Muster-Weiterbildungsordnung 2026 und was der 130. Ärztetag für Ärzte ändert
14.08.2026
Wer die Weiterbildungsordnung erlässt – und warum es eine Musterfassung gibt
Die ärztliche Weiterbildung ist in Deutschland Sache der Landesärztekammern. Sie sind Körperschaften des öffentlichen Rechts und erlassen jeweils eine eigene, rechtsverbindliche Weiterbildungsordnung für ihren Kammerbereich. Die (Muster-)Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer, kurz MWBO, ist demgegenüber eine Vorlage: Sie hat nach Darstellung der Bundesärztekammer für die Landesärztekammern „nur empfehlenden Charakter“.
Praktisch bedeutet das zwei Dinge. Erstens: Was der Deutsche Ärztetag beschliesst, gilt nicht sofort am Klinikbett. Verbindlich werden die Änderungen erst, wenn die einzelnen Landesärztekammern sie in ihre eigene Weiterbildungsordnung übernehmen – darauf weist zum Beispiel die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie ausdrücklich hin. Zweitens: Weil sich alle 17 Kammern an derselben Musterfassung orientieren, bleiben die Regeln bundesweit weitgehend vergleichbar, und ein Wechsel des Bundeslandes während der Weiterbildung ist planbar.
Die MWBO ist in drei Abschnitte gegliedert. Abschnitt A ist der Paragrafenteil mit den allgemeinen Regeln, Abschnitt B enthält die Gebiete, Facharzt- und Schwerpunktkompetenzen, Abschnitt C die Zusatz-Weiterbildungen. Der 130. Deutsche Ärztetag hat in allen drei Abschnitten nachgeschärft.
Die Beschlüsse von Hannover im Überblick
Nach der Mitteilung der Bundesärztekammer vom 15. Mai 2026 umfasst die Novelle unter anderem folgende Punkte:
- Acht Gebietsdefinitionen wurden überarbeitet.
- In acht Fächern wurde die Mindestweiterbildungszeit verkürzt: Anatomie, Hygiene und Umweltmedizin, Öffentliches Gesundheitswesen, Neuropathologie, Pathologie, Klinische Pharmakologie, Pharmakologie und Toxikologie sowie Physiologie.
- Die Facharztbezeichnung Biochemie wurde gestrichen.
- Bei 29 Facharztbezeichnungen wurden die Weiterbildungsabschnitte angepasst.
- Im Paragrafenteil wurden die Anrechnung oralchirurgischer Weiterbildungszeiten auf die Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie und die Anrechnung von Unterbrechungen neu geregelt.
- In Abschnitt C wurden die Kopfteile der Zusatz-Weiterbildungen Geriatrie und Medizinische Informatik geändert.
Diese Novelle steht nicht allein. Bereits der 129. Deutsche Ärztetag hatte 2025 in Leipzig die damals 56 Zusatz-Weiterbildungen in drei Kategorien neu sortiert: solche mit Mindestweiterbildungszeit bei einem befugten Arzt, berufsbegleitende ohne verbindliche Mindestzeit und rein kursbasierte. Hannover war damit der zweite grosse Schritt eines mehrjährigen Umbaus.
Kompetenzen statt Zeit – der eigentliche Systemwechsel
Der inhaltliche Kern der Reform ist kein einzelnes Fach, sondern ein Denkmodell. Die allgemeinen Weiterbildungsinhalte werden nach dem international verbreiteten CanMEDS-Modell in acht ärztliche Rollen gegliedert. Sie ersetzen die bisherige Aufteilung in Methoden- und Handlungskompetenzen und rücken neben dem Fachwissen ausdrücklich Kommunikation, Teamarbeit, Führung, Anwaltschaft für den Patienten, Lehren und Lernen, Professionalität und den Umgang mit digitaler Medizin in den Vordergrund.
Dazu passt die sprachliche Verschiebung, die das Deutsche Ärzteblatt aus der Debatte berichtet: Aus der „Weiterbildungszeit“ wird konsequent die „Mindestweiterbildungszeit“. Die Leitformel der Verantwortlichen lautet „Inhalte vor Zeiten“. Wer die geforderten Kompetenzen nicht in der Mindestzeit erreicht, bildet sich länger weiter; die Zeitangabe ist der Boden, nicht die Decke.
