Medizin und Zahnmedizin studieren in Österreich: MedAT, Unis und Kosten
23.08.2026
Zuletzt geprüft: August 2026.
Das Zulassungssystem für Medizin in Österreich im Überblick
Österreich kennt keinen Numerus clausus im deutschen Sinn. Es gibt keine Abiturbestenquote, keine Wartesemester und keine Rolle für die Maturanote im eigentlichen Auswahlverfahren. Zugang zu den vier staatlichen medizinischen Universitäten bekommt ausschließlich, wer im MedAT-Aufnahmetest gut genug abschneidet. Die Note auf dem Zeugnis zählt für die Zulassung selbst nicht – erst danach, im Studienalltag, wird sie wieder wichtig.
Weil das Verfahren rein testbasiert ist, greift zusätzlich eine Quotenregelung nach Staatsangehörigkeit. Sie wurde eingeführt, nachdem über Jahre ein Großteil der Plätze an deutsche Bewerber ging, die vor dem strengen deutschen NC nach Österreich auswichen.
| Kontingent | Anteil der Plätze | Wer zählt dazu |
|---|---|---|
| Österreich-Quote | 75 % | Bewerber mit österreichischer Matura |
| EU/EWR-Quote | 20 % | EU- und EWR-Bürger mit ausländischem Schulabschluss, z. B. deutschem Abitur |
| Drittstaaten-Quote | 5 % | Bewerber aus Nicht-EU-Ländern |
Die Prozentzahlen sind aber kein festes Platzkontingent, sondern nur eine Obergrenze je Gruppe. Erreichen zu wenige Bewerber einer Quote das nötige Testergebnis, wandern die übrigen Plätze an die anderen Kontingente weiter. In der Praxis heißt das: Wer über die EU-Quote antritt, braucht an manchen Standorten – vor allem in Innsbruck – ein höheres Testergebnis als ein Bewerber mit österreichischer Matura.
Der MedAT im Detail: Ablauf, Termine und Testinhalte
Der MedAT wird einmal jährlich an einem einzigen Termin geschrieben, zeitgleich in Wien, Graz, Innsbruck und Linz. 2026 fand der Test am 3. Juli statt, die Ergebnisse folgten Anfang der Kalenderwoche 32. Die Anmeldung läuft ausschließlich online über medizinstudieren.at, üblicherweise im März, verbunden mit einer nicht rückerstattbaren Gebühr von 110 Euro.
Für Humanmedizin besteht der Test aus vier Teilen: einem naturwissenschaftlichen Grundlagentest zu Biologie, Chemie, Physik und Mathematik, einem Textverständnistest, einer Prüfung kognitiver Fähigkeiten und einem Test sozial-emotionaler Kompetenzen. Wer sich für Zahnmedizin bewirbt, schreibt eine eigene Variante: Statt Textverständnis und Implikationen kommen zwei manuelle Aufgaben dazu – Drahtbiegen und Formenspiegeln, die feinmotorisches Geschick prüfen.
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2026 meldeten sich 16.880 Personen für 1.950 Studienplätze Humanmedizin an – ein Verhältnis von etwa 1 zu 8,6. Bei Zahnmedizin ist die Konkurrenz mit rund 1.100 Bewerbern auf 150 Plätze ähnlich eng. Ein einmal verpatzter Testtag lässt sich erst im nächsten Jahr wiederholen, eine gleichzeitige Anmeldung an mehreren Standorten ist nicht nötig, weil ein Ergebnis automatisch für alle vier Standorte zählt.
Staatliche medizinische Universitäten in Österreich
Vier öffentliche Universitäten bilden in Österreich Humanmediziner aus. Die folgende Tabelle zeigt die Studienplätze für Humanmedizin im Aufnahmejahr 2026.
| Universität | Standort | Studienplätze 2026 |
|---|---|---|
| Medizinische Universität Wien | Wien | 784 |
| Medizinische Universität Innsbruck | Innsbruck | 430 |
| Medizinische Universität Graz | Graz | 406 |
| Johannes Kepler Universität Linz (Medizinische Fakultät) | Linz | 330 |
Linz ist der jüngste der vier Standorte: Die Medizinische Fakultät der JKU nahm erst 2014 ihren Betrieb auf und ist bewusst kleiner geblieben als die drei traditionsreichen Medizinunis.
