Medizin studieren ohne NC in Kroatien: der deutschsprachige Studiengang in Osijek
15.08.2026
Der Studiengang in Osijek auf einen Blick
Die Medizinische Fakultät Osijek der Josip Juraj Strossmayer Universität bietet in Kooperation mit der AMEOS Gruppe einen internationalen Studiengang für Humanmedizin an. Gestartet ist das Programm im Wintersemester 2021. Der vorklinische Teil findet in Kroatien statt, der klinische Teil an ausgewählten Standorten in Deutschland. Der Studienabschluss ist EU-weit und international anerkannt.
- Studienbeginn: Wintersemester
- Regelstudiendauer: 6 Jahre, also 12 Semester
- Umfang: 5.500 Unterrichtseinheiten
- Unterrichtssprache: Deutsch
- Semester 1 bis 5 und Semester 12: Studium in Osijek, Kroatien
- Semester 6 bis 11: Studium und Bedside-Teaching in den AMEOS Kliniken in Deutschland
- Jahrgangsgröße: rund 60 Studierende
- Seminar- und Lerngruppen: 5 bis 10 Studierende
- Studiengebühren: 8.000 Euro pro Semester
- Zulassung: ohne NC, dafür mit Aufnahmetest und Assessment Center
Umgerechnet sind das 16.000 Euro pro Studienjahr und rund 96.000 Euro über die volle Regelstudienzeit von zwölf Semestern. Dazu kommen die Lebenshaltungskosten, die in Osijek erfahrungsgemäß bei 500 bis 700 Euro im Monat liegen und damit deutlich unter dem Niveau deutscher Großstädte.
Warum so viele Abiturienten ins Ausland gehen
Die Ausgangslage in Deutschland ist bekannt: Auf rund 9.000 Studienplätze für Humanmedizin pro Wintersemester kommen regelmäßig rund 40.000 Bewerbungen. In der Abiturbestenquote liegt der erforderliche Schnitt je nach Bundesland bei 1,0 bis 1,2, und die frühere Wartezeitquote wurde 2020 abgeschafft. Wer keinen Spitzenabischnitt hat, braucht also entweder TMS-Punkte, eine Berufsausbildung, viel Geduld – oder einen anderen Weg.
Dieser andere Weg ist längst Normalität geworden: Etwa jeder elfte deutsche Medizinstudierende ist heute an einer Universität im Ausland eingeschrieben. Das Studium in Osijek ist eine von mehreren Möglichkeiten, diesen Weg zu gehen – mit der Besonderheit, dass die Unterrichtssprache Deutsch ist.
Die Josip Juraj Strossmayer Universität in Osijek
Die Universität ist nach dem in Osijek geborenen Theologen und Politiker Josip Juraj Strossmayer benannt und wurde 1975 gegründet – wobei die akademische Tradition der Stadt bis in das Jahr 1707 zurückreicht. Heute ist sie eine moderne europäische Hochschule und ein regionales Zentrum für Wissenschaft und Forschung mit rund 20.000 Studierenden an 20 Fakultäten.
Das Hauptgebäude wurde zwischen 1724 und 1726 erbaut und liegt im historischen Stadtkern. Es hat vier Etagen und beherbergt Verwaltung, Hörsäle und eine Mensa; in der zweiten und dritten Etage befindet sich jeweils eine Bibliothek. Zusammen mit den Fakultätsbibliotheken umfasst die Universitätsbibliothek mehr als 550.000 Bände. Das älteste Buch, „Die Neue Slavonische und Deutsche Grammatik“, stammt aus dem Jahr 1767.
Ein schönes Detail für deutsche Studierende: Die 1978 vom Althistoriker Günther Gottlieb ins Leben gerufene Hochschulpartnerschaft mit der Universität Augsburg ist die älteste Auslandspartnerschaft, die Augsburg überhaupt unterhält. Die Verbindung nach Deutschland ist in Osijek also fast 50 Jahre alt.
