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Ratgeber

Neubau der Universitätsmedizin Oldenburg und das Modell European Medical School

Neubau der Universitätsmedizin Oldenburg und das Modell European Medical School

15.08.2026

15 Min. Lesezeit

Am 13. August 2026 begann in Oldenburg der Neubau der Universitätsmedizin. Der niedersächsische Wissenschaftsminister Falko Mohrs setzte den ersten Spatenstich gemeinsam mit dem Dekan der Fakultät VI, Hans Gerd Nothwang, Oberbürgermeister Jürgen Krogmann und weiteren Beteiligten. Es geht zunächst um 4.000 Quadratmeter Nutzfläche für Forschung und Anatomie. „Mit dem heutigen Spatenstich beginnt ein neues Kapitel für die Universitätsmedizin Oldenburg“, wird Mohrs im Deutschen Ärzteblatt zitiert.

Die zweite Hälfte der Meldung interessiert Studieninteressierte mehr. Im Herbst 2026 nimmt die Universität Oldenburg erstmals 200 Studierende in die Humanmedizin auf, nach zuletzt 120 Plätzen pro Jahr. Diese 200 Studierenden beginnen einen Modellstudiengang, den die Universität Oldenburg seit 2012 gemeinsam mit der Rijksuniversiteit Groningen trägt: die European Medical School Oldenburg-Groningen.

In Niedersachsen wächst damit eine deutsche medizinische Fakultät heran, deren Curriculum von Beginn an über eine Staatsgrenze hinweg gedacht wurde. Gebaut mit Landesmitteln, geregelt nach deutschem Recht, im Studienverlauf trotzdem binational. Das ist ungewöhnlich.

Zuletzt geprüft: August 2026

Wie viele Studienplätze hat die Universitätsmedizin Oldenburg im Herbst 2026?

Die Universität Oldenburg nimmt im Wintersemester 2026/27 erstmals 200 Studienanfängerinnen und Studienanfänger in Humanmedizin auf. 2012 startete die European Medical School Oldenburg-Groningen mit 40 Plätzen, ab dem Wintersemester 2019/20 waren es 80, ab dem Wintersemester 2022/23 bereits 120. Das Land Niedersachsen sagte im Juni 2024 dafür 125 Millionen Euro bis 2028 zu.

Die vier Ausbaustufen im Überblick:

ZeitpunktStudienanfängerplätzeBeleg mit Datum
Wintersemester 2012/1340Start der European Medical School, Kooperationsvertrag Juli 2012
Wintersemester 2019/2080Verdopplung; Gutachten des Wissenschaftsrats vom Juli 2019 nennt 200 als Zielgrösse
Wintersemester 2022/23120Doppelhaushalt 2022/2023 des Landes Niedersachsen, 40 zusätzliche Plätze
Wintersemester 2026/27200Mitteilung des Landes vom 24. Juni 2024: 125 Millionen Euro bis 2028, davon rund 31 Millionen Euro Neubau

Eigene Zusammenstellung der Medizinerschmiede, Stand August 2026, aus Angaben der Universität Oldenburg, dem Gutachten des Wissenschaftsrats vom Juli 2019 und der Mitteilung des Landes Niedersachsen vom 24. Juni 2024.

Eigene Berechnung der Medizinerschmiede: Die 125 Millionen Euro, die Niedersachsen bis 2028 zugesagt hat, verteilen sich auf 80 zusätzliche Studienanfängerplätze pro Jahr. Das sind rund 1,56 Millionen Euro je zusätzlichem Platz. Etwa 31 Millionen Euro davon entfallen auf ein neues Forschungs- und Lehrgebäude, der grosse Rest fliesst nach Angaben des Landes als Ausgleichszahlung an die Kooperationskrankenhäuser, in denen die Studierenden ihre klinische Ausbildung absolvieren.

In meinen Beratungsgesprächen kommt an dieser Stelle fast immer dieselbe Frage: Erhöht ein neuer Standort meine Chance auf einen Platz? Ich antworte lieber ehrlich als freundlich. 80 zusätzliche Plätze sind bundesweit weniger als ein Prozent des Angebots. Für den Nordwesten ist der Ausbau viel wert, für die persönliche Bewerbungsrechnung einer einzelnen Bewerberin bleibt er kaum messbar.

