Herzchirurg Gehalt 2026: Was Herzchirurgen in Klinik und Praxis verdienen
11.09.2026
Herzchirurgie als Fachrichtung: Ausbildungsweg und Alltag
Die Herzchirurgie ist eine eigenständige Facharztrichtung. Die Weiterbildungszeit beträgt fünf Jahre, zuzüglich der gemeinsamen chirurgischen Weiterbildungsinhalte von zwei Jahren – also effektiv sieben Jahre bis zum Facharzt. Nicht alle Kliniken haben die volle Weiterbildungsbefugnis; wer den kompletten Weg absolvieren will, braucht oft einen Standortwechsel.
Der klinische Alltag ist intensiv. Herzchirurgen führen Bypass-Operationen durch, ersetzen Herzklappen, versorgen thorakale Aortenaneurysmen und implantieren Herzunterstützungssysteme. Dazu kommen Herztransplantationen, die an spezialisierten Zentren stattfinden. Der Nachtdienstanteil ist hoch. Herznotfälle kommen nachts.
Ein wichtiger Punkt für die Karriereplanung: Herzchirurgen werden selten in der Praxis tätig, weil operative Eingriffe Klinikinfrastruktur erfordern. Die Karriere spielt sich fast ausschließlich in Krankenhäusern und Herzzentren ab. Das beeinflusst Gehalt, Arbeitszeiten und Karrierepfad.
Herzchirurg Gehalt 2026 im Überblick
Bruttojahresgehalt nach TV-Ärzte für tarifgebundene Häuser, inklusive Bereitschaftsdienste, ohne Privatpatientenliquidation. Nicht tarifgebundene Häuser und private Klinikketten weichen teils erheblich ab:
| Karrierestufe | Brutto/Jahr | Mit Diensten und Zulagen |
|---|---|---|
| Assistenzarzt (frühe Phase) | 60.000–72.000 € | 68.000–82.000 € |
| Assistenzarzt (spätere Phase) | 68.000–80.000 € | 76.000–92.000 € |
| Facharzt Herzchirurgie | 90.000–120.000 € | 100.000–135.000 € |
| Oberarzt | 115.000–150.000 € | 130.000–170.000 € |
| Leitender Oberarzt | 140.000–175.000 € | 155.000–190.000 € |
| Chefarzt (ohne Liquidation) | 200.000–280.000 € | – |
| Chefarzt (mit Liquidation) | 300.000–600.000+ € | individuell verhandelt |
Herzchirurgen verdienen im Vergleich zu anderen chirurgischen Fächern durchschnittlich 10–20 % mehr – das liegt an der Spezialisierung, dem Risikoniveau der Eingriffe und dem begrenzten Angebot an ausgebildeten Fachärzten. Der Markt ist klein. Qualifizierte Herzchirurgen sind gefragt.
{{cta}}Was das Gehalt in der Herzchirurgie bestimmt
Das Zentrum macht den Unterschied: Wer an einem großen Herzzentrum arbeitet – etwa dem Deutschen Herzzentrum München oder dem Herz- und Diabeteszentrum Bad Oeynhausen – hat andere Gehaltskonditionen als an einem Haus der Schwerpunktversorgung mit kleiner herzchirurgischer Abteilung. Volumen ist alles: mehr Eingriffe, mehr Erfahrung, bessere Verhandlungsposition.
Träger und Tarifbindung: Private Klinikketten zahlen Assistenzärzten oft weniger als Unikliniken, holen aber auf Facharzt- und Oberarztebene auf. Freigemeinnützige Träger orientieren sich meist am TV-Ärzte. Universitätskliniken zahlen nach TV-L, was je nach Bundesland unter dem TV-Ärzte liegen kann.
Bereitschaftsdienste: Herzchirurgen leisten regelmäßig Bereitschaftsdienste. Das ist kein optionaler Zusatz. Jede Rufbereitschaft und jeder Hintergrunddienst zählt zum effektiven Einkommen. Auf Assistenzarztebene macht das 15.000–25.000 Euro pro Jahr aus.
Liquidationsrecht: Auf Chefarztebene ist das der dominante Gehaltstreiber. Wer das Recht erhält, Privatpatienten direkt abzurechnen, verdient ein Vielfaches des Grundgehalts. Ohne dieses Recht bleibt man beim Grundgehalt, das zwar gut, aber kein Ausreißer ist.
Internationaler Blick: Herzchirurg Gehalt in anderen Ländern
Die Herzchirurgie ist ein globaler Markt. Erfahrene Herzchirurgen sind weltweit gefragt – und in einigen Ländern deutlich besser bezahlt als in Deutschland.
Schweiz: Herzchirurgen an Schweizer Universitätsspitälern und kantonalen Zentren verdienen als Oberarzt typischerweise 190.000–240.000 Schweizer Franken brutto pro Jahr. Kaderärzte kommen auf 280.000–420.000 CHF. Deutsch bleibt Arbeitssprache, die Anerkennung des deutschen Facharzttitels läuft unkompliziert. Für spezialisierte Herzchirurgen eine der attraktivsten Optionen in Europa.
