Medizinstudium in Jena: Studienplätze, Auswahl und die neue Landarztquote
18.08.2026
Wie viele Studienplätze vergibt Jena in Human- und Zahnmedizin?
Die Medizinische Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena vergibt 286 Studienplätze in der Humanmedizin und 57 in der Zahnmedizin. Beide Studiengänge beginnen ausschließlich zum Wintersemester, einen Einstieg im Sommersemester gibt es nicht.
Seit dem Wintersemester 2026/27 sind davon 17 Medizinplätze und 4 Zahnmedizinplätze für die Thüringer Landarztquote reserviert. Über das reguläre Verfahren werden also etwas weniger Plätze vergeben als früher.
Der praktische Teil des Studiums findet am Universitätsklinikum Jena statt, dem einzigen Universitätsklinikum Thüringens. Dort arbeiten über 7.000 Menschen aus 79 Nationen in mehr als 300 Berufen; das Haus versorgt die Stadt Jena und als Supramaximalversorger die rund zwei Millionen Einwohner des Freistaats. Für dich heißt das: kleine Fakultät, große Klinik — ein Verhältnis, das dem Praxisunterricht guttut.
Wie kommst du in Jena an einen Studienplatz?
Die Plätze im ersten Fachsemester vergibt ausschließlich die Stiftung für Hochschulzulassung über hochschulstart.de. Eine direkte Bewerbung an der Universität ist nicht möglich, du gibst Jena im Verfahren als gewünschten Studienort an.
Bundesweit läuft die Vergabe über drei Quoten: 30 Prozent der Plätze gehen in die Abiturbestenquote, 10 Prozent in die zusätzliche Eignungsquote, die ohne Abiturnote auskommt, und 60 Prozent in das Auswahlverfahren der Hochschulen. Wartezeit spielt seit der Reform keine Rolle mehr.
Im eigenen Auswahlverfahren berücksichtigt Jena die Abiturnote, das Ergebnis des Medizinertests TMS, eine abgeschlossene Berufsausbildung im Gesundheitsbereich sowie Dienste und ehrenamtliches Engagement. Die genaue Gewichtung legt die Universität in ihrer Zulassungsordnung fest, und sie kann sich von Jahrgang zu Jahrgang verschieben. Sieh dort nach, bevor du deine Ortspräferenzen setzt.
Praktisch bedeutet das: Ein starkes TMS-Ergebnis und eine abgeschlossene Ausbildung, etwa in der Pflege oder als Rettungssanitäterin, können eine Abiturnote ausgleichen, die für die Abiturbestenquote nicht reicht. Wie stark, rechnest du am besten selbst durch — dafür haben wir den Chancen-Rechner gebaut.
Wie ist das Medizinstudium in Jena aufgebaut?
Das Studium dauert sechs Jahre und drei Monate und folgt der bundesweiten Approbationsordnung. Die Semester eins bis vier bilden den vorklinischen Abschnitt mit Anatomie, Physiologie, Biochemie, Histologie und Embryologie und enden mit dem Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung, schriftlich und mündlich-praktisch.
Die Semester fünf bis zehn bilden den klinischen Abschnitt mit Innerer Medizin, Chirurgie, Pädiatrie, Gynäkologie, Neurologie und Psychiatrie und schließen mit dem schriftlichen Zweiten Abschnitt ab. Danach folgen die Semester elf und zwölf als Praktisches Jahr, an dessen Ende der mündlich-praktische Dritte Abschnitt steht. Mit dem Bestehen beantragst du die Approbation; die Promotion zum Dr. med. läuft davon getrennt.
Dazu kommen die üblichen Pflichtbausteine: ein Erste-Hilfe-Kurs, ein dreimonatiger Krankenpflegedienst vor dem Ersten Abschnitt und vier Monate Famulatur in der vorlesungsfreien Zeit. Wer die Famulaturen früh plant, kann sie über mehrere Fachrichtungen verteilen und sich damit die spätere Facharztentscheidung erleichtern.
Was steckt hinter JENOS, dem neigungsorientierten Studium?
JENOS steht für „Jenaer Neigungsorientiertes Studium“ und ist die Jenaer Antwort auf eine Schwäche vieler Regelstudiengänge: Man studiert sechs Jahre lang alles gleich intensiv und entscheidet sich am Ende trotzdem ins Blaue hinein.
