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Ratgeber

Präpkurs im Medizinstudium: Echte Körperspender im Ausland?

Präpkurs im Medizinstudium: Echte Körperspender im Ausland?

14.08.2026

10 Min. Lesezeit

Die Frage kam 2018 über das Postfach meines Studentenblogs: Ob wir in Bulgarien wirklich an echten Leichen präparieren oder ob das im Ausland „irgendwie anders“ laufe. Meine Antwort war damals kurz, und sie gilt 2026 unverändert: ja. Der Präparierkurs an Körperspendern gehört an europäischen medizinischen Fakultäten zum Pflichtprogramm – in Sofia genauso wie in Heidelberg.

Ich habe meinen ersten Präpkurs im Zahnmedizinstudium an der Medizinischen Universität Sofia erlebt, in das ich 2015 eingestiegen bin. Dieser Artikel verbindet meinen Erfahrungsbericht von damals mit dem, was ich heute dazu weiss: Zahlen zur Körperspende in Deutschland, die Arbeitsschutzgrenzwerte für Formaldehyd und der Blick darauf, was der Kurs für die Anerkennung des Abschlusses bedeutet.

Zuletzt geprüft: August 2026

Wird im Medizinstudium im Ausland an echten Körperspendern präpariert?

Ja. An den medizinischen Fakultäten in Bulgarien, Rumänien, Ungarn, Polen und den übrigen EU-Staaten arbeiten Studierende der Human- und Zahnmedizin im Präparierkurs an echten Körperspendern, genau wie in Deutschland. Grundlage ist die Richtlinie 2005/36/EG: Sie schreibt für das Medizinstudium europaweit dieselben Mindestinhalte vor, und die makroskopische Anatomie am Präparat gehört dazu.

Die folgende Übersicht habe ich aus meinem eigenen Studium in Sofia und aus den Kursbeschreibungen deutscher Anatomischer Institute zusammengestellt. Sie zeigt, wo die Unterschiede tatsächlich liegen – und wo eben keine sind.

MerkmalDeutschlandEU-Ausland (Sofia)
Präpkurs an KörperspendernPflichtveranstaltungPflichtveranstaltung
RechtsrahmenÄApprO 2002, ZApprO 2021Richtlinie 2005/36/EG, Anhang V
Gruppe am Präptischje nach Fakultät, oft 6 bis 10Seminargruppe mit maximal 10 Studierenden
Konservierungmeist formaldehydbasiertmeist formaldehydbasiert
TestatformTestate am Präparatmündliche Testate am Präparat
SpracheDeutsch, Nomenklatur LateinEnglisch, Nomenklatur Latein

Wie war mein erster Tag im Präpsaal in Sofia?

Diesen Abschnitt habe ich im Januar 2018 auf meinem damaligen Studentenblog marcel-in-bulgarien.de geschrieben, nachdem mir eine Leserin genau diese Frage gestellt hatte. Ich lasse ihn hier so stehen, wie er entstanden ist.

Mich selbst hat der Präpkurs in erster Linie fasziniert. Der erste Tag an der Körperspenderin war aufregend, und nach ein paar Wochen im Präpsaal war daraus ein ganz normaler, weiterhin faszinierender Studienalltag geworden. Übergeben hat sich in meinem Kurs niemand. Einigen Kommilitonen wurde am Anfang schlecht, das haben sie mir offen erzählt. Nach kurzer Zeit kam wirklich jeder damit zurecht.

Was bleibt, ist der Geruch. Formaldehyd ist ätzend, es brennt in den Augen und in der Nase. Deshalb gehören Mundschutz und Absauganlage zum Kurs dazu.

Und dann der Satz, mit dem ich den Beitrag 2018 beendet habe und den ich heute genauso schreiben würde: Danke an die Körperspenderinnen und Körperspender, die mit der Spende ihres Körpers einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet haben, neue Medizinerinnen, Mediziner und Zahnärzte auszubilden.

Warum riecht der Präpsaal nach Formaldehyd, und wie gefährlich ist das?

Formaldehyd konserviert das Gewebe und verhindert Fäulnis. Die Internationale Krebsforschungsagentur IARC führt Formaldehyd seit 2004 in Gruppe 1, also als krebserzeugend beim Menschen; in der EU ist der Stoff als Carc. 1B und Muta. 2 eingestuft. Deshalb ist der Umgang damit in Deutschland streng geregelt.

