Medizinische Universität Lausitz Cottbus startet 2026 mit 36 Studienplätzen
14.08.2026
Wie viele Studienplätze hat die Medizinische Universität Lausitz 2026?
Die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem in Cottbus startet im Wintersemester 2026/27 mit 36 Studienanfängerinnen und Studienanfängern in Humanmedizin. Bis 2035 soll die Zahl auf rund 165 pro Jahr steigen, im Endausbau nennt die Brandenburger Landesregierung 200 Studienplätze und 80 Professuren. Die Aufbaukosten bis 2038 liegen bei rund 3,7 Milliarden Euro.
| Kennzahl | Wert | Zeitpunkt |
|---|---|---|
| Studienanfänger im ersten Jahrgang | 36 | Wintersemester 2026/27 |
| Studienanfänger pro Jahr | rund 165 | bis 2035 |
| Studienanfänger pro Jahr, Zielgrösse | 200 | Endausbau |
| Professuren | 80 | Endausbau |
| Zusätzliche Stellen in Forschung und Lehre | rund 1.300 | bis 2035 |
| Aufbaukosten insgesamt | rund 3,7 Milliarden Euro | bis 2038 |
Quelle: Pressemitteilung 62/2025 des Brandenburger Ministeriums der Finanzen und für Europa vom 20. November 2025 sowie Angaben der Medizinischen Universität Lausitz, Stand August 2026.
Eigene Berechnung der Medizinerschmiede: In Brandenburg lebten am 31. Dezember 2025 genau 2.551.889 Menschen (Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, Pressemitteilung vom 22. Juni 2026). Die 36 Startplätze entsprechen damit 1,4 staatlichen Medizinstudienplätzen je 100.000 Einwohner, die 200 Plätze im Endausbau 7,8. Der bundesweite Vergleichswert liegt bei rund 12,2 Plätzen je 100.000 Einwohner. Rechnet man die 96 Plätze der privaten Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor Fontane hinzu, kommt Brandenburg im Endausbau auf etwa 11,6 und damit fast auf den Bundeswert.
Diese Rechnung zeigt die Grössenordnung ohne Schönfärberei. Brandenburg holt mit Cottbus einen strukturellen Rückstand auf, den es als einziges Flächenland ohne eigene staatliche Universitätsmedizin hatte. Der Weg dorthin dauert bis 2035.
Wenn ich Studieninteressierten von Cottbus erzähle, kommt oft dieselbe Hoffnung: Ein brandneuer Standort, kaum jemand kennt ihn, also weniger Konkurrenz. Diese Hoffnung trügt. Die Vergabe läuft über hochschulstart und damit im selben bundesweiten Topf wie jede andere staatliche Fakultät. Ein neuer Standort ist kein Geheimtipp, sondern nur ein weiterer Eintrag in derselben Liste.
Was entsteht in Cottbus und wer trägt es?
Die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem wurde am 1. Juli 2024 gegründet. Rechtsgrundlage ist das Brandenburgische Universitätsmedizingesetz, das der Landtag Brandenburg im Juni 2024 beschloss. Am selben Stichtag wechselte das Carl-Thiem-Klinikum Cottbus aus kommunaler in die Trägerschaft des Landes und wurde zum ersten staatlichen Universitätsklinikum Brandenburgs.
Forschung, Lehre und Krankenversorgung liegen nach Darstellung des Wissenschaftsministeriums in Potsdam in einer rechtlichen und organisatorischen Einheit unter gemeinsamer Leitung. Den Gründungsvorstand führt Eckhard Nagel, der zugleich für die Krankenversorgung zuständig ist. Für den Bereich Wissenschaft verantwortet die Gerontologin und Versorgungsforscherin Adelheid Kuhlmey den Aufbau, zuvor Prodekanin der Charité in Berlin. Der Campus liegt in der Thiemstrasse mitten in Cottbus und wächst in den kommenden Jahren schrittweise.
Der Weg zur Hochschule im Zeitraffer
Die Vorbereitung dauerte länger als der Aufbau. Die Meilensteine nach Angaben des brandenburgischen Wissenschaftsministeriums und der Hochschule selbst:
- 2019: Die Brandenburger Regierungsparteien verständigen sich auf eine Gesundheitsmodellregion Lausitz.
