Medizin studieren in der Schweiz – EMS, Zulassung und Kosten
03.09.2026
Das Schweizer Medizinstudium im Überblick
Die Schweiz kennt kein einheitliches nationales Zulassungsverfahren wie den deutschen Numerus Clausus über hochschulstart.de. Stattdessen entscheiden die einzelnen Kantone und Universitäten selbst, wen sie zulassen. In der Praxis nutzen die meisten Deutschschweizer Fakultäten den Eignungstest für das Medizinstudium (EMS) als zentrales Auswahlwerkzeug – ergänzt durch die Abiturnote. Die Romandie (französischsprachige Westschweiz) hat eigene Verfahren.
Das Studium dauert sechs Jahre und gliedert sich in drei Jahre Basisstudium, zwei Jahre klinische Studien und ein abschließendes Klinikjahr. Es endet mit dem Eidgenössischen Arztdiplom, das kraft bilateraler Abkommen in der EU anerkannt wird.
Unterrichtssprachen: Deutsch (Basel, Bern, Zürich), Deutsch und Französisch (Fribourg/Freiburg), Französisch (Genf, Lausanne). Ein englischsprachiges Medizinstudium auf Bachelor-Niveau existiert in der Schweiz nicht.
Die Schweizer Medizinuniversitäten
| Universität | Kanton | Sprache | Plätze/Jahr (ca.) | Zulassung via |
|---|---|---|---|---|
| Universität Zürich (UZH) | Zürich | Deutsch | ca. 320 | EMS + Matura |
| Universität Bern | Bern | Deutsch | ca. 220 | EMS + Matura |
| Universität Basel | Basel-Stadt | Deutsch | ca. 150 | EMS + Matura |
| Universität Fribourg | Freiburg | D + F | ca. 100 | EMS + Matura |
| Université de Genève | Genf | Französisch | ca. 160 | Eigenes Verfahren |
| Université de Lausanne | Waadt | Französisch | ca. 200 | Eigenes Verfahren |
Private Medizinuniversitäten gibt es in der Schweiz nicht. Die ETH Zürich bietet keinen eigenständigen Medizinstudiengang an – Medizinstudierende in Zürich studieren an der UZH.
Der EMS – Eignungstest für das Medizinstudium
Der EMS wird einmal jährlich angeboten, üblicherweise im Juli. Organisiert wird er vom Institut für medizinische Lehre (IML) der Universität Bern. Anmeldeschluss ist in der Regel Ende April. Wer den Termin verpasst, muss ein volles Jahr warten – ein Fehler, den besonders ausländische Bewerber mit spätem Start häufig machen.
Der Test dauert rund vier Stunden und umfasst acht Untertests:
| Untertest | Inhalt |
|---|---|
| Musterung von Figuren | Räumliches Denken, Rotationen |
| Schlauchfiguren | Räumliche Orientierung |
| Medizinisch-naturwiss. Grundverständnis | Bio, Chemie, Physik (Gymnasialniveau) |
| Quantitative und formale Probleme | Logisch-mathematisches Denken |
| Zahlenreihen | Induktives Denken |
| Textverständnis | Lesen und Schlussfolgern |
| Fakten lernen und behalten | Kurzzeit-Gedächtnis |
| Konzentriertes Arbeiten | Aufmerksamkeit unter Zeitdruck |
Das Ergebnis wird als Prozentrang ausgedrückt. Die Hochschulen bilden einen Gesamtwert aus EMS-Prozentrang und Abiturnote (häufig 50:50 oder 60:40 zugunsten des EMS). Wer in einem Jahr nicht zugelassen wird, kann es im Folgejahr erneut versuchen – eine Wiederholungsbeschränkung gibt es nicht. Erfahrungsgemäß braucht man an Zürich oder Bern Perzentile 70–85+, in manchen Jahren mehr.
