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Ratgeber

Innere Medizin: Facharztausbildung, Schwerpunkte, Gehalt und Karriere

Innere Medizin: Facharztausbildung, Schwerpunkte, Gehalt und Karriere

24.09.2026

13 Minuten Lesezeit

Innere Medizin ist das Brot-und-Butter-Fach der deutschen Klinikversorgung. Rund 55.000 Internisten sind laut KBV-Ärztestatistik 2023 in Deutschland tätig – mehr als in jeder anderen Fachrichtung. Das Fach deckt von der Herzinsuffizienz über den Diabetes bis zum Lymphom, von der Endoskopie bis zur Notaufnahme fast alles ab, was Erwachsene ins Krankenhaus bringt. Die Frage ist nicht: Kann ich Internist werden? Die Frage ist: Welchen Weg innerhalb der Inneren Medizin willst du gehen?

Was macht ein Facharzt für Innere Medizin?

Die Innere Medizin ist das Herzstück der ärztlichen Versorgung in Deutschland – und das nicht nur metaphorisch. Wer sich hier spezialisiert, behandelt Erkrankungen der inneren Organe: Herz, Lunge, Magen-Darm-Trakt, Nieren, Blutbildungssystem, Stoffwechsel, Gelenke. Das klingt nach einem breiten Feld – und das ist es auch. Genau das macht diesen Weg so attraktiv, aber auch so anspruchsvoll.

Im klinischen Alltag bedeutet das: Internisten übernehmen die Erstversorgung komplexer internistischer Erkrankungen, koordinieren Diagnostik und Therapie bei Patienten mit mehreren Erkrankungen gleichzeitig (Multimorbidität), führen internistische Intensivstationen und leiten spezialisierte Abteilungen – je nach gewähltem Schwerpunkt. In der Notaufnahme sind sie oft erste Anlaufstelle bei Herzinfarkten, Lungenembolien oder dekompensierter Herzinsuffizienz.

Was viele unterschätzen: Ein guter Internist braucht neben medizinischem Fachwissen auch echte Gesprächskompetenz. Chronisch kranke Patienten, die jahrelang betreut werden, bauen eine Beziehung zu ihrer Ärztin oder ihrem Arzt auf. Das ist keine Nebensächlichkeit – es ist Kern der Arbeit.

Weiterbildung: 6 Jahre mit Entscheidungspunkt in der Mitte

Die Weiterbildung zum Facharzt für Innere Medizin dauert laut Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer (BAK MWO 2018/2023) insgesamt 6 Jahre. Der Aufbau:

  • 3 Jahre Basisweiterbildung Innere Medizin – gemeinsame Grundlage für alle Schwerpunkte; umfasst allgemeine internistische Diagnostik, EKG, Sonographie, internistische Intensivmedizin
  • 3 weitere Jahre – entweder als Facharzt Innere Medizin ohne Schwerpunkt (früher auch als Allgemeininternist bezeichnet) oder als einer der 8 Schwerpunkte

Die 8 Schwerpunkte der Inneren Medizin im Überblick:

SchwerpunktCharakteristikTypische Tätigkeiten
KardiologieHerzerkrankungen, interventionellHerzkatheterlabor, Echokardiographie, Elektrophysiologie
GastroenterologieMagen-Darm, LeberEndoskopie, ERCP, Leberbiopsie
Hämatologie/OnkologieBlut, KrebsChemotherapie, Knochenmarkpunktion, Stammzelltransplantation
PneumologieLunge, AtemwegeBronchoskopie, Schlaflabor, Beatmungsmedizin
NephrologieNieren, DialyseNierenbiopsie, Hämofiltration, Transplantationsvorbereitung
Endokrinologie/DiabetologieHormone, StoffwechselSchilddrüsensonographie, Insulinpumpenschulung, Osteodensitometrie
RheumatologieGelenke, AutoimmunGelenkpunktion, Biologika-Therapie, Kapillarmikroskopie
AngiologieGefäßerkrankungenDuplexsonographie, Wundversorgung, Angiographie

Wichtig für die Planung: Wer einen Schwerpunkt anstrebt, muss nach den 3 Basisjahren in die Schwerpunktausbildung wechseln. Umgekehrt kann ein fertig ausgebildeter Internist ohne Schwerpunkt später noch einen Schwerpunkt nachmachen – das dauert dann aber nochmal 3 Jahre. Die Entscheidung ist also nicht unwiderruflich, aber sie kostet Zeit.