- September 2020: Wissenschaftsministerin Manja Schüle beruft eine Expertenkommission unter Vorsitz von Karl Max Einhäupl, dem früheren Vorstandsvorsitzenden der Charité.
- Juni 2021: Die Kommission legt ihre Empfehlungen vor.
- November 2022: Regionale Gesundheitsakteure unterzeichnen ein Memorandum.
- März 2023: Das Konzept geht zur Begutachtung an den Wissenschaftsrat.
- 22. April 2024: Der Wissenschaftsrat legt seine Stellungnahme (Drs. 1873-24) vor und empfiehlt, den Lehrbetrieb bis Ende 2026 aufzunehmen.
- Juni 2024: Der Landtag beschliesst das Universitätsmedizingesetz.
- 1. Juli 2024: Gründung der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem.
- 20. November 2025: Der Aufsichtsrat bestätigt, dass die Kriterien für den Studienstart im Herbst 2026 erfüllt sind.
Von der ersten politischen Verständigung 2019 bis zur ersten Immatrikulation 2026 vergehen sieben Jahre. Von der formalen Gründung bis zum ersten Semester sind es 27 Monate. Beide Zahlen beschreiben denselben Vorgang und führen zu ganz unterschiedlichen Schlagzeilen.
Was ist am Cottbuser Modellstudiengang anders?
Die Medizinische Universität Lausitz startet mit einem Modellstudiengang statt mit einem klassisch getrennten Regelstudiengang. Nach Darstellung der Landesregierung verzahnt das Curriculum naturwissenschaftliche Grundlagen, klinische Theorie und klinische Praxis durchgängig. Gelernt wird fallbasiert, Patientenkontakt gibt es früh. Inhaltliche Schwerpunkte sind Digitalisierung des Gesundheitswesens und Gesundheitssystemforschung.
Möglich sind solche Curricula über die Modellklausel der Ärztlichen Approbationsordnung. Ein Punkt wird dabei häufig falsch dargestellt: Die seit Jahren diskutierte umfassende Reform der Approbationsordnung ist nicht in Kraft. Es gilt weiterhin die ÄApprO 2002 in der Fassung von 2023. Wer heute liest, das Medizinstudium sei bereits reformiert, sollte das Datum der Quelle prüfen.
Gibt es in Cottbus eine Landarztquote?
Nein, nicht zum Start. Die Medizinische Universität Lausitz nimmt ihren ersten Jahrgang im Wintersemester 2026/27 ohne Landarztquote auf. Das Deutsche Ärzteblatt berichtete dazu am 10. Dezember 2025, dass die Landesregierung ein Brandenburgisches Landärztegesetz vorbereitet, das zehn Prozent der Studienplätze für spätere hausärztliche Tätigkeit in unterversorgten Regionen reservieren soll.
Hier lohnt ein genauer Blick, weil die Quellen auf den ersten Blick auseinandergehen. Auf ihrer eigenen Bewerbungsseite nennt die Medizinische Universität Lausitz eine Landarztquote, deren Details sich in Vorbereitung befinden. Das Deutsche Ärzteblatt schrieb dagegen im Dezember 2025, der Start erfolge ohne diese Quote. Beides stimmt, und der Grund ist verfahrenstechnisch: Vorabquoten müssen dem regulären Vergabeverfahren zeitlich vorgelagert sein. Die Landesregierung begründete die Verschiebung damit, dass der zeitliche Vorlauf dafür nicht ausreichte. Das Gesetz kommt, die Quote greift nur später. Wer sich für das Wintersemester 2026/27 bewirbt, kann mit ihr also nicht rechnen.
Wie bewirbt man sich an der Medizinischen Universität Lausitz?
Die Bewerbung für Humanmedizin an der Medizinischen Universität Lausitz läuft wie an allen staatlichen Fakultäten in Deutschland über hochschulstart.de. Bewerbungsschluss für das Wintersemester ist der 31. Mai, wenn die Hochschulzugangsberechtigung vor dem 16. Januar erworben wurde, sonst der 15. Juli. Für das Sommersemester gilt der 15. Januar.
