Lingual bezeichnet in der Zahnmedizin die zur Zunge gerichtete Seite eines Zahns. Der Begriff wird vor allem für Zähne im Unterkiefer verwendet. Im Oberkiefer heißt die entsprechende Richtung palatinal, weil dort der Gaumen liegt. Als Oberbegriff für beide Richtungen dient oral, die Gegenrichtung ist vestibulär.
lateinisch lingua „Zunge“
palatinal (im Oberkiefer), oral (Oberbegriff), zungenseitig
lingual
Lingual ist die Innenseite eines Zahns, der Zunge zugewandt. Streng genommen gilt der Begriff für den Unterkiefer, im Oberkiefer ist palatinal die genauere Angabe. Viele Kliniken und Lehrbücher verwenden lingual dennoch für beide Kiefer. Das Gegenstück ist bukkal beziehungsweise labial bei den Frontzähnen. Wer sauber dokumentiert, schreibt im Oberkiefer palatinal, im Unterkiefer lingual und im Zweifel den Oberbegriff oral.
Kombiniert mit der Zahnnummer nach dem FDI-Zahnschema und mit den übrigen Richtungsangaben ergibt sich eine eindeutige Ortsbestimmung. „Linguale Konkremente an 41 bis 43“ beschreibt harte Beläge an der Zungenseite der unteren Frontzähne, einer Stelle, an der sich wegen der Speicheldrüsen besonders schnell Zahnstein bildet. Zusammen mit mesial, distal und okklusal lässt sich jede Fläche benennen. In der Kieferorthopädie steht lingual außerdem für eine Behandlungsform, bei der die Brackets auf der Innenseite der Zähne sitzen und von außen unsichtbar bleiben. Diese Technik ist aufwendig und wird von den gesetzlichen Kassen nicht getragen.
Im englischsprachigen Unterricht in Ungarn, Rumänien, Bulgarien oder Litauen heißt der Begriff „lingual“, gesprochen und geschrieben nahezu identisch. Übertragungsfehler entstehen eher bei palatinal, das in manchen Curricula konsequent, in anderen gar nicht verwendet wird. Wer in Deutschland dokumentiert, hält sich am besten an die Vorgaben der jeweiligen Klinik oder Praxis. Ein zweiter Stolperstein sind Abkürzungen: „li“ steht in manchen Bögen für lingual, in anderen für links.
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