Als Arzt in die Schweiz auswandern: Anerkennung, Gehalt und die ehrliche Rechnung (Report 2026)
15.08.2026
Warum ausgerechnet die Schweiz
Die Schweiz hat sich in zwei Jahrzehnten zu einem Gesundheitssystem entwickelt, das ohne ausländisch ausgebildete Ärzte nicht funktionieren würde. Die FMH-Ärztestatistik 2025, veröffentlicht am 15. April 2026, zählt 44.612 berufstätige Ärztinnen und Ärzte, ein Plus von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 43 Prozent von ihnen haben ihr Medizinstudium im Ausland absolviert. Zum Vergleich: Der OECD-Durchschnitt liegt bei 19 Prozent.
Von den 1.132 neu erworbenen eidgenössischen Facharzttiteln des Jahres 2025 gingen 52 Prozent an Personen mit ausländischem Diplom. Zusätzlich wurden 1.533 ausländische Facharzttitel anerkannt.
Wer aus dieser Gruppe kommt, lässt sich für 2024 genauer aufschlüsseln. Von 42.602 berufstätigen Ärzten hatten 17.580 (41,3 Prozent) einen ausländischen Studienabschluss. Davon stammten 49,4 Prozent aus Deutschland, 9,7 Prozent aus Italien, 7,1 Prozent aus Frankreich und 6,0 Prozent aus Österreich. Rechnerisch sind das rund 8.700 Ärzte mit deutschem Diplom. Diese absolute Zahl weist die FMH nicht selbst aus – sie ergibt sich aus den beiden FMH-Angaben und ist als Grössenordnung zu lesen.
Bei den Zahnärzten ist das Bild noch deutlicher. Von 7.393 bewilligten Zahnärzten (Stand 31.12.2024) haben 46 Prozent ein anerkanntes ausländisches Diplom. Unter den 2024 neu Bewilligten waren es sogar 63 Prozent. Seit 2011 stehen 1.678 eidgenössischen Diplomen 5.550 anerkannte ausländische gegenüber. Deutschland ist dabei das häufigste Herkunftsland: 137 der 427 im Jahr 2024 anerkannten ausländischen Zahnarztdiplome kamen von dort.
Auch die anderen Medizinalberufe sind erfasst. Die BAG-Statistik 2024 nennt 7.341 registrierte Apotheker (Verhältnis Schweizer zu ausländischen Diplomen etwa 1 zu 1,6) und 3.709 Tierärzte, von denen 51 Anerkennungen im Jahr 2024 aus Deutschland stammten.
Das Anerkennungsverfahren: fünf Schritte, drei Behördenebenen
Der häufigste Denkfehler bei diesem Thema lautet: „Ich bin approbiert, also darf ich in der Schweiz arbeiten.“ So einfach ist es nicht. Der Bund erkennt an, der Kanton erlaubt – und für eine eigene Praxis kommt eine dritte Hürde dazu.
Rechtlich greifen drei Ebenen ineinander: das schweizerische Medizinalberufegesetz (MedBG, SR 811.11), die EU-Richtlinie 2005/36/EG und das Freizügigkeitsabkommen Schweiz–EU, das seit dem 1. Juni 2002 in Kraft ist.
Schritt 1: MEBEKO – Anerkennung des Diploms
Zuständig ist die Medizinalberufekommission (MEBEKO), Ressort Ausbildung, angesiedelt beim Bundesamt für Gesundheit in Bern. Sie ist für alle fünf universitären Medizinalberufe zuständig: Humanmedizin, Zahnmedizin, Veterinärmedizin, Pharmazie und Chiropraktik. Tierärzte und Apotheker laufen also über dieselbe Stelle wie Ärzte.
Für Deutsche, Österreicher und andere EU-Bürger mit EU-Diplom gilt der Normalfall der direkten Anerkennung: EU/EFTA-Diplom plus EU/EFTA-Staatsangehörigkeit. Wer sein Diplom ausserhalb der EU erworben hat, es aber in einem EU-Staat bereits anerkennen liess, fällt unter die indirekte Anerkennung. Wer ein EU-Diplom hat, aber keine EU-Staatsangehörigkeit, kann das Diplom nur registrieren lassen.
Das Gesuch geht ausschliesslich per Briefpost, mit beglaubigten Kopien. Originale werden nicht zurückgeschickt. Eine Eingangsbestätigung kommt per E-Mail nach rund drei Wochen.
Schritt 2: MEBEKO – Anerkennung des Facharzttitels
Das ist ein zweites, eigenständiges Gesuch. Diplomanerkennung und Facharzttitelanerkennung sind nicht dasselbe. Wer beides braucht, stellt zwei Anträge und zahlt zweimal.
Wichtig ist ein Hinweis, den FMH-Präsidentin Dr. Yvonne Gilli und Barbara Linder im Interview mit den Ärztestellen des Deutschen Ärzteblatts gegeben haben: Es gibt sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz Facharzttitel, die nicht unter die automatische gegenseitige Anerkennung fallen. Massgeblich ist die Liste des Schweizerischen Instituts für ärztliche Weiter- und Fortbildung (SIWF). Wer einen Titel führt, der dort keine Entsprechung hat, landet im Einzelfallverfahren.
Gebühren und Dauer
Die MEBEKO beziffert die Gebühren mit CHF 800 bis 1.000 für die Diplomanerkennung und noch einmal CHF 800 bis 1.000 für den Weiterbildungstitel, je nach Fachgebiet. Die Registrierung der Sprachkenntnisse kostet CHF 50 bis 100 pro Sprache. Dazu kommen beglaubigte Übersetzungen (ab rund CHF 100 pro Seite) und beglaubigte Kopien (rund CHF 15 pro Stück).
Zur Bearbeitungsdauer nennt das BAG auf beiden Verfahrensseiten (Stand Juli 2026) „derzeit ca. 3 Monate“. Wer Diplom und Facharzttitel nacheinander einreicht, sollte realistisch mit zweimal drei Monaten rechnen, plus die Zeit für den Kanton. Eine Beschleunigung ist nicht möglich, die Bearbeitung erfolgt strikt nach Eingang.
Zur Einordnung des Volumens: 2024 hat die MEBEKO 3.228 Diplome und 1.595 Weiterbildungstitel anerkannt.