Die Hochschule betont, dass neben schulischen Leistungen auch persönliche Stärken, berufliche Erfahrungen und soziales Engagement zählen. Konkret nennt sie die Abiturbestenquote, das Auswahlverfahren der Hochschulen mit Eignungstests wie dem Test für Medizinische Studiengänge, die Berücksichtigung abgeschlossener Berufsausbildungen und praktischer Vorerfahrungen sowie eine Zweitstudienquote von drei Prozent. Bewerberinnen und Bewerber ohne EU- oder EWR-Staatsangehörigkeit bewerben sich über uni-assist.
Wer finanziert den Aufbau der Universitätsmedizin in der Lausitz?
Den Aufbau der Medizinischen Universität Lausitz finanzieren Bund und Land gemeinsam. Von rund 3,7 Milliarden Euro Aufbaukosten bis 2038 trägt der Bund nach Angaben des Brandenburger Finanzministeriums vom 20. November 2025 über 1,85 Milliarden Euro aus dem Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen. Das Deutsche Ärzteblatt beziffert den Landesanteil mit 1,8 Milliarden Euro.
Im Dezember 2025 beschloss das brandenburgische Kabinett einen Zuschussvertrag mit einem Investitionsbudget von bis zu 821 Millionen Euro für die Bauvorhaben. Offen bleibt, wie die laufende Betriebsfinanzierung ab Mitte der 2030er-Jahre aussieht, wenn die Strukturmittel auslaufen. Diese Frage liegt dann beim Land. Sie ist kein Sonderfall der Lausitz, sondern eine typische Konstellation bei Hochschulneugründungen, die aus befristeten Programmen anfinanziert werden.
Eigene Berechnung der Medizinerschmiede: Legt man die 3,7 Milliarden Euro rein rechnerisch auf die 200 Studienanfängerplätze des Endausbaus um, ergeben sich 18,5 Millionen Euro je Platz. Als Preis eines Studienplatzes taugt diese Zahl nicht, denn die Summe finanziert auch ein Universitätsklinikum, Forschungsbauten und rund 1.300 Stellen. Sie macht aber begreiflich, warum kein Bundesland Medizinkapazität kurzfristig hochfahren kann.
Wie lange dauert der Aufbau einer medizinischen Fakultät in Deutschland?
Von der politischen Entscheidung bis zur ersten Immatrikulation vergehen bei den jüngsten deutschen Neugründungen typischerweise sieben bis zehn Jahre. Der oft zitierte Rekord von Cottbus bezieht sich allein auf die Phase zwischen formaler Gründung und erstem Semester, also auf 27 Monate. Ein Blick auf die Vergleichsstandorte ordnet das ein.
| Standort | Wichtige Vorstufe | Erster Jahrgang | Plätze zum Start |
|---|---|---|---|
| Augsburg | Antrag an den Wissenschaftsrat Oktober 2015, Empfehlung Juli 2016, Fakultätsgründung November 2016 | Wintersemester 2019/20 | 84, Zielgrösse 252 |
| Bielefeld | Aufbau ohne eigenes Universitätsklinikum im Klinikverbund Ostwestfalen-Lippe | Wintersemester 2021/22 | schrittweise, Zielgrösse bis zu 300 |
| Oldenburg | European Medical School gemeinsam mit der Rijksuniversiteit Groningen | Wintersemester 2012/13 | 40, Zielgrösse 200 ab 2026 |
| Cottbus | Expertenkommission ab September 2020, Wissenschaftsrat April 2024, Gründung Juli 2024 | Wintersemester 2026/27 | 36, Zielgrösse 165 bis 2035 |
Zwei Muster werden sichtbar. Neue Fakultäten starten praktisch nie mit voller Kapazität, weil Personal, Lehrgebäude, Anatomie und akademische Lehrkrankenhäuser parallel wachsen müssen. Und der Vorlauf ist enorm: Bis der erste Cottbuser Jahrgang die Approbation hält, vergehen ab Oktober 2026 mindestens sechs Jahre und drei Monate Regelstudienzeit. Die ersten Fachärztinnen und Fachärzte aus diesem Jahrgang arbeiten in den 2040er-Jahren.
Was bedeuten 36 Plätze für den bundesweiten Kapazitätsengpass?
Bundesweit standen im Wintersemester 2024/25 nach Auswertung des Centrums für Hochschulentwicklung rund 10.219 über hochschulstart vergebene Medizinstudienplätze 32.966 Bewerbungen gegenüber. Die 36 Cottbuser Plätze entsprechen etwa 0,35 Prozent dieser Kapazität, die Zielgrösse von 200 Plätzen knapp zwei Prozent. Im Wintersemester 2015/16 waren es 9.068 Plätze.