Was Richtzahlen sind
Richtzahlen sind die Mengenangaben hinter einzelnen Weiterbildungsinhalten, also etwa die Zahl der Untersuchungen oder Eingriffe, die ein Weiterzubildender selbst durchgeführt haben soll. Sie sind nicht abgeschafft, sondern eingebettet: In der Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Westfalen-Lippe kann der Kammervorstand nach § 2 Absatz 7 Richtzahlen beschliessen und veröffentlichen. Bewertet wird am Ende die Kompetenz – die Richtzahl ist der Anhaltspunkt dafür, dass genügend Gelegenheit zum Üben bestand.
Das eLogbuch
Dokumentiert wird das alles im eLogbuch, einer Webanwendung, die zum 1. Juli 2020 startete und inzwischen von allen Ärztekammern eingeführt wurde – teils verpflichtend, teils als freiwillige Option. Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung tragen ihre Inhalte laufend ein, die Weiterbildungsbefugten bestätigen erworbene Kompetenzen und erreichte Richtzahlen. In der Weiterbildungsordnung ist das verankert: kontinuierliche Dokumentation durch den Weiterzubildenden, mindestens jährliche Bestätigung durch den befugten Arzt.
Diese Fächer ändern sich konkret
Die folgende Übersicht fasst die vom Deutschen Ärzteblatt und der Bundesärztekammer berichteten Beschlüsse zusammen.
| Fach | Bisherige Regelung | Beschluss des 130. Ärztetages |
|---|---|---|
| Neurologie | 12 Monate Psychiatrie und Psychotherapie | 6 Monate Psychiatrie, dafür 6 Monate neurologische Akutversorgung auf einer Stroke Unit |
| Psychiatrie und Psychotherapie | 12 Monate Neurologie | 6 Monate Neurologie, optional 6 weitere Monate in Neurologie, Allgemeinmedizin oder Innerer Medizin; 24 Monate stationäre Versorgung verpflichtend |
| Innere Medizin mit Schwerpunkt | 72 Monate, davon 24 Monate stationär im Schwerpunkt | 72 Monate bleiben; innerhalb der stationären Versorgung mindestens 18 Monate im jeweiligen Schwerpunkt, dafür flexiblere Verteilung ambulant und stationär |
| Öffentliches Gesundheitswesen | 60 Monate, 720 Stunden Kurs-Weiterbildung | 54 Monate, davon 30 Monate in öffentlichen Gesundheitseinrichtungen und 18 Monate im Gesundheitsamt; Kurs auf 360 Stunden halbiert |
| Humangenetik | bis zu 12 Monate in anderen Gebieten der Patientenversorgung verpflichtend | diese Zeit „kann“ statt „muss“ absolviert werden |
| Zusatz-Weiterbildung Geriatrie | 18 Monate, Zugang nur für bestimmte Fächer | 24 Monate, Zugang für alle Fachärzte der unmittelbaren Patientenversorgung |
| Zusatz-Weiterbildung Medizinische Informatik | Definition ohne Künstliche Intelligenz | Definition um Künstliche Intelligenz erweitert, Zugang über 24 Monate ärztliche Tätigkeit |
Dass hinter diesen Zahlen echte Aushandlung steckt, machten die Delegierten selbst deutlich. Johannes Albert Gehle, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, sprach von einem Kompromiss, dem ein zäher Prozess und viele Gespräche vorausgegangen seien. Christine Neumann-Grutzeck, Präsidentin des Berufsverbandes Deutscher Internistinnen und Internisten, sah für die Innere Medizin „einen ausgewogenen Kompromiss zwischen Flexibilisierung und Qualitätssicherung“.
Weiterbildungszeiten, Teilzeit und Unterbrechungen
Wie lange eine Weiterbildung dauert, steht für jedes Fach in Abschnitt B. Typisch sind 60 Monate, also fünf Jahre in Vollzeit: So sieht es die Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Westfalen-Lippe unter anderem für die Allgemeinmedizin vor. Fächer mit Schwerpunktkompetenz liegen darüber, die Innere Medizin mit Schwerpunkt bei 72 Monaten.
