Medizin und Zahnmedizin studieren in Frankreich: PASS, LAS und Kosten
23.08.2026
Zuletzt geprüft: August 2026.
Das Zulassungssystem für Medizin in Frankreich im Überblick
Bis 2020 entschied in Frankreich die PACES-Prüfung am Ende des ersten Studienjahres über den Zugang zu Medizin, Zahnmedizin, Pharmazie, Hebammenkunde und Physiotherapie – zusammengefasst unter dem Kürzel MMOPK. Die Reform ersetzte diese starre Prüfung durch den sogenannten Numerus Apertus: Jede Universität legt ihre eigene Zahl an Plätzen fest, die von Jahr zu Jahr leicht schwankt, statt einer landesweit fixen Quote. Am Prinzip ändert das wenig – der Wettbewerb um die Plätze bleibt hart, nur die Feinsteuerung liegt jetzt bei den Hochschulen selbst.
Seither führen zwei parallele Wege ins zweite Jahr Medizin: PASS und L.AS. Beide sind Vorbereitungsjahre mit anschließender Selektion, unterscheiden sich aber deutlich in Aufbau und Risiko.
PASS im Detail: der medizinfokussierte Weg
PASS (Parcours Accès Santé Spécifique) ist ein komplettes erstes Studienjahr mit Schwerpunkt Gesundheitswissenschaften – Anatomie, Biochemie, Physiologie – ergänzt um ein sogenanntes Nebenfach wie Jura oder Sprachwissenschaften. Am Jahresende entscheidet das Ranking über die Zulassung zu Medizin, Zahnmedizin oder einem der anderen MMOPK-Fächer.
Der entscheidende Haken: PASS lässt sich nicht wiederholen. Wer im ersten Anlauf scheitert, wechselt automatisch ins zweite Jahr des gewählten Nebenfachs – das sogenannte droit au rebond, ein Fangnetz, aber kein zweiter Versuch für Medizin.
L.AS im Detail: der flexiblere, aber engere Weg
L.AS (Licence avec Option Accès Santé) kombiniert eine normale Licence – etwa Chemie, Jura oder Sportwissenschaften – mit einem Gesundheitsmodul im Umfang von rund einem Viertel des Studiums. Der große Vorteil: Eine Bewerbung für Medizin ist am Ende von L1, L2 und L3 möglich, also bis zu dreimal. Scheitert die Bewerbung, bleibt trotzdem ein regulärer Lizenzabschluss übrig.
Der Nachteil zeigt sich in den Zahlen: Die Plätze über L.AS sind an den meisten Universitäten zwei- bis dreimal knapper bemessen als über PASS. Wer auf Sicherheit setzt, verliert damit an Chancen – wer auf PASS setzt, verliert die Wiederholungsmöglichkeit.
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Erfolgsquoten und Wettbewerb
Trotz des freundlicheren Namens ist der Numerus Apertus kein Numerus-clausus-Ersatz mit laxeren Maßstäben. Je nach Universität schaffen zwischen 15 und 30 Prozent der PASS-Studierenden den Sprung in ein MMOPK-Fach im ersten Jahr, bei L.AS liegt die Quote wegen der geringeren Platzzahl oft noch darunter. Ungefähr 37 französische Universitäten bieten PASS an, L.AS ist an noch mehr Standorten über verschiedenste Lizenzfächer verfügbar, allerdings mit stark unterschiedlichen Aufnahmequoten je nach Fach und Hochschule.
Universitäten für Medizin und Zahnmedizin in Frankreich
Medizin wird an zahlreichen französischen Universitäten unterrichtet, Zahnmedizin nur an einem kleineren Teil davon.
| Fach | Beispielhafte Standorte |
|---|---|
| Humanmedizin | Sorbonne Université (Paris), Université Paris Cité, Aix-Marseille, Montpellier, Lyon, Bordeaux |
| Zahnmedizin | Aix-Marseille, Lyon, Lille, Straßburg, Nantes |
Die einzige private Medizinfakultät: FMMS Lille
Wer PASS oder L.AS nicht riskieren will, hat in Frankreich – anders als in Deutschland oder Österreich – praktisch keine private Alternative. Die einzige Ausnahme ist die FMMS (Faculté de Médecine, Maïeutique et Sciences de la Santé) der Université Catholique de Lille. Sie kooperiert mit der staatlichen Université de Lille, sodass der Abschluss identisch mit dem jeder öffentlichen Fakultät ist – kein eigener, geringerer Titel.
