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Ratgeber

Gefäßchirurgie: Facharztausbildung, Klinikalltag, Gehalt und Stellenmarkt

Gefäßchirurgie: Facharztausbildung, Klinikalltag, Gehalt und Stellenmarkt

17.09.2026

9 Lesezeit

Gefäßchirurgie ist ein Fach, das man nicht wählt, weil es glamourös ist. Man wählt es, weil kein anderes Fach so direkt Leben rettet: Bei einer akuten Aortendissektion zählen Minuten. Die Gefäßchirurgie ist eines der am stärksten interdisziplinär vernetzten Fächer der Medizin — und gleichzeitig eines, das viele Studierende beim Planen ihrer Karriere zu wenig auf dem Radar haben. Was die Weiterbildung umfasst, was Gefäßchirurgen verdienen und warum der Stellenmarkt 2026 so günstig ist wie selten — das erkläre ich hier.

Gefäßchirurgie — was das Fach ausmacht und wie es sich entwickelt

Die Gefäßchirurgie behandelt Erkrankungen der Blutgefäße außerhalb von Herz und Gehirn: Aortenaneurysmen, periphere arterielle Verschlusserkrankung, Karotisstenose, Venenerkrankungen. Laut Bund esärztekammer-Statistik 2024 sind bundesweit rund 1.400 Fachärzte für Gefäßchirurgie tätig — eine im Vergleich kleine Gruppe, aber mit steigendem Bedarf durch die alternde Bevölkerung.

Das Fach hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten fundamental verändert. Klassisch-offene Gefäßchirurgie — z. B. Bypass-Operationen an der Aorta — wird zunehmend durch endovaskuläre Verfahren ergänzt oder ersetzt. Wer Gefäßchirurg werden will, braucht heute beides: das Skalpell und den Katheter. Hybrideingriffe, bei denen offene und kathetergestützte Techniken kombiniert werden, gehören zum Standardrepertoire großer Häuser.

Die Interdisziplinarität ist ausgeprägt. Gefäßchirurgen arbeiten eng mit Angiologie, Kardiologie, Radiologie und Diabetologie zusammen. Wer gerne im Team arbeitet und nicht allein im stillen OP, ist hier richtig.

Weiterbildung Gefäßchirurgie — Struktur, Dauer, Richtzahlen

Die Weiterbildungsordnung der Bund esärztekammer schreibt für den Facharzt Gefäßchirurgie eine Mindestweiterbildungszeit von 6 Jahren vor: 2 Jahre Basisweiterbildung Chirurgie plus 4 Jahre gefäßchirurgische Spezialweiterbildung. Zusätzlich sind definierte operative Richtzahlen nachzuweisen.

AbschnittMindestdauerInhalt
Basisweiterbildung Chirurgie2 JahreGemeinsam mit anderen chirurgischen Fächern
Gefäßchirurgie spezifisch4 JahreArterien, Venen, endovaskulär, Hybrid
Richtzahlen (Mindest)250 Eingriffe gesamtdavon 100 als selbständiger Operateur
Intensivmedizin6 MonateChirurgische oder angiologische Intensivstation

Die Basisweiterbildung ist fächerübergreifend — sie ist identisch mit der für Allgemein-, Thorax- oder Unfallchirurgie. Wer also während der ersten zwei Jahre merkt, dass Gefäßchirurgie nicht das Richtige ist, kann problemlos die Richtung wechseln.

Was Einsteiger regelmäßig überrascht: Nicht alle Weiterbildungsstätten bieten das volle Spektrum. Kleine Häuser haben häufig keine Hybrideingriffe oder kein endovaskuläres Programm. Die Wahl des Hauses entscheidet, ob du nach 6 Jahren die Richtzahlen hast oder erst nach 8.

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Gefäßchirurgie im Klinikalltag — ein typischer Tag

Morgens Gefäß-Visite: Wundkontrollen, Dopplermessungen, Verbandskontrollen. Dann OP — mit einem Mix aus geplanten Eingriffen und Notfällen. Die Aortendissektion um Mitternacht ist keine Seltenheit. Gefäßchirurgische Notfälle zählen zu den drängendsten in der Chirurgie überhaupt.

Nachmittags Ambulanz: Patienten mit pAVK, Diabetikern mit Wundheilungsstörungen, Nachsorge nach Stenting. Die Langzeitbeziehung zu Patienten ist in der Gefäßchirurgie ausgekrägter als in anderen chirurgischen Fächern — viele Patienten kommen jahrelang zurück.