In neun Jahren ist die zentral vergebene Kapazität damit um gut 1.000 Plätze gewachsen. Der Medizinische Fakultätentag rechnet einschliesslich privater Hochschulen mit rund 12.000 Studienanfängern in der Humanmedizin pro Jahr und beziffert die Gesamtzahl der Medizinstudierenden auf über 105.000, den höchsten Stand in der Geschichte der Bundesrepublik. Zugleich verweist der Verband darauf, dass ein Studienplatz in der Humanmedizin nach Berechnungen von 2019 im Mittel rund 240.000 Euro kostet, und plädiert für Qualität und Curriculumsentwicklung statt allein für zusätzliche Plätze.
Eigene Berechnung der Medizinerschmiede: Die private Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane in Neuruppin bildet nach eigenen Angaben 96 Studierende der Humanmedizin pro Jahr aus und verzeichnet dabei rund 700 Bewerbungen. Das sind 7,3 Bewerbungen je Platz, mehr als das Doppelte des bundesweiten Werts von 3,23 im zentralen Verfahren. Kapazitätsausbau senkt diese Relation, er dreht sie nicht um.
Genau deshalb bleibt der Weg ins europäische Ausland für viele Studieninteressierte die schnellere Option. Das Centrum für Hochschulentwicklung zählte für das Wintersemester 2023/24 mindestens 8.821 deutsche Studierende der Humanmedizin an ausländischen Hochschulen, bei 103.176 deutschen Humanmedizin-Studierenden im Inland. Rund jeder elfte deutsche Medizinstudierende ist damit im Ausland eingeschrieben. Die wichtigsten Zielländer sind Österreich mit 2.563, Ungarn mit 1.930, Bulgarien mit 1.131 und die Schweiz mit 802 Studierenden. Etwa die Hälfte studiert in regulären nationalen Programmen, die andere Hälfte in eigens eingerichteten internationalen Studiengängen.
Welcher Weg im Einzelfall passt – warten auf einen Platz in Deutschland, Vorbereitung auf den Test für Medizinische Studiengänge, Landarztquote oder ein Studienstart im EU-Ausland – lässt sich nur individuell beurteilen. Als Medizinerschmiede begleiten wir seit Jahren genau diese Entscheidung. Wer seine Ausgangslage einschätzen lassen möchte, bekommt bei uns ein kostenloses Beratungsgespräch.
Wie bauen andere Länder ihre Medizin-Kapazität aus?
Deutschland ist nicht das einzige Land, das seine ärztliche Ausbildungskapazität neu vermisst. Die Antworten fallen sehr unterschiedlich aus: Deutschland gründet neue Standorte, die Niederlande justieren bestehende Fakultäten nach, England verdoppelt nach festem Zeitplan, Polen und Ungarn planen internationale Studierende systematisch mit ein.
| Land | Steuerungsinstrument | Belegte Zahlen |
|---|---|---|
| Deutschland | Kapazitätsrecht der Länder, zentrale Vergabe über hochschulstart.de | rund 10.219 Plätze bei 32.966 Bewerbungen (Wintersemester 2024/25); 9.068 Plätze im Wintersemester 2015/16 |
| Niederlande | Numerus fixus je Studiengang, Kapazitätsempfehlungen des Capaciteitsorgaan | 2.724 Bachelorplätze Geneeskunde an acht Universitäten für 2026/27; Empfehlung 3.015 Plätze pro Jahr für 2027 bis 2030 |
| Grossbritannien | Staatlich finanzierte Platzkontingente, NHS Long Term Workforce Plan | Ausbau von 7.500 auf 10.000 Plätze bis 2028/29 und 15.000 bis 2031/32 in England |
| Polen | Jährliche Aufnahmelimits per Verordnung des Gesundheitsministeriums | 10.705 Plätze in Humanmedizin für 2026/27, davon 1.838 englischsprachig |
| Ungarn | Ausbau fremdsprachiger Programme an den staatlichen Medizinuniversitäten | Semmelweis-Universität 2025: knapp 350 internationale Absolventen, davon 92 aus deutschsprachigen Studiengängen |
Niederlande: Feinsteuerung statt Neugründung
Die Niederlande arbeiten mit einem numerus fixus, also einer festen Platzzahl je Studiengang und Universität. Für das Studienjahr 2026/27 weist die offizielle Übersicht von Studiekeuze123 für die acht Medizinfakultäten zusammen 2.724 Bachelorplätze aus: Erasmus Universiteit Rotterdam und Rijksuniversiteit Groningen mit je 400, AMC-UvA und Vrije Universiteit Amsterdam mit je 342, Radboud Universiteit mit 322, Universiteit Leiden mit 312, Maastricht University mit 309 und Universiteit Utrecht mit 297.