Der Paragrafenteil regelt den Rahmen: Die festgelegten Zeiten sind Mindestanforderungen; Weiterbildung wird grundsätzlich ganztägig in hauptberuflicher Stellung absolviert; in Teilzeit müssen mindestens 50 Prozent der wöchentlichen Arbeitszeit erreicht werden, wodurch sich die Gesamtdauer entsprechend verlängert. Abschnitte von weniger als drei Monaten zählen in der Regel nicht.
Neu und für die Lebensplanung bedeutsam ist die Anrechnung von Unterbrechungen: Nach der Novelle sollen Fehlzeiten von bis zu sechs Wochen im Jahr – etwa durch Krankheit, Schwangerschaft, Elternzeit oder Wehrdienst – die Weiterbildungszeit nicht mehr verlängern. Das Rheinische Ärzteblatt hat diesen Punkt als eine der spürbarsten Erleichterungen der Reform beschrieben.
Die Facharztprüfung
Am Ende steht die Prüfung vor der Landesärztekammer. Die Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Westfalen-Lippe zeigt exemplarisch, wie eng das geregelt ist: Die Kammer bildet Prüfungsausschüsse mit mindestens drei Ärzten, von denen mindestens zwei die angestrebte Bezeichnung führen; die Prüfung dauert mindestens 30 Minuten und ist nicht öffentlich; Beeinträchtigungen von Prüflingen sind zu berücksichtigen.
Wer nicht besteht, scheitert nicht endgültig. Der Prüfungsausschuss kann eine Verlängerung der Weiterbildungszeit von bis zu zwei Jahren festlegen, eine Wiederholung ist frühestens drei Monate nach der nicht bestandenen Prüfung möglich. Wie viele diesen Weg gehen, zeigt die Ärztestatistik der Bundesärztekammer: 2025 erhielten 16.195 Ärztinnen und Ärzte eine Facharztanerkennung, nach 15.378 im Jahr zuvor. Am stärksten vertreten waren die Innere Medizin mit 2.283, die Allgemeinmedizin mit 2.147 und die Anästhesiologie mit 1.524 Anerkennungen.
Wie andere Länder ihre Facharztausbildung organisieren
Der Blick über die Grenze zeigt: Kompetenzorientierung, Logbuch und jährliche Fortschrittskontrolle sind kein deutscher Sonderweg, sondern internationaler Standard – nur die Wege dorthin unterscheiden sich deutlich.
| Land | Einstieg nach dem Studium | Dauer (Beispiele) | Steuerung und Dokumentation |
|---|---|---|---|
| Deutschland | Approbation, dann direkte Bewerbung auf eine Stelle bei einem weiterbildungsbefugten Arzt | Allgemeinmedizin 60 Monate, Innere Medizin mit Schwerpunkt 72 Monate | Landesärztekammer, eLogbuch seit 1. Juli 2020, mündliche Facharztprüfung von mindestens 30 Minuten |
| Grossbritannien | Zweijähriges Foundation Programme (F1 mit vorläufiger, F2 mit voller GMC-Registrierung), danach Specialty Training | Hausarzt-CCT drei Jahre; Anästhesie rund sieben Jahre in drei Stages (CT1–CT3, ST4–ST5, ST6–ST7) | General Medical Council genehmigt die von den Royal Colleges erstellten Curricula: Foundation-Curriculum, 65 Specialties und 30 Sub-specialties; jährliches Annual Review of Competence Progression (ARCP) |
| USA | Zentrales Zuteilungsverfahren (Main Residency Match des NRMP) | Innere Medizin 36 Monate nach den ACGME-Anforderungen; andere Fächer länger | ACGME akkreditiert die Programme, Clinical Competency Committee bewertet anhand der Milestones |
| Schweiz | Eidgenössisches Arztdiplom, danach Anstellung an einer anerkannten Weiterbildungsstätte | Allgemeine Innere Medizin fünf Jahre, davon drei Jahre Basis- und zwei Jahre Aufbauweiterbildung | SIWF als autonomes Organ der FMH, 45 vom Bund akkreditierte Weiterbildungsprogramme plus Praktischer Arzt, obligatorisches e-Logbuch, schriftliche Facharztprüfung |
Grossbritannien
Nach dem Studium ist das zweijährige Foundation Programme für alle Absolventen Pflicht, bevor die Fachweiterbildung beginnt. Im ersten Jahr besteht nur eine vorläufige Registrierung beim General Medical Council, im zweiten die volle. Fortschritt wird jährlich im ARCP überprüft, gestützt auf Berichte der klinischen und der pädagogischen Supervisoren. Das Royal College of Anaesthetists formuliert den Grundsatz für seine rund siebenjährige Weiterbildung unmissverständlich: Sie sei „outcome-based rather than time-based“. Wer schneller die geforderten Ergebnisse erreicht, kann früher abschliessen; Teilzeit verlängert entsprechend. Der Hausarztweg endet nach drei Jahren mit dem Certificate of Completion of Training, geprüft wird über die MRCGP-Bausteine AKT, SCA und arbeitsplatzbasierte Bewertungen.