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Arbeitsorte und Karrierewege

Internisten arbeiten in fast jedem klinischen Umfeld – das ist einer der großen Vorteile des Fachs:

  • Klinik: Von der Universitätsklinik mit Forschungsschwerpunkt bis zum kommunalen Krankenhaus – internistische Stationen, Notaufnahmen, Intensivstationen
  • Niedergelassene Praxis und MVZ: Hausärztlich tätiger Internist oder spezialisierte Praxis (z. B. kardiologische Gemeinschaftspraxis)
  • Rehabilitation: Internistische Reha-Kliniken für Herzpatienten, Krebserkrankte, Menschen nach Schlaganfall
  • Chefarzt und medizinische Direktion: Führungsposition mit Managementanteil und Liquidationsrechten

Ein praktischer Vorteil: Die Facharztanerkennung Innere Medizin wird in Deutschland bundeseinheitlich geregelt und international gut anerkannt – ein Pluspunkt für alle, die sich Flexibilität offen halten wollen.

Gehalt: Was verdient ein Internist?

Die folgenden Werte sind eigene Schätzungen auf Basis öffentlich verfügbarer Tarif- und Vergütungsdaten (TVöD, TV-Ärzte/VKA, Marburger Bund Gehaltstabellen, KBV-Ärztestatistik 2023). Individuelle Gehälter weichen je nach Region, Träger und Verhandlungsgeschick erheblich ab.

PositionMonatsbruttogehalt (Schätzung)Anmerkung
Assistenzarzt (Weiterbildung)4.500 – 5.500 €TVöD/TV-Ärzte, Bereitschaftsdienste inkl.
Facharzt (Klinik)6.500 – 8.500 €Je nach Schwerpunkt und Träger
Oberarzt8.000 – 10.500 €Mit Leitungsfunktion
Chefarzt12.000 – 20.000 €+Grundgehalt; Liquidationsrechte extra
Niedergelassener Internist8.000 – 14.000 €Stark abhängig von Patientenzahl, Kassenanteil, MVZ vs. Einzelpraxis
OA Kardiologie/Gastroenterologie9.000 – 12.000 €Interventionelle Schwerpunkte zahlen tendenziell mehr

Die Gehaltsunterschiede zwischen den Schwerpunkten sind in der Praxis geringer als oft angenommen. Ein erfahrener Rheumatologe verdient nicht dramatisch weniger als ein Kardiologe – besonders dann nicht, wenn er niedergelassen ist. Das Einkommen hängt viel stärker von Faktoren wie Region, Praxisgröße und Abrechnungsverhalten ab als vom Schwerpunkt selbst.

Internationaler Blick: Innere Medizin weltweit

Die Internistenfachrichtung ist international gut vergleichbar – auch wenn sich Ausbildungsdauer, Schwerpunktstruktur und Vergütung erheblich unterscheiden.

USA: Internal Medicine ist in den USA die am häufigsten gewählte Fachrichtung. Laut AAMC 2023 begannen über 9.000 Ärzte eine IM-Residency (3 Jahre nach dem MD). Anschließend können bis zu 3-jährige Fellowships in Subspecialties wie Cardiology, GI oder Hematology/Oncology absolviert werden. Das Gehalt für einen Board-certified Internist liegt laut MGMA 2023 bei rund 264.000 USD jährlich – Subspecialisten wie Kardiologen oder interventionelle Gastroenterologen verdienen deutlich mehr.

Vereinigtes Königreich: Das Core Medical Training (CMT) dauert 2 Jahre nach dem Foundation Programme, gefolgt von ST3–ST8-Stellen in der gewählten Subspecialty. NHS-Consultant-Gehälter für Internisten starten bei etwa 93.000 GBP jährlich (NHS Pay Scale 2023/24). Das britische System ist stärker auf Notfallversorgung und geriatrische Medizin ausgerichtet als das deutsche.