Die Zielgrösse wird regelmässig neu berechnet statt dauerhaft festgeschrieben. Das Capaciteitsorgaan empfahl im Capaciteitsplan 2027 bis 2030 vom Dezember 2025 eine Instroom von 3.015 Plätzen pro Jahr; frühere Empfehlungen lagen bei 2.850 im Jahr 2019 und 3.330 im Jahr 2022. Wie stark solche Empfehlungen mit der Haushaltslage zusammenhängen, zeigte eine vom Kabinett angekündigte Reduktion um 66 Plätze, die die medizinischen Fakultäten nach Darstellung des Universitätsklinik-Verbands NFU zunächst nicht umsetzten. Bemerkenswert bleibt: Die Niederlande steuern mit acht Fakultäten und rund 17,9 Millionen Einwohnern ohne Neugründungen, weil sie die Platzzahlen an bestehenden Standorten anpassen.
Grossbritannien: Verdopplung als Programm
Den grössten geplanten Sprung macht England. Der im Juni 2023 vorgelegte NHS Long Term Workforce Plan sieht vor, die Zahl der Medizinstudienplätze von 7.500 auf 10.000 bis zum Studienjahr 2028/29 und auf 15.000 bis 2031/32 zu erhöhen. Parallel sollen die zahnmedizinischen Plätze auf 1.000 bis 2028/29 und über 1.100 bis 2031/32 wachsen, die Weiterbildungsplätze in der Allgemeinmedizin auf 6.000 pro Jahr. Hinzu kommt ein neuer Ausbildungsweg über Medical Degree Apprenticeships, der 2024/25 mit 200 Pilotplätzen begann und bis 2031/32 auf 2.000 Studierende wachsen soll. Hinterlegt ist der Plan mit zusätzlichen Mitteln von über 2,4 Milliarden Pfund kumuliert über sechs Jahre.
Auch England gründet neue Fakultäten. Die Three Counties Medical School an der University of Worcester nahm 2023 ihre erste Kohorte auf, erhielt im Oktober 2023 zunächst 50 staatlich finanzierte Plätze ab September 2024 und im Mai 2024 zwölf weitere, sodass für 2025/26 insgesamt 62 vollfinanzierte Plätze zur Verfügung standen. Zur Einordnung: Die Bibliothek des britischen Unterhauses beziffert die Zahl der Medizinstudienplätze im gesamten Vereinigten Königreich auf rund 9.500 pro Jahr, etwa 2.000 mehr als 2013.
Polen und Ungarn: Ausbau über fremdsprachige Programme
Polen steuert die Kapazität jährlich per Verordnung des Gesundheitsministeriums. Für das Akademiejahr 2026/27 sind 10.705 Plätze in Humanmedizin vorgesehen, nach 10.504 im Jahr 2025/26, ein Plus von 1,91 Prozent. Davon entfallen 7.133 Plätze auf das polnischsprachige Vollzeitstudium, 1.734 auf das polnischsprachige Teilzeitstudium und 1.838 auf englischsprachige Programme. Zusammen mit der Zahnmedizin liegt das Kontingent bei über 12.200 Plätzen. Polen bildet damit rechnerisch mehr Studienanfänger in der Humanmedizin aus als Deutschland über die zentrale Vergabe, bei etwa 37 Millionen Einwohnern.
