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Ratgeber

Medizin und Zahnmedizin studieren in Deutschland: Unis, NC und Bewerbung

Medizin und Zahnmedizin studieren in Deutschland: Unis, NC und Bewerbung

23.08.2026

13 Min. Lesezeit

In Deutschland gibt es 39 staatliche medizinische Fakultäten und acht private Universitäten, an denen Human- oder Zahnmedizin unterrichtet wird – und trotzdem bekommt nur ein Teil der Bewerber tatsächlich einen Platz. Das Zulassungsverfahren läuft zentral über hochschulstart.de, arbeitet mit drei Quoten und stützt sich neben der Abiturnote auf Tests wie den TMS oder den HAM-Nat. Dieser Artikel zeigt alle Unis, erklärt das Verfahren Schritt für Schritt und macht deutlich, wo die Grenzen liegen.

Die Medizinerschmiede vermittelt keine Bewerbungen über hochschulstart.de und keine Studienplätze an deutschen staatlichen Fakultäten – dieser Weg läuft ausschließlich direkt über die Stiftung für Hochschulzulassung. Was wir bieten, liest du am Ende dieses Artikels: den NC-freien Weg ins Medizin- oder Zahnmedizinstudium im europäischen Ausland.

Zuletzt geprüft: August 2026.

Das Zulassungssystem für Medizin in Deutschland im Überblick

Seit der Reform von 2020 vergibt die Stiftung für Hochschulzulassung (hochschulstart.de) die staatlichen Studienplätze in Human- und Zahnmedizin über drei Quoten. Eine einzige Formel gibt es nicht mehr. Kein Verfahren funktioniert mehr allein über die Abiturnote – die Note bleibt aber in zwei der drei Quoten der wichtigste Faktor.

QuoteAnteil der PlätzeEntscheidend ist
Abiturbestenquote30 %Ausschließlich die Abiturnote im Landesvergleich
Zusätzliche Eignungsquote10 %Notenunabhängige Kriterien wie Testergebnis oder Berufsausbildung
Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH)60 %Kombination aus Abiturnote, Testergebnis, Auswahlgespräch oder Ausbildung – je nach Hochschule

Viele Bundesländer legen daneben eigene Plätze für die sogenannte Landarztquote zurück. Wer sich verpflichtet, nach dem Studium mehrere Jahre als Hausarzt in einer unterversorgten Region zu arbeiten, kommt dort mit einem deutlich niedrigeren Abiturschnitt zum Zug.

Abiturbestenquote, Eignungsquote und Auswahlverfahren im Detail

In der Abiturbestenquote zählt ausschließlich die Durchschnittsnote im Vergleich zu allen anderen Bewerbern desselben Bundeslandes. Realistisch sind hier Schnitte zwischen 1,0 und 1,2. In strengen Jahren reicht in einigen Ländern nur die 1,0 – und selbst ein Einserschnitt ist damit keine Garantie.

Die Zusätzliche Eignungsquote ist bewusst notenunabhängig aufgebaut: Hochschulen können hier zum Beispiel allein auf das Ergebnis des Tests für medizinische Studiengänge (TMS) oder auf eine abgeschlossene Berufsausbildung im Gesundheitswesen setzen.

Das Auswahlverfahren der Hochschulen ist die größte und zugleich unübersichtlichste Quote, weil jede Fakultät ihre eigenen Kriterien festlegt. Üblich ist eine Kombination aus Abiturnote, TMS- oder HAM-Nat-Ergebnis, einer abgeschlossenen Ausbildung und teilweise einem Auswahlgespräch. Ein gutes TMS-Ergebnis kann die Abiturnote hier um bis zu 0,8 Punkte aufwerten – für viele Bewerber der einzige Hebel neben der Note. Der Test wird einmal jährlich im Mai zentral geschrieben, der HAM-Nat läuft an einzelnen Standorten wie Hamburg oder Kiel als eigenes Verfahren. Beide verlangen mehrere Monate Vorbereitung.

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Staatliche medizinische Fakultäten in Deutschland

39 staatliche Universitäten bilden derzeit Humanmediziner aus, zuletzt kamen Bielefeld (2021) und die Medizinische Universität Lausitz in Cottbus (2024) dazu. Die folgende Tabelle listet alle Standorte nach Bundesland.