Schritt 3: Die kantonale Berufsausübungsbewilligung
Hier überrascht die Schweiz die meisten Zuzügler. Die Bewilligung, den Beruf tatsächlich auszuüben, erteilt nicht der Bund, sondern die kantonale Gesundheitsdirektion – und sie gilt nur in diesem einen Kanton. Wer von Bern nach Zürich wechselt, braucht eine neue.
Seit der MedBG-Revision vom 1. Februar 2020 ist nicht mehr nur die selbständige Tätigkeit bewilligungspflichtig, sondern jede Tätigkeit „in eigener fachlicher Verantwortung“. Das erfasst auch angestellte Ärzte und Apotheker, die eigenverantwortlich arbeiten. Wer rein unter Aufsicht arbeitet – der klassische Assistenzarzt im Spital – braucht keine Bewilligung, wohl aber den MedReg-Eintrag.
Beispiel Kanton Zürich: Bearbeitungsdauer nach Eingang vollständiger Unterlagen rund sechs Wochen. Das Gesuch kann frühestens drei Monate vor Stellenantritt eingereicht werden, der Arbeitsbeginn vor Erteilung ist untersagt. Die Bewilligung gilt zehn Jahre. Selbständige brauchen eine Berufshaftpflicht mit mindestens 5 Millionen Franken Deckung. Die Gebühr für Zahnärzte beträgt in Zürich CHF 1.000 bei Ersterteilung und CHF 250 bei Erneuerung.
Schritt 4: Eintrag ins MedReg
Das Medizinalberuferegister ist eine öffentlich zugängliche Bundesdatenbank. Seit dem 1. Januar 2020 müssen sich alle in der Schweiz tätigen Medizinalpersonen dort registrieren. Eingetragen werden Diplome, Weiterbildungstitel, Sprachkenntnisse und kantonale Bewilligungen. Die GLN-Nummer bleibt lebenslang gleich.
Schritt 5: Die OKP-Zulassung – die grösste Überraschung
Wer in der Schweiz eine eigene Praxis eröffnen und zulasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung abrechnen will, braucht eine Zulassung nach Artikel 37 KVG. Und hier gilt seit dem 1. Januar 2022 eine Regel, die viele Zuzügler zu spät entdecken:
- Mindestens drei Jahre Tätigkeit im beantragten Fachgebiet an einer anerkannten schweizerischen Weiterbildungsstätte. Tätigkeit in anderen Fachgebieten wird nicht angerechnet. Ausländische Weiterbildungszeit ebenfalls nicht.
- Berechnet wird auf Basis eines 100-Prozent-Pensums. Bei 50 Prozent Teilzeit sind es entsprechend sechs Jahre.
- Zusätzlich ist eine in der Schweiz abgelegte Sprachprüfung nötig. Ein deutsches Diplom genügt hier ausdrücklich nicht.
- Ausnahmen gibt es seit März 2023 nur bei kantonal festgestellter Unterversorgung und nur in Allgemeiner Innerer Medizin, bei Praktischen Ärzten sowie in der Kinder- und Jugendmedizin und Kinder- und Jugendpsychiatrie.
Praktisch heisst das: Ein deutscher Facharzt kann nach rund einem halben Jahr Verfahren in einem Schweizer Spital anfangen. Eine eigene Praxis eröffnen kann er erst nach drei Jahren Anstellung in der Schweiz. Wer mit dem Bild „Praxis in Zürich, ab nächstem Sommer“ plant, sollte diesen Punkt zuerst prüfen.
Ob ein Wechsel in Ihrer Fachrichtung und Ihrem Zielkanton realistisch ist, klären wir im kostenlosen Beratungsgespräch.
Sprache: drei Hürden, die regelmässig verwechselt werden
Es gibt nicht einen Sprachnachweis, sondern drei verschiedene Anforderungen auf drei Ebenen.
Für MEBEKO und MedReg gilt mindestens B2 nach GER in einer Amtssprache der Region. Nachweisbar über ein anerkanntes Sprachdiplom (nicht älter als sechs Jahre), über einen Hochschulabschluss in dieser Sprache oder über drei Jahre Berufstätigkeit in dieser Sprache innerhalb der letzten zehn Jahre.
Für deutsche Muttersprachler mit deutschem Staatsexamen ist die zweite Option in der Deutschschweiz automatisch erfüllt. Der Sprachnachweis ist dort praktisch kein Thema. In der Romandie und im Tessin dagegen ist er die zentrale Hürde – und genau dort sind die Städte günstiger und die Konkurrenz kleiner.
Für die kantonale Bewilligung gilt ebenfalls B2. Der Kanton Zürich verlangt das seit 2018 auch für Zahnärzte, die unter fachlicher Aufsicht arbeiten, mit Eintrag im MedReg.
Für die OKP-Zulassung gilt die strengste Variante: eine in der Schweiz abgelegte Sprachprüfung. Der Kanton prüft das im Zulassungsverfahren.
Zahnärzte, Apotheker und Tierärzte: die Abweichungen
Zahnärzte durchlaufen die MEBEKO-Anerkennung wie Ärzte. Die Anerkennung strukturierter zahnmedizinischer Weiterbildungen prüft allerdings nicht die MEBEKO, sondern das Büro für zahnmedizinische Weiterbildung (BZW) der SSO. Der Schweizer Zahnarztmarkt ist gerade in den Städten gut besetzt: 46 Prozent der bewilligten Zahnärzte haben ein ausländisches Diplom, und seit 2011 kamen 5.550 anerkannte ausländische Diplome hinzu. Wer als Zahnarzt in die Schweiz geht, geht in einen attraktiven, aber wettbewerbsintensiven Markt.
Apotheker laufen ebenfalls über die MEBEKO. Die Berufsausübung selbst ist bei ihnen allerdings am stärksten kantonal fragmentiert, weil die Selbstdispensation – also die Frage, ob Ärzte selbst Medikamente abgeben dürfen – kantonal unterschiedlich geregelt ist und damit direkt das Geschäftsmodell der Apotheke betrifft. Eine konsolidierte öffentliche Übersicht der kantonalen Anforderungen für Apotheker haben wir nicht gefunden; pharmaSuisse verweist für Einzelfragen auf den eigenen Rechtsdienst.
Tierärzte sind ebenfalls ein universitärer Medizinalberuf und laufen über die MEBEKO. Die kantonale Bewilligung kommt bei ihnen aber häufig vom Veterinäramt und nicht von der Gesundheitsdirektion – im Kanton Bern etwa vom Amt für Veterinärwesen, im Kanton Zürich von einem eigenen Bereich für Bewilligungen von Tierärzten und Heilmitteln. Die konkreten Gebührensätze pro Kanton liegen öffentlich nicht vollständig vor.