Zulassung an der Universität Zürich und Bern
UZH und Uni Bern sind für die meisten Deutschschweizer Medizinbewerber die erste Wahl. Die Zulassung läuft über das EMS-Gesamtranking. Nachrückverfahren gibt es in einer zweiten Runde.
Für Bewerber mit deutschem Abitur: Die Abiturnote wird auf die Schweizer Matura-Skala umgerechnet. In kompetitiven Jahren ist der EMS-Anteil der entscheidende Faktor.
Fribourg hat eine Besonderheit: Das erste Jahr ist ein gemeinsames Life-Sciences-Jahr, aus dem anschließend die besten ins eigentliche Medizinstudium übernommen werden.
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Zulassung in der Westschweiz (Genf und Lausanne)
Genf und Lausanne nutzen den EMS nicht. Stattdessen gibt es einen lokalen Eignungstest im Frühjahr auf Französisch. Ohne C1-Kenntnisse im Französischen hat man dort keine realistische Chance. Die Nachfrage ist hoch: Mehrere Tausend Bewerber konkurrieren um wenige hundert Plätze.
Chancen für ausländische Bewerber
Die ehrliche Einschätzung: Die Chancen sind gering. Das liegt nicht an expliziter Diskriminierung, sondern an der Kombination aus sehr begrenzter Platzzahl und einer hohen Zahl gut vorbereiteter Schweizer Bewerber. Wer ein sehr gutes Abitur (1,0–1,3) und gezieltes EMS-Training mitbringt, hat durchaus Chancen – aber die Schweiz ist kein Plan B, sondern ein eigenständiger, anspruchsvoller Weg.
Studiengebühren und Lebenshaltungskosten
| Universität | Gebühren/Semester (CHF) | ca. in Euro |
|---|---|---|
| Universität Zürich | 730 | ca. 790 € |
| Universität Bern | 850 | ca. 920 € |
| Universität Basel | 860 | ca. 930 € |
| Universität Fribourg | 730 | ca. 790 € |
| Université de Genève | 500 | ca. 540 € |
| Université de Lausanne | 580 | ca. 630 € |
Die Gebühren selbst sind moderat. Der eigentliche Kostenfaktor ist das Leben in der Schweiz. Zürich und Genf zählen regelmäßig zu den teuersten Städten der Welt:
| Ausgabe | Monatlich (ca.) |
|---|---|
| Miete WG-Zimmer | 900–1.400 CHF (ca. 970–1.520 €) |
| Lebensmittel | 400–600 CHF |
| Krankenversicherung (obligatorisch) | 350–500 CHF |
| Mobilität/ÖV | 80–150 CHF |
| Sonstiges | 200–400 CHF |
| Gesamt | ca. 1.930–3.050 CHF/Monat (ca. 2.100–3.300 €) |
Die Krankenversicherung ist obligatorisch für alle in der Schweiz Wohnhaften und wird nicht vom Arbeitgeber bezahlt – für viele ausländische Studierende eine Überraschung im ersten Semester.
Sprachvoraussetzungen
An den Deutschschweizer Fakultäten wird Deutsch auf akademischem Niveau vorausgesetzt. Bewerber mit deutschem Abitur sind sprachlich unproblematisch. An Genf und Lausanne ist Französisch auf C1-Niveau Pflicht (DALF C1 oder äquivalent).
Bewerbung Schritt für Schritt
1. EMS-Anmeldung bis Ende April über ems.unibe.ch (Anmeldekosten ca. 170 CHF).
2. Unterlagen vorbereiten: Abitur-/Maturanachweise, Ausweis, Passbild, ggf. Sprachnachweis.
3. EMS absolvieren (Juli, ein Samstag) – Teststationen in Zürich, Bern und weiteren Städten.
4. Ergebnisse abwarten (August), werden digital mitgeteilt.
5. Bewerbung an den Universitäten mit EMS-Zertifikat und Abiturdaten. Fristen meist bis Ende Juli/Anfang August.
6. Zulassung oder Warteliste: Angebot annehmen oder auf Nachrückverfahren hoffen. Studienbeginn im Herbstsemester (September/Oktober).