Österreich: Die ÖGIM (Österreichische Gesellschaft für Innere Medizin) sieht eine 6-jährige Ausbildung vor, aufgeteilt in Basisausbildung und Schwerpunktausbildung – strukturell dem deutschen Modell sehr ähnlich. Besonderheit: In Österreich ist die Allgemeinmedizin stärker von der Inneren Medizin getrennt als in Deutschland.

Schweiz: Laut FMH dauert die Facharztausbildung Allgemeine Innere Medizin 5 Jahre (mindestens 2 Jahre in einer anerkannten Schweizer Klinik). Die Gehälter für Assistenzärzte in Weiterbildung liegen je nach Kanton bei 7.500–12.000 CHF monatlich – durch Bereitschaftsdienstvergütungen oft noch höher. Wer mit einer deutschen Facharztanerkennung in die Schweiz oder nach Österreich möchte, hat durch EU/EWR-Anerkennungsregeln niedrige Hürden.

Ich höre diese Frage immer wieder: Welchen Schwerpunkt soll ich wählen, wenn ich Internist werden will? Und meine ehrliche Antwort ist: Wähle nicht nach dem Gehalt, wähle nach dem, was du dir vorstellen kannst, 30 Jahre lang zu machen.

Als Zahnarzt und Praxisgründer habe ich selbst erlebt, wie entscheidend es ist, eine Tätigkeit zu wählen, die einem auch nach Jahren noch etwas bedeutet. Die Innere Medizin bietet dafür eine ungewöhnliche Breite – du kannst als Allgemeininternist im ländlichen MVZ arbeiten und dort tatsächlich der Anker für hunderte Patienten sein. Oder du kannst dich in einem Herzkatheterlabor spezialisieren und täglich interventionell tätig sein. Beides ist Innere Medizin.

Was mich an diesem Fach beeindruckt: Es öffnet mehr Türen als es schließt. Wer Innere Medizin abgeschlossen hat, kann danach noch Notfallmedizin als Zusatzbezeichnung erwerben, in die Intensivmedizin wechseln, eine Habilitation schreiben oder in die Pharmaindustrie gehen. Die Kombination aus klinischem Gewicht und wissenschaftlichem Prestige macht Internisten in Deutschland zu einer tragenden Säule des Gesundheitssystems – und das wird auch in Zukunft so bleiben.

Zusammenfassung

  • Der Facharzt für Innere Medizin ist eine der breitesten und vielseitigsten Spezialisierungen in der deutschen Medizin
  • Die Weiterbildung dauert 6 Jahre (3 Jahre Basis + 3 Jahre Schwerpunkt oder allgemein), geregelt durch die BAK MWO 2018/2023
  • 8 Schwerpunkte stehen zur Wahl: von Kardiologie bis Angiologie – die Entscheidung sollte nach Neigung, nicht nach Gehaltstabelle fallen
  • Gehälter reichen von ca. 4.500 € (Weiterbildung) bis über 14.000 € monatlich brutto (niedergelassener Internist oder Chefarzt)
  • International gilt Innere Medizin als solide und gut anerkannte Facharztrichtung – mit vielfältigen Möglichkeiten für Weiter- und Querkarrieren
  • Wer noch unsicher ist, welchen Schwerpunkt er wählen soll, findet in der Inneren Medizin einen der flexibelsten Einstiege der klinischen Medizin

Weiterlesen: Facharzt Kardiologie | Facharzt Gastroenterologie | Assistenzarzt Gehalt 2026

Häufig gestellte Fragen

Kann ich meine Allgemeinmedizin-Weiterbildungszeit auf die Innere Medizin anrechnen lassen?

Teilweise ja. Die Basisweiterbildung in der Inneren Medizin und die Allgemeinmedizin-Weiterbildung überschneiden sich inhaltlich erheblich. Bis zu 18 Monate können nach Entscheidung der zuständigen Landesärztekammer angerechnet werden – das muss aber im Vorfeld geklärt werden, nicht im Nachhinein.