Aufenthalt und Bewilligung
Für EU- und EFTA-Angehörige ist dieser Teil der einfachste. Es gibt vier Konstellationen:
- Meldeverfahren bei Erwerbstätigkeit bis 90 Tage im Jahr – ohne Bewilligung
- Ausweis L bei einem Arbeitsvertrag von 3 bis 12 Monaten
- Ausweis B bei einem Vertrag über 12 Monate oder unbefristet
- Ausweis G für Grenzgänger mit Wohnsitz im EU-Ausland
Angemeldet wird bei der Wohngemeinde, ein Umzug innerhalb oder zwischen Kantonen ist innert 14 Tagen zu melden. Der Familiennachzug ist unter dem Freizügigkeitsabkommen für Ehepartner, Kinder und unterhaltsberechtigte Verwandte vorgesehen.
Das Grenzgängermodell ist grösser, als viele denken: Ende März 2026 arbeiteten 413.320 Grenzgänger mit Ausweis G in der Schweiz, davon 67.177 aus Deutschland. Für Regionen wie Basel, Schaffhausen, St. Gallen und den Aargau ist das eine ernsthafte Option – Schweizer Lohn bei deutschen Wohn- und Betreuungskosten. Die steuerlichen Details richten sich nach der Grenzgängerregelung im Doppelbesteuerungsabkommen und sollten im Einzelfall geprüft werden.
Was die Bilateralen III ändern könnten
Am 2. März 2026 wurde das neue Abkommenspaket Schweiz–EU unterzeichnet, am 13. März 2026 ging die Botschaft ans Parlament. Es umfasst die Anpassung von 36 Bundesgesetzen, drei neue Bundesgesetze und 94 EU-Rechtsakte.
Für die Personenfreizügigkeit sieht das Paket unter anderem vor: eine teilweise Übernahme der EU-Richtlinie 2004/38/EG, eine Beschränkung des Daueraufenthalts auf Erwerbstätige und deren Familien (ausgenommen sind Studierende, Rentner und Grenzgänger), den Verlust des Anspruchs auf Daueraufenthalt bei mehr als sechs Monaten Sozialhilfebezug sowie eine neue, konkretisierte Schutzklausel bei „schwerwiegenden wirtschaftlichen oder sozialen Problemen“.
Für ein Arztpaar ist das unproblematisch. Relevant wird es bei einem nachziehenden, nicht erwerbstätigen Elternteil. Der Ausgang des Parlamentsverfahrens und eines wahrscheinlichen Referendums ist im August 2026 offen.
Geld: was wirklich übrig bleibt
Vorweg ein ehrlicher Hinweis zur Quellenlage: Eine zentrale, öffentliche Arztlohnstatistik gibt es in der Schweiz nicht. Der VSAO-Lohnrechner ist mitgliedergeschützt. Die belastbarsten öffentlichen Zahlen kommen aus kantonalen Lohntabellen.
Assistenz- und Oberarzt
Vollständig öffentlich einsehbar ist die Lohntabelle der ASMAVal (Wallis, Stand 1.1.2025): Ein Assistenzarzt am Spital Riviera-Chablais verdient dort zwischen CHF 79.234 im ersten und CHF 133.445 im neunten Jahr, jeweils inklusive 13. Monatslohn bei 100 Prozent Pensum. Ein stellvertretender Oberarzt liegt bei CHF 120.934 bis 150.126, die Kaderstufe bei CHF 139.700 bis 176.190.
Im Kantonsvergleich (Monatsbrutto, Stand März 2026, hergeleitet aus VSAO-Richtlinien und kantonalen Gesamtarbeitsverträgen) liegt Zürich mit CHF 7.800 bis 8.100 im ersten Jahr vorn, gefolgt vom Aargau (7.700–8.000), dem Wallis (7.650–7.950), der Zentralschweiz (7.400–7.700) und Bern (7.250–7.500). Im dritten Jahr verschieben sich die Werte auf CHF 8.600 bis 8.800 in Zürich und CHF 7.680 bis 8.000 in Bern.
Als Grössenordnung für das Jahresbrutto 2026 kursieren: Assistenzarzt im ersten Jahr rund CHF 95.000 Basis beziehungsweise CHF 108.000 bis 115.000 inklusive Dienste; ab dem sechsten Jahr CHF 120.000 bis 130.000 Basis beziehungsweise 140.000 bis 160.000 inklusive Dienste; Oberarzt CHF 180.000 bis 280.000; Chefarzt CHF 320.000 bis 750.000. Diese Bandbreiten stammen aus Sekundärquellen und sind als Orientierung zu lesen, nicht als Tarif.
Zur Einordnung: Der schweizerische Medianlohn über alle Berufe lag 2024 bei CHF 7.024 brutto im Monat. Ein Assistenzarzt im ersten Jahr liegt also bereits darüber.
Zahnärzte
Angestellte Zahnärzte liegen nach Lohncheck-Daten bei CHF 82.690 bis 115.905 Jahresbrutto bei Vollzeit und 13 Monatslöhnen. Eine belastbare öffentliche Einkommenserhebung für selbständige Praxisinhaber haben wir nicht gefunden.
Was abgeht
Bei CHF 115.000 brutto gehen typischerweise rund CHF 6.100 für AHV/IV/EO ab, rund CHF 1.265 für die Arbeitslosenversicherung und CHF 8.000 bis 11.500 für die Pensionskasse. Netto vor Steuern bleiben rund CHF 85.000 bis 92.000.
Die Pensionskasse ist dabei ein oft übersehener Pluspunkt. Ein deutscher Arzt mit 16 Jahren Chefarzterfahrung formuliert es in einem Erfahrungsbericht so: „Der Verdienst ist besser, vor allem als Facharzt. Gleichzeitig sind die Beiträge für die Rente (Pensionskasse) deutlich besser (5 bis 6-fache mehr).“
Krankenkasse: der Posten, den fast alle unterschätzen
Die Schweizer Krankenversicherung ist eine Kopfprämie, nicht einkommensabhängig, und der Arbeitgeber beteiligt sich nicht. Für 2026 hat das EDI folgende Durchschnittsprämien genehmigt:
- Erwachsene: CHF 465.30 pro Monat (+4,1 Prozent)
- Junge Erwachsene: CHF 326.30 (+4,2 Prozent)
- Kinder: CHF 122.50 (+4,9 Prozent)
- Gesamtdurchschnitt: CHF 393.30 (+4,4 Prozent)
Für eine vierköpfige Familie sind das rechnerisch rund CHF 1.176 im Monat, also etwa CHF 14.100 im Jahr. Dazu kommt die Kostenbeteiligung: Franchise ab CHF 300 für Erwachsene (wählbar bis CHF 2.500), Selbstbehalt von 10 Prozent der Kosten über der Franchise bis maximal CHF 700 im Jahr, plus CHF 15 Spitalbeitrag pro Tag. Kinder unter 18 haben keine Franchise, aber einen Selbstbehalt bis CHF 350.