Wochenenddienste gehören dazu. Der Notfallanteil ist in der Gefäßchirurgie einer der höchsten in der Chirurgie.

Internationaler Blick: Gefäßchirurgie in anderen Ländern

Die Gefäßchirurgie ist international gut vergleichbar — das Spektrum der Erkrankungen ist überall ähnlich. Die Ausbildungssysteme unterscheiden sich aber erheblich.

Österreich bildet Gefäßchirurgen nach einem 6-jährigen Curriculum aus (1 Jahr Basisausbildung, 5 Jahre Gefäßchirurgie). Die Weiterbildungsstätten sind streng akkreditiert. Ein Gefäßchirurg-Assistenzarzt verdient in Österreich je nach Bundesland ca. 4.500–5.000 Euro brutto monatlich inklusive Dienste. Die Krankenanstalten in Wien und Graz gelten als besonders gut ausgerüstet für endovaskuläre Verfahren.

Die Niederlande haben ein 6-jähriges Curriculum in Vaatchirurgie mit starker endovaskulärer Ausrichtung. Holländische Gefäßzentren gehören in Europa zu den fortschrittlichsten. Das Gehalt ist vergleichbar mit Deutschland, die Lebenshaltungskosten in den größeren Städten aber höher. Besonderheit: In den Niederlanden arbeiten Gefäßchirurgen und Interventionsradiologen oft in gemischten Teams — ein Modell, das zunehmend Schule macht.

In den USA gibt es zwei Ausbildungswege: ein integriertes 5+0-Programm (Vascular Surgery Residency, direkt nach dem Medizinstudium) und einen Fellowship-Weg (5 Jahre General Surgery + 2 Jahre Vascular Surgery Fellowship). Der Wettbewerb um integrierte Plätze ist sehr hoch. Ein Vascular Surgery Fellow verdient ca. 70.000–85.000 USD pro Jahr. Dafür ist das Einkommenspotenzial als Facharzt eines der höchsten in der Medizin: Über 500.000 USD jährlich sind in amerikanischen Ballungsgebieten keine Seltenheit.

Großbritannien bietet über das NHS-System eine strukturierte Vascular Surgery-Weiterbildung (Core Surgical Training 2 Jahre + HST 6 Jahre). Der NHS hat in den letzten Jahren stark in Gefäßzentren investiert, was die Ausbildungsqualität verbessert hat. NHS-Gefäßchirurgen arbeiten nach EWTR-Arbeitszeitregeln — maximal 48 Stunden pro Woche, was für Chirurgen eine Ausnahme darstellt.

Stellenmarkt Gefäßchirurgie 2026 — warum der Zeitpunkt günstig ist

Der demographische Wandel trifft die Gefäßchirurgie besonders stark. Erkrankungen der Gefäße häufen sich mit dem Alter — pAVK, Aortenaneurysmen, Karotisstenose. Gleichzeitig gehen viele erfahrene Gefäßchirurgen in den nächsten 10 Jahren in den Ruhestand. Die Folge: Der Stellenmarkt 2026 gehört in der Gefäßchirurgie zu den günstigsten aller chirurgischen Fächer.

Oberärzte und leitende Oberärzte in der Gefäßchirurgie sind derzeit besonders gefragt. Wer eine Weiterbildung in einem gut ausgerüsteten Haus abschließt und das volle endovaskuläre Spektrum beherrscht, findet keine Probleme, eine Stelle zu finden.

Gehalt in der Gefäßchirurgie — was du verdienst

Das Gehaltsstruktur richtet sich an öffentlichen Häusern nach dem TV-Ärzte (Marburger Bund). Gefäßchirurgen können zusätzlich zum Grundgehalt Funktionszulagen für endovaskuläre Eingriffe oder Nachtdienst-Pauschalen erhalten.

PositionBruttogehalt monatlich (2026, Richtwert)
Assistenzarzt Jahr 1–2ca. 5.100–5.600 € + Dienste
Assistenzarzt Jahr 3–5ca. 5.600–6.800 € + Dienste
Facharzt Gefäßchirurgieca. 7.500–9.000 €
Oberarztca. 9.500–12.000 €
Chefarzt / Abteilungsleitungindividuell, Chefarztvertrag

Gefäßchirurgen in privaten Gefäßzentren oder in leitenden Positionen können deutlich über dem Tarifdurchschnitt liegen. Die Kombination aus hohem Notfallanteil, Spezialisierung und geringer Facharzt-Dichte macht die Gefäßchirurgie zu einem Fach mit gutem Verdienstpotenzial.

