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Ratgeber

Herzchirurgie: Facharztausbildung, Was Herzchirurgen täglich machen, Gehalt

Herzchirurgie: Facharztausbildung, Was Herzchirurgen täglich machen, Gehalt

17.09.2026

9 Lesezeit

Herzchirurgen operieren am lebenswichtigsten Organ des Körpers. Der Name allein erzeugt Respekt — und das zu Recht. Aber jenseits des Prestiges ist die Herzchirurgie ein Fach, das viele Studierende deutlich falsch einschätzen: zu wenig Stellen, zu lang die Weiterbildung, zu nischig. Was wirklich stimmt, was übertrieben ist und was dich in der Herzchirurgie wirklich erwartet — das erkläre ich hier.

Was Herzchirurgen behandeln — das Spektrum des Fachs

Die Herzchirurgie ist das Fach der operativen Herztherapie. Bypass-Operationen (CABG), Herzklappeneingriffe (Ersatz und Rekonstruktion), operativer Aortenwurzelersatz, Vorhofflimmerchirurgie, angeborene Herzfehler im Erwachsenenalter, mechanische Herzunterstützungssysteme (LVAD) und Herztransplantation — das ist das Kern-Repertoire. Laut Bund esärztekammer-Statistik 2024 gibt es in Deutschland rund 1.000 Fachärzte für Herzchirurgie — eine der kleinsten chirurgischen Fachgruppen überhaupt.

Das klingt nach wenig. Ist aber auch Ausdruck der Hochkonzentration: Herzchirurgie findet nicht in der Kreisklinik statt, sondern in Herzzentren, die oft 30–60 Herzchirurgen beschäftigen. Bundesweit gibt es rund 80 herzchirurgische Abteilungen, davon etwa 30 mit Universitätsstatus.

Der Trend der letzten Jahre: Kathetergestützte Herzklappenverfahren wie TAVI und MitraClip haben klassisch-chirurgische Eingriffe bei bestimmten Patientengruppen teilweise verdrängt. Herzchirurgen, die heute ausgebildet werden, müssen mit dieser Entwicklung umgehen — entweder durch Expertise in Hybridverfahren oder durch Fokus auf Bereiche, die die Kathetermethode nicht ersetzt: komplexe Rekonstruktionen, Endokarditis, Reoperationen.

Weiterbildung Herzchirurgie — Struktur, Dauer, Richtzahlen

Die Weiterbildungsordnung der Bund esärztekammer schreibt für den Facharzt Herzchirurgie eine Mindestweiterbildungszeit von 6 Jahren vor: 2 Jahre Basisweiterbildung Chirurgie und 4 Jahre herzchirurgische Spezialweiterbildung — davon 6 Monate an einer anerkannten herzchirurgischen Intensivstation.

AbschnittMindestdauerInhalt
Basisweiterbildung Chirurgie2 JahreGemeinsam mit anderen chirurgischen Fächern
Herzchirurgie spezifisch4 JahreBypass, Klappen, angeborene Herzfehler, Aorta, LVAD
Intensivmedizin herzchirurgisch6 MonateHerzchirurgische Intensivstation
Richtzahlen (Mindest)200 Eingriffe gesamtdavon 100 als selbständiger Operateur, inkl. Eingriffe am Herzstillstand

Die Herzchirurgie ist eines der selektivsten chirurgischen Fächer. Nicht jede Klinik hat eine herzchirurgische Abteilung. Die Wahl des Hauses ist damit noch weniger optional als in anderen Fächern — sie bestimmt, ob du die Weiterbildung überhaupt absolvieren kannst.

Was viele unterschätzen: Die herzchirurgische Weiterbildung ist eng, kleinteilig und deutlich hierarchischer als in anderen chirurgischen Fächern. Du arbeitest über Jahre eng mit 1–2 Oberärzten zusammen. Recherchiere das Haus und den Chefarzt sorgfältig.

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Herzchirurgie im Alltag — was Herzchirurgen täglich machen

Um 7:30 Uhr laufen die ersten Patienten an die Herz-Lungen-Maschine. Bypass-OPs dauern 3–5 Stunden, Klappenrekonstruktionen teils länger. Mehrere Eingriffe pro Tag sind in gut laufenden Herzzentren normal.

Die herzchirurgische Intensivstation ist kein Anhängsel — sie ist ein Kernbestandteil des Arbeitsalltags. Postoperative Betreuung von Hochrisikopatienten, Beatmungsmanagement, Handling von Nachblutungen: das gehört zur täglichen Routine.