Zahnmedizin an staatlichen Universitäten
Zahnmedizin mit dem Abschluss Dr. med. dent. wird an drei der vier Standorte angeboten – Linz bildet aktuell keine Zahnmediziner aus.
| Universität | Standort | Studienplätze |
|---|---|---|
| Medizinische Universität Wien | Wien | 80 |
| Medizinische Universität Innsbruck | Innsbruck | 46 |
| Medizinische Universität Graz | Graz | 24 |
Private medizinische Universitäten in Österreich
Wer beim MedAT knapp scheitert oder das Risiko eines einzigen Testtags nicht eingehen will, findet in Österreich vier private Alternativen mit eigenem Aufnahmeverfahren.
| Universität | Standort | Kosten | Studienfach |
|---|---|---|---|
| Sigmund Freud Privatuniversität (SFU) | Wien | 26.500 Euro/Jahr (Zahnmedizin: 29.600 Euro/Jahr) | Humanmedizin, Zahnmedizin |
| Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU) | Salzburg, Nürnberg | ab 21.500 Euro/Jahr | Humanmedizin |
| Karl Landsteiner Privatuniversität (KL) | Krems | 21.000 Euro/Jahr | Humanmedizin |
| Danube Private University (DPU) | Krems | rund 28.350 Euro/Jahr | Humanmedizin, Zahnmedizin |
Am günstigsten ist die Karl Landsteiner Privatuniversität, die ihr Studium wahlweise auf Deutsch oder Englisch anbietet – ungewöhnlich für eine österreichische Universität. Am teuersten ist die SFU Wien, deren Zahnmedizinstudium über die gesamte Studienzeit auf rund 178.000 Euro kommt.
Bewerbung Schritt für Schritt
- Anmeldung zum MedAT: online über medizinstudieren.at, üblicherweise im März, inklusive Zahlung der 110-Euro-Testgebühr.
- Quote wählen: Nachweis der Staatsangehörigkeit beziehungsweise des Schulabschlusslands für die Zuordnung zu Österreich-, EU/EWR- oder Drittstaaten-Quote.
- Testtag: Anfang Juli, zeitgleich an allen vier Standorten.
- Ergebnis und Ranking: ab Kalenderwoche 32 online einsehbar, Ranking nach erreichter Punktzahl innerhalb der jeweiligen Quote.
- Zulassung und Immatrikulation: Wer über der Aufnahmegrenze liegt, erhält die Zulassung für den gewählten Standort und schreibt sich fristgerecht ein.
Für die privaten Universitäten läuft die Bewerbung unabhängig vom MedAT direkt bei der jeweiligen Hochschule – meist mit eigenem schriftlichen Test, Motivationsschreiben und einem Auswahlgespräch oder Multiple-Mini-Interview. In den Beratungsgesprächen der Medizinerschmiede zeigt sich dabei ein wiederkehrendes Muster: Viele Bewerber probieren den MedAT ein- bis zweimal, bevor sie sich einer Alternative zuwenden – sei es eine österreichische Privatuni oder ein staatliches Auslandsstudium ganz ohne Aufnahmetest.
Studiengebühren in Österreich
An den vier staatlichen Universitäten fällt innerhalb der Regelstudienzeit plus zwei Toleranzsemestern keine Studiengebühr an – fällig wird lediglich der ÖH-Beitrag von 24,70 Euro pro Semester. Wer die Regelstudienzeit deutlich überschreitet, zahlt danach 363,36 Euro pro Semester als EU-Bürger beziehungsweise 726,72 Euro als Drittstaatenangehöriger. An den privaten Universitäten bewegen sich die Gesamtkosten je nach Standort zwischen rund 124.000 Euro (Karl Landsteiner) und über 178.000 Euro (SFU Wien, Zahnmedizin) für das komplette Studium.
Meinung des Autors
Was mich am österreichischen System überrascht, ist, wie viele deutsche Bewerber die Österreichquote falsch einschätzen: Sie hoffen, dass 20 Prozent EU-Kontingent automatisch leichtere Chancen bedeuten – tatsächlich ist die Konkurrenz innerhalb dieser Quote oft härter, weil sich dort ausschließlich starke internationale Bewerber sammeln.
Ein einziger Testtag im Jahr ist außerdem ein Risiko, das viele unterschätzen: Wer an diesem einen Tag krank ist oder einen schlechten Tag erwischt, wartet zwölf Monate auf die nächste Chance. Genau deshalb rate ich in Beratungsgesprächen häufig zu einer parallelen Bewerbung im Ausland – nicht als Plan B, sondern als gleichwertige Option von Anfang an.
Zusammenfassung
Österreich verzichtet komplett auf Abiturnoten für die Zulassung – dafür entscheidet an den vier staatlichen Universitäten ein einziger Testtag pro Jahr, verschärft durch eine Quotenregelung nach Staatsangehörigkeit. Vier private Universitäten bieten einen zweiten, deutlich teureren Weg ohne MedAT-Risiko. Wer keinen der beiden Wege gehen kann oder will, findet im europäischen Ausland staatliche Alternativen mit einem planbareren Auswahlverfahren.
- 4 staatliche Universitäten (Wien, Graz, Innsbruck, Linz) und 4 private Universitäten bilden in Österreich Mediziner aus.