Ungarn setzt seit Jahrzehnten auf fremdsprachige Studiengänge. Die Semmelweis-Universität in Budapest verabschiedete 2025 knapp 350 internationale Absolventinnen und Absolventen: 255 aus englischsprachigen Programmen, darunter 127 in der Humanmedizin, 49 in der Zahnmedizin, 54 in den Gesundheitswissenschaften und 25 in der Pharmazie, sowie 92 aus deutschsprachigen Programmen, darunter 74 in der Humanmedizin und 16 in der Zahnmedizin. Diese Struktur erklärt, warum Ungarn mit 1.930 deutschen Medizinstudierenden nach Österreich das zweitwichtigste Zielland ist.
Dieser Beitrag gibt den Recherchestand vom 14. August 2026 wieder und stellt keine rechtliche Beratung dar. Zulassungsregeln, Quoten und Platzzahlen können sich ändern; massgeblich sind die jeweils aktuellen Verordnungen und Hochschulsatzungen.
Meinung des Autors
Ich finde den Cottbuser Start bemerkenswert, und zwar aus einem Grund, der in den Schlagzeilen untergeht. Hier entsteht eine medizinische Fakultät, weil eine Region etwas braucht: Ärztinnen und Ärzte, Forschung, Perspektive nach dem Kohleausstieg. Das ist eine ehrliche Motivation, und die Verantwortlichen in Brandenburg haben in kurzer Zeit sehr viel bewegt. 36 Studierende im ersten Jahrgang sind kein Marketingversprechen. Das ist ein sauberer Anfang.
Gleichzeitig sehe ich die Zahlen mit den Augen von jemandem, der täglich mit Studieninteressierten spricht. Rund 10.200 Plätze, knapp 33.000 Bewerbungen. Daran ändern 36 neue Plätze nichts, und auch 200 im Endausbau drehen die Rechnung nicht um. Das ist keine Kritik an Cottbus, sondern eine Frage von Grössenordnung und Zeit. Wer 2026 Abitur macht, profitiert nicht davon, dass eine Fakultät 2035 ihren Endausbau erreicht.
Eine unbequeme Stelle nenne ich bewusst: die fehlende Landarztquote zum Start. Gerade Bewerber mit durchschnittlichem Abiturschnitt und echter Bereitschaft, später auf dem Land zu arbeiten, hätten davon profitiert. Das Gesetz kommt, nur eben nicht für den ersten Jahrgang. Wer 2026 auf diese Quote gesetzt hat, muss umplanen. Solche Details entscheiden in der Beratung oft mehr als die grosse Milliardenzahl in der Pressemitteilung.
Ich habe von 2015 bis 2021 in Sofia studiert und arbeite heute als Zahnarzt in Bern. Damals war das Auslandsstudium für viele ein Randthema, heute ist rund jeder elfte deutsche Medizinstudierende im Ausland eingeschrieben. Ich halte das nicht für eine Notlösung, sondern für das, was der europäische Bildungsraum sein sollte. Die Anerkennung über die EU-Berufsanerkennungsrichtlinie funktioniert, und die Kolleginnen und Kollegen, die ich begleitet habe, praktizieren längst in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Mein praktischer Rat bleibt derselbe. Freuen Sie sich über jede neue Kapazität in Deutschland und planen Sie trotzdem zweigleisig. Bewerben Sie sich über hochschulstart, bereiten Sie den Test für Medizinische Studiengänge ernsthaft vor, prüfen Sie die Landarztquote Ihres Bundeslandes. Und schauen Sie parallel, welche europäische Universität inhaltlich und finanziell zu Ihnen passt. Wer beide Wege offenhält, verliert keine Jahre und entscheidet am Ende aus Optionen statt aus Zwang.
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Zusammenfassung
- Die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem in Cottbus startet zum Wintersemester 2026/27 mit 36 Studienanfängern in einen patientenzentrierten Modellstudiengang Humanmedizin.
- Bis 2035 soll die Medizinische Universität Lausitz rund 165 Studienanfänger pro Jahr aufnehmen, im Endausbau sind 200 Studienplätze und 80 Professuren vorgesehen.
- Nach eigener Berechnung der Medizinerschmiede entsprechen die 36 Startplätze 1,4 und die 200 Plätze im Endausbau 7,8 staatlichen Medizinstudienplätzen je 100.000 Einwohner Brandenburgs; der Bundeswert liegt bei rund 12,2.
- Der Aufbau kostet bis 2038 rund 3,7 Milliarden Euro, davon über 1,85 Milliarden Euro vom Bund aus dem Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen.