Steuern
Ausländer mit B-Bewilligung werden an der Quelle besteuert. Der Arbeitgeber zieht direkt ab. Was viele nicht wissen: Ab CHF 120.000 Bruttojahreslohn erfolgt zwingend eine nachträgliche ordentliche Veranlagung. Man muss also zusätzlich eine reguläre Steuererklärung einreichen. Da fast jeder Facharzt über dieser Grenze liegt, gilt die viel beworbene „einfache Quellensteuer“ für Ärzte praktisch nur im ersten Assistenzjahr.
Der Kanton macht dabei mehr aus als das Spital. Im Zürcher Steuerbelastungsmonitor 2025 (Daten 2024) liegen Zug, Schwyz und Graubünden vorn, Zürich auf Rang 13 von 26 und Bern auf Rang 26. Für ein Einkommen zwischen CHF 150.000 und 300.000 ist die Wahl von Kanton und sogar Gemeinde finanziell oft relevanter als die Lohndifferenz zwischen zwei Arbeitgebern.
Wohnen
Die Median-Nettomieten in der Stadt Zürich lagen 2024 bei CHF 1.424 für zwei Zimmer, CHF 1.578 für drei und CHF 1.870 für vier Zimmer. In der Stadt Bern lagen die Durchschnitts-Nettomieten im November 2025 bei CHF 1.338 für drei und CHF 1.666 für vier Zimmer.
Diese Zahlen sind allerdings Bestandsmieten. Für einen Zuzügler zählt die Angebotsmiete bei Neuvermietung, und die liegt deutlich höher. Der Homegate/ZKB-Angebotsmietindex lag im April 2026 bei 133,5 Punkten, ein Plus von 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Entscheidender ist die Verfügbarkeit: Die Leerwohnungsziffer lag 2025 schweizweit bei 1,0 Prozent, in der Stadt Zürich im August 2025 bei 0,1 Prozent. Das ist praktisch Vollvermietung. Wohnungssuche vor Stellenantritt und ein sauberes Bewerbungsdossier sind kein Luxus, sondern Voraussetzung.
Was Ärzte berichten, die den Schritt gemacht haben
Die folgenden Berichte sind öffentlich dokumentiert und mit Quelle belegt. Wir geben sie so wieder, wie sie publiziert wurden – inklusive der kritischen Stellen.
Eva, 30, Assistenzärztin Innere Medizin (2026)
Eva stammt aus Norddeutschland und arbeitet seit vier Jahren in einem Schweizer Spital. Im Interview mit 20 Minuten hebt sie vor allem die Hierarchie hervor: „Hier duzen sich alle – egal, ob Assistent oder Chefärztin.“ Gleichzeitig sagt sie klar: „Wir müssen es nicht schönreden: Auch in der Schweiz gibt es strukturelle Probleme im Gesundheitswesen.“
Ihr regulärer Arbeitstag läuft von etwa 7:30 oder 8:00 Uhr bis 19:00 Uhr. Ihre Stelle ist bereits bis 2028 fixiert – Schweizer Arztkarrieren werden weit im Voraus geplant. Schweizerdeutsch war anfangs schwierig, ist heute kein Problem mehr; Patienten wechseln beim Hören ihres Akzents oft von selbst ins Hochdeutsche. Die medizinische Kommunikation war nie ein Thema. Sie betrachtet die Schweiz inzwischen als ihr Zuhause.
Prof. Matthias Knobe, Chefarzt Orthopädie/Unfallchirurgie (2019)
Knobe wechselte zum 1. Juni 2019 vom Universitätsklinikum Aachen als Chefarzt ans Luzerner Kantonsspital. Gegenüber SWI swissinfo.ch nennt er die Schweiz „eine Top-Adresse, wenn man über Karriere und Berufsziele nachdenkt“.
Seine Warnung an Landsleute ist der wichtigste Satz des ganzen Interviews: „Einige Deutsche gehen ein bisschen mit einem Blick von oben herab in die Schweiz, und das funktioniert nicht.“
Dr. Hanna Schmid, Assistenzärztin Psychiatrie
Im Deutschen Ärzteblatt, in der Serie „Junge Ärztinnen und Ärzte im Ausland“, beschreibt sie eine Arbeitswoche von rund 50 Stunden. Der entscheidende Unterschied aus ihrer Sicht: Innerhalb dieser 50 Stunden müssen Schweizer Arbeitgeber fünf Stunden strukturierte Weiterbildung garantieren. Ausserdem erlauben die Schweizer Regelungen, die Facharztprüfung früher anzugehen als in Deutschland – die Logbuchanforderungen sind davon unberührt. (Das Erscheinungsjahr des Artikels ist nicht eindeutig ausgewiesen.)
Ein Chefarzt mit 16 Jahren Erfahrung, seit fünf Jahren in der Schweiz
Dieser Bericht auf einem Schweizer Stellenportal ist anonym, aber inhaltlich der präziseste. Vier seiner Aussagen im Wortlaut:
- „Organisatorisch sind leitende Ärzte (Kaderarzt bzw. ltd. OA) in der Schweiz unabhängiger für Ihren Fachbereich verantwortlich.“
- „Der Wechsel von einer deutschen Oberarztposition auf eine Schweizer CA Position ist nicht möglich.“
- „Die Work-Life-Balance ist in der Schweiz nicht unbedingt besser, da sehr viele Dienste notwendig sind.“
- „Gute Umgangsformen sind ein Muss, denn die Schweiz ist eine Wertegesellschaft!“
Was 2026 an Abbrüchen dokumentiert ist
Das Fachportal medinside hat im März 2026 drei anonymisierte Fälle beschrieben, in denen der Wechsel scheiterte. In einem Fall wurde einem Oberarzt das Angebot entzogen, als er über Relocation-Unterstützung verhandelte, wie sie in Deutschland und Österreich Standard ist. Die Schlussfolgerung des Artikels: „In der Schweiz bedeutet ein mündlich vereinbartes Angebot oft etwas anderes als im Ausland.“ In einem zweiten Fall verliess ein fachlich kompetenter Oberarzt der Psychiatrie das Haus während der Probezeit, weil das Onboarding nicht trug.