Die Studiengebühren richten sich nach dem Familieneinkommen: Nicht-Stipendiaten zahlen zwischen 6.357 und 11.097 Euro pro Jahr, Crous-Stipendiaten zwischen 3.717 und 5.757 Euro. Ein eigenes Aufnahmeverfahren ähnlich PASS bleibt trotzdem Pflicht – die FMMS ist eine Ergänzung zum System, kein NC-freier Umweg daran vorbei.
Bewerbung Schritt für Schritt
- Registrierung auf Parcoursup: zentrale Plattform, auf der sich auch EU-Bürger mit ausländischem Schulabschluss wie dem deutschen Abitur direkt bewerben können.
- Nachweis der Sprachkenntnisse: ein DALF- oder DELF-Zertifikat oder eine sehr gute Note im Französisch-Leistungskurs im Abiturzeugnis.
- Wahl zwischen PASS und L.AS: je nach Risikobereitschaft und favorisiertem Nebenfach beziehungsweise Lizenzstudiengang.
- Bewerbungsfenster: Januar bis März für den Studienstart im folgenden Herbst.
- Zulassungsbescheide: Mai bis Juli, danach folgt die Einschreibung an der jeweiligen Universität.
- Erstes Studienjahr und Selektion: Prüfungen beziehungsweise Dossier- und Auswahlverfahren am Jahresende entscheiden über den Wechsel in die Medizin.
Studiengebühren und Sprache
An den staatlichen Universitäten liegen die Studiengebühren zwischen rund 178 Euro pro Jahr in der Licence-Phase und 397 Euro in späteren Studienjahren, dazu kommt die allgemeine Campusabgabe CVEC von rund 105 Euro. Damit gehört Frankreich zu den günstigsten Studienländern Europas – solange man einen der Plätze bekommt. Der Unterricht findet ausschließlich auf Französisch statt, ein Studium ohne solide Vorkenntnisse der Sprache ist realistisch nicht machbar.
Meinung des Autors
Der Name Numerus Apertus klingt nach einer Erleichterung, und genau das ist die größte Falle: In Beratungsgesprächen erlebe ich immer wieder Bewerber, die glauben, das französische System sei entspannter als der deutsche NC, weil es keine feste Quote mehr gibt. Die Erfolgsquoten von teils nur 15 Prozent bei PASS zeigen etwas anderes.
Was mich an PASS zusätzlich stört: ein einziger schlechter Tag am Jahresende entscheidet endgültig, ohne Wiederholungsmöglichkeit. Das ist härter als das deutsche System, wo zumindest eine erneute Bewerbung im nächsten Zyklus möglich bleibt. Wer nicht nahezu fließend Französisch spricht und dieses Risiko nicht eingehen will, ist mit einem staatlichen Medizinstudium in einem Land mit planbarerem Auswahlverfahren oft besser beraten.
Zusammenfassung
Frankreich hat den klassischen Numerus clausus durch PASS und L.AS ersetzt – zwei Vorbereitungswege mit eigenem Risikoprofil, aber gleich hartem Wettbewerb am Ende. Eine echte private Alternative gibt es mit der FMMS in Lille nur in einer einzigen, ebenfalls selektiven Form. Wer die französische Sprachhürde und das Selektionsrisiko scheut, findet im europäischen Ausland staatliche Alternativen mit planbarerem Verfahren.
- PASS ist ein einziges medizinfokussiertes Jahr ohne Wiederholungsmöglichkeit, L.AS erlaubt bis zu drei Bewerbungsversuche bei knapperen Plätzen.
- Der Numerus Apertus ersetzt die frühere landesweite Quote durch individuelle Platzzahlen je Universität – der Wettbewerb bleibt hart.
- Erfolgsquoten liegen bei PASS zwischen 15 und 30 Prozent, bei L.AS oft darunter.
- Die FMMS in Lille ist die einzige private Medizinfakultät Frankreichs und verleiht denselben staatlichen Abschluss wie öffentliche Unis.