USA
In den Vereinigten Staaten entscheidet ein zentraler Algorithmus über den Zugang zur Residency. Der Main Residency Match 2026 des National Resident Matching Program war der grösste der Geschichte: 53.373 Registrierte, 48.050 aktive Bewerber, 6.809 zertifizierte Programm-Tracks und 44.344 angebotene Stellen; 38.354 Bewerber erhielten eine PGY-1-Stelle, die Besetzungsquote lag bei 93,5 Prozent. Die Match-Raten unterscheiden sich stark nach Herkunft: US-amerikanische MD-Absolventen kamen auf 93,5 Prozent, internationale Absolventen ohne US-Staatsangehörigkeit auf 56,4 Prozent. Inhaltlich steuert die Accreditation Council for Graduate Medical Education: Ihre Programmanforderungen für die Innere Medizin verlangen 36 Monate begleitete Weiterbildung, ein Clinical Competency Committee bewertet die Entwicklung anhand der Milestones.
Schweiz
Die Schweiz kombiniert staatliche Aufsicht mit Selbstverwaltung: Rechtsgrundlage ist das Medizinalberufegesetz, zuständig ist das Schweizerische Institut für ärztliche Weiter- und Fortbildung (SIWF), ein autonomes Organ der FMH. Akkreditiert sind 45 Weiterbildungsprogramme sowie der Titel Praktischer Arzt. Beispiel Allgemeine Innere Medizin: fünf Jahre, davon mindestens zwei Jahre stationär und sechs Monate ambulant in der Basisweiterbildung, drei Monate Notfallmedizin, dazu eine schriftliche Facharztprüfung mit 120 Multiple-Choice-Fragen in englischer Sprache, eine wissenschaftliche Publikation und ein Nachweis in Point-of-Care-Sonografie. Alles läuft über das e-Logbuch, über das am Ende auch das Titelgesuch eingereicht wird. Fachärztinnen und Fachärzte aus der EU profitieren dabei von der gegenseitigen automatischen Anerkennung nach dem Freizügigkeitsabkommen.
Was das für Studieninteressenten bedeutet
Wer heute über ein Medizinstudium nachdenkt, wird diese Weiterbildungsordnung in einigen Jahren erleben – und zwar unabhängig davon, in welchem EU-Staat der Abschluss erworben wurde. Die Richtlinie 2005/36/EG legt für die ärztliche Grundausbildung europaweit mindestens fünf Jahre Studium und mindestens 5.500 Stunden theoretische und praktische Ausbildung an einer Universität fest. Wer diese Anforderungen erfüllt, fällt unter den Grundsatz der automatischen Anerkennung nach Artikel 21 der Richtlinie.
Im deutschen Recht spiegelt sich das in § 3 der Bundesärzteordnung: Eine in einem anderen EU-Mitgliedstaat oder EWR-Staat abgeschlossene ärztliche Ausbildung gilt als gleichwertig, wenn der entsprechende Ausbildungsnachweis vorgelegt wird – eine gesonderte Gleichwertigkeitsprüfung ist dafür nicht vorgesehen. Nach der Approbation steht der Weg in die Weiterbildung genauso offen wie für Absolventen deutscher Fakultäten: Bewerbung auf eine Stelle bei einem weiterbildungsbefugten Arzt, eLogbuch, Facharztprüfung bei der zuständigen Landesärztekammer.