Was hat der Spatenstich am 13. August 2026 in Oldenburg ausgelöst?

Am 13. August 2026 begann in Oldenburg der erste von drei Bauabschnitten der Universitätsmedizin Oldenburg. Dieser erste Abschnitt umfasst 4.000 Quadratmeter Nutzfläche für Forschung und Anatomie, kostet 85 Millionen Euro, davon 18 Millionen Euro Universitätsanteil, und soll Mitte 2030 fertig sein. Zwei weitere Abschnitte folgen bis Mitte der 2030er-Jahre.

  • Erster Bauabschnitt: 4.000 Quadratmeter Nutzfläche für Forschung und Anatomie, 85 Millionen Euro, Fertigstellung Mitte 2030.
  • Zweiter Bauabschnitt: 3.400 Quadratmeter Nutzfläche als Forschungsgebäude, 76 Millionen Euro, Bauzeit 2029 bis 2032.
  • Dritter Bauabschnitt: 5.400 Quadratmeter Nutzfläche für Lehre und Cafeteria, 77 Millionen Euro, Inbetriebnahme Mitte der 2030er-Jahre.

Macht rund 238 Millionen Euro und knapp 12.800 Quadratmeter. Beim Spatenstich waren neben Falko Mohrs und Hans Gerd Nothwang unter anderem Vizepräsident Jörg Stahlmann, die Anatomie-Professorin Anja Bräuer, Oberbürgermeister Jürgen Krogmann und Cedric Strüver vom Staatlichen Baumanagement anwesend. Der Zeithorizont sagt viel über Hochschulbau in Deutschland: Wer im Herbst 2026 anfängt, legt sein Staatsexamen ab, bevor der dritte Bauabschnitt in Betrieb geht.

Eigene Berechnung der Medizinerschmiede: Legt man die 238 Millionen Euro Bauvolumen rein rechnerisch auf die 200 Studienanfängerplätze um, ergeben sich 1,19 Millionen Euro je Platz. Als Preisschild für einen Studienplatz taugt diese Zahl nicht, weil zwei der drei Gebäude überwiegend der Forschung dienen. Sie zeigt aber die Grössenordnung, in der ein Bundesland rechnen muss, wenn es Medizin ausbauen will.

Wie funktioniert die European Medical School Oldenburg-Groningen?

Die European Medical School Oldenburg-Groningen ist ein Modellstudiengang Humanmedizin nach § 41 der Approbationsordnung für Ärzte, getragen von der Universität Oldenburg und der Rijksuniversiteit Groningen. Der Kooperationsvertrag stammt nach Angaben der Universität Oldenburg vom Juli 2012 und wurde im Juli 2019 erneuert. Der erste Jahrgang startete im Wintersemester 2012/13.

Nach der Darstellung der Fakultät im GMS Journal for Medical Education aus dem Jahr 2019 gliedert sich das Studium in zwei Phasen von je drei Jahren. Jedes Studienjahr besteht aus vier Modulen zu je zehn Wochen. Grundlagenfächer und klinische Inhalte laufen durchgehend nebeneinander statt in getrennten Blöcken. Vier longitudinale Pfäde begleiten das gesamte Studium: Kommunikation, klinische Untersuchung, wissenschaftliches Arbeiten und professionelle Entwicklung. Hinzu kommen Patientenkollegs ab dem ersten Semester, sechs Wochen ambulante Hospitationen in den ersten drei Jahren und ein Forschungscurriculum ab dem ersten Studienjahr.

Auch das Klinikmodell weicht vom üblichen deutschen Muster ab. Oldenburg hat kein rechtlich eigenständiges Universitätsklinikum gegründet, sondern bindet bestehende Häuser der Stadt über Rahmenverträge in Lehre und Forschung ein, darunter das Klinikum Oldenburg, das Evangelische Krankenhaus und das Pius-Hospital. Genau daraus erklärt sich auch, warum ein Grossteil der 125 Millionen Euro als Ausgleichszahlung an diese Krankenhäuser geht.

Müssen Oldenburger Medizinstudierende ein Jahr nach Groningen?

