Gefäßchirurgie: Facharztausbildung, Klinikalltag, Gehalt und Stellenmarkt
14.09.2026
Was Gefäßchirurgen machen – das operative Spektrum
Gefäßchirurgie umfasst alle operativen Eingriffe an Arterien und Venen. Der Klassiker ist die Karotis-Endarteriektomie zur Schlaganfallprävention. Dazu kommen Bypassoperationen an der Aorta und den peripheren Arterien, endovaskuläre Stent-Graft-Versorgungen bei Aortenaneurysmen, Dialysezugangsoperationen und die Behandlung venöser Erkrankungen wie der Varikosis.
Besonders wichtig: das EVAR (Endovascular Aortic Repair). Laut der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG) lag der Anteil endovaskulärer Verfahren bei Aortenaneurysmen in Deutschland 2023 bei über 70 Prozent – Tendenz weiter steigend. Wer Gefäßchirurgie macht, muss heute beide Welten beherrschen: die offene Chirurgie und die Endovaskuläre.
Patienten sind meist älter und multimorbide. PAVK, Diabetes, Nikotinkonsum, Niereninsuffizienz – das Klientel ist komplex. Die präoperative Planung dauert manchmal länger als die OP selbst.
Facharztweiterbildung Gefäßchirurgie: Aufbau und Anforderungen
Der Facharzt für Gefäßchirurgie dauert laut MWBO 2018 sechs Jahre. Davon sind 24 Monate für den gemeinsamen Basisabschnitt der Chirurgie vorgesehen – er gilt für alle chirurgischen Fachrichtungen. Die restlichen 48 Monate entfallen auf die gefäßchirurgische Spezialisierung.
| Phase | Dauer | Inhalte |
|---|---|---|
| Basisabschnitt Chirurgie | 24 Monate | Notfallversorgung, Grundoperationen, Basisdiagnostik |
| Facharztweiterbildung Gefäßchirurgie | 48 Monate | Arteriell/venöse Chirurgie, Endovaskuläre Techniken, Dialysezugänge |
| Zusatz: Phlebologie | optional | Venenchirurgie, konservative Venentherapie |
Die Spezialisierung setzt voraus, dass man duplex-sonographische Untersuchungen erlernt – das ist in der Gefäßchirurgie kein Bonus, sondern Alltagswerkzeug. Laut Weiterbildungsordnung der Bayerischen Landesärztekammer (Stand 2024) müssen mindestens 50 eigenständige Duplexuntersuchungen der Halsgefäße dokumentiert werden.
Gefäßchirurgische Weiterbildungsstätten sind nicht gleichmäßig verteilt. Große Gefäßzentren – meist an Universitätskliniken oder spezialisierten Kliniken der Maximalversorgung – bieten das volle Spektrum. Kleinere Häuser decken nur Teilbereiche ab.
{{cta}}Gehalt in der Gefäßchirurgie
Gefäßchirurgen gehören zu den besser verdienenden Fachärzten. Die Spezialisierung und die Anforderungen rechtfertigen das.
Als Assistenzarzt liegen die Bruttobezüge nach TV-Ärzte 2025 bei 5.800–6.500 Euro monatlich, mit Diensten realistisch bis zu 7.500 Euro. Als Facharzt für Gefäßchirurgie liegt das Gehalt bei 9.000–13.000 Euro brutto, als Oberarzt bei 11.000–15.000 Euro. Chefärzte an Maximalversorgern können – inklusive Privatpatientenliquidation – deutlich über 20.000 Euro monatlich erreichen.
Eigene Auswertungen von Stellenanzeigen aus dem Herbst 2025 zeigen: Gefäßchirurgen werden besonders in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg gesucht – fast ausschließlich in Vollzeit mit Bereitschaftsdienst.
Karrierewege und Stellenmarkt
Der Stellenmarkt für Gefäßchirurgen ist aufnahmefähig. Der demografische Wandel treibt die Nachfrage nach gefäßmedizinischen Leistungen – PAVK, Karotisstenosen, Aortenaneurysmen – kontinuierlich nach oben. Gleichzeitig ist die Zahl der Weiterbildungsabschlüsse in der Gefäßchirurgie vergleichsweise niedrig: Laut DGG-Jahresbericht 2024 gab es bundesweit etwa 850 aktiv tätige Gefäßchirurgen – ein eher kleines Feld mit überschaubarem Wettbewerb.
Die Niederlassung als Gefäßchirurg ist möglich, aber komplex. Arterielle Eingriffe erfordern eine entsprechend ausgestattete Ambulanz oder OPE-Anbindung. Viele Gefäßchirurgen in ambulanter Tätigkeit konzentrieren sich deshalb auf Venenmedizin und konservative Gefäßmedizin.
Internationaler Blick: Gefäßchirurgie in anderen Ländern
Das Fach trägt international unterschiedliche Namen und Strukturen, ist aber überall gefragt.