Konkret: Bis zum 31. Dezember 2004 nannte die TRGS 900 einen Arbeitsplatzgrenzwert von 0,5 ppm. Nach der Neueinstufung durch die IARC wurde dieser Wert zurückgezogen. Erst 2015 setzte der Ausschuss für Gefahrstoffe einen neuen Arbeitsplatzgrenzwert von 0,3 ppm beziehungsweise 0,37 mg/m³ fest – rund 40 Prozent unter dem alten Wert. In der Praxis heisst das: Absaugung direkt am Präptisch, Raumbelüftung, Mundschutz, Handschuhe, Kittel.

Eine eigene Abschätzung dazu, weil die Frage im Beratungsgespräch immer wieder kommt: Bei zwei Präpterminen pro Woche à vier Stunden über zwei Semester mit jeweils rund 15 Kurswochen kommt ein Studierender auf grob 240 Stunden im Präpsaal. Das ist eine Schätzung auf Basis meines eigenen Stundenplans, kein Durchschnittswert über alle Fakultäten.

Ehrlich benannt gehört auch das: Wie gut die Absaugung im einzelnen Saal wirklich funktioniert, ist keine Frage des Landes, sondern der Anlage im jeweiligen Institut. Wer sich einen Standort ansieht, sollte im Präpsaal nach der Lüftung fragen. Das sagt mehr aus als jede Hochglanzbroschüre.

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Woher kommen die Körperspender, und wie viele gibt es?

Körperspende heisst: Eine Person verfügt zu Lebzeiten schriftlich, dass ihr Leichnam nach dem Tod einem Anatomischen Institut für Lehre und Forschung zur Verfügung steht. Die Verfügung ist höchstpersönlich, jederzeit widerrufbar und wird nicht vergütet. Angehörige können sie nicht für jemanden abgeben.

Die Institute nehmen nur begrenzt Spenden an, weil ihre Kapazität begrenzt ist. Das Anatomische Institut der Goethe-Universität Frankfurt verwendet rund 60 Körperspenden im Jahr, das Anatomiezentrum der Universität zu Köln und der Fächerverbund Anatomie der Charité lagen 2020 bei jeweils etwa 100. Dazu kommen räumliche Grenzen: Die Charité nimmt nur Spenderinnen und Spender aus Berlin und Umgebung an, das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf bittet bei mehr als 50 Kilometern Entfernung um vorherige Absprache, und Heidelberg hat sein Einzugsgebiet zum 1. Januar 2025 auf bestimmte Postleitzahlbereiche festgelegt und verlangt ein Mindestalter von 50 Jahren.

Meine eigene Überschlagsrechnung dazu: Bei rund 100 Körperspenden im Jahr und einem Jahrgang von etwa 300 Studierenden der Human- und Zahnmedizin an einer grossen Fakultät stehen rechnerisch drei Studierende an einem Präparat. In Sofia waren wir in einer Seminargruppe von maximal zehn Personen – die Gruppe teilt sich dort allerdings die Betreuung durch einen Dozenten, nicht zwingend einen Tisch. Beide Zahlen messen also nicht dasselbe, und genau deshalb taugen sie nicht als Ranking.

Nach dem Kurs wird der Körper eingeaschärt und beigesetzt, in München etwa auf der Grabanlage der Anatomischen Anstalt im Waldfriedhof. Die Studierenden gestalten dort am Ende des Präpkurses eine Gedenkstunde, zu der Angehörige eingeladen werden. Ich halte das für den wichtigsten Termin des ganzen Kurses.

Was ist im Präpkurs im Ausland anders als in Deutschland?

Drei Punkte fallen aus meiner Studienzeit heraus. Erstens die Gruppengrösse: In Sofia wurden wir in Gruppen von maximal zehn Studierenden pro Dozent unterrichtet, auch in der Anatomie. Zweitens die Sprache: Der Unterricht lief auf Englisch, die anatomische Nomenklatur ist ohnehin lateinisch. Wer Musculus sternocleidomastoideus einmal gelernt hat, kennt ihn in jeder Sprache. Drittens die Prüfungsform: Testate wurden mündlich am Präparat abgenommen, nicht als Ankreuzklausur.

Was dagegen nicht anders ist: der Stoff. Anatomie ist ein Fach ohne Abkürzung, und der Kurs ist an jedem Standort anstrengend.

