Mehr als nur Plan B: Warum das Medizinstudium im Ausland für viele die beste Entscheidung war
14.08.2026
Der Abschluss zählt in der ganzen EU
Wer in Deutschland Zahnmedizin studieren möchte, braucht ein sehr gutes Abitur oder viel Geduld. Wer beides nicht mitbringt, kann innerhalb der Europäischen Union studieren, denn der Studienabschluss der Human- und Zahnmedizin wird innerhalb der EU in allen Mitgliedstaaten anerkannt. Genau das ist der Punkt, der vielen zu Beginn gar nicht bewusst ist: Es geht nicht um einen Ersatzabschluss, sondern um denselben Beruf mit denselben Rechten.
Als ich selbst angefangen habe, studierten rund tausend Deutsche Human- oder Zahnmedizin an Universitäten in nahezu allen europäischen Mitgliedsstaaten auf Englisch oder Deutsch. Heute sind es ein Vielfaches davon.
Mein eigener Studienort: Sofia
Ich bin gebürtig aus Stuttgart und habe Zahnmedizin auf Englisch an der Medizinischen Universität Sofia studiert, in der Hauptstadt Bulgariens. Zu meiner Zeit waren wir dort an die 500 deutsche Studierende. Die Zahnmedizinische Fakultät wurde nach deutschem Vorbild gegründet, von Bulgaren, die in Deutschland Zahnmedizin studiert haben.
Unterrichtet wurde in Kleingruppen von maximal zehn Personen pro Dozent, bunt gemischt mit Studierenden aus über 40 Ländern. Die Studiengebühren lagen bei 8.000 Euro pro Studienjahr, Instrumente und Materialien wurden aber weitgehend von der Universität gestellt. Dazu kamen Lebenshaltungskosten, die deutlich unter dem deutschen Niveau lagen und die Gebühren ins Verhältnis setzen.
Warum studiert man eigentlich?
Als in den Medien über uns berichtet wurde, tauchte damals gerne das Schlagwort vom Studium als Notlösung auf. Um darauf eine Antwort zu finden, habe ich mir eine Frage gestellt, die weiter unten ansetzt: Warum studiert man überhaupt?
Für mich bedeutet studieren dreierlei: ein großes Maß an Fachwissen und Fachkompetenz zu erlangen, ein berufliches wie soziales Netzwerk aufzubauen und die eigene Persönlichkeit zu entwickeln.
Und genau in diesen drei Punkten liegen aus meiner Sicht die Stärken eines Human- oder Zahnmedizinstudiums im Ausland. Die Fachkompetenz wächst durch die kleinen Gruppen und den frühen Patientenkontakt. Das Netzwerk wird international, weil man sechs Jahre lang mit Kommilitonen aus dutzenden Ländern zusammenarbeitet. Und die Persönlichkeit entwickelt sich, weil man mit Anfang 20 ein Leben in einem fremden Land aufbaut, eine neue Sprache lernt und Dinge selbst regelt, die andere nie regeln mussten.
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Was sich seit meinem eigenen Studienstart verändert hat
Drei Dinge sind heute anders, und alle drei sprechen für den Weg ins Ausland.
Erstens ist die Auswahl größer geworden. Neben Bulgarien sind Serbien, Bosnien, Polen, Ungarn, die Slowakei, Rumänien, Lettland und Malta feste Größen, mit Jahresgebühren, die je nach Standort weit auseinanderliegen. Wer heute startet, kann Standort und Budget viel genauer aufeinander abstimmen als ich damals.
Zweitens ist die Vorbereitung auf die deutsche Arbeitswelt einfacher geworden. Deutschsprachige Online-Fortbildungen, Famulaturen und Praktika in den Semesterferien lassen sich neben dem Studium organisieren. Wer will, hat bis zum Abschluss ein Netzwerk in Deutschland aufgebaut.
Drittens gibt es heute viel mehr Informationen. Als ich angefangen habe, musste ich mir alles selbst zusammensuchen. Wir sind stolz darauf, mit fast täglichen Videos und Interviews mit echten Medizinstudierenden im Ausland als erste Agentur diese Einblicke kostenlos zugänglich gemacht zu haben. Genau diese Grundlage fehlte mir seinerzeit.
Was mir dieses Studium heute ermöglicht: mein Leben in Bern
Wenn ich erklären soll, was aus meinem Plan B geworden ist, genügt ein Blick aus meinem Fenster. Ich lebe heute mit meiner Familie in Bern, der Bundesstadt der Schweiz. Möglich gemacht hat das genau dieser Weg: das Zahnmedizinstudium im Ausland, der EU-weit anerkannte Abschluss und die anschließende eidgenössische Anerkennung über die MEBEKO.