Die Medizinische Fakultät Osijek
Die Medizinische Fakultät Osijek wurde 1998 gegründet und ist damit die jüngste Kroatiens. Medizin studieren konnte man in Osijek allerdings schon seit 1979 – damals als ausgegliederter Zweig der Medizinischen Fakultät der Universität Zagreb. Anlass war der Ausbau der medizinischen Versorgung der Region Ende der 1970er Jahre. Im Idealfall folgt nach dem Studium direkt die Facharztausbildung bei AMEOS.
Wo liegt Osijek? Die Stadt in Zahlen
Osijek ist die viertgrößte Stadt Kroatiens und liegt im Osten des Landes an den Ufern der Drau, im Herzen der historischen Region Slawonien. Die Stadt besteht aus mehreren früher eigenständigen Zentren: der Festung beziehungsweise Altstadt (Tvrđa), der Unterstadt (Donji grad) und dem heutigen Zentrum, der Oberstadt (Gornji grad).
Die erste urkundliche Erwähnung unter dem ungarischen Namen Eszék stammt aus dem Jahr 1196. Davor markierten bereits die Kelten den Anfang der Siedlung, der römische Name der Stadt war Mursa. 1809 erhielt Osijek den Status einer freien königlichen Stadt und gehörte zum Ende des 19. Jahrhunderts zu den größten wirtschaftlichen und kulturellen Zentren im Königreich Kroatien, Slawonien und Dalmatien innerhalb der k. u. k. Monarchie. Unter dem Einfluss von Budapest, Prag und Wien entwickelte sich um 1900 ein eigener Stil der Sezession – zu den architektonischen Highlights dieser Epoche gehört das 1912 eingeweihte Urania Kino.
Immer gut erreichbar
Osijek verfügt über einen internationalen Flughafen rund 20 Kilometer südöstlich der Stadt, der in der Sommersaison auch direkt aus Deutschland angeflogen wird. Dazu kommt eine Flixbus-Direktverbindung von Deutschland über Österreich, deren Endpunkt Osijek ist. Mit dem Auto erreicht man die Stadt über die kroatischen Nationalstraßen D2 und D7 (E 73), die sich hier kreuzen.
Vor Ort gibt es einen öffentlichen Nahverkehr mit zwei Straßenbahn- und mehreren Buslinien, für die auf Antrag ein vergünstigtes Studierendenticket erhältlich ist. Wer in der Innenstadt oder in Uni-Nähe wohnt, kommt ohnehin zu Fuß überall hin. Radfahrer finden rund 40 Kilometer Radwege im Stadtgebiet; Osijek liegt zudem an der internationalen Donau-Fahrradstrecke von Deutschland über Österreich und Ungarn nach Serbien, Rumänien und Bulgarien sowie an der EuroVelo 6, die vom Atlantik bis zum Schwarzen Meer führt.
Wohnen in Osijek
In Osijek findet man sehr viele verschiedene Wohnungen, meist komplett möbliert. Die Mietpreise sind im Vergleich zu deutschen Großstädten sehr angenehm. Gute Angebote finden Studierende auf den kroatischen Portalen njuskalo.hr (eine Art kroatisches eBay) und index.hr/oglasi sowie in Facebook-Gruppen. Die Übersetzungsfunktion des Browsers hilft dabei zuverlässig weiter. Ein Tipp aus der Studierendenschaft: Bei Gas, Wasser und Strom lohnt sich ein zweiter Blick auf die vereinbarten Konditionen.
Essen, Sport und Freizeit
Essen ist in Osijek deutlich günstiger als in Deutschland. Studierende essen mit Studierendenausweis vergünstigt in den Fakultätskantinen und in drei weiteren Restaurants. Lieferdienste wie Wolt, Glovo und Bolt sind etabliert. Zu den Favoriten der Studierenden gehören Waldinger, Project 9, Lumiere, Ventidue, El Paso, Franz Koch, Lipov hlad, Strossmayer No. 2, das Hotel Osijek mit dem Restaurant Pepe und das Café Roche.