Wenn du wissen willst, wie der Anatomieunterricht an einem konkreten Standort organisiert ist, klären wir das am besten persönlich – du kannst dich dazu jederzeit kostenlos beraten lassen.

Zählt der Präpkurs aus dem Ausland bei der Anerkennung in Deutschland?

Ja. Die Richtlinie 2005/36/EG regelt in Anhang V unter 5.1.1 den Arztberuf und unter 5.3.2 den Zahnarztberuf als sektorale Berufe: Ein in einem EU-Mitgliedstaat erworbener Abschluss wird in den anderen Mitgliedstaaten automatisch anerkannt, ohne inhaltliche Einzelprüfung. Die Anatomie gehört zu den vorgeschriebenen Grundlagenfächern – deshalb gibt es den Präpkurs überall.

Anders liegt der Fall beim Wechsel mitten im Studium zurück nach Deutschland. Dann geht es nicht um den Abschluss, sondern um die Anrechnung einzelner Leistungen, und darüber entscheidet die aufnehmende Universität im Einzelfall. Wie viel vom Präpkurs angerechnet wird, lässt sich nicht pauschal sagen.

Wie bereitest du dich auf deinen ersten Präptag vor?

Es klingt banal, hilft aber: iss vorher etwas. Wem im Präpsaal schlecht wird, dem wird es mit leerem Magen eher schlecht als mit vollem. Zieh Sachen an, die du danach waschen kannst, und rechne damit, dass der Geruch eine Weile in den Haaren bleibt. Mundschutz und Handschuhe sind Standard, eine einfache Schutzbrille hilft gegen das Brennen in den Augen.

Und der eigentliche Rat: Geh mit dem Bewusstsein hinein, dass vor dir ein Mensch liegt, der zu Lebzeiten entschieden hat, dass du an ihm lernen darfst. In meinem Kurs hat dieser Gedanke mehr Nerven beruhigt als jede technische Vorbereitung.

Meinung des Autors: Der Präpsaal war der ehrlichste Raum meines Studiums

Ich bin 2015 nach Sofia gegangen, weil ich in Deutschland keinen Studienplatz bekommen habe. Im Präpsaal hat sich diese Frage zum ersten Mal erledigt. Dort steht niemand mit einem Abiturschnitt am Tisch, dort steht man mit einem Skalpell und muss den Nervus facialis finden.

Meine Einschätzung: Der Präpkurs ist der Punkt, an dem sich zeigt, ob jemand Medizin studieren will oder nur einen Studienplatz wollte. Das beruht auf meinem eigenen Jahrgang in Sofia und auf inzwischen über 500 Studierenden, die wir vermittelt haben – es ist eine Beobachtung aus der Praxis, keine Studie. Belegen lässt sie sich nicht.

Was ich heute, als eidgenössisch anerkannter Zahnarzt, sicher sagen kann: Kein zweiter Kurs hat mein fachliches Verständnis so geprägt wie dieser. Und die Dankbarkeit gegenüber den Menschen, die das möglich gemacht haben, ist über die Jahre eher grösser geworden.

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Zusammenfassung

  • Im Medizin- und Zahnmedizinstudium im EU-Ausland wird an echten Körperspendern präpariert, genau wie in Deutschland.
  • Grundlage ist die Richtlinie 2005/36/EG, die europaweit dieselben Mindestinhalte für das Studium vorschreibt.
  • Formaldehyd ist von der IARC in Gruppe 1 eingestuft; in Deutschland gilt seit 2015 ein Arbeitsplatzgrenzwert von 0,3 ppm beziehungsweise 0,37 mg/m³.
  • Deutsche Anatomische Institute arbeiten mit begrenzten Zahlen: rund 60 Körperspenden pro Jahr in Frankfurt, je etwa 100 in Köln und an der Charité (Stand 2020).
  • In Sofia wurde ich in Gruppen von maximal zehn Studierenden pro Dozent unterrichtet, auf Englisch, mit mündlichen Testaten am Präparat.
  • Der Abschluss wird in der EU automatisch anerkannt; über die Anrechnung bei einem Wechsel mitten im Studium entscheidet die aufnehmende Universität.