Ich bin in Süddeutschland aufgewachsen, habe dort viel Gutes erlebt und komme immer wieder gerne zurück. Dass ich heute in der Schweiz leben und arbeiten darf, verdanke ich einem Land, das gut ausgebildete Menschen willkommen heißt. Mein anerkannter Abschluss war hier eine offene Tür, und dafür bin ich unfassbar dankbar.
Am dankbarsten bin ich dafür, dass mein Sohn hier aufwachsen darf: in einer überschaubaren, ruhigen Stadt, in der Kinder allein zur Schule laufen und in der vieles einfach verlässlich funktioniert. Das erinnert mich an das Gefühl meiner eigenen Kindheit in Süddeutschland in den Neunzigern – und genau dieses Gefühl wollte ich meinem Sohn unbedingt weitergeben.
Das ist der Gedanke, den ich jedem jungen Menschen mitgeben möchte, der gerade über ein Studium im Ausland nachdenkt: Ein Abschluss in Human- oder Zahnmedizin ist nicht nur eine Berufsqualifikation. Er ist eine internationale Eintrittskarte. Wo du später lebst, arbeitest und deine Kinder großziehst, entscheidest du damit ein gutes Stück weit selbst. Das konnte ich mit Anfang 20 nicht ahnen, als ich in Sofia meinen Koffer ausgepackt habe.
Der Rückweg steht offen
Ein Punkt, der viele beruhigt: Der Weg zurück nach Deutschland ist offen. Wer möchte, kann sich nach der Vorklinik über den Anrechnungsbescheid des Landesprüfungsamts an deutschen Fakultäten für ein höheres Fachsemester bewerben. Auffallend ist allerdings, wie viele diesen Weg gar nicht mehr gehen wollen und lieber im Ausland abschließen, weil sie sich dort wohlfühlen.
Was Studierende und Absolventen über ihre Zeit im Ausland und über unsere Begleitung sagen, liest du auf unserem Bewertungsprofil: Trustpilot.
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Meinung des Autors
Als ich 2019 zum ersten Mal über dieses Thema geschrieben habe, war ich im sechsten Semester und musste mich noch rechtfertigen. Heute, als Zahnarzt in Bern und Vater, muss ich das nicht mehr. Der Abschluss war meine Eintrittskarte – beruflich und, wie sich gezeigt hat, auch dafür, wo meine Familie heute lebt.
Was ich damals für einen Umweg hielt, war in Wahrheit die direkteste Route. Aus Plan B wird eine Tugend, und mit ein paar Jahren Abstand wird daraus schlicht: Plan A. Ich wünsche jedem, der jetzt vor dieser Entscheidung steht, dass er sie ohne schlechtes Gewissen trifft.
NC-freie Medizinstudienplätze im In- und Ausland
- Passende Uni-Auswahl & sichere Vermittlung
- NC-freier Studienplatz im Ausland mit Anerkennung in Deutschland
- Betreuung bei Studienstart, Vorbereitung & Wohnungssuche
- Unterstützung beim Wechsel nach Deutschland
- Begleitung bis zum Berufseinstieg in DE oder CH
Zusammenfassung
Als ich den ersten Text zu diesem Thema geschrieben habe, sass ich im sechsten Semester in Sofia und konnte nur hoffen, dass die Rechnung aufgeht. Heute schreibe ich aus einer anderen Position: als eidgenössisch anerkannter Zahnarzt in Bern, als Unternehmer und als Familienvater.
Und mein Urteil fällt eindeutiger aus als damals. Der Abschluss hat gehalten, was die EU-Anerkennung verspricht. Er hat mir die Anerkennung in der Schweiz ermöglicht, er hat mir erlaubt, dort zu leben, wo ich leben möchte, und er ist die Grundlage für alles, was ich seither aufgebaut habe. Aus dem, was viele als Umweg bezeichnet hätten, ist der direkteste Weg zu dem Leben geworden, das ich mir mit Anfang 20 gewünscht hätte, ohne es je so klar formulieren zu können.
Ein Studium im Ausland ist mit anderen Herausforderungen verbunden, das gehört zur Wahrheit dazu. Aber sehr viele von uns, mich eingeschlossen, sprechen im Rückblick von der besten Entscheidung ihres Lebens. Aus Plan B wird eine Tugend – und mit ein paar Jahren Abstand wird daraus schlicht: Plan A.
- Der Studienabschluss in Human- und Zahnmedizin wird innerhalb der Europäischen Union in allen Mitgliedstaaten anerkannt.
- Marcel Kloos hat Zahnmedizin auf Englisch an der Medizinischen Universität Sofia studiert und arbeitet 2026 als eidgenössisch anerkannter Zahnarzt in Bern.
- Die Anerkennung in der Schweiz läuft über die MEBEKO, in Österreich gilt dieselbe EU-Berufsanerkennungsrichtlinie wie in Deutschland.