- Die Zulassung läuft ausschließlich über den MedAT – die Maturanote spielt für die Zulassung selbst keine Rolle.
- Eine Quotenregelung reserviert 75 % der Plätze für die Österreich-Quote, 20 % für EU/EWR und 5 % für Drittstaaten.
- 2026 kamen auf 1.950 Studienplätze Humanmedizin 16.880 Bewerber – ein Verhältnis von rund 1 zu 8,6.
- An staatlichen Universitäten fällt praktisch keine Studiengebühr an, nur der ÖH-Beitrag von 24,70 Euro pro Semester.
- Private Universitäten verlangen zwischen rund 124.000 und über 178.000 Euro für das komplette Studium.
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- Medizin studieren in Deutschland: der Vergleich zum Nachbarland mit Abiturbestenquote statt Testverfahren.
- Uni-Lexikon: ausführliche Profile einzelner Fakultäten mit Zulassungszahlen und Kennzahlen.
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- Approbation und Anerkennung: was mit einem österreichischen Abschluss in Deutschland passiert.
- Medizin studieren in Ungarn: der planbare NC-freie Nachbarstandort ohne Quotenregelung.
Häufige Fragen zum Medizinstudium in Österreich
Wie funktioniert der MedAT genau?
Der MedAT ist ein einziger, mehrstündiger Test, der einmal jährlich zeitgleich in Wien, Graz, Innsbruck und Linz geschrieben wird. Er prüft naturwissenschaftliches Grundwissen, Textverständnis, kognitive Fähigkeiten und soziale Kompetenzen – bei Zahnmedizin zusätzlich manuelle Geschicklichkeit.
Was ist die Österreichquote und wie wirkt sie sich aus?
75 % der Studienplätze sind für Bewerber mit österreichischer Matura reserviert, 20 % für EU/EWR-Bürger mit ausländischem Abschluss und 5 % für Drittstaatenangehörige. Wer über die EU-Quote antritt, braucht an einigen Standorten ein höheres Testergebnis als über die Österreich-Quote.
Kann ich mich mehrmals für den MedAT anmelden?
Ja, eine erneute Anmeldung im Folgejahr ist jederzeit möglich. Es gibt keine Obergrenze für die Anzahl der Versuche, allerdings auch keine Anrechnung früherer Ergebnisse.
Was kostet ein Medizinstudium an einer staatlichen Uni in Österreich?
Innerhalb der Regelstudienzeit plus zwei Semestern fällt keine Studiengebühr an, nur der ÖH-Beitrag von 24,70 Euro pro Semester. Danach werden 363,36 Euro (EU) beziehungsweise 726,72 Euro (Drittstaaten) pro Semester fällig.
Was kostet ein Medizinstudium an einer privaten Uni in Österreich?
Je nach Universität zwischen rund 21.000 und knapp 30.000 Euro pro Jahr, macht über die gesamte Studienzeit rund 124.000 bis über 178.000 Euro.
Ist Zahnmedizin auch an staatlichen Universitäten möglich?
Ja, an den Medizinischen Universitäten Wien, Graz und Innsbruck. Linz bietet aktuell kein eigenständiges Zahnmedizinstudium an. Der Aufnahmetest ist eine eigene MedAT-Variante mit zusätzlichen manuellen Aufgaben.
Was passiert, wenn ich den MedAT nicht schaffe?
Der nächste Versuch ist erst im folgenden Jahr möglich. Viele Bewerber nutzen die Wartezeit für eine private Universität in Österreich oder für ein staatliches Medizinstudium im europäischen Ausland ohne vergleichbaren Aufnahmetest.
Vermittelt die Medizinerschmiede Studienplätze in Österreich?
Nein. Die Anmeldung zum MedAT läuft ausschließlich direkt über medizinstudieren.at. Die Medizinerschmiede unterstützt beim NC-freien Weg an staatlichen Universitäten im europäischen Ausland.
Was Studierende über die Medizinerschmiede sagen
Über 500 vermittelte Studienplätze an mehr als 25 Partneruniversitäten in über 10 Ländern. Die Erfahrungen unserer Studierenden kannst du unabhängig auf Trustpilot nachlesen.
Über den Autor

Marcel Kloos
Eidgenössisch anerkannter Zahnarzt und Gründer der Medizinerschmiede
Marcel Kloos gründete die Medizinerschmiede bereits im Auslandsstudium, seither wurden über 500 Studienplätze vermittelt. Der gebürtige Stuttgarter studierte Zahnmedizin von 2015 bis 2021 in Sofia und ist eidgenössisch anerkannter Zahnarzt.
Heute lebt er in Bern und führt die Medizinerschmiede hauptberuflich als Inhaber.
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