- Zum Start gibt es in Cottbus keine Landarztquote. Ein Brandenburgisches Landärztegesetz mit zehn Prozent der Plätze ist in Vorbereitung.
- Bundesweit standen im Wintersemester 2024/25 rund 10.219 über hochschulstart.de vergebenen Medizinstudienplätzen 32.966 Bewerbungen gegenüber.
Die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem ist die erste staatliche Universitätsmedizin Brandenburgs. 36 Studierende beginnen im Oktober 2026, bis 2035 sollen es rund 165 pro Jahr sein. Der Aufbau kostet bis 2038 rund 3,7 Milliarden Euro und finanziert neben der Lehre auch ein Universitätsklinikum, Forschungsbauten und rund 1.300 Stellen.
Für die Lausitz ist das ein starkes Signal. Bundesweit bleibt die Relation von rund drei Bewerbungen je Studienplatz davon fast unberührt, und die ersten Fachärztinnen und Fachärzte aus dem Cottbuser Startjahrgang arbeiten erst in den 2040er-Jahren. Andere Länder skalieren schneller, weil sie bestehende Fakultäten aufstocken oder internationale Programme von vornherein mitplanen: England mit dem Ziel von 15.000 Plätzen bis 2031/32, Polen mit 10.705 Plätzen für 2026/27, davon 1.838 englischsprachig.
Neue Standorte in Deutschland sind eine gute Nachricht. Eine persönliche Strategie ersetzen sie nicht. Wer wissen möchte, welcher Weg zum eigenen Zeugnis und Zeitplan passt, kann sich dazu jederzeit kostenlos beraten lassen.
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- Jeder elfte deutsche Medizinstudierende ist im Ausland eingeschrieben – die aktuellen CHE-Zahlen und ihre Zielländer.
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Häufige Fragen zur Medizinischen Universität Lausitz in Cottbus
Wann startet das Medizinstudium an der Medizinischen Universität Lausitz?
Der Lehrbetrieb der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem beginnt im Wintersemester 2026/27, also im Oktober 2026. Der Aufsichtsrat hat am 20. November 2025 bestätigt, dass die Voraussetzungen für den Studienstart erfüllt sind.
Wie viele Studienplätze gibt es in Cottbus?
Der erste Jahrgang umfasst 36 Studierende. Bis 2035 soll die Zahl der Studienanfänger auf rund 165 pro Jahr steigen. Im Endausbau nennt die Brandenburger Landesregierung 200 Studienplätze pro Jahr und 80 Professuren.
Wie viele Medizinstudienplätze hat Brandenburg je Einwohner?
In Brandenburg lebten am 31. Dezember 2025 genau 2.551.889 Menschen. Nach eigener Berechnung der Medizinerschmiede entsprechen die 36 Startplätze 1,4 und die 200 Plätze im Endausbau 7,8 staatlichen Medizinstudienplätzen je 100.000 Einwohner. Der Bundeswert liegt bei rund 12,2.
Gibt es an der MUL-CT eine Landarztquote?
Zum Start im Wintersemester 2026/27 nicht. Das Deutsche Ärzteblatt berichtete am 10. Dezember 2025, dass Brandenburg ein Landärztegesetz mit zehn Prozent der Studienplätze vorbereitet, der zeitliche Vorlauf für die Vorabquote aber nicht ausreichte. Die Hochschule nennt die Quote deshalb als in Vorbereitung.
Wie bewerbe ich mich an der MUL-CT?
Die Bewerbung läuft wie an allen staatlichen medizinischen Fakultäten in Deutschland über hochschulstart.de. Massgeblich sind die dortigen Fristen: der 31. Mai beziehungsweise 15. Juli für das Wintersemester und der 15. Januar für das Sommersemester. Bewerbende ohne EU- oder EWR-Staatsangehörigkeit nutzen uni-assist.
Welche Auswahlkriterien gelten in Cottbus?
Die Medizinische Universität Lausitz nennt die Abiturbestenquote, das Auswahlverfahren der Hochschulen mit Eignungstests wie dem Test für Medizinische Studiengänge, die Berücksichtigung abgeschlossener Berufsausbildungen und praktischer Vorerfahrungen sowie eine Zweitstudienquote von drei Prozent.
Was ist ein Modellstudiengang?