Bemerkenswert ist die Meta-Aussage des Artikels: „Wie viele ausländische Ärztinnen und Ärzte den Bewerbungsprozess abbrechen … das weiss niemand offiziell.“ Es gibt dazu keine Statistik.
Die Risiken, die im Hochglanzprospekt fehlen
Die 50-Stunden-Woche steht überwiegend auf dem Papier
Die VSAO-Arbeitszeitumfrage 2025, publiziert am 8. Juni 2026 mit über 2.400 Teilnehmenden, ist die wichtigste Zahl dieses Reports:
- Durchschnittliche Wochenarbeitszeit auf 100-Prozent-Pensum: 54,6 Stunden (2022: 56,3)
- Rund 40 Prozent arbeiten mehr als 50 Stunden pro Woche – also über dem gesetzlichen Maximum
- 58 Prozent berichteten Abweichungen vom Arbeitsgesetz (2022: 68 Prozent)
- 60 Prozent erlebten Situationen, in denen Müdigkeit die Patientensicherheit potenziell gefährdete
- 52 Prozent kommen gelegentlich an ihre Grenzen – unverändert seit 2022
Gleichzeitig gilt: Drei Viertel würden den Arztberuf wieder wählen. Positiv bewertet werden Inhalt, Arbeitsklima und Jobsicherheit. Der FMH-Durchschnitt von 43 Stunden pro Woche bezieht sich auf alle Ärzte inklusive Praxis, Kader und Teilzeit – für Assistenz- und Oberärzte im Spital sind es real 54,6.
Teilzeit ist gewünscht, aber teuer erkauft
Über 60 Prozent der Schweizer Spitalärzte möchten ihr Pensum reduzieren, gewünscht wird im Schnitt rund 80 Prozent. Die Realität liegt bei 90 bis 100 Prozent. In der Altersgruppe 41 bis 50 – der typischen Familienphase – liegt der Wunsch bei 76 Prozent.
Der Preis: Teilzeit verlängert den Weg zur OKP-Zulassung proportional. Bei 50 Prozent Pensum werden aus drei Jahren sechs.
Der Kaderweg ist länger
Der bereits zitierte Satz „Der Wechsel von einer deutschen Oberarztposition auf eine Schweizer CA Position ist nicht möglich“ beschreibt eine strukturelle Realität: Der Schweizer Kaderweg ist formalisierter und länger. Wer mit der Erwartung kommt, eine Stufe zu überspringen, wird enttäuscht. Ergänzend: Bei einem Frauenanteil von 48 Prozent in der Ärzteschaft sind nur 20 Prozent der Chefärzte Frauen.
Ferien und Elternzeit
Dieser Punkt wird in Werbematerial selten erwähnt: Schweizer Spitäler bieten in der Regel weniger Ferientage als deutsche, und die Elternzeit ist deutlich kürzer. Martin Werner, seit 2016 in der Schweiz und Gründer einer Beratung für wechselwillige Ärzte, formuliert es so: Deutsche Häuser bieten heute Ferien- und Elternzeitregelungen, die Schweizer Arbeitgeber typischerweise nicht matchen. Dazu kommen teurere Kinderbetreuung und fehlende familiäre Unterstützungsnetze.
Kulturelle Passung statt „Deutschenfeindlichkeit“
Zu diesem oft diskutierten Thema lohnt eine nüchterne Einordnung. Eine quantitative Studie zur Diskriminierung deutscher Ärzte in der Schweiz existiert nach unserer Recherche nicht. Die harten Einzelbelege stammen aus den Jahren 2010 bis 2017. 2015 gaben 126 deutsche Ärzte ihre Schweizer Berufserlaubnis zurück, meist unter 50-Jährige.
Dem stehen deutliche Gegenstimmen gegenüber. Prof. Friedrich Eckstein, Leiter der Herzchirurgie am Universitätsspital Basel, sagte 2017: „Es geht nicht um Nationalität, sondern um Kompetenz.“ Der Anteil deutscher Ärzte an seinem Haus stieg im selben Zeitraum von 39,1 auf 39,8 Prozent. Eva hebt 2026 ausdrücklich flache Hierarchien und ein gutes Klima hervor. Und die Personalvermittlerin Julia Balensiefen weist darauf hin, dass es diese Probleme in der Westschweiz nicht gebe.
Was sich in den Berichten aus 2024 bis 2026 stattdessen findet, ist etwas anderes: kulturelle Fehlpassung. Martin Werner bringt es auf den Punkt: „Die kulturellen Unterschiede sind viel grösser als das gemeinsame Sprachverständnis.“ Wer das ernst nimmt, hat die halbe Miete.
Der Rückweg nach Deutschland
Die Anrechnung Schweizer Weiterbildungszeiten in Deutschland läuft über die Landesärztekammer – und die entscheidet in jedem der 16 Bundesländer nach der eigenen Weiterbildungsordnung. Fälle ausserhalb der automatischen Anerkennung nach Richtlinie 2005/36/EG werden individuell bewertet.
Die Bundesärztekammer empfiehlt deshalb ausdrücklich, vor dem Weggang mit der zuständigen Kammer zu klären, ob die geplante Weiterbildung anrechenbar ist. Konkrete Ablehnungsfälle für Schweizer Zeiten haben wir nicht gefunden – es handelt sich also um ein strukturelles Risiko mit dokumentierter Warnung, nicht um ein belegtes Problem. Wer den Facharzt komplett in der Schweiz abschliesst, hat einen unter der EU-Richtlinie grundsätzlich anerkennungsfähigen Titel.
Single oder Familie: zwei völlig verschiedene Rechnungen
Warum es für Singles leicht ist
Die B-Bewilligung kommt bei unbefristetem Vertrag praktisch automatisch. Eine Zweizimmerwohnung in Zürich liegt im Median bei CHF 1.424 – bei einem Einstiegsgehalt ab CHF 108.000 inklusive Diensten gut tragbar. Die Krankenkasse ist eine einzige Kopfprämie von im Schnitt CHF 465.30. Und wer die 54,6-Stunden-Realität mitmacht, verdient deutlich überdurchschnittlich und kann sparen. Für einen alleinstehenden Assistenzarzt Anfang 30 ist die Schweiz finanziell schwer zu schlagen.