Auch die Weiterbildung selbst ist europäisch grundiert. Artikel 25 der Richtlinie verlangt eine Vollzeit-Weiterbildung an anerkannten Einrichtungen mit angemessener Vergütung und Mindestdauern nach Anhang V, Artikel 28 setzt für die Allgemeinmedizin mindestens drei Jahre an, davon je mindestens sechs Monate im Krankenhaus und in einer zugelassenen Praxis. Deutschland liegt mit 60 Monaten Allgemeinmedizin deutlich darüber – ein Hinweis darauf, dass die deutschen Anforderungen im europäischen Vergleich eher am oberen Ende liegen.
Der Nachwuchs wird gebraucht: Nach der Ärztestatistik der Bundesärztekammer waren Ende 2024 rund 437.000 Ärztinnen und Ärzte berufstätig, gut 15 Prozent von ihnen mit ausländischer Staatsangehörigkeit, und etwa 23 Prozent der Berufstätigen waren älter als 60 Jahre. Wer jetzt startet, trifft auf einen Arbeitsmarkt, der um jede gut ausgebildete Ärztin und jeden gut ausgebildeten Arzt froh ist. Welcher Studienort im europäischen Ausland dabei zum eigenen Profil passt, schauen wir uns gern gemeinsam an – unverbindlich im kostenlosen Beratungsgespräch.
Dieser Beitrag gibt den Stand vom 14. August 2026 wieder und stellt die Beschlusslage journalistisch dar. Er ersetzt keine Rechtsberatung; verbindlich ist allein die jeweils geltende Weiterbildungsordnung der zuständigen Landesärztekammer.
Meinung des Autors
Ich habe Zahnmedizin in Sofia studiert und arbeite heute als approbierter Zahnarzt in Bern. Zwei Rechtsräume, zwei Systeme, ein Abschluss, der in beiden funktioniert hat. Genau deshalb lese ich die Beschlüsse von Hannover mit einer gewissen Ruhe: Was der 130. Deutsche Ärztetag verändert hat, ist für junge Kolleginnen und Kollegen überwiegend eine Verbesserung, und es betrifft alle gleichermassen – unabhängig davon, ob das Studium in Berlin, Sofia oder Zagreb stattgefunden hat.
Drei Punkte finde ich bemerkenswert. Erstens die konsequente Rede von der Mindestweiterbildungszeit. Wer im vierten Jahr merkt, dass ihm eine Kompetenz noch fehlt, soll länger üben dürfen, ohne dass das als Makel gilt. Das ist ehrlicher als jede Fiktion, nach der alle nach exakt 60 Monaten gleich weit sind. Zweitens die Anrechnung von Unterbrechungen bis zu sechs Wochen im Jahr. Das klingt technisch, ist aber für junge Familien, für längere Krankheiten oder für eine Schwangerschaft eine echte Entlastung – und es nimmt einen Teil des schlechten Gewissens aus einem Lebensabschnitt, in dem ohnehin viel gleichzeitig passiert. Drittens die acht ärztlichen Rollen nach dem CanMEDS-Modell. Kommunikation, Teamarbeit und der Umgang mit digitalen Werkzeugen sind im Alltag längst entscheidend; dass sie jetzt ausdrücklich zum Prüfstein gehören, entspricht dem, was ich in der Praxis jeden Tag erlebe.
Was mir dabei besonders wichtig ist: Der Blick in die Schweiz, nach Grossbritannien und in die USA zeigt, wie gut die europäische Lösung für Studierende tatsächlich ist. In den USA hängt der Zugang zur Facharztweiterbildung an einem zentralen Match, in dem internationale Bewerber deutlich schlechter abschneiden als einheimische. In Grossbritannien liegt zwischen Studium und Fachweiterbildung ein zweijähriges Pflichtprogramm. In der EU dagegen gilt die automatische Anerkennung: Ein Abschluss aus Bulgarien, Ungarn, Polen oder Kroatien führt in Deutschland ohne Umweg und ohne Kenntnisprüfung in dieselbe Weiterbildung wie ein Abschluss aus München. Diesen Vorteil unterschätzen viele Familien, mit denen ich spreche.
Mit der Medizinerschmiede begleiten wir seit Jahren junge Menschen auf diesem Weg und haben als erste Agentur in nahezu täglichen YouTube-Videos und Interviews mit echten Medizinstudierenden im Ausland kostenlos gezeigt, wie dieser Alltag wirklich aussieht. Meine Erfahrung daraus: Der Weg über das europäische Ausland ist kein Umweg, sondern eine gleichwertige Route mit demselben Ziel – dem Facharzttitel, den seit dem 130. Ärztetag ein Stück weit modernere Regeln umgeben.