Welcher Schwerpunkt bietet die besten Karrierechancen?

Das hängt stark davon ab, was man unter Karrierechancen versteht. Hämatologie/Onkologie hat eine hohe akademische Attraktivität und wächst durch die Onkologisierung der Medizin. Kardiologie bietet viele interventionelle Stellen mit überdurchschnittlichem Gehalt. Rheumatologie und Nephrologie haben hingegen einen erheblichen Versorgungsmangel – was in der niedergelassenen Tätigkeit sehr lukrativ sein kann. Alle Schwerpunkte haben gute Perspektiven.

Wie viele Notfalldienste muss ich als Internist einplanen?

In der Klinik sind internistische Bereitschafts- und Nachtdienste Teil der Weiterbildung und auch danach üblich. In der Weiterbildungsphase können es 4–8 Dienste pro Monat sein. Als niedergelassener Internist im Kassenarztsystem kann man sich vom ärztlichen Bereitschaftsdienst unter Umständen freistellen lassen – das variiert je nach KV-Bezirk.

Was sind die Möglichkeiten als Internist ohne Schwerpunkt?

Der Facharzt Innere Medizin ohne Schwerpunkt ist besonders in der hausärztlichen Versorgung gefragt. In ländlichen Regionen und kleineren MVZ wird diese Qualifikation aktiv gesucht. Viele niedergelassene Internisten ohne Schwerpunkt haben eine sehr gute Auslastung – und das ohne die langen Ausbildungszeiten mancher Subspecialties.

Was verdiene ich als Internist im MVZ im Vergleich zur Klinik?

Das MVZ-Gehalt für angestellte Fachärzte liegt oft zwischen 8.000 und 12.000 € brutto monatlich – und damit ähnlich wie in der Klinik als Oberarzt. Der Unterschied: Im MVZ entfallen in der Regel Nacht- und Wochenenddienste, die Work-Life-Balance ist besser planbar. Wer als Gesellschafter im MVZ einsteigt, kann an Gewinnanteilen partizipieren.

Wie werde ich Oberarzt als Internist?

Nach der Facharztanerkennung dauert es in der Regel 3–5 Jahre bis zur Oberarztstelle – je nach Klinik, Standort und Schwerpunkt. In universitären Zentren ist oft eine Promotion und erste Publikationsleistung erwartet. In kommunalen Häusern kann die Karriere schneller verlaufen. Entscheidend ist, frühzeitig Führungsverantwortung zu übernehmen und Subspezialkompetenzen aufzubauen.

Welche Zusatzbezeichnungen sind für Internisten besonders sinnvoll?

Beliebt und klinisch sehr nützlich: Notfallmedizin, Intensivmedizin, Palliativmedizin, Diabetologie DDG, Ernährungsmedizin und Geriatrie. Diese Zusatzbezeichnungen erhöhen die Einsatzbreite und können – besonders Notfallmedizin und Diabetologie – auch das Gehalt positiv beeinflussen.

Können ausländische Ärzte in Deutschland als Internist arbeiten?

Ja – mit entsprechender Berufsanerkennung durch die Landesärztekammer. EU-Ärzte können über das EU-Anerkennungsverfahren vergleichsweise schnell tätig werden. Ärzte aus Drittstaaten benötigen eine Gleichwertigkeitsprüfung oder Kenntnisprüfung sowie Deutschkenntnisse auf B2/C1-Niveau. Innere Medizin ist eines der Fächer mit dem höchsten Bedarf an zugewanderten Ärztinnen und Ärzten in Deutschland.

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Über den Autor

Marcel Kloos

Eidgenössisch anerkannter Zahnarzt und Gründer der Medizinerschmiede

Marcel Kloos gründete die Medizinerschmiede bereits im Auslandsstudium, seither wurden über 500 Studienplätze vermittelt. Der gebürtige Stuttgarter studierte Zahnmedizin von 2015 bis 2021 in Sofia und ist eidgenössisch anerkannter Zahnarzt.

Heute lebt er in Bern und führt die Medizinerschmiede hauptberuflich als Inhaber.

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