Was sich mit Familie ändert
Die Krankenkasse skaliert linear. Jedes Familienmitglied zahlt eine eigene Prämie. Vier Köpfe bedeuten rund CHF 1.176 im Monat, unabhängig vom Einkommen.
Die Kita ist der grösste Einzelposten. Die Stadt Zürich beziffert die Vollkosten auf CHF 120 pro Betreuungstag. Ein Arztpaar hat praktisch nie einen Subventionsanspruch. Bei drei Tagen pro Woche sind das rund CHF 1.440 im Monat pro Kind, bei vier Tagen CHF 1.920. Bei zwei Kindern kann das den kompletten Zweitverdienst aufzehren. Von 11.772 Betreuungsplätzen in der Stadt Zürich sind nur 32,6 Prozent subventioniert, und die Versorgungsquote sank 2025 auf 96,1 Prozent.
Die Kinderzulagen gleichen das nicht aus. Der bundesrechtliche Mindestansatz liegt 2026 bei CHF 215 pro Monat und Kind, die Ausbildungszulage bei CHF 268. Die Staatsangehörigkeit spielt keine Rolle, Deutsche haben denselben Anspruch. Kantonal reicht die Spanne von CHF 215 (Zürich, Glarus, Tessin) bis CHF 330 (Zug). CHF 215 decken rund 15 Prozent der Kita-Kosten. Der Unterschied zwischen Zug und Zürich macht bei zwei Kindern CHF 2.760 im Jahr aus – bei gleichzeitig deutlich niedrigerer Steuerbelastung in Zug.
Die Schule ist kostenlos, aber anders. Die öffentliche Volksschule ist gratis und obligatorisch, unabhängig vom Aufenthaltsstatus. Zwei Punkte überraschen deutsche Eltern regelmässig: Der Kindergarten ist zwei Jahre lang obligatorisch und beginnt mit vier Jahren. Und der Weg ans Gymnasium führt über eine zentrale Aufnahmeprüfung, nicht über eine Grundschulempfehlung. Die Selektion erfolgt früher und prüfungsbasierter, als man es aus Deutschland kennt.
Zwei Vollzeitstellen sind mit Kindern nicht darstellbar. Bei 54,6 Stunden pro Woche und Person geht diese Rechnung nicht auf. Das ist der Punkt, an dem Familien in die Teilzeit gehen – und damit die Uhr für die OKP-Zulassung verdoppeln.
Das Netz fehlt. Was in Deutschland Grosseltern auffangen, muss in der Schweiz gekauft werden. Das ist kein Gefühl, sondern ein Budgetposten.
Stadt oder Land
Für Familien ist die Rechnung ausserhalb der Zentren oft besser. Zürich zahlt zwar am besten, aber medicjobs weist ausdrücklich darauf hin, dass nominale Spitzenpositionen bei der Kaufkraft anders aussehen – und dass Überstundenvergütung und die Genauigkeit der Zeiterfassung oft mehr ausmachen als die Grundlohndifferenz. Bei einer Leerwohnungsziffer von 0,1 Prozent in der Stadt Zürich ist die Vierzimmerwohnung dort ohnehin schwerer zu finden als auf dem Land.
Ein realistischer Zeitplan
Wer im Herbst 2027 in einem Schweizer Spital anfangen will, sollte grob so rechnen:
- 12 bis 18 Monate vorher: Klärung, ob der eigene Facharzttitel unter die automatische Anerkennung fällt. Grössere Spitäler vergeben Stellen in einem Jahresrhythmus.
- 9 bis 12 Monate vorher: MEBEKO-Gesuch für das Diplom (rund 3 Monate Bearbeitung).
- 6 bis 9 Monate vorher: MEBEKO-Gesuch für den Weiterbildungstitel (nochmals rund 3 Monate). Parallel Bewerbungen.
- 3 Monate vorher: Frühestmöglicher Zeitpunkt für das kantonale Bewilligungsgesuch (rund 6 Wochen Bearbeitung in Zürich). Wohnungssuche.
- Ab Stellenantritt: Anmeldung bei der Wohngemeinde, Krankenkasse innerhalb der gesetzlichen Frist abschliessen, MedReg-Eintrag prüfen.
Welche dieser Schritte in Ihrem konkreten Fall in welcher Reihenfolge sinnvoll sind, hängt stark vom Fachgebiet, vom Zielkanton und davon ab, ob Sie mit oder ohne Facharzttitel kommen. Genau das schauen wir uns im kostenlosen Beratungsgespräch individuell an.
Meinung des Autors
Ich habe Zahnmedizin in Sofia studiert, mein Diplom anschliessend über die europäische Berufsanerkennung anerkennen lassen und danach genau den Weg genommen, den dieser Text beschreibt: MEBEKO, Kanton, MedReg. Heute arbeite ich als Zahnarzt in Bern, meine Familie lebt hier, und die Medizinerschmiede ist von hier aus entstanden. Wenn ich über die Schweiz schreibe, schreibe ich also über ein Land, dem ich beruflich wie persönlich sehr viel verdanke.
Was ich aus dem eigenen Verfahren und aus vielen Gesprächen seither mitgenommen habe, lässt sich in einem Satz sagen: Das Verfahren ist fast nie das Problem. Die Erwartung ist es.
Administrativ ist die Schweiz eines der berechenbarsten Ziele, die es für einen deutschsprachigen Arzt gibt. Kein Sprachexamen in der Deutschschweiz, kein Punktesystem, keine Quote, kein Visum. Drei Monate MEBEKO, sechs Wochen Kanton, fertig. Es gibt weltweit sehr wenige Länder, in denen ein europäisches Diplom so geradlinig anerkannt wird.
Und trotzdem gelingen nicht alle Wechsel. Der Satz von Prof. Knobe – „Einige Deutsche gehen ein bisschen mit einem Blick von oben herab in die Schweiz, und das funktioniert nicht“ – ist der wichtigste Satz in diesem ganzen Report. Wer ankommt und innerlich ständig vergleicht, kommt nie richtig an. Wer ankommt und zuhört, ist nach zwei Jahren zu Hause.