Das publizierte Konzept des Modellstudiengangs sieht vor, dass Oldenburger Studierende mindestens ein Studienjahr an der Rijksuniversiteit Groningen verbringen; der Zeitpunkt wird individuell festgelegt. Die Universität Oldenburg beschreibt den Aufenthalt heute als Austausch mit mehreren flexibel planbaren Optionen. Verbindlich ist immer die geltende Studien- und Prüfungsordnung.

Der Umfang dieses Auslandsabschnitts hängt an der Grösse des Jahrgangs. Der Studiengang ist zwischen 2012 und 2026 von 40 auf 200 Plätze gewachsen, während die Rijksuniversiteit Groningen selbst 400 Studienplätze pro Jahr vergibt. Wer sich bewirbt, sollte den Groningen-Anteil deshalb vor der Einschreibung direkt bei der Fakultät erfragen statt sich auf ältere Veröffentlichungen zu stützen.

Unverändert bleibt der Doppelabschluss: Wer die Voraussetzungen erfüllt, kann zusätzlich zum deutschen Staatsexamen niederländische Abschlüsse erwerben, den Bachelor of Human Life Sciences und den Master in Geneeskunde.

Wie vergibt die Universität Oldenburg ihre Medizinstudienplätze?

Die Universität Oldenburg vergibt alle Studienplätze im ersten Fachsemester Humanmedizin über die Stiftung für Hochschulzulassung, also über hochschulstart. Vor den Hauptquoten gehen bis zu 20 Prozent in Vorabquoten, darunter 12 Plätze in der Landarztquote. Der Rest verteilt sich auf Abiturbestenquote, Auswahlverfahren der Hochschule und Zusätzliche Eignungsquote.

  • Vorabquoten von bis zu 20 Prozent, darunter 5 Prozent für Bewerberinnen und Bewerber aus dem Ausland, 3 Prozent Zweitstudium, 2 Prozent Härtefälle sowie 12 Studienplätze in der Landarztquote.
  • Von den verbleibenden Plätzen 30 Prozent in der Abiturbestenquote, 60 Prozent im Auswahlverfahren der Hochschule und 10 Prozent in der Zusätzlichen Eignungsquote.
  • Im Auswahlverfahren der Hochschule zählen Hochschulzugangsberechtigung, Ergebnis im Test für Medizinische Studiengänge, Berufsausbildung sowie Dienste und Auszeichnungen. In der Zusätzlichen Eignungsquote werden Test, einschlägige Berufsausbildung und Dienste mit 30, 45 und 25 Prozent gewichtet.

Der Test für Medizinische Studiengänge ist in Oldenburg freiwillig und kann die Chancen nach Darstellung der Universität nur verbessern. Für den binationalen Charakter heisst das: Ausgewählt wird streng nach deutschem Recht, gelernt wird trotzdem planmässig auf beiden Seiten der Grenze.

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Wie stark verändern 200 Plätze in Oldenburg die deutsche Bewerbungslage?

Im Wintersemester 2024/25 standen in Deutschland nach Daten des Centrums für Hochschulentwicklung (DatenCHECK 8/2025 vom 20. August 2025) rund 10.219 Studienanfängerplätze in Humanmedizin 32.966 Bewerbungen gegenüber. Die 200 Oldenburger Plätze entsprechen knapp zwei Prozent dieses Angebots, die 80 neu geschaffenen Plätze rund 0,8 Prozent.

Eigene Berechnung der Medizinerschmiede: 32.966 Bewerbungen auf 10.219 Plätze ergeben 3,23 Bewerbungen je Platz. Kommen 80 Plätze hinzu und bleibt die Nachfrage gleich, sinkt der Wert auf 3,20. Kapazitätspolitik wirkt in Jahrzehnten, eine Bewerbung wird in einem Sommer entschieden. Das ist kein Einwand gegen den Ausbau, sondern eine Grössenordnung.

Über das gesamte Studienjahr gerechnet, also einschliesslich der Aufnahmen zum Sommersemester, zählte der Medizinische Fakultätentag im Jahr 2024 insgesamt 12.027 Studienplätze an staatlichen Fakultäten. Private Hochschulen mit knapp 1.500 Studienanfängern pro Jahr vergeben ihre Plätze selbst und sind darin nicht enthalten. Bis 2030 erwartet der Fakultätentag einen Anstieg auf etwa 13.000 Plätze.