Meine Meinung als Zahnarzt und Gründer

Die Gefäßchirurgie ist eines der Felder, das ich in meinen Beratungsgesprächen bei der Medizinerschmiede oft gezielt erwähne — weil es regelmäßig unterbewertet wird. Studenten, die nach einem Fach suchen, das sowohl technische Präzision als auch echte medizinische Tiefe bietet, übersehen es erstaunlich oft.

Was mich an diesem Fach überzeugt: die Kombination aus Notfallmedizin und langfristiger Patientenbeziehung. Du kannst morgens eine akute Aortendissektion operieren und nachmittags denselben Patienten auf der Nachsorgeambulanz sehen. Das gibt es so nicht in allen chirurgischen Fächern.

Ein Punkt, den ich aus meiner Beobachtung hinzufügen möchte: Die Wahl des Weiterbildungshauses ist in keinem anderen chirurgischen Fach so entscheidend wie hier. Ein Haus ohne Hybridsal und ohne endovaskuläres Programm kann dir die wichtigsten Techniken schlicht nicht beibringen. Recherchiere genau, bevor du unterschreibst.

Für Studierende, die über ein Auslandsstudium in die Gefäßchirurgie einsteigen wollen: Der Weg funktioniert. Die Basisweiterbildung ist international kompatibel, und qualifizierte Gefäßchirurgen sind überall gefragt. Wir unterstützen gerne bei der Planung.

Zusammenfassung

  • Die Facharztausbildung Gefäßchirurgie dauert mindestens 6 Jahre (2 Jahre Basisweiterbildung + 4 Jahre Spezialweiterbildung) mit 250 Eingriffen als Richtzahl, davon 100 als selbständiger Operateur.
  • Laut Bund esärztekammer-Statistik 2024 sind rund 1.400 Gefäßchirurgen in Deutschland tätig — eine kleine, spezialisierte Gruppe mit wachsendem Bedarf.
  • Das Gehalt liegt 2026 als Assistenzarzt bei 5.100–6.800 € brutto monatlich (TV-Ärzte), als Facharzt bei 7.500–9.000 € und darüber.
  • Der Stellenmarkt ist 2026 günstig: Demographischer Wandel und Ruhestand älterer Gefäßchirurgen sorgen für steigende Nachfrage.
  • International sind die Niederlande und die Schweiz starke Ausbildungsländer mit guter Vergütung und endovaskulärer Ausbildung.
  • Die Wahl des Weiterbildungshauses entscheidet mehr als in anderen Fächern über Ausbildungsqualität — Hybrideingriffe und endovaskuläres Spektrum sind Muss-Kriterien.

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Häufige Fragen zur Gefäßchirurgie

Wie lange dauert die Facharztausbildung Gefäßchirurgie?

Mindestens 6 Jahre: 2 Jahre Basisweiterbildung Chirurgie und 4 Jahre gefäßchirurgische Spezialweiterbildung. Dazu kommen definierte Richtzahlen (250 Eingriffe, davon 100 als Operateur). In der Praxis dauert es oft 7–8 Jahre, abhängig vom Weiterbildungshaus.

Was verdient ein Gefäßchirurg als Assistenzarzt?

Im öffentlichen Dienst (TV-Ärzte) liegt das Grundgehalt 2026 zwischen 5.100 und 6.800 Euro brutto monatlich — plus Dienste. Als Facharzt ohne Führungsfunktion sind 7.500–9.000 Euro realistisch. Privatkliniken und leitende Positionen liegen teils deutlich darüber.

Was ist der Unterschied zwischen Gefäßchirurgie und Angiologie?

Die Angiologie ist das konservative Fach — sie diagnostiziert und behandelt Gefäßerkrankungen ohne Operation, z. B. mit Medikamenten und Kathetern. Die Gefäßchirurgie ist das operative Pendant. Beide arbeiten eng zusammen, oft in gemeinsamen Ambulanzen oder Gefäßzentren.

Welche Erkrankungen behandeln Gefäßchirurgen?