Was ich Menschen konkret rate, die mich zur Schweiz fragen:
Erstens: Rechnen Sie netto, nicht brutto. Die Bruttozahl ist beeindruckend. Aber ziehen Sie CHF 465 Krankenkasse pro Kopf ab, die höhere Miete, die Kita zu Vollkosten, und vergleichen Sie dann. Für einen Single bleibt immer noch sehr viel übrig. Für eine vierköpfige Familie mit einem Verdiener ist die Rechnung deutlich enger, als die Lohntabelle vermuten lässt – das kenne ich aus dem eigenen Haushaltsbudget.
Zweitens: Klären Sie die OKP-Frage zuerst, nicht zuletzt. Ich erlebe immer wieder, dass jemand mit dem Bild einer eigenen Praxis auswandert und erst im zweiten Jahr merkt, dass drei Jahre Schweizer Anstellung davorstehen – bei Teilzeit sechs. Das ist kein Detail, das ist Lebensplanung für ein halbes Jahrzehnt.
Drittens: Nehmen Sie die Zahlen des VSAO ernst. 54,6 Stunden im Schnitt, 40 Prozent über der gesetzlichen Grenze. Die Arbeitswoche im Spital ist lang. Dafür bekommen Sie sehr gute Bezahlung, exzellente Ausstattung, flachere Hierarchien und garantierte Weiterbildungszeit. Das ist ein hervorragendes Paket – aber es ist ein anderes Paket, als viele erwarten.
Viertens, und das sage ich als jemand, der den Familienfaktor beim eigenen Umzug unterschätzt hat: Ob eine Auswanderung nach zwei Jahren trägt, entscheidet selten der Job. Es entscheidet der Partner, der hier ebenfalls ankommt, und das Kind, das sich in der neuen Schule wohlfühlt. Planen Sie das mit derselben Ernsthaftigkeit wie das MEBEKO-Gesuch.
Und noch etwas Persönliches: Ich finde es bemerkenswert, wie selbstverständlich ein europäisches Medizindiplom heute funktioniert. Mein Abschluss aus Sofia hat in der Schweiz dieselbe Tür geöffnet wie einer aus Heidelberg, und für Diplome aus Novi Sad, Osijek oder Pécs gilt dasselbe. Das ist keine Kleinigkeit. Das ist die praktische Einlösung eines Versprechens, das die EU-Berufsanerkennungsrichtlinie 2005 gegeben hat – und ich sehe bei uns täglich, was das für Lebenswege bedeutet.
NC-freie Medizinstudienplätze im In- und Ausland
Der Weg in den Arztberuf beginnt mit dem Studienplatz.
- Passende Uni-Auswahl & sichere Vermittlung
- NC-freier Studienplatz im Ausland mit Anerkennung in Deutschland
- Betreuung bei Studienstart, Vorbereitung & Wohnungssuche
- Unterstützung beim Wechsel nach Deutschland
- Begleitung bis zum Berufseinstieg in DE oder CH
Zusammenfassung
Die Schweiz ist für deutschsprachige Ärzte, Zahnärzte, Apotheker und Tierärzte das mit Abstand naheliegendste Auswanderungsziel – und das aus guten Gründen. Das Verfahren ist berechenbar, die Sprache in der Deutschschweiz kein Hindernis, die Bezahlung deutlich höher, die Weiterbildung strukturiert und gesetzlich geschützt. 653 Ärzte sind 2025 diesen Weg gegangen.
Die drei Punkte, an denen es in der Praxis hängt, sind nicht die Formulare:
- Die OKP-Zulassung verschiebt den Traum von der eigenen Praxis um mindestens drei Jahre – bei Teilzeit um sechs.
- Die reale Arbeitszeit liegt bei 54,6 Stunden, nicht bei 50.
- Die Nettorechnung für Familien sieht wegen Kopfprämien und Kita-Vollkosten anders aus als die Bruttotabelle.
Wer diese drei Punkte vorher durchrechnet und mit der richtigen Haltung ankommt, findet in der Schweiz sehr wahrscheinlich das, was er gesucht hat. Wer sie übergeht, gehört zu den Fällen, über die medinside im März 2026 geschrieben hat.
- Nach der Länderauswertung der ÄRZTESTELLEN gingen 2025 von 2.234 aus Deutschland abgewanderten Ärztinnen und Ärzten 653 in die Schweiz.
- Die Medizinalberufekommission MEBEKO erkennt Diplom und Facharzttitel in zwei getrennten Verfahren an, die je CHF 800 bis 1.000 kosten und laut Bundesamt für Gesundheit derzeit je rund drei Monate dauern.
- Die Bewilligung zur Berufsausübung erteilt in der Schweiz der jeweilige Kanton, und sie gilt nur dort; bei einem Kantonswechsel ist eine neue Bewilligung nötig.
- Für eine eigene Praxis mit Abrechnung zulasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung verlangt Artikel 37 KVG seit dem 1. Januar 2022 mindestens drei Jahre Tätigkeit an einer anerkannten schweizerischen Weiterbildungsstätte.
- Die VSAO-Arbeitszeitumfrage 2025 nennt eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit von 54,6 Stunden bei 100-Prozent-Pensum; rund 40 Prozent arbeiten mehr als 50 Stunden.
- Die genehmigten Durchschnittsprämien der Schweizer Krankenversicherung betragen 2026 CHF 465.30 für Erwachsene und CHF 122.50 für Kinder pro Monat, ohne Arbeitgeberbeteiligung.
Weiterlesen
- Approbation und Anerkennung: Wie ein EU-Medizinabschluss anerkannt wird – die rechtliche Grundlage, auf der das gesamte MEBEKO-Verfahren aufbaut.
- Mehr als nur Plan B: Medizinstudium im Ausland – Marcel Kloos beschreibt seinen eigenen Weg vom Studium in Sofia bis zur Zulassung als Zahnarzt in Bern.
- Zurück nach Deutschland: Anrechnung und Wechsel – wichtig für alle, die sich die Rückkehroption offenhalten wollen.
- Medizin studieren ohne NC: der Standortvergleich – wo das Diplom herkommt, das in der Schweiz anerkannt wird.
- Jeder elfte deutsche Medizinstudierende ist im Ausland eingeschrieben – wie gross diese Gruppe inzwischen wirklich ist.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt den Recherchestand vom 14. August 2026 wieder und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Gebühren, Fristen und kantonale Regelungen ändern sich; massgeblich sind immer die Angaben der zuständigen Behörde.
Häufige Fragen zur Auswanderung in die Schweiz
Brauche ich als deutscher Arzt ein Visum für die Schweiz?