Wer wissen möchte, welche Kombination aus deutscher Bewerbung und europäischem Studienweg zur eigenen Ausgangslage passt, kann sich dazu jederzeit kostenlos beraten lassen.

Was zeigt die Forschung zu grenzüberschreitenden Medizincurricula?

Binationale Medizinstudiengänge sind ein eigenes Forschungsfeld. Waterval und Kolleginnen und Kollegen werteten 2018 in BMC Medical Education drei grenzüberschreitende Curriculum-Partnerschaften aus, mit 361 Rückmeldungen aus rund 740 Studierenden. Die Zufriedenheit war hoch, geschätzt wurden studierendenzentrierte Lehrformate und das internationale Profil.

Interessanter sind die Kritikpunkte. Die Befragten nannten Sprachbarrieren im Kontakt mit der lokalen Patientenpopulation, und 42 Prozent vermissten Inhalte zum Gesundheitssystem des Gastlandes. Marjo Wijnen-Meijer von der Technischen Universität München beschreibt 2023 in derselben Zeitschrift die Internationalisierung der Medizinerausbildung als Beitrag zu Problemlösefähigkeit, Kooperationsfähigkeit und interkultureller Kompetenz, weist aber darauf hin, dass internationale Erfahrungen bislang nicht allen Studierenden gleichermassen offenstehen. 2025 legten Edwards und Kolleginnen und Kollegen in Medical Education einen systematischen Review zu transnationalen Medizinstudiengängen vor.

Die Botschaft dieser Arbeiten ist einheitlich. Ein Ortswechsel im Studium trägt, wenn Sprache und Gastsystem von Anfang an mitgedacht werden. Genau das unterscheidet einen geplanten Auslandsabschnitt von einem improvisierten. Wie normal Mobilität inzwischen ist, zeigt Erasmus+: Nach dem Jahresbericht der Europäischen Kommission absolvierten 2024 fast 1,5 Millionen Menschen eine Erasmus+-Mobilität, bei einem Jahresbudget von 4,7 Milliarden Euro und über 34.400 geförderten Projekten.

Warum wird ein Medizinabschluss aus einem anderen EU-Staat anerkannt?

Die Richtlinie 2005/36/EG über die Anerkennung von Berufsqualifikationen regelt in Artikel 21 die automatische Anerkennung: Wer einen in Anhang V aufgeführten Ausbildungsnachweis besitzt, dessen Qualifikation wird in den anderen Mitgliedstaaten anerkannt, ohne dass die Ausbildungsinhalte erneut geprüft werden. Artikel 24 verlangt dafür mindestens fünf Jahre Studium und mindestens 5.500 Stunden theoretischer und praktischer Ausbildung.

Ich bin diesen Weg selbst gegangen. Mein Zahnmedizinstudium habe ich von 2015 bis 2021 in Sofia absolviert, die Anerkennung für die Tätigkeit in der Schweiz lief über das eidgenössische Anerkennungsverfahren. Was mich damals am meisten überrascht hat: Geprüft wurden Unterlagen, Fristen, Sprachnachweis und Gebühren, nicht die Inhalte meines Studiums. Genau das ist der Kern der Richtlinie. Sie ersetzt die inhaltliche Einzelfallprüfung durch einen gemeinsamen Mindeststandard.

Derselbe Rahmen trägt das Oldenburger Modell. Ein Studienjahr an der Rijksuniversiteit Groningen ist kein Bruch im Lebenslauf, sondern ein regulärer Studienabschnitt innerhalb eines harmonisierten Mindeststandards. Und die Logik endet nicht beim Austauschjahr. Sie gilt genauso für ein vollständiges Medizinstudium in einem anderen EU-Mitgliedstaat, etwa in Bulgarien, Ungarn oder Rumänien.

Wie kommt man in anderen europäischen Ländern an einen Medizinstudienplatz?