Wenn du überlegst, dein Medizin- oder Zahnmedizinstudium im Ausland zu beginnen, schau dir den Anatomieunterricht des jeweiligen Standorts genau an. Welcher Standort zu dir passt, besprechen wir gern persönlich – das kostenlose Beratungsgespräch ist unverbindlich.

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Häufige Fragen zum Präpkurs im Medizinstudium

Wird im Medizinstudium in Bulgarien an echten Leichen präpariert?

Ja. Der Präparierkurs an Körperspendern ist an der Medizinischen Universität Sofia wie an allen medizinischen Fakultäten in der EU Pflichtbestandteil der vorklinischen Ausbildung.

Ist der Präpkurs im Ausland kürzer als in Deutschland?

Nein. Die Richtlinie 2005/36/EG schreibt für das Medizinstudium europaweit dieselben Mindestinhalte und eine Mindestdauer vor. Die makroskopische Anatomie gehört in jedem Mitgliedstaat dazu.

Wird einem im Präpsaal schlecht?

Manchen ja, vor allem in den ersten Terminen. In meinem Kurs in Sofia hat sich niemand übergeben, einige Kommilitonen berichteten aber von starkem Unwohlsein am Anfang. Nach wenigen Wochen kam jeder damit zurecht.

Ist Formaldehyd im Präpsaal gefährlich?

Formaldehyd ist von der IARC in Gruppe 1 eingestuft und in der EU als Carc. 1B und Muta. 2 gekennzeichnet. In Deutschland gilt seit 2015 ein Arbeitsplatzgrenzwert von 0,3 ppm. Absaugung, Belüftung und Mundschutz sind deshalb Standard im Kurs.

Warum riecht es im Präpsaal so stark?

Formaldehyd konserviert das Gewebe und verhindert Fäulnis. Der Stoff ist ätzend und reizt Augen und Nase. Ein Mundschutz und eine funktionierende Absaugung reduzieren die Belastung deutlich.

Wie viele Stunden verbringt man im Präpkurs?

Nach meiner eigenen Schätzung auf Basis meines Stundenplans in Sofia kommen bei zwei Terminen pro Woche à vier Stunden über zwei Semester rund 240 Stunden zusammen. Der Wert unterscheidet sich je nach Fakultät.

Woher kommen die Körperspender?

Körperspenderinnen und Körperspender verfügen zu Lebzeiten schriftlich, dass ihr Leichnam einem Anatomischen Institut zur Verfügung steht. Die Verfügung ist jederzeit widerrufbar und wird nicht vergütet.

Wie viele Körperspenden gibt es in Deutschland pro Jahr?

Die Institute nehmen nur begrenzt Spenden an. Die Goethe-Universität Frankfurt verwendet rund 60 Körperspenden jährlich, die Universität zu Köln und die Charité lagen 2020 bei jeweils etwa 100.

Was passiert nach dem Präpkurs mit dem Körper?

Der Körper wird eingeaschärt und beigesetzt, häufig auf einem institutseigenen Grabfeld. An der LMU München gestalten die Studierenden am Kursende eine Gedenkstunde, zu der Angehörige eingeladen werden.

Wie gross sind die Gruppen im Anatomieunterricht in Sofia?

An der Medizinischen Universität Sofia wurde ich in Seminargruppen von maximal zehn Studierenden pro Dozent unterrichtet. Testate wurden mündlich am Präparat abgenommen.

Auf welcher Sprache läuft der Präpkurs im Ausland?

An den englischsprachigen Programmen läuft der Unterricht auf Englisch. Die anatomische Nomenklatur ist ohnehin lateinisch und damit international identisch.

Wird der Präpkurs aus dem Ausland in Deutschland anerkannt?

Der Abschluss wird nach Anhang V der Richtlinie 2005/36/EG automatisch anerkannt. Bei einem Wechsel mitten im Studium entscheidet die aufnehmende deutsche Universität im Einzelfall über die Anrechnung einzelner Leistungen.

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Über den Autor

Marcel Kloos

Eidgenössisch anerkannter Zahnarzt und Gründer der Medizinerschmiede

Marcel Kloos gründete die Medizinerschmiede bereits im Auslandsstudium, seither wurden über 500 Studienplätze vermittelt. Der gebürtige Stuttgarter studierte Zahnmedizin von 2015 bis 2021 in Sofia und ist eidgenössisch anerkannter Zahnarzt.

Heute lebt er in Bern und führt die Medizinerschmiede hauptberuflich als Inhaber.

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