Im fünften Semester läuft eine Orientierungsphase, ab dem sechsten Semester wählst du bis zum zehnten Semester einen von drei Schwerpunkten: klinikorientierte Medizin, ambulant orientierte Medizin oder forschungsorientierte Medizin. Der Schwerpunkt umfasst 21 Semesterwochenstunden über den zweiten Studienabschnitt, in der Praxis etwa einen Nachmittag pro Woche. Wer durchgehend beim selben Schwerpunkt bleibt, bekommt am Ende ein Zertifikat; ein Wechsel zwischen den Semestern ist unter bestimmten Bedingungen möglich.
Der ambulante Schwerpunkt ist dabei mehr als ein Nebenschauplatz: Er zielt genau auf die hausärztliche Versorgung, um die es beim nächsten Punkt geht.
Wie funktioniert die neue Landarztquote in Thüringen?
Thüringen wendet mit dem Haus- und Zahnarztsicherstellungsgesetz erstmals zum Wintersemester 2026/27 eine Landarztquote an. Reserviert sind 17 der 286 Medizinplätze und 4 der 57 Zahnmedizinplätze an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Wer über diese Quote zugelassen wird, verpflichtet sich, nach Studium und Weiterbildung mindestens zehn Jahre in einem unterversorgten Gebiet Thüringens zu arbeiten.
Beworben wird sich nicht über hochschulstart, sondern über das Portal des Freistaats. Der erste Bewerbungszeitraum lief vom 1. bis 31. März 2026, das zweistufige Auswahlverfahren war bis Mitte Juli 2026 abgeschlossen. Bewertet werden ein fachspezifischer Studieneignungstest, eine abgeschlossene Berufsausbildung im Gesundheitswesen, ein Bundesfreiwilligen- oder Jugendfreiwilligendienst sowie ehrenamtliches Engagement. Die Abiturnote spielt in dieser Quote keine Rolle.
Wie begehrt der Weg ist, zeigt der erste Durchgang: Für die 17 Medizinplätze gingen laut Ärzte Zeitung 177 Bewerbungen ein, also rund zehnmal so viele Bewerbungen wie Plätze. Die Quote ist damit kein Hintereingang, sondern ein eigenes Auswahlverfahren mit eigener Konkurrenz.
Rechne die Bindung ehrlich durch, bevor du dich bewirbst: Zwischen Studienbeginn und dem Ende der Verpflichtung liegen mit Studium, Weiterbildung und den zehn Pflichtjahren rund zwei Jahrzehnte. Was das finanziell und beruflich bedeutet, haben wir im Artikel Landarztquote: 21 Jahre Bindung — der Kostenvergleich zum Ausland durchgerechnet.
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Wie erlebt ein Medizinstudent den Alltag in Jena?
Zahlen und Ordnungen erklären das Verfahren, aber nicht den Alltag. Deshalb haben wir mit einem Medizinstudenten aus Jena gesprochen, der als Medfluencer auf Instagram über 100.000 Menschen erreicht und dort seit Jahren aus dem Studium berichtet. Im Interview geht es um den Studienalltag in Jena, um Lernstrategien und darum, wie sich Universität, Klinik und Social Media nebeneinander organisieren lassen.
Wer selbst Reichweite aufgebaut hat und daraus etwas machen will, findet in unserem Vergleich der Empfehlungsprogramme für Medfluencer die Konditionen der wichtigsten Anbieter.
Wie lebt und studiert es sich in der Stadt Jena?
Die Friedrich-Schiller-Universität wurde 1558 gegründet, ist mit rund 18.000 Studierenden die größte Universität Thüringens und deckt etwa 200 Studienangebote ab. Jena selbst ist eine kompakte Stadt im Saaletal, geprägt von Universität, Klinikum und der optischen Industrie.
Für dich als Studierende oder Studierender heißt das kurze Wege zwischen Hörsaal, Klinikum und Wohnung, Mieten deutlich unter dem Niveau von München oder Hamburg und eine Studierendenschaft, die das Stadtbild prägt. Wer Großstadtleben mit Flughafen vor der Tür sucht, ist in Jena falsch. Wer eine überschaubare Stadt mit kurzen Wegen und einem starken Klinikum will, ist richtig.
Wie schneidet Jena im Vergleich zum Studium im Ausland ab?