BundeslandUniversitätStudienort
Baden-WürttembergAlbert-Ludwigs-UniversitätFreiburg
Baden-WürttembergRuprecht-Karls-UniversitätHeidelberg
Baden-WürttembergMedizinische Fakultät Mannheim (Universität Heidelberg)Mannheim
Baden-WürttembergEberhard Karls UniversitätTübingen
Baden-WürttembergUniversität UlmUlm
BayernUniversität AugsburgAugsburg
BayernFriedrich-Alexander-UniversitätErlangen
BayernLudwig-Maximilians-UniversitätMünchen
BayernTechnische Universität MünchenMünchen
BayernUniversität RegensburgRegensburg
BayernJulius-Maximilians-UniversitätWürzburg
BerlinCharité – Universitätsmedizin BerlinBerlin
BrandenburgMedizinische Universität LausitzCottbus
HamburgUniversitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (Universität Hamburg)Hamburg
HessenGoethe-UniversitätFrankfurt am Main
HessenJustus-Liebig-UniversitätGießen
HessenPhilipps-UniversitätMarburg
Mecklenburg-VorpommernUniversität GreifswaldGreifswald
Mecklenburg-VorpommernUniversität RostockRostock
NiedersachsenGeorg-August-UniversitätGöttingen
NiedersachsenMedizinische Hochschule HannoverHannover
NiedersachsenEuropean Medical School (Universität Oldenburg)Oldenburg
Nordrhein-WestfalenRWTH AachenAachen
Nordrhein-WestfalenUniversität BielefeldBielefeld
Nordrhein-WestfalenRuhr-Universität BochumBochum
Nordrhein-WestfalenUniversität BonnBonn
Nordrhein-WestfalenUniversität DüsseldorfDüsseldorf
Nordrhein-WestfalenUniversität Duisburg-EssenEssen
Nordrhein-WestfalenUniversität zu KölnKöln
Nordrhein-WestfalenUniversität MünsterMünster
Rheinland-PfalzJohannes Gutenberg-UniversitätMainz
SaarlandUniversität des SaarlandesHomburg
SachsenTechnische Universität DresdenDresden
SachsenUniversität LeipzigLeipzig
Sachsen-AnhaltMartin-Luther-UniversitätHalle
Sachsen-AnhaltOtto-von-Guericke-UniversitätMagdeburg
Schleswig-HolsteinChristian-Albrechts-UniversitätKiel
Schleswig-HolsteinUniversität zu LübeckLübeck
ThüringenFriedrich-Schiller-UniversitätJena

Private medizinische Universitäten in Deutschland

Wer sich das NC-freie Auswahlverfahren einer Privatuniversität leisten kann, kommt ohne Abiturschnitt und ohne TMS zum Studienplatz. Acht private Hochschulen bieten in Deutschland ein vollständiges Medizinstudium mit deutschem Staatsexamen an.

UniversitätStandortKosten (ca.)Dauer
Universität Witten/HerdeckeWittenrund 76.800 Euro gesamt6 Jahre
Medizinische Hochschule BrandenburgNeuruppinbis zu 118.000 Euro gesamt (reduzierbar über Klinikvertrag)6 Jahre
MSB Medical School BerlinBerlinrund 1.500 Euro/Monat (Praktisches Jahr 300 Euro)6 Jahre
MSH Medical School HamburgHamburgrund 1.500 Euro/Monat (Praktisches Jahr 300 Euro)6 Jahre
Health and Medical University (HMU)Potsdamrund 1.500 Euro/Monat (Praktisches Jahr 300 Euro)6 Jahre
Health and Medical University (HMU)Erfurtrund 1.500 Euro/Monat (Praktisches Jahr 300 Euro)6 Jahre
Health and Medical University (HMU)Münchenrund 1.500 Euro/Monat (Praktisches Jahr 300 Euro)6 Jahre
Health and Medical University (HMU)Düsseldorf/Krefeldrund 1.500 Euro/Monat (Praktisches Jahr 300 Euro)6 Jahre

Die Bewerbung läuft direkt bei der jeweiligen Hochschule, meist über Motivationsschreiben, ein mehrtägiges Auswahlverfahren mit Eignungstest und persönlichem Gespräch. Ein Abiturschnitt ist keine formale Voraussetzung, wird aber an manchen Häusern als eines von mehreren Kriterien einbezogen. Neu am Markt ist die Kassel School of Medicine, deren erste beide Studienjahre in Kooperation mit einer britischen Universität auf Englisch laufen – ein Zeichen, dass sich das private Angebot in Deutschland weiterentwickelt.