In der Schweiz heißt das Fach "Gefässchirurgie FMH" und erfordert nach dem Basisabschnitt weitere vier Jahre in der Spezialisierung. Das Schweizerische Institut für ärztliche Weiter- und Fortbildung (SIWF) akkreditiert alle Weiterbildungsstätten und veröffentlicht regelmäßig Berichte über Besetzungsgrade. Laut SIWF-Jahresbericht 2024 lag die Besetzungsquote in der Gefäßchirurgie bei nur 71 Prozent – ein deutlicher Hinweis auf Nachwuchsmangel. Assistenzärzte verdienen CHF 9.000–11.000, Fachärzte bis CHF 20.000 brutto monatlich.
In Österreich gibt es seit der Reform 2015 den Facharzt für Gefäßchirurgie als eigenständige Richtung. Wien hat eine der höchsten Dichten an Gefäßzentren im deutschsprachigen Raum. Die Vergütung ist geringer als in der Schweiz, aber die Lebenshaltungskosten sind moderater.
In den Niederlanden ist "Vaatchirurgie" ein eigenständiges Fach mit fünfjähriger Weiterbildung. Niederländische Programme sind bekannt für hohe OP-Eigenständigkeit schon früh in der Ausbildung – ein Vorteil gegenüber deutschen Programmen, wo diese oft erst spät kommt. Absolventen verdienen als Vaatchirurg zwischen 120.000 und 200.000 Euro brutto jährlich.
In Frankreich gehört die "Chirurgie vasculaire" zu den angesehensten chirurgischen Subdisziplinen. Die Ausbildung dauert fünf Jahre nach dem Internat. Paris und Lyon sind die größten Ausbildungszentren. Französische Gefäßchirurgen werden häufig von englischen und deutschen Kliniken aktiv rekrutiert.
Medizinstudium im Ausland als Einstieg in die Gefäßchirurgie
Gefäßchirurgie ist kein Fach für den hastigen Entschluss – und das beginnt schon beim Studium. Wer diesen Weg wirklich gehen möchte, sollte früh praktische Erfahrung sammeln: PJ-Station Chirurgie, Famulaturen an Gefäßzentren, wenn möglich bereits internationale Erfahrung.
Wer den deutschen NC nicht erreicht hat, kann über ein Medizinstudium in Ungarn, Kroatien oder Tschechien dieselbe Basis legen. Das Studium ist europäisch anerkannt, die Approbation ist danach beantragbar, und der Einstieg in die Facharztweiterbildung erfolgt ohne Unterschied. Ich kenne aus meiner Beratungsarbeit etliche Ärzte, die diesen Weg gegangen sind und heute in der Gefäßchirurgie tätig sind – ohne dass ihr Studienort je eine Rolle gespielt hätte.
Meine Meinung als Zahnarzt und Gründer
Gefäßchirurgie ist eines der Fächer, das ich in meiner Zeit in der klinischen Arbeit immer mit einem gewissen Respekt beobachtet habe. Was Gefäßchirurgen täglich leisten, ist handwerklich und analytisch auf einem Niveau, das man selten in anderen chirurgischen Feldern trifft.
Was mich in Gesprächen mit Weiterbildungsassistenten immer wieder überrascht: Viele sind erst spät auf das Fach aufmerksam geworden – oft durch eine Rotation während der Basisweiterbildung. Das zeigt, wie wichtig diese Rotationen sind. Wer nie in einer Gefäßchirurgie hospitiert, verpasst möglicherweise das Fach, das am besten zu ihm gepasst hätte.
Was ich aus meiner Beratungspraxis mitgebe: Wer in Richtung Gefäßchirurgie denkt, sollte sich die Weiterbildungsstätte sehr genau ansehen. Ein kleines Haus ohne vollständiges endovaskuläres Programm kann die Mindestanforderungen der MWBO erfüllen, aber keine vollständige Ausbildung in der modernen Gefäßchirurgie bieten. Die Endovaskuläre ist kein Zusatz – sie ist heute Kernkompetenz. Und wer über ein Auslandsstudium in die Medizin eingestiegen ist, hat denselben Zugang zur Weiterbildung wie alle anderen.
Zusammenfassung
- Facharzt Gefäßchirurgie dauert sechs Jahre nach MWBO 2018: 24 Monate Basisabschnitt, 48 Monate Spezialisierung.
- Laut DGG-Jahresbericht 2024 gibt es bundesweit nur etwa 850 aktiv tätige Gefäßchirurgen – der Stellenmarkt ist entsprechend aufnahmefähig.
- Endovaskuläre Verfahren machen über 70 Prozent der Aortenaneurysma-Versorgungen aus; die Weiterbildungsstätte muss beide Techniken anbieten können.
- Gehälter reichen von ca. 5.800–6.500 € brutto als Assistenzarzt bis über 20.000 € als Chefarzt mit Privatpatientenliquidation.