Sportlich ist die Stadt breit aufgestellt: Fitnessstudios wie Gyms4you, City Fitness, zwei Blue Gym Fitness Standorte und Central Dux Fitness, dazu das Hallenbad Gradski Bazeni mit Studierendenrabatt und das Freibad Bazeni Copacabana. Entlang der Drau führt eine Laufstrecke, gegenüber von Tvrđa liegt ein Sportplatz, und wer gerne Rad fährt, trainiert auf dem internationalen Fernradweg „Amazon of Europe“. Das Angebot reicht von Aikido über Badminton und Bowling bis zu Volley- und Wasserball. Osijek war 2009 einer der Austragungsorte der Handball-Weltmeisterschaft der Männer, wofür eigens eine neue Mehrzweckhalle gebaut wurde; dazu kommen zwei Basketballvereine und ein Fußballklub.
Kulturell bietet die Stadt das 1866 erbaute Kroatische Nationaltheater mit Schauspiel, Musiktheater und Ballett, ein kleineres Theater in der Unterstadt mit Comedy-Programm, das Museum Slawoniens und das Archäologie-Museum. Der Zoologische Garten mit Aquarium beherbergt über 100 Tierarten und ist flächenmäßig der größte Zoo Kroatiens. Jedes Jahr im Juni findet die „Pannonian Challenge“ statt, ein Festival der urbanen Kultur und des Extremsports mit BMX-, Skate- und Inline-Kategorien.
Das Nachtleben spielt sich traditionell donnerstags ab. Beliebt sind Franz Koch mit englischer und kroatischer Musik und meist freiem Eintritt, der gut besuchte Q Club mit Balkan-Volksmusik sowie Exit und Epick. Wer mehr will: Zagreb und Budapest sind für einen Wochenendausflug gut erreichbar.
Der Studienablauf: Vorklinik in Kroatien, Klinik in Deutschland
Der Aufbau ist der eigentliche Kern dieses Modells. Die Semester 1 bis 5 sowie das abschließende Semester 12 finden in Osijek statt. Die Semester 6 bis 11 – also der klinische Abschnitt inklusive Bedside-Teaching am Krankenbett – absolvieren die Studierenden in Deutschland an den AMEOS Kliniken.
Als Standorte für das Bedside-Teaching stehen sechs Häuser in Sachsen-Anhalt zur Verfügung:
- AMEOS Klinikum Aschersleben
- AMEOS Klinikum Bernburg
- AMEOS Klinikum Halberstadt
- AMEOS Klinikum Haldensleben
- AMEOS Klinikum Schönebeck
- AMEOS Klinikum Staßfurt
Die Gruppengrößen sind klar strukturiert: Die Vorlesung besuchen alle 60 Studierenden eines Jahrgangs gemeinsam, die Seminare finden in zwei Gruppen zu je 30 Studierenden statt, und der Unterricht am Krankenbett läuft in zehn Kleingruppen zu je sechs Studierenden. Diese Betreuungsrelation ist der große Vorteil des Modells – sechs Studierende pro Bett bedeuten praktisch, dass jeder selbst untersucht und nicht nur zuschaut.
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AMEOS: Wer steht hinter dem klinischen Teil?
Die AMEOS Gruppe ist ein Gesundheitsdienstleister mit rund 18.500 Mitarbeitenden und über 100 Einrichtungen an über 50 Standorten in der Schweiz, Österreich und Deutschland. Dazu gehören Krankenhäuser, Polikliniken sowie Reha-, Pflege- und Eingliederungseinrichtungen, mit einem Schwerpunkt auf der regionalen Versorgung gerade im ländlichen Raum.
Das Wachstum ist gut dokumentiert: 2003 umfasste die Gruppe 11 Einrichtungen, 2005 waren es 32, 2011 bereits 50, 2019 dann 85 und 2024 schließlich 107 Einrichtungen. Parallel stieg die Zahl der Betten und Plätze von rund 1.000 im Jahr 2003 auf rund 11.000 im Jahr 2024. Der Name steht als Akronym für Außergewöhnlich, Menschlich, Engagiert, Offen und Sozial.