In einem Modellstudiengang sind naturwissenschaftliche Grundlagen, klinische Theorie und klinische Praxis von Beginn an verzahnt, statt in getrennte Vorklinik und Klinik zerlegt zu werden. In Cottbus kommen fallbasiertes Lernen, früher Patientenkontakt und die Schwerpunkte Digitalisierung und Gesundheitssystemforschung hinzu.
Gilt in Cottbus schon die reformierte Approbationsordnung?
Nein. Die viel diskutierte umfassende Reform der Ärztlichen Approbationsordnung ist im August 2026 nicht in Kraft. Es gilt weiterhin die ÄApprO 2002 in der Fassung von 2023. Modellstudiengänge sind auf Grundlage der darin enthaltenen Modellklausel möglich.
Wer finanziert den Aufbau der Universität?
Die Aufbaukosten bis 2038 liegen nach Angaben der Landesregierung bei rund 3,7 Milliarden Euro. Der Bund trägt davon über 1,85 Milliarden Euro aus dem Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen. Im Dezember 2025 beschloss das Kabinett einen Zuschussvertrag mit bis zu 821 Millionen Euro Investitionsbudget für Bauvorhaben.
Wie viele Medizinstudienplätze gibt es in Deutschland insgesamt?
Über hochschulstart.de wurden im Wintersemester 2024/25 rund 10.219 Plätze angeboten, bei 32.966 Bewerbungen. Der Medizinische Fakultätentag kommt einschliesslich privater Hochschulen auf rund 12.000 Studienanfänger in der Humanmedizin pro Jahr.
Wie viele Bewerbungen kommen auf einen Medizinstudienplatz?
Im zentralen Verfahren waren es im Wintersemester 2024/25 rund 3,23 Bewerbungen je Platz. Die private Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane verzeichnet nach eigenen Angaben rund 700 Bewerbungen auf 96 Plätze, nach eigener Berechnung der Medizinerschmiede also 7,3 Bewerbungen je Platz.
Wie lange dauert der Aufbau einer neuen medizinischen Fakultät?
Von der politischen Entscheidung bis zur ersten Immatrikulation vergehen bei den jüngsten deutschen Neugründungen sieben bis zehn Jahre. In Cottbus lagen zwischen der politischen Verständigung 2019 und dem Studienstart 2026 sieben Jahre, zwischen der formalen Gründung im Juli 2024 und dem ersten Semester 27 Monate.
Wann arbeiten die ersten in Cottbus ausgebildeten Ärzte?
Die Regelstudienzeit beträgt sechs Jahre und drei Monate. Der Startjahrgang vom Oktober 2026 erhält seine Approbation daher frühestens Anfang 2033. Bis zur Facharztanerkennung vergehen weitere fünf bis sechs Jahre, sodass die ersten Fachärzte aus diesem Jahrgang in den 2040er-Jahren tätig sind.
Wie viele Studienplätze bieten die Niederlande?
Für das Studienjahr 2026/27 weist die offizielle Übersicht von Studiekeuze123 für die acht niederländischen Medizinfakultäten zusammen 2.724 Bachelorplätze im Fach Geneeskunde aus. Das Capaciteitsorgaan empfahl im Dezember 2025 eine Instroom von 3.015 Plätzen pro Jahr für 2027 bis 2030.
Wie viele deutsche Medizinstudierende studieren im Ausland?
Das Centrum für Hochschulentwicklung hat für das Wintersemester 2023/24 mindestens 8.821 deutsche Studierende der Humanmedizin an ausländischen Hochschulen gezählt. Bei 103.176 deutschen Humanmedizin-Studierenden im Inland ist das rund jeder elfte. Wichtigste Zielländer sind Österreich, Ungarn, Bulgarien und die Schweiz.
Was Studierende über die Medizinerschmiede sagen
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Über den Autor

Marcel Kloos
Eidgenössisch anerkannter Zahnarzt und Gründer der Medizinerschmiede
Marcel Kloos gründete die Medizinerschmiede bereits im Auslandsstudium, seither wurden über 500 Studienplätze vermittelt. Der gebürtige Stuttgarter studierte Zahnmedizin von 2015 bis 2021 in Sofia und ist eidgenössisch anerkannter Zahnarzt.
Heute lebt er in Bern und führt die Medizinerschmiede hauptberuflich als Inhaber.
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