- Staatliche Studiengebühren liegen bei rund 178 bis 397 Euro pro Jahr, der Unterricht findet ausschließlich auf Französisch statt.
- Die Medizinerschmiede vermittelt keine Bewerbungen in Frankreich, sondern zeigt den NC-freien Weg im europäischen Ausland.
Weiterlesen
- Medizin studieren in Deutschland: das Zulassungssystem im direkten Vergleich.
- Medizin studieren in Österreich: MedAT statt Vorbereitungsjahr.
- Uni-Lexikon: ausführliche Profile einzelner Fakultäten mit Zulassungszahlen und Kennzahlen.
- Kostenvergleich Ausland und Deutschland: wie sich die Kosten verschiedener Länder einordnen lassen.
- Medizin studieren in Ungarn: der planbare NC-freie Nachbarstandort ohne Sprachhürde Französisch.
Häufige Fragen zum Medizinstudium in Frankreich
Was ist der Unterschied zwischen PASS und L.AS?
PASS ist ein einziges, medizinfokussiertes Jahr mit nur einem Versuch. L.AS kombiniert eine normale Licence mit einem Gesundheitsmodul und erlaubt bis zu drei Bewerbungsversuche über drei Jahre – dafür sind die Plätze knapper.
Was bedeutet Numerus Apertus?
Jede Universität legt selbst fest, wie viele Studierende aus PASS oder L.AS in die Medizin wechseln dürfen, statt einer landesweit fixen Quote wie früher beim Numerus clausus. Der Wettbewerb bleibt dadurch genauso hart, nur dezentraler organisiert.
Wie hoch sind die Erfolgsquoten bei PASS und L.AS?
Je nach Universität schaffen etwa 15 bis 30 Prozent der PASS-Studierenden den Sprung in ein MMOPK-Fach im ersten Anlauf. Bei L.AS liegt die Quote wegen der geringeren Platzzahl oft noch darunter.
Kann ich PASS wiederholen, wenn ich durchfalle?
Nein. Bei PASS gibt es nur einen Versuch, danach greift automatisch der Wechsel ins zweite Jahr des gewählten Nebenfachs. Nur bei L.AS ist eine erneute Bewerbung in einem späteren Licence-Jahr möglich.
Gibt es private Medizinunis in Frankreich?
Nur eine einzige: die FMMS der Université Catholique de Lille, die in Kooperation mit der staatlichen Université de Lille denselben staatlichen Abschluss verleiht. Ein eigenes, PASS-ähnliches Auswahlverfahren bleibt trotzdem Pflicht.
Wie hoch sind die Studiengebühren in Frankreich?
An staatlichen Universitäten zwischen rund 178 und 397 Euro pro Jahr plus rund 105 Euro CVEC-Campusabgabe. An der privaten FMMS in Lille zwischen 3.717 und 11.097 Euro pro Jahr, je nach Einkommen und Stipendienstatus.
Muss ich fließend Französisch sprechen?
Ja. Der gesamte Unterricht findet auf Französisch statt. Nachgewiesen wird das über ein DALF- oder DELF-Zertifikat oder eine sehr gute Note im Französisch-Leistungskurs.
Vermittelt die Medizinerschmiede Studienplätze in Frankreich?
Nein. Die Bewerbung über Parcoursup läuft ausschließlich direkt zwischen Bewerber und Hochschule. Die Medizinerschmiede unterstützt beim planbaren, NC-freien Weg an staatlichen Universitäten im europäischen Ausland.
Was Studierende über die Medizinerschmiede sagen
Über 500 vermittelte Studienplätze an mehr als 25 Partneruniversitäten in über 10 Ländern. Die Erfahrungen unserer Studierenden kannst du unabhängig auf Trustpilot nachlesen.
Über den Autor

Marcel Kloos
Eidgenössisch anerkannter Zahnarzt und Gründer der Medizinerschmiede
Marcel Kloos gründete die Medizinerschmiede bereits im Auslandsstudium, seither wurden über 500 Studienplätze vermittelt. Der gebürtige Stuttgarter studierte Zahnmedizin von 2015 bis 2021 in Sofia und ist eidgenössisch anerkannter Zahnarzt.
Heute lebt er in Bern und führt die Medizinerschmiede hauptberuflich als Inhaber.
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