Die Zugangswege in Europa unterscheiden sich stark, die Anerkennung des Abschlusses nicht. In Deutschland entscheidet eine Quotenmischung, in Flandern eine zentrale Aufnahmeprüfung, in Groningen für 2026/27 ein Losverfahren, in Schweden und Dänemark Notengrenzen. Die folgende Übersicht stellt belegte Zahlen aus fünf Ländern nebeneinander.

LandZugangswegBelegte Zahlen
DeutschlandZentrale Vergabe über hochschulstart mit Abiturbestenquote, Auswahlverfahren der Hochschule und Zusätzlicher Eignungsquote10.219 Studienanfängerplätze im Wintersemester 2024/25 bei 32.966 Bewerbungen (CHE, 8/2025)
NiederlandeNumerus fixus je Studiengang, Auswahl durch die Hochschule oder gewichtete AuslosungRijksuniversiteit Groningen: 400 Plätze pro Jahr, zuletzt 399 Erstsemester; Bewerbungsschluss 15. Januar 2026, Ergebnis 15. April 2026, Studienbeginn 1. September 2026
Belgien (Flandern)Zentrales Toelatingsexamen arts vor Studienbeginn, Startplätze kontingentiertPrüfung am 2. Juli 2026: 6.961 Anmeldungen, 6.123 Teilnehmende, 1.881 Startplätze, alle vergeben
SchwedenAuswahl über Abiturnoten und den zentralen Studierfähigkeitstest högskoleprovetHerbsttermin 2026, erste Auswahlrunde: 1.428 Zulassungen an sieben Programmen, davon 270 am Karolinska Institutet
DänemarkZweispuriges Verfahren aus kvote 1 nach Notendurchschnitt und kvote 2 mit Test und weiteren KriterienUniversität Kopenhagen, Medizin 2026: 496 Studienplätze, Aufnahmedurchschnitt kvote 1 von 10,5, Verteilung 90 zu 10, 2.850 Bewerbungen

Zwei Punkte fallen auf. Ein europäisches Standardverfahren gibt es nicht, und die Zahl der Plätze ist überall politisch gesetzt und begrenzt. Trotzdem dürfen Absolventinnen und Absolventen all dieser Systeme später in jedem anderen Mitgliedstaat ärztlich arbeiten. Wer diese beiden Sätze zusammen liest, versteht, warum die Suche nach einem Studienplatz nicht an einer Landesgrenze aufhören muss.

Was Studieninteressierte aus dem Oldenburger Modell mitnehmen können

Die Oldenburger Nachricht lässt sich in einem Satz zusammenfassen. Ein deutsches Bundesland baut für 238 Millionen Euro Gebäude für einen Studiengang, der ohne eine niederländische Universität nicht funktionieren würde. Grenzüberschreitendes Studieren ist damit keine Alternative zum deutschen Regelweg mehr, sondern ein Teil davon.

Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes passen dazu. 2023 waren rund 137.200 deutsche Studierende an ausländischen Hochschulen eingeschrieben, 70 Prozent davon in EU-Mitgliedstaaten. Die wichtigsten Zielländer waren Österreich mit 40.700, die Niederlande mit 21.100, das Vereinigte Königreich mit 8.400 und die USA mit 6.900 deutschen Studierenden. In Bulgarien studierten 2023 nach Destatis 82 Prozent der dort eingeschriebenen Deutschen Humanmedizin. Der Medizinische Fakultätentag ging im September 2025 von mindestens 9.100 deutschen Medizinstudierenden im Ausland aus.

Das ist keine Randgruppe. Das ist eine Kohorte in der Grössenordnung eines kompletten deutschen Studienjahrgangs. Für Studieninteressierte, deren Abiturschnitt in Deutschland nicht reicht oder die keine Wartejahre einplanen wollen, ist ein Medizinstudium im europäischen Ausland deshalb eine vollwertige Option mit geregelter Rückkehr. Als Medizinerschmiede begleiten wir genau diesen Weg: Standortwahl, Vorbereitung, Bewerbung und spätere Anerkennung. Welcher Studienort zur eigenen Ausgangslage passt, klären wir im kostenlosen Beratungsgespräch.