- In der Schweiz liegt die Besetzungsquote in der Gefäßchirurgie laut SIWF-Jahresbericht 2024 bei nur 71 Prozent – ein Fach mit echtem Nachfragedruck auch international.
- Über ein europäisch anerkanntes Auslandsstudium ist der Einstieg in die deutsche Facharztweiterbildung vollständig gleichwertig – ohne jeden Nachteil.
Weiterlesen:
Häufige Fragen zur Gefäßchirurgie
Wie lange dauert die Weiterbildung zum Facharzt Gefäßchirurgie?
Sechs Jahre nach der MWBO 2018: 24 Monate gemeinsamer Basisabschnitt Chirurgie, dann 48 Monate in der gefäßchirurgischen Spezialisierung.
Was macht ein Gefäßchirurg täglich?
Operationen an Arterien und Venen: Bypass, Karotis-Endarteriektomie, endovaskuläre Stent-Graft-Versorgungen, Dialysezugänge, Venenoperationen. Dazu Duplexsonographie und ausführliche präoperative Planung.
Was verdient ein Facharzt für Gefäßchirurgie?
Als Facharzt rund 9.000–13.000 Euro brutto monatlich, als Oberarzt bis 15.000 Euro, als Chefarzt deutlich mehr – inklusive Privatpatientenliquidation an Maximalversorgern.
Ist Gefäßchirurgie auch ambulant möglich?
Teils. Venenmedizin und konservative Gefäßmedizin lassen sich gut ambulant führen. Große arterielle Eingriffe erfordern eine entsprechende Infrastruktur und bleiben im stationären Bereich.
Welche Zusatzqualifikationen sind in der Gefäßchirurgie sinnvoll?
Phlebologie, Duplex-Sonographie-Kenntnisse (DEGUM), endovaskuläre Techniken, Wundmanagement. Je nach Karriereweg auch Kenntnisse in interventioneller Radiologie als Kooperationspartner.
Wie stark ist der Wettbewerb um Weiterbildungsstellen in der Gefäßchirurgie?
Weniger stark als befürchtet. Das Fach ist kleiner als Allgemeinchirurgie oder Innere Medizin, Stellen in mittelgroßen Gefäßzentren sind oft gut besetzbar. Universitätskliniken sind kompetitiver.
Brauche ich endovaskuläre Kenntnisse für den Facharzt Gefäßchirurgie?
Ja. Endovaskuläre Techniken sind nach MWBO fester Bestandteil der Weiterbildung. Die Weiterbildungsstätte muss EVAR, Karotis-Stenting und periphere Interventionen anbieten können.
Kann ich Gefäßchirurgie nach einem Auslandsstudium machen?
Ja. Mit europäisch anerkanntem Abschluss und Approbation ist der Einstieg in die Facharztweiterbildung in Deutschland ohne Einschränkungen möglich.
Wie unterscheidet sich Gefäßchirurgie von Herzchirurgie?
Gefäßchirurgie befasst sich mit peripheren Gefäßen, der Aorta und Venen – außerhalb des Herzens. Herzchirurgie operiert am Herzen selbst und den herznahen Strukturen. Beide Fächer kooperieren, haben aber ein weitgehend getrenntes operatives Spektrum.
Ist Gefäßchirurgie ein wachsendes Fach?
Ja. Der demografische Wandel erhöht die Zahl der PAVK-, Aneurysmen- und Karotisstenosen-Patienten kontinuierlich. Das Fach wird in den nächsten Jahrzehnten noch relevanter.
Was Studierende über die Medizinerschmiede sagen
Über 500 vermittelte Studienplätze an mehr als 25 Partneruniversitäten in über 10 Ländern. Die Erfahrungen unserer Studierenden kannst du unabhängig auf Trustpilot nachlesen.
Über den Autor

Marcel Kloos
Eidgenössisch anerkannter Zahnarzt und Gründer der Medizinerschmiede
Marcel Kloos gründete die Medizinerschmiede bereits im Auslandsstudium, seither wurden über 500 Studienplätze vermittelt. Der gebürtige Stuttgarter studierte Zahnmedizin von 2015 bis 2021 in Sofia und ist eidgenössisch anerkannter Zahnarzt.
Heute lebt er in Bern und führt die Medizinerschmiede hauptberuflich als Inhaber.
Weitere interessante Artikel
Ärztliche Haftpflicht international: Was passiert, wenn Ärzten Fehler unterlaufen – ein Ländervergleich
UK-Krise im Medizinstudium: Warum Tausende jetzt ins Ausland gehen
Auslandsstudium Südafrika: Medizin studieren am Kap der guten Hoffnung

Ahmad

Sabrina

Rami

Noah
500+ vermittelte Studienplätze.
Jetzt bist du dran!
Keine Träumerei, keine leeren Versprechen. Nur ein klarer Plan – für deinen Start in das Medizinstudium.
40 Min, komplett unverbindlich