Für Studierende ist vor allem eines relevant: Wer den klinischen Abschnitt in diesen Häusern absolviert, kennt die Strukturen, die Abläufe und die Teams bereits, wenn es um die Facharztausbildung geht. Der Übergang vom Studium in die Weiterbildung ist dadurch kurz.
Bewerbung und Zulassung
Die Bewerbung läuft über ein Online-Tool. Diese Unterlagen werden verlangt:
- Motivationsschreiben (maximal 2 Seiten)
- Tabellarischer Lebenslauf mit Lichtbild
- Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung
- Gegebenenfalls Nachweis über eine absolvierte Ausbildung im studienspezifischen Bereich
- Gegebenenfalls Nachweis über Berufserfahrung (Arbeitszeugnisse, Beurteilungen, Tätigkeitsnachweise)
- Kopie von Reisepass oder Personalausweis
- Nachweis guter Deutschkenntnisse auf Niveau C1 (TELC Language Test oder Deutsch-Zertifikate des Goethe-Instituts) bei Nicht-Muttersprachlern
Das Auswahlverfahren in drei Schritten
Schritt 1 – Vorauswahl: Bewertet werden die Bewerbungsunterlagen und die Zugangsberechtigung. Berücksichtigt werden dabei die Abiturnote, eine vorangegangene Berufsausbildung in einem studienspezifischen Beruf sowie das gesellschaftliche Engagement.
Schritt 2 – Assessment Center: Hier folgen ein IT-basierter Test mit Leistungskomponente und Persönlichkeitsmerkmalen, ein Wissenstest in Biologie, Chemie und Physik sowie ein strukturiertes Interview im MMI-Format (Multiple Mini Interview).
Schritt 3 – Immatrikulation und Studienbeginn.
Im Zulassungsverfahren können maximal 1.000 Punkte erreicht werden, die sich wie folgt zusammensetzen:
- Abschlussnote Abitur: maximal 200 Punkte
- Wissen, kognitive Fähigkeiten, persönliche Qualitäten und Diskussion mit dem Ausschuss: maximal 500 Punkte
- Motivation und Präqualifikation, etwa Freiwilligenarbeit in Gesundheitseinrichtungen: maximal 300 Punkte
Das ist die entscheidende Zahl für alle, die einen Abischnitt jenseits von 1,x haben: Die Abiturnote macht nur 20 Prozent der Gesamtpunktzahl aus. 80 Prozent kannst du dir durch Vorbereitung, Engagement und ein gutes Interview selbst erarbeiten. Genau das ist der praktische Unterschied zu einem reinen NC-Verfahren.
Finanzierung: Stipendien und weitere Wege
Ein Medizinstudium ist eine große Investition – sechs Jahre Studiendauer, Studiengebühren und Lebenshaltungskosten wollen geplant sein. Es gibt dafür mehr Wege, als die meisten Bewerber kennen. Diese Begabtenförderungswerke und Stiftungen fördern auch Medizinstudierende:
- Studienstiftung des deutschen Volkes – das renommierteste Stipendienprogramm Deutschlands, mit anspruchsvollen Auswahlkriterien (studienstiftung.de)
- Friedrich-Ebert-Stiftung – für Studierende mit gesellschaftlichem Engagement, alle Fachrichtungen (fes.de/studienfoerderung)
- Konrad-Adenauer-Stiftung – für begabte Studierende mit Fokus auf gesellschaftlicher Verantwortung, Wissenschaft und internationaler Zusammenarbeit (kas.de)
- Hans-Böckler-Stiftung – fördert unter anderem gesellschaftspolitisch engagierte Studierende einschließlich Medizin (boeckler.de)
- Heinrich-Böll-Stiftung – für Studierende mit Interesse an Umweltschutz, Menschenrechten und gesellschaftlicher Verantwortung (boell.de)
- Cusanuswerk – das Bischöfliche Studienförderungswerk für katholische Studierende aller Fachrichtungen (cusanuswerk.de)
Darüber hinaus lassen sich Studienkredite, eine Werkstudententätigkeit oder ein Nebenjob in den Semesterferien einsetzen. Ein Gespräch mit der Hausbank über Studienkreditkonditionen lohnt sich vor der Bewerbung, nicht danach.