Meinung des Autors

Ich habe von 2015 bis 2021 in Sofia Zahnmedizin studiert, bin eidgenössisch anerkannter Zahnarzt und führe heute von Bern aus die Medizinerschmiede. Als ich damals nach Bulgarien ging, war die häufigste Rückfrage aus meinem Umfeld nicht fachlich, sondern kulturell: Ob das denn ein richtiges Studium sei. Wenn ein deutsches Bundesland heute 238 Millionen Euro in Gebäude für einen Studiengang steckt, dessen Konzept ein Studienjahr in den Niederlanden vorsieht, dann beantwortet diese Frage nicht mehr eine Agentur, sondern eine deutsche Fakultät und ihr Landesministerium.

An Oldenburg gefällt mir vor allem, dass die Internationalität nicht als Extra verkauft wird. Kein freiwilliger Sommerkurs, den man mitnehmen kann, wenn Zeit bleibt. Der Auslandsabschnitt steht im Studienplan. Das ist der Unterschied zwischen Mobilität als Werbeversprechen und Mobilität als Ausbildungsprinzip. Derselbe Gedanke trägt das vollständige Medizinstudium im Ausland: Man lernt Medizin nicht anders, man lernt sie in einem zweiten System, in einer zweiten Sprache und mit Kommilitonen aus einem Dutzend Ländern.

Eine Einschränkung nehme ich ernst. Die Arbeit von Waterval und Kollegen zeigt, dass ein Auslandsabschnitt dann trägt, wenn Sprache und Gastsystem mitgedacht werden; 42 Prozent der Befragten vermissten Inhalte zum Gesundheitssystem des Gastlandes. Wer im Ausland studiert, sollte die Landessprache so weit beherrschen, dass Patientengespräche gelingen. Das ist kein Argument gegen das Auslandsstudium. Es ist eine Anleitung, es gut zu machen.

Aus der täglichen Beratung nehme ich noch etwas mit. Fast jede Woche schreibt mir jemand, der auf einen neuen Standort hofft und fragt, ob er deshalb noch ein Jahr warten soll. Meine Antwort ist meistens dieselbe: Ein Wartejahr kostet ein Jahr Lebenszeit, und die Wahrscheinlichkeit ändert sich dabei um Nachkommastellen. Die eigentliche Frage ist nicht, ob ein Weg funktioniert. Die Zahlen dazu sind eindeutig. Die eigentliche Frage ist, ob jemand bereit ist, einige Jahre in einer anderen Umgebung zu leben. Wer das bejaht, hat in Europa mehr Optionen, als die Debatte über Abiturnoten vermuten lässt. Oldenburg ist dafür gerade das prominenteste deutsche Beispiel.

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Zusammenfassung

  • Am 13. August 2026 hat in Oldenburg der Neubau der Universitätsmedizin begonnen: drei Bauabschnitte mit rund 238 Millionen Euro und knapp 12.800 Quadratmetern Nutzfläche.
  • Im Herbst 2026 nimmt die Universität Oldenburg erstmals 200 Studierende in die Humanmedizin auf. Die Ausbaustufen waren 40 Plätze im Jahr 2012, 80 ab dem Wintersemester 2019/20 und 120 ab dem Wintersemester 2022/23.
  • Die European Medical School Oldenburg-Groningen ist ein Modellstudiengang nach § 41 der Approbationsordnung für Ärzte, getragen von der Universität Oldenburg und der Rijksuniversiteit Groningen.
  • Das Land Niedersachsen sagte im Juni 2024 für den Ausbau 125 Millionen Euro bis 2028 zu. Nach eigener Berechnung der Medizinerschmiede sind das rund 1,56 Millionen Euro je zusätzlichem Studienanfängerplatz.
  • Die 80 neuen Plätze senken das bundesweite Verhältnis von 3,23 auf 3,20 Bewerbungen je Studienplatz, gerechnet auf 32.966 Bewerbungen im Wintersemester 2024/25.
  • Die Studienplätze im ersten Fachsemester vergibt in Oldenburg vollständig die Stiftung für Hochschulzulassung. Der Test für Medizinische Studiengänge ist freiwillig.