Vor allem: Aortenaneurysmen, periphere arterielle Verschlusserkrankung (pAVK), Karotisstenose, Venenerkrankungen (Varizen, Thrombosen), akute Gefäßverschlüsse und gefäßbedingte Wundprobleme bei Diabetikern. Notfälle wie Aortendissektion oder Mesenterialarterienverschluss sind lebensbedrohlich und zeitkritisch.

Brauche ich für die Gefäßchirurgie Erfahrung in endovaskulären Techniken?

Du lernst sie während der Weiterbildung — aber ein Haus ohne Hybridsal und entsprechendes Programm kann sie dir nicht vermitteln. Achte bei der Stellenwahl genau darauf, ob das endovaskuläre Spektrum Teil der Ausbildung ist. Das ist die wichtigste Frage im Bewerbungsgespräch.

Ist die Gefäßchirurgie körperlich belastend?

Ja, aber im Vergleich zur Allgemein- oder Unfallchirurgie weniger extremes Dauerstehen. Viele endovaskuläre Eingriffe erfolgen in angenehmerer Körperhaltung. Dafür gibt es häufig Strahlenbelastung im Hybrid-OP durch Fluoroskopie — Strahlenschutz ist ein echtes Thema für die Langzeitgesundheit.

Wie ist die Work-Life-Balance in der Gefäßchirurgie?

Gefäßchirurgie hat einen hohen Notfallanteil. Nachtdienste und Wochenendbereitschaft sind Standard. Dafür sind die Abteilungen meist kleiner als in der Allgemeinchirurgie, was den Zusammenhalt im Team stärkt. An Zentren mit 24/7-Bereitschaft für Aortenpathologien sind die Dienste belastender.

Welche Kliniken bilden gut in der Gefäßchirurgie aus?

Gefäßzentren an Universitätskliniken und großen Schwerpunktversorger bieten das breiteste Spektrum. Kleinere Häuser mit Gefäßabteilung bilden oft auch gut aus, haben aber selten das volle endovaskuläre Programm. Entscheidend: Hat das Haus einen zertifizierten Hybrideingriffs-Saal?

Gibt es genug Gefäßchirurgen in Deutschland?

Nein — der Bedarf wächst schneller als die Ausbildungskapazität. Die alternde Bevölkerung bringt mehr Gefäßerkrankungen. Gleichzeitig nähern sich viele erfahrene Gefäßchirurgen dem Rentenalter. Das macht den Stellenmarkt 2026 sehr günstig für Nachwuchs.

Kann ich Medizin im Ausland studieren und dann Gefäßchirurg in Deutschland werden?

Ja. Der Weg über ein Medizinstudium in der EU — etwa in Bulgarien, Ungarn oder Tschechien — in eine deutsche Gefäßchirurgie-Weiterbildung ist möglich und wurde von Studierenden, die wir begleiten, erfolgreich beschritten. Wir beraten dazu kostenfrei über unsere Beratungsseite.

Was ist der Unterschied zwischen Gefäßchirurgie und Herzchirurgie?

Die Herzchirurgie ist ausschließlich auf das Herz fokussiert — Bypass-OPs, Herzklappenoperationen, Herzinsuffizienzchirurgie. Die Gefäßchirurgie behandelt alle anderen Gefäße — Aorta, Arterien, Venen — außerhalb des Herzens. Die Grenzen überlappen bei Aortenchirurgie, weshalb beide Fächer eng kooperieren.

Lohnt sich die Gefäßchirurgie als Spezialisierung?

Ja — sowohl medizinisch als auch wirtschaftlich. Das Fach hat einen wachsenden Markt, einen günstigen Stellenmarkt und bietet handwerklich wie intellektuell anspruchsvolle Arbeit. Wer Interdisziplinarität mag und technisch affin ist, trifft hier eine gute Wahl.

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Eidgenössisch anerkannter Zahnarzt und Gründer der Medizinerschmiede

Marcel Kloos gründete die Medizinerschmiede bereits im Auslandsstudium, seither wurden über 500 Studienplätze vermittelt. Der gebürtige Stuttgarter studierte Zahnmedizin von 2015 bis 2021 in Sofia und ist eidgenössisch anerkannter Zahnarzt.

Heute lebt er in Bern und führt die Medizinerschmiede hauptberuflich als Inhaber.

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