Nein. Als Angehöriger eines EU- oder EFTA-Staates gilt das Freizügigkeitsabkommen. Bei einem Arbeitsvertrag über zwölf Monate erhalten Sie den Ausweis B, bei drei bis zwölf Monaten den Ausweis L. Wer bis zu 90 Tage im Jahr arbeitet, braucht nur das Meldeverfahren.
Wie lange dauert die MEBEKO-Anerkennung?
Das BAG nennt für beide Verfahren (Stand Juli 2026) rund drei Monate ab vollständigem Gesuch. Wer sowohl das Diplom als auch den Facharzttitel anerkennen lassen muss, sollte mit zweimal drei Monaten rechnen. Eine Beschleunigung ist nicht möglich.
Was kostet die Anerkennung insgesamt?
Die MEBEKO nennt CHF 800 bis 1.000 für die Diplomanerkennung und nochmals CHF 800 bis 1.000 für den Weiterbildungstitel. Dazu kommen CHF 50 bis 100 für die Registrierung der Sprachkenntnisse, beglaubigte Übersetzungen ab rund CHF 100 pro Seite und die kantonale Bewilligungsgebühr, in Zürich zum Beispiel CHF 1.000 für Zahnärzte.
Muss ich einen Sprachtest machen?
Für MEBEKO und MedReg brauchen Sie B2 in einer Amtssprache der Region. Ein deutschsprachiger Hochschulabschluss erfüllt das in der Deutschschweiz automatisch. Für eine spätere Praxiseröffnung mit OKP-Zulassung ist dagegen eine in der Schweiz abgelegte Sprachprüfung nötig – hier genügt das deutsche Diplom ausdrücklich nicht.
Kann ich als deutscher Facharzt sofort eine Praxis eröffnen?
Nein. Seit dem 1. Januar 2022 verlangt Artikel 37 KVG mindestens drei Jahre Tätigkeit im beantragten Fachgebiet an einer anerkannten schweizerischen Weiterbildungsstätte. Ausländische Weiterbildungszeit wird nicht angerechnet. Bei einem 50-Prozent-Pensum verdoppelt sich die Frist auf sechs Jahre.
Gilt meine Bewilligung in der ganzen Schweiz?
Nein. Die Berufsausübungsbewilligung erteilt der Kanton und sie gilt nur in diesem Kanton. Bei einem Kantonswechsel ist eine neue Bewilligung nötig. Die Anerkennung durch die MEBEKO gilt dagegen schweizweit.
Wie viel verdient ein Assistenzarzt in der Schweiz?
Im Kantonsvergleich liegt das Monatsbrutto im ersten Jahr je nach Kanton zwischen rund CHF 7.250 (Bern) und CHF 8.100 (Zürich), üblicherweise bei 13 Monatslöhnen. Inklusive Diensten liegt das Jahresbrutto im Einstieg grössenordnungsmässig bei CHF 108.000 bis 115.000. Ein Assistenzarzt liegt damit bereits über dem schweizerischen Medianlohn von CHF 7.024 pro Monat.
Wie hoch ist die Krankenkasse für eine Familie?
Die genehmigten Durchschnittsprämien 2026 betragen CHF 465.30 für Erwachsene und CHF 122.50 für Kinder pro Monat. Eine vierköpfige Familie zahlt damit rechnerisch rund CHF 1.176 monatlich, also etwa CHF 14.100 im Jahr – einkommensunabhängig und ohne Arbeitgeberbeteiligung.
Wie viele Stunden arbeitet man wirklich?
Die VSAO-Umfrage 2025 mit über 2.400 Teilnehmenden nennt einen Durchschnitt von 54,6 Stunden pro Woche bei 100-Prozent-Pensum. Rund 40 Prozent liegen über der gesetzlichen 50-Stunden-Grenze. Gleichzeitig würden drei Viertel den Beruf wieder wählen.
Wird meine Schweizer Weiterbildungszeit in Deutschland anerkannt?
Zuständig ist die Landesärztekammer des jeweiligen Bundeslandes. Titel innerhalb der automatischen Anerkennung nach Richtlinie 2005/36/EG sind unproblematisch, alle anderen werden individuell geprüft. Die Bundesärztekammer empfiehlt ausdrücklich, das vor dem Wechsel mit der zuständigen Kammer zu klären.
Gilt das Verfahren auch für Zahnärzte, Apotheker und Tierärzte?
Ja, alle fünf universitären Medizinalberufe laufen über die MEBEKO. Bei Zahnärzten prüft strukturierte Weiterbildungen zusätzlich das BZW der SSO. Bei Tierärzten kommt die kantonale Bewilligung häufig vom Veterinäramt. Bei Apothekern ist die Berufsausübung kantonal am unterschiedlichsten geregelt.
Lohnt sich das Grenzgängermodell?
Für Familien in Grenznähe ist es eine ernsthafte Option: Schweizer Lohn bei deutschen Wohn-, Kita- und Krankenversicherungskosten. Ende März 2026 pendelten 67.177 Deutsche mit Ausweis G. Steuerlich greift die Grenzgängerregelung des Doppelbesteuerungsabkommens, die im Einzelfall geprüft werden sollte.
Was Studierende über die Medizinerschmiede sagen
Über 500 vermittelte Studienplätze an mehr als 25 Partneruniversitäten in über 10 Ländern. Die Erfahrungen unserer Studierenden kannst du unabhängig auf Trustpilot nachlesen.
Über den Autor

Marcel Kloos
Eidgenössisch anerkannter Zahnarzt und Gründer der Medizinerschmiede
Marcel Kloos gründete die Medizinerschmiede bereits im Auslandsstudium, seither wurden über 500 Studienplätze vermittelt. Der gebürtige Stuttgarter studierte Zahnmedizin von 2015 bis 2021 in Sofia und ist eidgenössisch anerkannter Zahnarzt.
Heute lebt er in Bern und führt die Medizinerschmiede hauptberuflich als Inhaber.
Weitere interessante Artikel
Akkreditierung medizinischer Universitäten: Alles, was du wissen musst
Studientransfer aus der Mongolei: Wechsel nach Foča, Niš oder Malta
Studientransfer aus Tadschikistan: Wechsel nach Foča, Niš oder Malta

Ahmad

Sabrina

Rami

Noah
500+ vermittelte Studienplätze.
Jetzt bist du dran!
Keine Träumerei, keine leeren Versprechen. Nur ein klarer Plan – für deinen Start in das Medizinstudium.
40 Min, komplett unverbindlich