Der Spatenstich vom 13. August 2026 startet in Oldenburg ein Bauprogramm von rund 238 Millionen Euro bis Mitte der 2030er-Jahre. Parallel erreicht die European Medical School Oldenburg-Groningen im Herbst 2026 ihre Zielgrösse von 200 Studienanfängerinnen und Studienanfängern pro Jahr. Bemerkenswert ist nicht die Bausumme. Bemerkenswert ist, dass eine deutsche medizinische Fakultät ihr Curriculum von Anfang an mit einer ausländischen Universität geteilt hat.

Für Studieninteressierte bleibt die nüchterne Seite bestehen: Bundesweit ändern 80 zusätzliche Plätze die Bewerbungsrechnung kaum. Wer 2027 oder 2028 starten will, plant deshalb sinnvollerweise zweigleisig. Die Richtlinie 2005/36/EG sorgt dafür, dass ein in einem EU-Mitgliedstaat erworbener Medizinabschluss europaweit anerkannt wird, und die Zugangsverfahren gehen von Land zu Land weit auseinander. Welcher Standort zum eigenen Profil passt, klären wir gerne in einem kostenlosen Beratungsgespräch.

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Häufige Fragen zur Universitätsmedizin Oldenburg und zur European Medical School

Wie viele Medizinstudienplätze gibt es in Oldenburg?

Die Universität Oldenburg nimmt im Wintersemester 2026/27 erstmals 200 Studienanfänger in Humanmedizin auf. Der Studiengang startete 2012 mit 40 Plätzen, wurde zum Wintersemester 2019/20 auf 80 und zum Wintersemester 2022/23 auf 120 Plätze erweitert. Die Zielgrösse von 200 hatte der Wissenschaftsrat 2019 benannt.

Wie ist die Zahl der Studienplätze in Oldenburg seit 2012 gewachsen?

Der Studiengang startete im Wintersemester 2012/13 mit 40 Plätzen. Zum Wintersemester 2019/20 verdoppelte die Universität Oldenburg auf 80 Plätze, zum Wintersemester 2022/23 kamen über den niedersächsischen Doppelhaushalt 2022/2023 vierzig weitere hinzu. Ab dem Wintersemester 2026/27 sind es 200 Plätze pro Jahr.

Was genau wurde am 13. August 2026 in Oldenburg begonnen?

Am 13. August 2026 fand der erste Spatenstich für den Neubau der Universitätsmedizin Oldenburg statt. Der erste Bauabschnitt umfasst 4.000 Quadratmeter Nutzfläche für Forschung und Anatomie und kostet 85 Millionen Euro, davon trägt die Universität 18 Millionen Euro. Die Fertigstellung ist für Mitte 2030 vorgesehen.

Wie viele Bauabschnitte sind geplant und was kosten sie?

Es sind drei Abschnitte vorgesehen: 85 Millionen Euro für Forschung und Anatomie, 76 Millionen Euro für ein Forschungsgebäude von 2029 bis 2032 und 77 Millionen Euro für Lehre und Cafeteria mit Inbetriebnahme Mitte der 2030er-Jahre. Zusammen sind das rund 238 Millionen Euro.

Was kostet ein zusätzlicher Medizinstudienplatz in Oldenburg?

Das Land Niedersachsen sagte im Juni 2024 insgesamt 125 Millionen Euro bis 2028 für 80 zusätzliche Studienanfängerplätze zu. Nach eigener Berechnung der Medizinerschmiede sind das rund 1,56 Millionen Euro je zusätzlichem Platz, davon etwa 31 Millionen Euro für ein Forschungs- und Lehrgebäude.

Was ist die European Medical School Oldenburg-Groningen?

Die European Medical School Oldenburg-Groningen ist der gemeinsam von der Universität Oldenburg und der Rijksuniversiteit Groningen getragene Modellstudiengang Humanmedizin. Der Kooperationsvertrag wurde nach Angaben der Universität im Juli 2012 geschlossen und im Juli 2019 erneuert. Der erste Jahrgang startete im Wintersemester 2012/13.

Muss man als Oldenburger Studierender wirklich nach Groningen?

Das publizierte Konzept des Modellstudiengangs sieht mindestens ein Studienjahr an der Rijksuniversiteit Groningen vor. Die Universität Oldenburg beschreibt den Aufenthalt heute als Austausch mit mehreren flexibel planbaren Optionen. Verbindlich sind immer die geltende Studien- und Prüfungsordnung und die aktuellen Angaben der Fakultät.