Der ehrlichste Vergleich ist der zwischen dem, was Jena verlangt, und dem, was Standorte im Ausland verlangen. Beim Geld gewinnt Jena klar, beim Zugang sieht es anders aus.
| Standort | Zugang | Studiengebühren | Unterrichtssprache | Anerkennung |
|---|---|---|---|---|
| Jena | hochschulstart, Abiturnote, TMS, Ausbildung, Dienste | keine, nur Semesterbeitrag | Deutsch | deutsches Staatsexamen und Approbation |
| Sofia (Bulgarien) | Aufnahmetest in Biologie, Chemie und Englisch | 4.975 EUR pro Semester | Englisch | automatisch nach EU-Richtlinie 2005/36/EG |
| Bratislava (Slowakei) | Aufnahmeprüfung in Biologie und Chemie, auch mit Fachhochschulreife | 6.500 EUR pro Semester | Englisch | automatisch nach EU-Richtlinie 2005/36/EG |
| Foča (Bosnien und Herzegowina) | Aufnahmeprüfung in Biologie und Chemie, auch mit Fachhochschulreife oder Pflegeausbildung | 3.500 EUR pro Jahr | Englisch | Einzelfallprüfung durch die Landesbehörde, Universität in ANABIN gelistet |
Die Rechnung fällt also nicht überall gleich aus: In Jena kostet dich das Studium kein Schulgeld, dafür entscheidet ein bundesweites Verfahren über den Platz. Im Ausland entscheidet eine fachliche Aufnahmeprüfung über den Platz, dafür zahlst du Studiengebühren. Wer Bulgarien oder die Slowakei wählt, bleibt im EU-Anerkennungssystem und braucht später weder Gleichwertigkeits- noch Kenntnisprüfung.
Ausführlich haben wir die einzelnen Standorte in eigenen Artikeln beschrieben, etwa Sofia, Bratislava und die Academy of Silesia in Kattowitz.
Was tust du, wenn es mit dem Studienplatz in Jena nicht klappt?
Zuerst: Ein Absagebescheid im Dialogorientierten Serviceverfahren ist keine Aussage über deine Eignung, sondern über die Zahl der Plätze. 286 Plätze für Humanmedizin treffen auf ein Vielfaches an Bewerbungen.
Drei Wege sind realistisch. Erstens ein weiterer Versuch mit besserem TMS-Ergebnis, denn der Test lässt sich wiederholen und verbessern. Zweitens eine abgeschlossene Berufsausbildung im Gesundheitsbereich, die in Jena und in den meisten anderen Auswahlverfahren zählt. Drittens der Start im Ausland, an einem der Standorte, die über eine fachliche Aufnahmeprüfung auswählen statt über die Abiturnote.
Welcher Weg zu dir passt, hängt von deinem Abiturschnitt, deiner Zeitplanung und deinem Budget ab. Eine Übersicht aller Standorte, die wir begleiten, findest du unter Universitäten; im kostenlosen Beratungsgespräch gehen wir deinen Fall konkret durch.
Meinung des Autors
Ich habe selbst von 2015 bis 2021 in Sofia studiert, weil mein Abiturschnitt in Deutschland nicht gereicht hat. Deshalb sehe ich Standorte wie Jena ohne Groll, aber auch ohne Verklärung: Die Fakultät und das Universitätsklinikum sind gut, das Problem ist die Arithmetik. 286 Plätze sind 286 Plätze, egal wie motiviert die Bewerberinnen und Bewerber sind.
Was mir an Jena gefällt, ist JENOS. Dass Studierende ab dem sechsten Semester in Richtung Klinik, Praxis oder Forschung vertiefen können, ist mehr, als viele Fakultäten anbieten, und es hilft bei der Entscheidung, die am Ende ohnehin ansteht.
Bei der Landarztquote bin ich vorsichtiger. Zehn Pflichtjahre nach der Weiterbildung sind eine Entscheidung über das halbe Berufsleben, getroffen mit 18 oder 19. Wer sie trifft, sollte das aus Überzeugung für die hausärztliche Versorgung tun, nicht aus Verlegenheit über die Abiturnote. Für den zweiten Fall gibt es bessere Lösungen — und in der Regel schnellere.
Ich bin eidgenössisch anerkannter Zahnarzt und führe heute von Bern aus die Medizinerschmiede. Was ich in den Gesprächen immer wieder sehe: Wartejahre kosten mehr, als die meisten rechnen — an Zeit, an Geld und an Motivation.
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Fazit
- 286 Studienplätze Humanmedizin und 57 Zahnmedizin, Start nur zum Wintersemester.
- Vergabe ausschließlich über hochschulstart, mit 30 Prozent Abiturbestenquote, 10 Prozent Eignungsquote und 60 Prozent Auswahlverfahren der Hochschule.
- TMS, Berufsausbildung, Dienste und Ehrenamt können eine schwächere Abiturnote spürbar aufwerten.
- JENOS erlaubt ab dem sechsten Semester einen Schwerpunkt: Klinik, ambulante Versorgung oder Forschung.
- Landarztquote seit dem Wintersemester 2026/27: 17 Plätze in der Medizin, 4 in der Zahnmedizin, zehn Jahre Verpflichtung nach der Weiterbildung.