Notfälle kommen seltener als in der Gefäßchirurgie — die meisten Eingriffe sind geplant. Wenn Notfälle kommen, sind es aber die ernstesten der Medizin überhaupt: Aortendissektion Typ A, penetrierende Herztraumata, akutes Klappenpumpversagen. Kein Spielraum, keine zweite Chance.

Internationaler Blick: Herzchirurgie in anderen Ländern

Herzchirurgie ist ein globales Fach — die Eingriffe sind überall ähnlich, die Ausbildungssysteme stark verschieden.

Die Schweiz bildet Herzchirurgen nach FMH-Standard aus — 6 Jahre, mit strenger Akkreditierung der Ausbildungsstätten. Schweizer Herzzentren gehören zu den leistungsstärksten in Europa. Die Gehälter liegen deutlich über dem deutschen Niveau: Ein Assistenzarzt in der Herzchirurgie verdient in der Schweiz 9.000–11.000 CHF brutto monatlich. Das Spektrum der Eingriffe — von minimalinvasiver Klappenrekonstruktion bis LVAD-Implantation — ist breit und wird konsequent gelehrt.

In den USA ist der Weg zur Cardiothoracic Surgery (CT Surgery) einer der längsten und kompetitivsten in der Medizin: 5 Jahre General Surgery Residency, dann 2–3 Jahre CT Surgery Fellowship. Integrierte Programme (Integrated Cardiothoracic Residency) verkürzen das auf 6 Jahre, sind aber extrem schwer zu bekommen. Ein CT Surgery Fellow verdient ca. 80.000–95.000 USD pro Jahr. Als Facharzt in einem privaten Herzzentrum sind 700.000–1.000.000 USD jährlich möglich — einer der höchsten Verdünste in der Medizin überhaupt.

Großbritannien bietet im NHS eine strukturierte Cardiac Surgery-Ausbildung (Core Surgical Training 2 Jahre + HST Cardiothoracic 6 Jahre). Der Wettbewerb um HST-Plätze ist hoch. NHS-Herzchirurgen arbeiten mit EWTR-Schutz (max. 48 Stunden/Woche), was aber in dieser Fachrichtung schwer umzusetzen ist — die Eingriffe dauern, wie sie dauern. Seit 2023 gibt es im NHS stärkere Bemühungen um strukturierte Ausbildungsprogramme auch für minimalinvasive Herzchirurgie.

Australien bildet Herzchirurgen über das Fellowship of the Royal Australasian College of Surgeons (FRACS) in Cardiothoracic Surgery aus — eine Ausbildung, die 6–8 Jahre nach dem Medizinstudium in Anspruch nimmt. Der australische Markt ist klein, der Wettbewerb hoch, die Entlohnung als Facharzt aber sehr gut. Australische Herzchirurgen gehen oft für Teile ihrer Ausbildung nach Europa oder in die USA — internationale Vernetzung ist üblich.

Stellenmarkt und Karriere — wie realistisch ist der Weg?

Die Herzchirurgie ist eines der wenigen chirurgischen Fächer, bei dem es echte Konkurrenz um Stellen gibt. Die Anzahl an herzchirurgischen Ausbildungsplätzen ist begrenzt — nicht weil die Fächer knausert, sondern weil die Fachstruktur es so vorgibt. 80 Abteilungen mit je 2–4 Assistenzärzten in Weiterbildung — das sind bundesweit 200–350 Weiterbildungsplätze insgesamt.

Wer den Weg zur Herzchirurgie plant, sollte früh hospitieren, Kontakte knüpfen und Publikationen anstreben — gerade an Universitätszentren ist die akademische Leistung ein echtes Auswahlkriterium. Zusätzlich gilt: Der Stellenmarkt für fertige Herzchirurgen ist gut, weil die Absolventenzahl begrenzt ist.

Das Auslandsstudium als Einstiegsweg? Möglich, aber der Wettbewerb um herzchirurgische Weiterbildungsplätze ist härter als in anderen Fächern. Sprachkompetenz, Noten, frühe Kontakte — alles zählt.

Gehalt in der Herzchirurgie — Tarif, Praxis, Potenzial

An öffentlichen Krankenhäusern gilt der TV-Ärzte (Marburger Bund) auch in der Herzchirurgie. Das Grundgehalt als Assistenzarzt liegt 2026 bei 5.100–6.800 Euro brutto monatlich. Aber: In der Herzchirurgie kommen häufig zusätzliche Vergütungsbestandteile hinzu — z. B. Zulagen für perfusionistische Tätigkeiten, Intensivdienste und Spezialeingriffe.