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Zusammenfassung
- Der 130. Deutsche Ärztetag hat vom 12. bis 15. Mai 2026 in Hannover alle drei Abschnitte der (Muster-)Weiterbildungsordnung geändert: Paragrafenteil, Facharztkatalog und Zusatz-Weiterbildungen.
- Mit der Novelle von 2026 sinkt in acht Fächern die Mindestweiterbildungszeit, bei 29 Facharztbezeichnungen ändern sich die Weiterbildungsabschnitte, und die Facharztbezeichnung Biochemie entfällt.
- In Neurologie und Psychiatrie sinkt die Pflichtzeit im jeweils anderen Fach von 12 auf 6 Monate; in der Neurologie kommen 6 Monate Akutversorgung auf einer Stroke Unit hinzu.
- Verbindlich werden die Beschlüsse des 130. Deutschen Ärztetages erst, wenn die Landesärztekammern sie in ihre eigene Weiterbildungsordnung übernehmen.
- Ein in einem EU-Mitgliedstaat abgeschlossenes Medizinstudium führt nach Artikel 21 der Richtlinie 2005/36/EG ohne Umweg in dieselbe deutsche Facharztweiterbildung.
Der 130. Deutsche Ärztetag hat die (Muster-)Weiterbildungsordnung in allen drei Abschnitten weiterentwickelt: acht Fächer mit kürzerer Mindestweiterbildungszeit, 29 angepasste Facharztbezeichnungen, neu geordnete Rotationen zwischen Neurologie und Psychiatrie, ein neu zugeschnittenes Öffentliches Gesundheitswesen und eine Zusatz-Weiterbildung Geriatrie, die allen Fachärzten der unmittelbaren Patientenversorgung offensteht. Der eigentliche Kern ist aber das Kompetenzmodell mit acht ärztlichen Rollen und der Grundsatz „Inhalte vor Zeiten“.
Verbindlich wird das erst, wenn die Landesärztekammern die Beschlüsse in ihre eigenen Weiterbildungsordnungen übernehmen. Wer sich heute für ein Medizinstudium interessiert, sollte vor allem eines mitnehmen: Der Zugang zu dieser Weiterbildung hängt nicht davon ab, in welchem EU-Staat das Diplom ausgestellt wurde. Die automatische Anerkennung nach der Richtlinie 2005/36/EG und § 3 der Bundesärzteordnung führt EU-Absolventen ohne Umweg in genau dasselbe System – und in einen Arbeitsmarkt, der Nachwuchs dringend braucht. Wer wissen möchte, welcher europäische Studienort dazu passt, kann sich bei uns kostenlos beraten lassen.
Weiterlesen
- Approbation und Anerkennung des Medizinabschlusses aus dem EU-Ausland – der rechtliche Rahmen hinter dem direkten Einstieg in die Weiterbildung.
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- Studienplatzvergabe in der Medizin mit Quoten, Fristen und TMS – zum Vergleich der Zugang innerhalb Deutschlands.
Häufige Fragen zur Muster-Weiterbildungsordnung 2026
Wer erlässt in Deutschland die Weiterbildungsordnung?
Die 17 Landesärztekammern. Sie sind Körperschaften des öffentlichen Rechts und beschliessen jeweils eine eigene, rechtsverbindliche Weiterbildungsordnung. Die (Muster-)Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer hat für sie nach deren eigener Darstellung nur empfehlenden Charakter.
Gelten die Beschlüsse des 130. Ärztetages sofort?
Nein. Sie werden erst verbindlich, wenn die einzelnen Landesärztekammern sie in ihre eigene Weiterbildungsordnung übernehmen. Bis dahin gilt in jedem Kammerbereich die dort beschlossene Fassung.
Was ändert sich zwischen Neurologie und Psychiatrie?
In der Neurologie sinkt die Pflichtzeit in Psychiatrie und Psychotherapie von 12 auf 6 Monate, dafür sind 6 Monate neurologische Akutversorgung auf einer Stroke Unit verpflichtend. In der Psychiatrie sinkt die Neurologie-Pflichtzeit ebenfalls von 12 auf 6 Monate; 24 Monate stationäre Versorgung bleiben verpflichtend.