- Wer in Jena leer ausgeht, hat mit TMS-Wiederholung, Berufsausbildung oder einem Start im Ausland drei realistische Alternativen.
Jena ist ein solider, praxisnaher Standort mit einem starken Klinikum im Rücken und einem Curriculum, das im zweiten Studienabschnitt echte Wahlmöglichkeiten bietet. Was Jena nicht ändern kann, ist die Zahl der Plätze: Der Zugang bleibt über die Abiturnote und den TMS geregelt, und die Landarztquote öffnet nur wenige Türen, dafür mit langer Bindung.
Wenn du nicht auf den nächsten Bewerbungsdurchgang warten willst, lohnt der Blick auf die europäischen Standorte, die fachlich statt über die Abiturnote auswählen. Die Studiengebühren dort sind real, planbar und über sechs Jahre gerechnet oft niedriger als ein oder zwei verlorene Wartejahre.
Häufige Fragen zum Medizinstudium in Jena
Wie viele Studienplätze für Humanmedizin gibt es in Jena?
286 Plätze pro Jahrgang, dazu 57 in der Zahnmedizin. Seit dem Wintersemester 2026/27 sind davon 17 Medizin- und 4 Zahnmedizinplätze für die Landarztquote reserviert. Der Studienbeginn liegt ausschließlich im Wintersemester.
Kann ich mich direkt bei der Friedrich-Schiller-Universität Jena bewerben?
Nein. Die Plätze im ersten Fachsemester vergibt allein die Stiftung für Hochschulzulassung über hochschulstart.de. Du gibst Jena dort als gewünschten Studienort an. Nur für die Landarztquote läuft die Bewerbung über das Portal des Freistaats Thüringen.
Welche Rolle spielt der TMS in Jena?
Der Medizinertest fließt in die Auswahl ein, sowohl in der zusätzlichen Eignungsquote als auch im Auswahlverfahren der Hochschule. Wie stark er gewichtet wird, legt die Universität in ihrer Zulassungsordnung fest, das kann sich zwischen den Jahrgängen ändern. Ein gutes Ergebnis verbessert deine Position spürbar, weil der Test wiederholbar ist und die Abiturnote nicht.
Was ist JENOS?
JENOS steht für „Jenaer Neigungsorientiertes Studium“. Nach einer Orientierungsphase im fünften Semester wählst du ab dem sechsten Semester einen von drei Schwerpunkten: klinikorientierte, ambulant orientierte oder forschungsorientierte Medizin. Der Schwerpunkt umfasst 21 Semesterwochenstunden und wird am Ende mit einem Zertifikat bescheinigt.
Wie lange dauert das Medizinstudium in Jena?
Sechs Jahre und drei Monate: vier Semester Vorklinik bis zum Ersten Abschnitt, sechs Semester klinischer Abschnitt bis zum Zweiten Abschnitt, dann zwei Semester Praktisches Jahr und der Dritte Abschnitt. Dazu kommen Erste-Hilfe-Kurs, dreimonatiger Krankenpflegedienst und vier Monate Famulatur.
Wie lange bin ich bei der Thüringer Landarztquote gebunden?
Mindestens zehn Jahre in einem unterversorgten Gebiet Thüringens, und zwar erst nach Studium und abgeschlossener Weiterbildung. Rechnet man Studium und Facharztweiterbildung dazu, reicht die Bindung über rund zwei Jahrzehnte. Im ersten Durchgang kamen laut Ärzte Zeitung 177 Bewerbungen auf 17 Plätze.
Was kann ich tun, wenn ich in Jena keinen Platz bekomme?
Realistisch sind drei Wege: den TMS wiederholen und verbessern, eine Berufsausbildung im Gesundheitsbereich abschließen, die in vielen Auswahlverfahren zählt, oder im Ausland starten, wo eine fachliche Aufnahmeprüfung über den Platz entscheidet. Welcher Weg zu deinem Fall passt, klären wir im kostenlosen Beratungsgespräch.
Was Studierende über die Medizinerschmiede sagen
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Über den Autor

Marcel Kloos
Eidgenössisch anerkannter Zahnarzt und Gründer der Medizinerschmiede
Marcel Kloos gründete die Medizinerschmiede bereits im Auslandsstudium, seither wurden über 500 Studienplätze vermittelt. Der gebürtige Stuttgarter studierte Zahnmedizin von 2015 bis 2021 in Sofia und ist eidgenössisch anerkannter Zahnarzt.
Heute lebt er in Bern und führt die Medizinerschmiede hauptberuflich als Inhaber.
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