- An der Medizinischen Universität Sofia wurde in Kleingruppen von maximal zehn Personen pro Dozent unterrichtet, mit Studierenden aus über 40 Ländern.
- Neben Bulgarien sind heute Serbien, Bosnien, Polen, Ungarn, die Slowakei, Rumänien, Lettland und Malta feste Größen für ein Medizinstudium im Ausland.
- Der Rückweg nach Deutschland bleibt offen, weil nach der Vorklinik eine Bewerbung ins höhere Fachsemester über den Anrechnungsbescheid des Landesprüfungsamts möglich ist.
Übrigens: Ich habe dazu schon einmal geschrieben
Einen ähnlichen Beitrag habe ich vor vielen Jahren während meines eigenen Studiums beim Thieme Verlag veröffentlicht, im Studierendenportal via medici, damals noch als Zahnmedizinstudent im 6. Semester in Sofia. Wer mehr dazu lesen möchte, findet den Originalartikel hier: Medizinstudium im Ausland: Mehr als nur Plan B (via medici, Thieme, 11.02.2019). Der Vergleich der beiden Texte zeigt gut, wie sich die Sicht auf denselben Weg über sieben Jahre verändert.
Weiterlesen
- Medizinstudium in Sofia: der Leitartikel – mein eigener Studienort mit allen Hochschulen, Kosten und Anerkennungsfragen
- Medizin & Zahnmedizin studieren in Foča – einer der günstigsten Standorte heute
- Medizin studieren ohne NC: der Standortvergleich – Gebühren und Anerkennung im direkten Vergleich
- Medizin & Zahnmedizin studieren in Varna – mein Studienland Bulgarien heute
- Jeder elfte deutsche Medizinstudierende ist im Ausland eingeschrieben – aus tausend wurden viele tausend
- Meine Professoren in Sofia (Archiv 2018) – noch ein Text aus meiner Studienzeit
Häufige Fragen zum Medizinstudium im Ausland
Ist ein Medizinstudium im Ausland nur ein Plan B?
Es ist ein eigenständiger Weg mit demselben Ziel. Der Abschluss einer staatlichen EU-Universität gilt in der gesamten Europäischen Union, der Unterricht findet in kleinen Gruppen statt, und der Start erfolgt sofort statt nach Wartesemestern.
Wird der Abschluss in Deutschland anerkannt?
Ja, innerhalb der EU nach der Berufsanerkennungsrichtlinie 2005/36/EG. Es gibt keine Gleichwertigkeits- oder Kenntnisprüfung, wenn das Studium vollständig an einer gelisteten EU-Universität absolviert wurde. Die Approbation erteilt das zuständige Landesprüfungsamt.
Gilt der Abschluss auch in Österreich und der Schweiz?
Ja. In Österreich gilt dieselbe EU-Richtlinie, in der Schweiz läuft die Anerkennung über die MEBEKO. Ich selbst arbeite mit einem in Sofia erworbenen Abschluss als eidgenössisch anerkannter Zahnarzt in Bern.
Wie groß sind die Gruppen im Auslandsstudium?
In den praktischen Fächern typischerweise rund zehn Studierende pro Dozent. Dadurch beginnt der Patientenkontakt früh, und man sammelt deutlich mehr eigene Behandlungszeit, als es die reine Studiendauer vermuten lässt.
Was kostet ein Studienjahr?
Je nach Standort zwischen rund 3.500 und 20.000 Euro pro Jahr, dazu Lebenshaltungskosten von etwa 350 bis 700 Euro monatlich. Auslands-BAföG, Bildungsfonds und Stipendien decken davon einen erheblichen Teil ab.
Bleibt der Rückweg nach Deutschland offen?
Ja. Ein Wechsel ins höhere Fachsemester ist über die Anrechnung der Scheine möglich und wird in der Regel nach vier abgeschlossenen Semestern attraktiv. Famulaturen und Teile des Praktischen Jahres lassen sich ohnehin in Deutschland ableisten.
Was bringt das internationale Umfeld konkret?
Ein Netzwerk in mehreren Ländern, sichere Fachsprache auf Englisch und die Erfahrung, sich in einem fremden System zurechtzufinden. Diese drei Dinge helfen im Beruf später mehr, als man während des Studiums glaubt.
Was Studierende über die Medizinerschmiede sagen
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Über den Autor

Marcel Kloos
Eidgenössisch anerkannter Zahnarzt und Gründer der Medizinerschmiede
Marcel Kloos gründete die Medizinerschmiede bereits im Auslandsstudium, seither wurden über 500 Studienplätze vermittelt. Der gebürtige Stuttgarter studierte Zahnmedizin von 2015 bis 2021 in Sofia und ist eidgenössisch anerkannter Zahnarzt.
Heute lebt er in Bern und führt die Medizinerschmiede hauptberuflich als Inhaber.
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