Was bedeutet „kompetenzbasiert“ in der Weiterbildung?
Bewertet wird, ob eine Kompetenz tatsächlich beherrscht wird, nicht nur, ob eine Zeit abgeleistet wurde. Die allgemeinen Inhalte sind nach dem CanMEDS-Modell in acht ärztliche Rollen gegliedert, und aus der „Weiterbildungszeit“ wird sprachlich konsequent die „Mindestweiterbildungszeit“.
Sind Richtzahlen abgeschafft?
Nein. Richtzahlen geben weiterhin an, wie viele Untersuchungen oder Eingriffe ein Weiterzubildender selbst durchgeführt haben soll. In der Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Westfalen-Lippe kann der Kammervorstand sie nach § 2 Absatz 7 beschliessen und veröffentlichen.
Wofür ist das eLogbuch da?
Es ist die elektronische Dokumentation der Weiterbildung. Es startete am 1. Juli 2020 und wurde inzwischen von allen Ärztekammern eingeführt, teils verpflichtend, teils freiwillig. Weiterzubildende tragen ihre Inhalte laufend ein, Weiterbildungsbefugte bestätigen Kompetenzen und Richtzahlen mindestens einmal jährlich.
Wie lange dauert eine Facharztweiterbildung?
Je nach Fach unterschiedlich. Verbreitet sind 60 Monate in Vollzeit, etwa in der Allgemeinmedizin; die Innere Medizin mit Schwerpunkt umfasst 72 Monate. Teilzeit ist ab 50 Prozent der wöchentlichen Arbeitszeit möglich und verlängert die Gesamtdauer entsprechend.
Verlängern Elternzeit oder Krankheit die Weiterbildung?
Nach der in Hannover beschlossenen Neuregelung sollen Unterbrechungen von bis zu sechs Wochen pro Jahr – etwa wegen Krankheit, Schwangerschaft, Elternzeit oder Wehrdienst – nicht mehr zu einer Verlängerung führen.
Wie läuft die Facharztprüfung ab?
Sie findet vor einem Prüfungsausschuss der Landesärztekammer statt. Nach der Weiterbildungsordnung der Ärztekammer Westfalen-Lippe gehören ihm mindestens drei Ärzte an, mindestens zwei davon führen die angestrebte Bezeichnung; die Prüfung dauert mindestens 30 Minuten und ist nicht öffentlich.
Was passiert, wenn man die Prüfung nicht besteht?
Der Ausschuss kann eine Verlängerung der Weiterbildungszeit von bis zu zwei Jahren festlegen. Eine Wiederholung ist frühestens drei Monate nach der nicht bestandenen Prüfung möglich.
Kann ich mit einem Medizinabschluss aus dem EU-Ausland in Deutschland Facharzt werden?
Ja. Nach Artikel 21 der Richtlinie 2005/36/EG gilt der Grundsatz der automatischen Anerkennung, und § 3 der Bundesärzteordnung stuft eine in einem anderen EU- oder EWR-Staat abgeschlossene ärztliche Ausbildung als gleichwertig ein. Nach der Approbation steht die Weiterbildung ohne Umweg offen.
Wie unterscheidet sich der Einstieg in Grossbritannien und den USA?
In Grossbritannien ist nach dem Studium zunächst das zweijährige Foundation Programme zu absolvieren, bevor die Fachweiterbildung beginnt; der Fortschritt wird jährlich im ARCP geprüft. In den USA erfolgt der Zugang über den zentralen Match: 2026 standen 44.344 Stellen zur Verfügung, 38.354 Bewerber erhielten eine PGY-1-Position.
Was Studierende über die Medizinerschmiede sagen
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Über den Autor

Marcel Kloos
Eidgenössisch anerkannter Zahnarzt und Gründer der Medizinerschmiede
Marcel Kloos gründete die Medizinerschmiede bereits im Auslandsstudium, seither wurden über 500 Studienplätze vermittelt. Der gebürtige Stuttgarter studierte Zahnmedizin von 2015 bis 2021 in Sofia und ist eidgenössisch anerkannter Zahnarzt.
Heute lebt er in Bern und führt die Medizinerschmiede hauptberuflich als Inhaber.
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