Anerkennung: Was der Abschluss wert ist
Kroatien ist seit dem 1. Juli 2013 EU-Mitglied. Damit greift für den Abschluss die EU-Berufsanerkennungsrichtlinie 2005/36/EG: Der kroatische Abschluss in Humanmedizin wird in allen EU- und EWR-Staaten automatisch anerkannt, ohne Kenntnisprüfung und ohne Gleichwertigkeitsprüfung im Einzelfall. Für die deutsche Approbation ist das der kurze, planbare Weg.
Das ist ein Punkt, den wir bei der Standortberatung immer wieder betonen: Ein EU-Abschluss vereinfacht die spätere Anerkennung spürbar. Wer diesen Aspekt hoch gewichtet, findet in Kroatien, Bulgarien, Polen, Ungarn, der Slowakei, Rumänien und Malta gleich mehrere gute Optionen.
Was kostet ein Medizinstudium im europäischen Vergleich?
Damit du die 8.000 Euro pro Semester einordnen kannst, hier eine Orientierung zu Standorten, die wir vermitteln (Studiengebühren der Universitäten, Stand 2026):
| Standort | Sprache | Gebühren pro Jahr | EU |
| Osijek (Kroatien) | Deutsch | 16.000 Euro | ja |
| Nikosia (Zypern) | Englisch | 23.000 Euro | ja |
| Budapest (Ungarn) | Englisch | 18.000 Euro | ja |
| Bratislava (Slowakei) | Englisch | 12.500 Euro | ja |
| Varna (Bulgarien) | Englisch | 10.000 Euro | ja |
| Novi Sad (Serbien) | Englisch | 7.000 Euro | nein |
| Niš (Serbien) | Englisch | 6.000 Euro | nein |
| Foča (Bosnien) | Englisch | 3.500 Euro | nein |
Die Spanne ist groß – und sie hängt sehr stark an einer einzigen Variablen: der Studiensprache. Damit sind wir bei dem Punkt, den ich persönlich für den wichtigsten dieses ganzen Artikels halte.
Meinung des Autors: Die Fachsprache der Medizin ist Englisch
Vorweg: Ein deutschsprachiges Medizinstudium ist ein starkes Angebot. Für manche Bewerber ist es genau das Richtige – etwa wenn jemand mit Fremdsprachen in der Schule nie warm geworden ist, wenn die Familie eng eingebunden bleiben soll oder wenn der klinische Teil bewusst in Deutschland stattfinden soll. Das Modell in Osijek erfüllt diesen Wunsch sauber und gut organisiert.
Trotzdem rate ich jedem Interessenten, das englischsprachige Studium ernsthaft zu prüfen, bevor er sich festlegt. Und zwar aus zwei Gründen.
Erstens: Englisch ist die Sprache, in der Medizin heute stattfindet
Die internationale Fachsprache der Medizin ist Englisch. In PubMed liegen inzwischen rund 38 Millionen Einträge, die ganz überwiegende Mehrheit der medizinischen Fachartikel weltweit erscheint auf Englisch. Die großen Leitlinien, die Cochrane Reviews, die Standardlehrbücher wie Harrison’s oder Gray’s Anatomy, praktisch jeder internationale Kongress, jede Studie, die du später für deine Doktorarbeit liest – alles Englisch. Auch die klinischen Entscheidungs- und KI-Systeme, die gerade in die Krankenhäuser einziehen, arbeiten primär auf englischsprachiger Evidenz.
Das heißt: Diese Sprache brauchst du in der Medizin ohnehin. Die einzige Frage ist, ob du sie fünf Jahre lang nebenbei mitnimmst oder ob du sie dir nach dem Studium zusätzlich aufsattelst.
Zweitens: Ein Studium auf Englisch schafft wirklich jeder
Das ist die Hürde, vor der die meisten stehen – und sie ist kleiner, als sie aussieht. Die medizinische Fachsprache ist zu einem großen Teil lateinisch und griechisch. „Musculus biceps brachii“ heißt in Osijek, in Varna und in Harvard exakt gleich. Du lernst diese Begriffe in jeder Studiensprache neu – nur eben einmal mit englischem statt mit deutschem Bindegewebe drumherum.