Zahnmedizin in Deutschland

Zahnmedizin läuft zulassungstechnisch identisch zur Humanmedizin: dieselben drei Quoten, dieselbe Bewerbung über hochschulstart.de, derselbe TMS als möglicher Hebel im Auswahlverfahren der Hochschulen. Angeboten wird das Fach aber nicht an allen 39 medizinischen Fakultäten, sondern nur an einem Teil davon. Private Zahnmedizin-Studiengänge mit deutschem Abschluss sind in Deutschland selbst die Ausnahme – im deutschsprachigen Raum ist dafür vor allem Österreich mit der Danube Private University relevant.

Bewerbung Schritt für Schritt

  1. Registrierung: Anmeldung auf hochschulstart.de mit dem Abiturzeugnis, sobald es vorliegt.
  2. Priorisierung: bis zu sechs Studienorte in eine Rangliste eintragen.
  3. Fristen: Bewerbungsschluss 15. Juli für das Wintersemester, 15. Januar für das Sommersemester – ohne Ausnahme.
  4. Nachweise für die AdH-Quote: TMS- oder HAM-Nat-Ergebnis, Ausbildungsnachweis oder Unterlagen für ein Auswahlgespräch fristgerecht hochladen.
  5. Zulassungsbescheid: Zusage, Ablehnung oder Wartelistenplatz – bei Wartelistenplatz folgt das Nachrückverfahren über mehrere Runden.
  6. Immatrikulation: nach der Zusage fristgerecht einschreiben, sonst verfällt der Platz.

In den Beratungsgesprächen der Medizinerschmiede taucht dabei fast immer dieselbe Rechnung auf: Wer ein Jahr auf die Zusage wartet, könnte im Ausland in derselben Zeit bereits das erste Semester abgeschlossen haben.

Studiengebühren in Deutschland

An den 39 staatlichen Fakultäten fällt keine Studiengebühr an. Nur der reguläre Semesterbeitrag von rund 150 bis 350 Euro für Verwaltung, Studierendenwerk und Semesterticket wird fällig. Damit ist Deutschland eines der günstigsten Länder Europas für ein Medizinstudium – wenn man einen der begehrten Plätze bekommt. An den privaten Universitäten liegen die Gesamtkosten dagegen zwischen rund 77.000 Euro und deutlich über 100.000 Euro für das komplette Studium.

Meinung des Autors

Ich habe selbst mit gutem Abitur nicht den Mut gehabt, mich allein auf das deutsche Verfahren zu verlassen, und bin stattdessen mit 24 Jahren als Späteinsteiger nach Sofia gegangen, um dort Zahnmedizin zu studieren. Rückblickend war das die richtige Entscheidung – nicht weil das deutsche System schlecht ist, sondern weil es fast ausschließlich über Note und Test entscheidet und kaum Rücksicht auf einen späten oder ungewöhnlichen Werdegang nimmt.

Wer die Voraussetzungen für die Abiturbestenquote mitbringt, sollte sich in Deutschland bewerben – die Ausbildung an den staatlichen Fakultäten ist exzellent und kostet fast nichts. Für alle anderen lohnt sich der Blick über die Grenze deutlich früher, als die meisten es sich eingestehen: Ein Jahr Wartezeit auf einen deutschen Platz ist ein Jahr, das im Ausland bereits zum Studium zählt.

Zusammenfassung

Deutschland bietet mit 39 staatlichen Fakultäten eine der größten medizinischen Ausbildungslandschaften Europas – nahezu kostenlos, aber mit einem der striktesten Zulassungsverfahren des Kontinents. Acht private Universitäten öffnen einen zweiten, deutlich teureren Weg ohne Abiturschnitt. Wer keinen der beiden Wege gehen kann oder will, findet im europäischen Ausland staatliche Alternativen ohne NC.

