos
Die Kenntnisprüfungspflicht ab November 2026 ist ein echter Einschnitt – besonders für die, die gerade mitten im Anerkennungsverfahren stecken. Wer handeln kann, sollte jetzt handeln. Und wer noch überlegt, wo er Medizin studieren soll: Ein Studium in der EU erspart am Ende nicht nur Bürokratie, sondern auch echtes Geld und wertvolle Zeit.
Häufige Fragen zur Kenntnisprüfungspflicht
Muss ich die Kenntnisprüfung ablegen, wenn ich in der EU Medizin studiert habe?
Nein. Die Pflicht gilt ausschließlich für Ärzte mit einem Abschluss aus einem Drittstaat – also außerhalb von EU und EWR. Wer in Polen, Ungarn, Tschechien, Rumänien oder einem anderen EU-Land studiert hat, läuft weiter durch das normale Dokumentenverfahren. Kein Änderungsbedarf.
Was kostet die Prüfung, und wie läuft sie ab?
Je nach Bundesland zwischen 800 und 1.600 Euro. Die Prüfung selbst ist mündlich-praktisch, dauert drei bis fünf Stunden und findet komplett an einem Tag statt. Drei Abschnitte: Chirurgie, Innere Medizin, Wahlfach. Rechne zusätzlich noch Kosten für Vorbereitung, eventuell Sprachkurse und Anreise zum Prüfungsort ein.
Gilt eine Übergangsregelung für laufende Anträge?
Ja. Wer seinen Approbationsantrag bis zum 31. Oktober 2026 vollständig – wirklich vollständig, mit allen Unterlagen – eingereicht hat, fällt noch unter altes Recht. Nur den Antrag abschicken reicht nicht. Die Behörde muss alle Dokumente vorliegen haben.
Welche Länder gelten als Drittstaaten?
Alles außerhalb der EU und des EWR. Ukraine, Russland, Syrien, Indien, Türkei, Pakistan, China, USA – um nur einige zu nennen. Die Schweiz hat eine Sonderstellung durch bilaterale Abkommen, unterliegt aber ebenfalls eigenen Regelungen – also am besten direkt bei der zuständigen Behörde nachfragen.
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Über den Autor

Marcel Kloos
Eidgenössisch anerkannter Zahnarzt und Gründer der Medizinerschmiede
Marcel Kloos gründete die Medizinerschmiede bereits im Auslandsstudium, seither wurden über 500 Studienplätze an 25+ Partneruniversitäten vermittelt. Der gebürtige Stuttgarter studierte Zahnmedizin von 2015 bis 2021 in Sofia und ist eidgenössisch anerkannter Zahnarzt.
Mit 24 Jahren begann er selbst als Späteinsteiger sein Studium – NC-frei, im englischsprachigen Programm der Medizinischen Universität Sofia. Diese Erfahrung prägt bis heute die Beratung: realistische Einschätzung der Chancen, klare Wege und Begleitung durch die gesamte Bürokratie.
Heute lebt er in Bern und führt die Medizinerschmiede hauptberuflich als Inhaber.
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