Dazu kommt: Die Vorlesungen an den englischsprachigen Programmen werden für internationale Studierende gehalten, nicht für Muttersprachler. Dozenten und Kommilitonen sprechen ein klares, ruhiges, funktionales Englisch. In der Praxis erzählen mir unsere Studierenden fast einheitlich dasselbe: Die ersten sechs bis acht Wochen sind ungewohnt, danach denkt niemand mehr darüber nach. Wer Schulenglisch auf B1- bis B2-Niveau mitbringt, ist ausreichend ausgerüstet. Und wer unsicher ist, bereitet sich mit einem Sprachkurs im Sommer vor dem Studienstart vor – das reicht.
Was dir Englisch später bringt
- Famulaturen und PJ-Tertiale weltweit: Ein englischsprachiges Studium öffnet dir Kliniken in Großbritannien, Irland, Skandinavien, Singapur, Südafrika oder den USA. Das ist ein Bewerbungsvorteil, der bleibt.
- Wissenschaft und Doktorarbeit: Publiziert wird auf Englisch. Wer die Sprache im Studium verinnerlicht hat, schreibt seine erste Veröffentlichung deutlich schneller.
- USMLE und internationale Examina: Der Weg in die USA führt über englischsprachige Prüfungen. Aus einem englischsprachigen Studium heraus ist das ein realistisches Ziel.
- Facharzt im Ausland: Die Schweiz, Skandinavien und die Golfregion suchen aktiv Ärzte. Englisch ist dort in Forschung und Fortbildung Standard.
- Mehr Standorte, mehr Preisspielraum: Wie die Tabelle oben zeigt, liegen die englischsprachigen Programme zwischen 3.500 und 23.000 Euro pro Jahr. Du hast schlicht mehr Auswahl und kannst Standort, Kosten und Lebensqualität frei kombinieren.
- Internationales Netzwerk: In einem englischsprachigen Jahrgang sitzen Kommilitonen aus 20 Ländern. Dieses Netzwerk trägt dich durch die gesamte Karriere.
Mein Fazit dazu, ganz persönlich: Ich würde die Studiensprache nicht als Komfortfrage behandeln, sondern als Karriereentscheidung. Wenn du dich für Deutsch entscheidest, dann bewusst und mit guten Gründen – nicht aus Respekt vor einer Hürde, die in der Praxis nach zwei Monaten verschwunden ist.
Häufige Fragen zum Medizinstudium in Osijek
Gibt es in Kroatien einen NC für Medizin?
Für den internationalen Studiengang in Osijek gibt es keinen Numerus Clausus. Die Abiturnote fließt mit maximal 200 von 1.000 Punkten in das Auswahlverfahren ein, die restlichen 800 Punkte kommen aus Assessment Center, Wissenstest, Interview und Engagement.
Wie lange dauert das Medizinstudium in Osijek?
Sechs Jahre beziehungsweise zwölf Semester mit einem Umfang von 5.500 Unterrichtseinheiten.
Was kostet das Studium insgesamt?
8.000 Euro pro Semester, also 16.000 Euro pro Jahr und rund 96.000 Euro über die gesamte Regelstudienzeit. Hinzu kommen Lebenshaltungskosten von etwa 500 bis 700 Euro monatlich während der Zeit in Kroatien.
Wird der Abschluss in Deutschland anerkannt?
Ja. Kroatien ist seit 2013 EU-Mitglied, der Abschluss fällt unter die EU-Richtlinie 2005/36/EG und wird in Deutschland automatisch anerkannt.
Brauche ich Kroatisch?
Für das Studium selbst nicht – der Unterricht findet auf Deutsch statt. Für den Alltag, Behördengänge und den Patientenkontakt sind Grundkenntnisse trotzdem sehr hilfreich. Die meisten Studierenden lernen sie nebenbei.
Wann ist der Bewerbungsschluss?