PositionBruttogehalt monatlich (2026, Richtwert)
Assistenzarzt Jahr 1–2ca. 5.100–5.600 € + Dienste
Assistenzarzt Jahr 3–5ca. 5.600–7.000 € + Dienste
Facharzt Herzchirurgieca. 8.000–10.500 €
Oberarztca. 10.000–14.000 €
Chefarzt / Direktor Herzchirurgieindividuell, oft weit über 15.000 €

Herzchirurgen in privaten Herzzentren und bei liqiudationsberechtigen Chefarztpositionen liegen deutlich über dem Tarif. Die Kombination aus Fachseltenh eit und hohem Spezialisierungsgrad macht die Herzchirurgie zu einem der besser vergüteten chirurgischen Fächer — besonders im oberen Karrierebereich.

Meine Meinung als Zahnarzt und Gründer

Die Herzchirurgie ist das Fach, das ich im Gespräch mit Studierenden immer wieder gezielt anspreche — weil es anders ist als sein Ruf. Es gilt als unerreichbar. Als das härteste Fach. Als das, was man nur macht, wenn man ein übermenschliches Talent hat. Das stimmt so nicht.

Was wirklich stimmt: Die Herzchirurgie setzt hohe Anforderungen voraus — technische Präzision, mentale Stärke, einen langen Atem. Aber die entscheidenden Faktoren sind meistens nicht Talent, sondern Ausdauer und die richtigen Kontakte zum richtigen Zeitpunkt.

In meiner Beratungsarbeit bei der Medizinerschmiede erlebe ich, dass viele Studierende die Herzchirurgie zu früh aufgeben — nicht weil sie nicht geeignet sind, sondern weil sie keine Vorstellung haben, wie sie in das Fach einsteigen. Hospitieren, netzwerken, früh publiziertieren — das sind die Schritte.

Für Studierende, die Medizin im Ausland studiert haben: Der Weg in die Herzchirurgie ist anspruchsvoller als in andere Fächer, aber nicht verschlossen. Ich kenne Kollegen mit Abschlüssen aus Südosteuropa, die heute in deutschen Herzzentren arbeiten. Entscheidend ist die gesamte Performance — Examensnoten, erste klinische Erfahrung, Sprachkompetenz. Wir beraten gerne.

Zusammenfassung

  • Die Facharztausbildung Herzchirurgie dauert mindestens 6 Jahre (2 Jahre Basisweiterbildung + 4 Jahre Spezialweiterbildung) mit 200 herzchirurgischen Eingriffen als Richtzahl, davon 100 als selbständiger Operateur.
  • Laut Bund esärztekammer-Statistik 2024 gibt es rund 1.000 Herzchirurgen in Deutschland und rund 80 herzchirurgische Abteilungen — ein sehr selektives Fach mit konzentrierter Struktur.
  • Das Gehalt als Assistenzarzt liegt 2026 bei 5.100–7.000 € brutto monatlich (TV-Ärzte), als Facharzt und Oberarzt deutlich höher, mit starkem Steigerungspotenzial in leitenden Positionen.
  • International bieten die Schweiz (9.000–11.000 CHF brutto) und die USA (bis zu 1 Mio. USD jährlich als Facharzt) die attraktivsten Einkommensmöglichkeiten.
  • Der Stellenmarkt für fertige Herzchirurgen ist gut — die begrenzte Anzahl an Ausbildungsplätzen hält die Absolventenzahl dauerhaft niedrig.
  • Der Weg in die Herzchirurgie erfordert frühe Kontakte, akademische Leistung und Hospitationen — ist aber auch über ein Auslandsstudium möglich, wenn die Gesamtperformance stimmt.

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Häufige Fragen zur Herzchirurgie

Wie lange dauert die Facharztausbildung Herzchirurgie?

Mindestens 6 Jahre: 2 Jahre Basisweiterbildung Chirurgie und 4 Jahre herzchirurgische Spezialweiterbildung. Dazu 6 Monate herzchirurgische Intensivmedizin und 200 Eingriffe als Richtzahl. In der Praxis dauert die Weiterbildung 7–8 Jahre, je nach Eingriffshäufigkeit am jeweiligen Zentrum.

Was verdient ein Herzchirurg als Assistenzarzt?

Im öffentlichen Dienst (TV-Ärzte) liegt das Grundgehalt 2026 bei 5.100–7.000 Euro brutto monatlich, abhängig von Berufsjahr und Diensten. Als Facharzt sind 8.000–10.500 Euro realistisch. In leitenden Positionen und an privaten Herzzentren liegen die Einkommen deutlich höher.

Wie viele herzchirurgische Abteilungen gibt es in Deutschland?

Rund 80 — davon etwa 30 mit Universitätsstatus. Das ist die entscheidende Rahmenbedingung für das Fach: Du kannst die Weiterbildung nur an einem dieser Häuser machen. Die Platzauswahl ist damit kleiner als in fast allen anderen chirurgischen Fächern.