Welchen Abschluss erhält man in Oldenburg?

Das Studium führt zum deutschen Staatsexamen nach der Approbationsordnung für Ärzte. Zusätzlich können Studierende unter bestimmten Voraussetzungen niederländische Abschlüsse erwerben, den Bachelor of Human Life Sciences und den Master in Geneeskunde.

Wie wird ein Studienplatz in Oldenburg vergeben?

Die Vergabe läuft ausschliesslich über hochschulstart. Nach Vorabquoten von bis zu 20 Prozent, zu denen 12 Plätze der Landarztquote gehören, entfallen 30 Prozent der restlichen Plätze auf die Abiturbestenquote, 60 Prozent auf das Auswahlverfahren der Hochschule und 10 Prozent auf die Zusätzliche Eignungsquote.

Verbessert der Oldenburger Ausbau meine Chancen auf einen Medizinstudienplatz?

Nur geringfügig. Im Wintersemester 2024/25 standen bundesweit 10.219 Studienanfängerplätzen 32.966 Bewerbungen gegenüber, also 3,23 Bewerbungen je Platz. Mit 80 zusätzlichen Plätzen sinkt dieser Wert nach eigener Berechnung der Medizinerschmiede auf 3,20. Regional ist der Ausbau deutlich spürbarer als bundesweit.

Wie viele Medizinstudienplätze gibt es in Deutschland insgesamt?

Der Medizinische Fakultätentag zählte für das Jahr 2024 insgesamt 12.027 Studienplätze an staatlichen Fakultäten, gerechnet über das gesamte Studienjahr einschliesslich der Aufnahmen zum Sommersemester. Private Hochschulen mit knapp 1.500 Studienanfängern pro Jahr vergeben ihre Plätze selbst. Bis 2030 erwartet der Fakultätentag rund 13.000 Plätze.

Wie viele Plätze hat die Medizin in Groningen selbst?

Die Rijksuniversiteit Groningen weist 400 Studienplätze pro Jahr für den Bachelor Geneeskunde aus, zuletzt waren 399 Erstsemester eingeschrieben. Für das Studienjahr 2026/27 erfolgt die Vergabe über ein Losverfahren, Studienbeginn ist der 1. September 2026.

Wie unterscheidet sich der Zugang in Belgien und Skandinavien?

In Flandern entscheidet ein zentrales Toelatingsexamen: Am 2. Juli 2026 nahmen 6.123 von 6.961 angemeldeten Personen teil, 1.881 Startplätze wurden vergeben. In Schweden zählen Abiturnoten und der Test högskoleprovet; für den Herbst 2026 wurden in der ersten Runde 1.428 Personen zugelassen. In Dänemark verteilt die Universität Kopenhagen 496 Medizinplätze im Verhältnis 90 zu 10 auf kvote 1 und kvote 2.

Wird ein im EU-Ausland erworbener Medizinabschluss in Deutschland anerkannt?

Ja. Die Richtlinie 2005/36/EG regelt in Artikel 21 die automatische Anerkennung der in Anhang V genannten Ausbildungsnachweise. Artikel 24 verlangt dafür mindestens fünf Jahre Studium und mindestens 5.500 Stunden theoretischer und praktischer Ausbildung an einer Universität oder unter deren Aufsicht.

Wie viele Deutsche studieren im Ausland?

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren 2023 rund 137.200 deutsche Studierende an ausländischen Hochschulen eingeschrieben, 70 Prozent davon in der Europäischen Union. Der Medizinische Fakultätentag ging im September 2025 von mindestens 9.100 deutschen Medizinstudierenden im Ausland aus.

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Über den Autor

Marcel Kloos

Eidgenössisch anerkannter Zahnarzt und Gründer der Medizinerschmiede

Marcel Kloos gründete die Medizinerschmiede bereits im Auslandsstudium, seither wurden über 500 Studienplätze vermittelt. Der gebürtige Stuttgarter studierte Zahnmedizin von 2015 bis 2021 in Sofia und ist eidgenössisch anerkannter Zahnarzt.

Heute lebt er in Bern und führt die Medizinerschmiede hauptberuflich als Inhaber.

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