Der Studienstart ist immer zum Wintersemester. Die Bewerbungsfristen für die internationalen Programme liegen typischerweise im Frühjahr und Sommer – wir empfehlen, die Bewerbung spätestens im Januar oder Februar vorzubereiten, weil Unterlagen, Beglaubigungen und Übersetzungen Zeit brauchen.
Kann ich später nach Deutschland wechseln?
Ja, ein Wechsel an eine deutsche Universität ist grundsätzlich möglich. Sinnvoll wird er in der Regel erst nach vollständig abgeschlossener Vorklinik, also ab dem fünften Semester. Verbindlich ist der Anrechnungsbescheid des zuständigen Landesprüfungsamts nach § 12 ÄAppO.
Wie wir dich unterstützen
Die Medizinerschmiede vermittelt Studienplätze an über 25 akkreditierten Universitäten in mehr als zehn Ländern und hat bereits mehr als 500 Studierende auf ihren Platz gebracht. Wir schauen uns deine Ausgangslage an – Abischnitt, Budget, Sprachniveau, Lebensplanung – und sagen dir ehrlich, welcher Standort und welche Studiensprache zu dir passen. Danach übernehmen wir Bewerbung, Unterlagen, Fristen, Vorbereitung auf den Aufnahmetest und die Betreuung vor Ort.
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Zusammenfassung
Der deutschsprachige Studiengang in Osijek ist ein durchdachtes Modell: NC-frei, EU-Abschluss, kleine Gruppen, Vorklinik in Kroatien, klinischer Teil an sechs AMEOS Kliniken in Deutschland und im Idealfall der direkte Übergang in die Facharztausbildung. Wer bewusst auf Deutsch studieren will und die 16.000 Euro pro Jahr einplanen kann, findet hier ein sauber organisiertes Programm mit einer starken Betreuungsrelation von sechs Studierenden pro Kleingruppe am Krankenbett.
Die ehrliche Empfehlung bleibt trotzdem: Prüfe vorher, ob ein englischsprachiges Studium für dich in Frage kommt. Englisch ist die Sprache, in der Medizin heute weltweit stattfindet, es ist mit Schulenglisch gut zu schaffen, und es öffnet dir mehr Standorte, mehr Preisspielraum und mehr Möglichkeiten nach dem Studium. Entscheide dich für die Sprache, die zu deiner Karriere passt – nicht für die, die im ersten Moment bequemer klingt.
- Der internationale Studiengang der Medizinischen Fakultät Osijek startete im Wintersemester 2021 und wird vollständig auf Deutsch unterrichtet.
- Die Semester 1 bis 5 sowie das Semester 12 finden in Osijek statt, die Semester 6 bis 11 an sechs AMEOS Kliniken in Sachsen-Anhalt.
- Das Studium in Osijek dauert sechs Jahre beziehungsweise zwölf Semester und umfasst 5.500 Unterrichtseinheiten, ein Jahrgang besteht aus rund 60 Studierenden.
- Im Zulassungsverfahren in Osijek sind maximal 1.000 Punkte erreichbar, die Abiturnote macht mit maximal 200 Punkten nur 20 Prozent der Gesamtpunktzahl aus.
- Kroatien ist seit dem 1. Juli 2013 EU-Mitglied, weshalb der Abschluss nach der Richtlinie 2005/36/EG in allen EU- und EWR-Staaten ohne Kenntnisprüfung anerkannt wird.
- Die Lebenshaltungskosten in Osijek liegen erfahrungsgemäß bei 500 bis 700 Euro im Monat.
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Über den Autor

Marcel Kloos
Eidgenössisch anerkannter Zahnarzt und Gründer der Medizinerschmiede
Marcel Kloos gründete die Medizinerschmiede bereits im Auslandsstudium, seither wurden über 500 Studienplätze vermittelt. Der gebürtige Stuttgarter studierte Zahnmedizin von 2015 bis 2021 in Sofia und ist eidgenössisch anerkannter Zahnarzt.
Heute lebt er in Bern und führt die Medizinerschmiede hauptberuflich als Inhaber.
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