USA: Laut Medscape Compensation Report 2024 verdienen Cardiothoracic Surgeons in den USA im Median über 600.000 US-Dollar jährlich. Top-Performer an akademischen Zentren wie der Cleveland Clinic oder Mayo Clinic überschreiten die Millionengrenze. Der Einstieg erfordert USMLE, Residency und Fellowship – ein mehrjähriger Prozess, der sich langfristig rechnet.
Großbritannien: NHS-Consultant-Stellen für Herzchirurgie liegen bei 105.000–135.000 GBP pro Jahr. Viele Consultants ergänzen das durch private Praxis – bis zu 100.000–200.000 GBP zusätzlich. Der NHS hat massiven Nachholbedarf im herzchirurgischen Bereich, was die Einstiegschancen für EU-Fachärzte verbessert.
Golfstaaten (Saudi-Arabien, VAE, Katar): Herzchirurgen werden aktiv aus Europa rekrutiert. Gesamtpakete von 250.000–400.000 USD (steuerfrei, mit Unterkunft und Familie) sind üblich. Die Verträge sind zeitlich befristet, bieten aber die Möglichkeit, in kurzer Zeit erhebliches Kapital aufzubauen. Mehrere deutsche Herzchirurgen haben diesen Weg gewählt – für 3 bis 5 Jahre.
Skandinavien: Norwegen und Schweden zahlen Herzchirurgen auf Oberarztebene umgerechnet 130.000–160.000 Euro brutto. Das liegt unter der Schweiz, aber über Deutschland – bei deutlich weniger Nachtdienstverpflichtung. Für Familien mit Kindern eine interessante Alternative.
Herzchirurgie als Karrierewahl: Was man wissen sollte
Herzchirurgie ist kein Fach für alle. Die körperliche Belastung ist hoch, die Eingriffe lang (3–8 Stunden keine Seltenheit), die emotionale Last bei Komplikationen erheblich. Das Fach verlangt viel – und gibt viel zurück.
Wer primär auf Gehalt schaut: Es gibt Fachrichtungen mit besserem Verhältnis von Einkommen zu Belastung – Radiologie, Anästhesiologie oder Dermatologie etwa. Herzchirurgie bezahlt gut, aber sie kostet auch viel an Zeit und Energie.
Wer den Weg trotzdem gehen will und noch am Anfang steht: Der Studienweg macht für die Facharztkarriere keinen Unterschied. Medizinstudium im Ausland – mit anschließender Approbation in Deutschland – führt identisch in die herzchirurgische Weiterbildung. Bei Fragen zur Studienplanung helfen wir kostenlos und unverbindlich.
Meine Meinung als Zahnarzt und Gründer
Herzchirurgie hat in der medizinischen Wahrnehmung eine besondere Stellung. Das Fach steht für höchste Präzision unter maximaler Belastung – und gleichzeitig für einen Alltag, der keine halben Sachen kennt.
Was ich in Gesprächen mit angehenden Medizinern immer wieder beobachte: Das Gehalt ist nicht der Haupttreiber für die Facharztwahl Herzchirurgie. Wer das ernsthaft in Betracht zieht, hat meist schon früh im Studium oder in einem Famulaturblock gespürt, dass es genau das ist. Andere Motive als Überzeugung halten die langen Weiterbildungsjahre selten durch.
Trotzdem sollte man die finanziellen Realitäten nicht ignorieren. Das Gehaltsgefälle zwischen Deutschland und der Schweiz ist auf Oberarztebene enorm – und die Hürden für einen Wechsel sind geringer, als viele denken. Wer nach dem Facharzt in die Schweiz wechselt, braucht kein neues Examen, sondern gutes Networking und die Bereitschaft, einen neuen Bewerbungsprozess zu durchlaufen. Ich kenne das aus eigener Erfahrung: von 2015 bis 2021 habe ich in Sofia Zahnmedizin studiert und bin danach in der Schweiz als eidgenössisch anerkannter Zahnarzt tätig. Der Weg war aufwendig, aber machbar.
Mein Rat für angehende Herzchirurgen: Informiert euch früh über internationale Optionen – nicht um Deutschland zu verlassen, sondern um zu wissen, was möglich ist. Das stärkt auch die Verhandlungsposition im deutschen System.
Zusammenfassung
- Herzchirurgen verdienen in Deutschland auf Assistenzarztebene 60.000–82.000 € brutto pro Jahr (mit Diensten), als Facharzt 90.000–135.000 € und auf Chefarztebene mit Liquidationsrecht 300.000–600.000+ €.
- Das Fach ist klein: rund 80 herzchirurgische Abteilungen bundesweit – das schafft Übersichtlichkeit im Stellenmarkt, aber auch echte Verhandlungsmacht für qualifizierte Fachärzte.
- Laut Medscape Compensation Report 2024 verdienen Herzchirurgen in den USA im Median über 600.000 US-Dollar – an Top-Zentren überschreiten die Besten die Millionengrenze.