  • 39 staatliche und 8 private Universitäten bilden in Deutschland Mediziner aus, ein Teil davon zusätzlich Zahnmediziner.
  • Die Zulassung läuft über drei Quoten: Abiturbestenquote (30 %), Zusätzliche Eignungsquote (10 %) und Auswahlverfahren der Hochschulen (60 %).
  • Der TMS kann die Abiturnote im Auswahlverfahren der Hochschulen um bis zu 0,8 Punkte aufwerten.
  • An staatlichen Fakultäten fällt keine Studiengebühr an, nur der Semesterbeitrag von rund 150 bis 350 Euro.
  • Private Universitäten verlangen zwischen rund 77.000 und deutlich über 100.000 Euro für das komplette Studium.
  • Die Medizinerschmiede vermittelt keine Bewerbungen in Deutschland, sondern zeigt den NC-freien Weg im europäischen Ausland.

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Häufige Fragen zum Medizinstudium in Deutschland

Wie gut muss mein Abitur für Medizin sein?

In der Abiturbestenquote liegen die Grenzwerte meist zwischen 1,0 und 1,2. Über das Auswahlverfahren der Hochschulen kommen mit einem guten TMS-Ergebnis auch Bewerber mit einem Schnitt um 2,0 zum Zug, an manchen Standorten sogar leicht darüber.

Was ist die Landarztquote?

Ein reservierter Anteil an Studienplätzen für Bewerber, die sich vertraglich verpflichten, nach dem Studium mehrere Jahre als Hausarzt in einer unterversorgten ländlichen Region zu arbeiten. Der Abiturschnitt spielt dabei eine deutlich kleinere Rolle, dafür zählen Auswahlgespräch, Motivation und teils ein vorheriger Bezug zur Zielregion.

Brauche ich den TMS, um Medizin zu studieren?

Pflicht ist er nicht, aber ein gutes Ergebnis ist an fast jeder Hochschule im Auswahlverfahren ein Vorteil und kann die Abiturnote um bis zu 0,8 Punkte aufwerten. Ohne Testergebnis bleibt praktisch nur die Abiturbestenquote.

Was kostet ein Medizinstudium in Deutschland?

An den 39 staatlichen Fakultäten nur der Semesterbeitrag von rund 150 bis 350 Euro. An den acht privaten Universitäten liegen die Gesamtkosten zwischen rund 77.000 und deutlich über 100.000 Euro für das komplette Studium.

Kann ich Medizin auch ohne den geforderten NC studieren?

In Deutschland selbst nur über eine Privatuniversität. Im europäischen Ausland gibt es dagegen zahlreiche staatliche Universitäten mit einem reinen Eignungstest statt Abiturschnitt, deren Abschluss in Deutschland ohne Zusatzprüfung anerkannt wird.

Was passiert, wenn ich keinen Studienplatz bekomme?

Wer keine Zusage erhält, landet auf der Warteliste des Nachrückverfahrens oder muss sich im nächsten Zyklus erneut bewerben. Viele nutzen die Zeit stattdessen für ein NC-freies Studium im Ausland, statt ein oder mehrere Jahre auf einen deutschen Platz zu warten.

Ist die Bewerbung für Zahnmedizin anders als für Humanmedizin?

Nein, das Verfahren ist identisch: dieselben drei Quoten, dieselbe Bewerbung über hochschulstart.de, derselbe TMS als möglicher Hebel. Nur die Zahl der Fakultäten und Studienplätze ist kleiner.

Vermittelt die Medizinerschmiede Studienplätze in Deutschland?

Nein. Die Bewerbung über hochschulstart.de läuft ausschließlich direkt zwischen Bewerber und Stiftung für Hochschulzulassung. Die Medizinerschmiede unterstützt beim NC-freien Weg an staatlichen Universitäten im europäischen Ausland.

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Über den Autor

Marcel Kloos

Eidgenössisch anerkannter Zahnarzt und Gründer der Medizinerschmiede

Marcel Kloos gründete die Medizinerschmiede bereits im Auslandsstudium, seither wurden über 500 Studienplätze vermittelt. Der gebürtige Stuttgarter studierte Zahnmedizin von 2015 bis 2021 in Sofia und ist eidgenössisch anerkannter Zahnarzt.

Heute lebt er in Bern und führt die Medizinerschmiede hauptberuflich als Inhaber.

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