Welche Eingriffe machen Herzchirurgen?

Bypass-Operationen (CABG), Herzklappen-Ersatz und -Rekonstruktion, Aortenwurzel-Chirurgie, LVAD-Implantation, Vorhofflimmerchirurgie, angeborene Herzfehler im Erwachsenenalter und Herztransplantation. Hinzu kommen Hybrideingriffe (z. B. TAVI-Unterstützung) in Kooperation mit der Kardiologie.

Ist die Herzchirurgie für mich geeignet?

Wenn du höchste technische Präzision, mentale Stärke unter Druck und lange Operationszeiten nicht scheust, ja. Das Fach verlangt Ausdauer — die Weiterbildung ist lang, die Hierarchien sind ausgeprägt, die Eingriffe anspruchsvoll. Wer dagegen frühe Selbstständigkeit und Planbarkeit sucht, ist in anderen Fächern besser aufgehoben.

Was ist der Unterschied zwischen Herzchirurgie und Kardiologie?

Die Kardiologie behandelt Herzerkrankungen konservativ und minimalinvasiv — mit Medikamenten, Stents, Kathetern. Die Herzchirurgie ist das operative Fach. Beide kooperieren eng — besonders bei Hybridverfahren wie TAVI. In vielen Herzzentren sind gemeinsame Tumorboards und Heart Teams mit beiden Fächern Standard.

Kann ich mit einem Auslandsabschluss Herzchirurg in Deutschland werden?

Ja, aber der Weg ist anspruchsvoller als in anderen Fächern. Die Anzahl der Weiterbildungsplätze ist begrenzt, der Wettbewerb ist höher. Gute Examensnoten, frühe Hospitationen in deutschen Herzzentren und Sprachkompetenz auf C1-Niveau sind Voraussetzungen. Wir beraten dazu kostenfrei über unsere Beratungsseite.

Welche Rolle spielt die Herz-Lungen-Maschine?

Eine zentrale. Die klassische offene Herzchirurgie erfordert den Einsatz der Herz-Lungen-Maschine (Kardiopulmonaler Bypass, CPB). Du lernst die Arbeit mit ihr während der Weiterbildung. Zunehmend gibt es Techniken ohne CPB (OPCAB — Off-Pump Coronary Artery Bypass), die du ebenfalls kennen solltest.

Wie sieht die Work-Life-Balance in der Herzchirurgie aus?

Ehrlich: fordernd. Lange Operationszeiten, intensive postoperative Betreuung, regelmäßige Dienste — das macht die Herzchirurgie zu einem der zeitintensivsten chirurgischen Fächer. Gleichzeitig gehört die Herzchirurgen-Community international zu den engsten und solidarischsten — das macht vieles leichter.

Was sind die größten Herausforderungen in der Herzchirurgie?

Technisch: die präzise Arbeit am schlagenden oder stillen Herzen, Anastomosen unter höchstem Druck. Psychisch: Patienten, die trotz aller Bemühungen sterben. Das Fach hat eine höhere Mortalität unter den operierten Patienten als fast jedes andere — nicht weil die Chirurgen schlechter sind, sondern weil die Patienten oft sehr schwer krank ankommen.

Gibt es Herzchirurgen in der Niederlassung?

Kaum. Herzchirurgie ist ein Fach, das technische Infrastruktur erfordert, die nur große Kliniken bereitstellen können. Die ambulante Herzchirurgie wächst langsam, bleibt aber die Ausnahme. Die meisten Herzchirurgen arbeiten dauerhaft in Kliniken — entweder als Angestellte oder als Chefarztvariante mit Liquidationsrecht.

Lohnt sich die Herzchirurgie trotz des langen Weges?

Für die, die sie wollen: absolut. Wer die Ausdauer für die Weiterbildung aufbringt, arbeitet später in einem Fach mit hohem Prestige, exzellenter Vergütung und echter Wirkung. Kein anderer chirurgischer Eingriff verursacht so viel Lebenszeit-Gewinn für Patienten wie die erfolgreiche Bypass-Operation oder Herzklappenrekonstruktion.

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Eidgenössisch anerkannter Zahnarzt und Gründer der Medizinerschmiede

Marcel Kloos gründete die Medizinerschmiede bereits im Auslandsstudium, seither wurden über 500 Studienplätze vermittelt. Der gebürtige Stuttgarter studierte Zahnmedizin von 2015 bis 2021 in Sofia und ist eidgenössisch anerkannter Zahnarzt.

Heute lebt er in Bern und führt die Medizinerschmiede hauptberuflich als Inhaber.

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