- Schweizer Herzzentren zahlen Oberarzt-Herzchirurgen 190.000–240.000 CHF brutto pro Jahr – der Schritt dorthin erfordert kein neues Examen, nur Netzwerk und Bewerbung.
- Die sieben Jahre effektive Weiterbildungszeit verlaufen identisch, egal ob das Medizinstudium in Deutschland oder im EU-Ausland absolviert wurde – der Studienort ist für die Facharztkarriere irrelevant.
- Herzchirurgie verlangt körperlich und emotional viel – wer das aus Überzeugung wählt, findet eine der finanziell und inhaltlich reichhaltigsten medizinischen Karrieren.
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Häufige Fragen zum Herzchirurg Gehalt
Was verdient ein Herzchirurg als Assistenzarzt?
Im ersten Jahr liegt das Bruttojahresgehalt nach TV-Ärzte bei rund 60.000–65.000 Euro. Mit Bereitschaftsdiensten – die in der Herzchirurgie regelmäßig anfallen – kommen viele Assistenzärzte auf 70.000–82.000 Euro brutto jährlich.
Was verdient ein Facharzt für Herzchirurgie?
Als frisch ernannter Facharzt sind 90.000–120.000 Euro brutto pro Jahr realistisch. Mit Bereitschaftsdiensten liegt das effektive Jahresgehalt häufig bei 100.000–135.000 Euro. An großen Herzzentren sind die Konditionen oft überdurchschnittlich.
Wie viel verdient ein Chefarzt der Herzchirurgie?
Ohne Privatpatientenliquidation: 200.000–280.000 Euro brutto. Mit Liquidationsrecht – in der Herzchirurgie häufig vereinbart – sind 300.000 bis 600.000+ Euro möglich. Die Verhandlung dieses Rechts ist Teil jedes Chefarztvertrags und macht den größten Einkommensunterschied.
Wie lange dauert die Weiterbildung zum Herzchirurgen?
Effektiv sieben Jahre: zwei Jahre gemeinsamer chirurgischer Weiterbildungsinhalt plus fünf Jahre Kernweiterbildung Herzchirurgie. Danach folgt die Facharztprüfung bei der Landesärztekammer. Nicht alle Häuser haben die vollständige Weiterbildungsbefugnis.
Gibt es niedergelassene Herzchirurgen?
Kaum. Herzchirurgie erfordert OP-Infrastruktur, Intensivstation und Perfusionisten – das ist nur im Klinikrahmen möglich. Einzelne Herzchirurgen arbeiten in spezialisierten ambulanten OP-Zentren, aber die überwiegende Mehrheit ist klinisch tätig.
Kann ich mit einem Auslandsstudium Herzchirurg in Deutschland werden?
Ja. Wer in der EU Medizin studiert – etwa in Bulgarien, Tschechien oder Rumänien – und danach die Approbation in Deutschland erhält, tritt identisch in die herzchirurgische Weiterbildung ein. Der Studienweg hat auf den Facharztpfad keinen Einfluss.
Was verdienen Herzchirurgen in der Schweiz?
Oberärzte an Schweizer Universitätsspitälern verdienen 190.000–240.000 CHF brutto pro Jahr. Kaderärzte kommen auf 280.000–420.000 CHF. Die Anerkennung des deutschen Facharzttitels ist für EU-Ärzte geregelt – kein neues Examen nötig.
Wie stark unterscheidet sich das Herzchirurg-Gehalt von anderen Chirurgen?
Herzchirurgen verdienen auf Facharzt- und Oberarztebene typischerweise 10–20 % mehr als Allgemeinchirurgen oder Unfällchirurgen. Das liegt an der Spezialisierung, dem Risikoniveau der Eingriffe und dem kleineren Angebot an ausgebildeten Fachärzten.
Welche Herzzentren in Deutschland zahlen am besten?
Große Maximalversorger und spezialisierte Herzzentren zahlen in der Regel besser als kleine Abteilungen. Bekannte Adressen sind das Deutsche Herzzentrum München, das Herz- und Diabeteszentrum NRW (Bad Oeynhausen) und das Universitätsherzzentrum Hamburg – jeweils mit hohen Fallzahlen und entsprechend guter Verhandlungsbasis für leitende Ärzte.
Lohnt sich Herzchirurgie als Facharztwahl?
Für die, die es aus Überzeugung wählen: eindeutig ja. Das Gehalt ist überdurchschnittlich, die Karrieremöglichkeiten überschaubar aber klar. Für reine Gehaltsoptimierung gibt es unkomplizierter erreichbare Fächer. Herzchirurgie belohnt die, die für das Fach brennen – und das merkt man im täglichen Umgang.
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Über den Autor

Marcel Kloos
Eidgenössisch anerkannter Zahnarzt und Gründer der Medizinerschmiede
Marcel Kloos gründete die Medizinerschmiede bereits im Auslandsstudium, seither wurden über 500 Studienplätze vermittelt. Der gebürtige Stuttgarter studierte Zahnmedizin von 2015 bis 2021 in Sofia und ist eidgenössisch anerkannter Zahnarzt.
Heute lebt er in Bern und führt die Medizinerschmiede hauptberuflich als Inhaber.
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