Die Medizinerschmiede vermittelt keine Studienplätze in der Schweiz. Wenn du eine NC-freie Alternative in Europa suchst, beraten wir dich gern kostenlos – buche jetzt ein Erstgespräch über unsere Beratungsseite.
Meine Einschätzung zur Schweiz
Die Schweiz ist der Ort, an dem ich regelmäßig Bewerber treffe, die glauben, das Studium dort sei eine realistische Alternative zum NC in Deutschland – und die dann vom EMS und den Lebenshaltungskosten kalt erwischt werden. Der Test ist kognitiv anspruchsvoll, muss auf Deutsch gemeistert werden und findet nur einmal im Jahr statt. Wer schlecht vorbereitet ist oder den Anmeldeschluss verpasst, verliert zwölf Monate.
Was mich gleichzeitig beeindruckt: Die Schweizer Fakultäten haben ein klares Auswahlkriterium, das nicht nur die Abiturnote abbildet. Wer systematisch lernt und den EMS ernst nimmt, kann aus einer schwächeren Abiturnote heraus punkten – das ist fairer, als es auf den ersten Blick wirkt.
Mein ehrlicher Rat: Die Schweiz ist kein Plan B. Sie ist ein eigenständiger, sehr kompetitiver Weg mit einem klaren Prüfungssystem und den höchsten Lebenshaltungskosten in Europa. Wer diesen Weg gehen will, sollte idealerweise ein Jahr vor dem gewünschten Studienbeginn mit der EMS-Vorbereitung anfangen.
Das Schweizer Medizinstudium ist zugänglich, aber nicht einfach. Der EMS macht das Verfahren transparent – wer sich gut vorbereitet, hat echte Chancen, auch ohne Schweizer Schulabschluss. Die Studiengebühren sind moderat; die Lebenshaltungskosten in Zürich oder Genf sind die höchsten in Europa.
Die Zulassung läuft über den EMS (Deutschschweiz) oder einen lokalen Aufnahmetest auf Französisch (Romandie). Englischsprachige Studiengänge auf Bachelor-Ebene gibt es nicht. Studiengebühren liegen bei 540 bis 930 € im Semester, die Lebenshaltungskosten beginnen bei rund 2.100 € im Monat. Das eidgenössische Arztdiplom wird in der EU anerkannt. Für ausländische Bewerber ist das Verfahren kompetitiv, aber mit guter Vorbereitung realistisch.
Weiterführende Artikel: Medizin studieren in Österreich – MedAT und Zulassung | Medizin studieren in den Niederlanden – Numerus Fixus | Medizin studieren in Belgien – ISAT und INAMI-Quota | Kostenlose Erstberatung zur NC-freien Studienplatzvermittlung
Häufige Fragen zum Medizinstudium in der Schweiz
Muss ich den EMS bestehen, um Medizin in der Schweiz zu studieren?
An den Deutschschweizer Fakultäten ist der EMS die zentrale Zulassungsgrundlage. Es gibt keine Mindestpunktzahl – du wirst mit deinem Gesamtranking (EMS + Abiturnote) gegen alle anderen Bewerber des Jahres gerankt, und die besten bekommen die Studienplätze. In Genf und Lausanne wird stattdessen ein eigener Aufnahmetest auf Französisch verwendet.
Kann ich in der Schweiz Medizin auf Englisch studieren?
Nein. Es gibt kein englischsprachiges Medizinstudium auf Bachelor-Ebene in der Schweiz. Alle sechs Fakultäten unterrichten auf Deutsch oder Französisch.
Wird das Schweizer Arztdiplom in Deutschland und Österreich anerkannt?
Ja. Die Schweiz hat bilaterale Abkommen mit der EU, die die gegenseitige Anerkennung von Berufsqualifikationen im Gesundheitsbereich regeln. Das Eidgenössische Arztdiplom wird in Deutschland, Österreich und anderen EU-Staaten anerkannt.
Wie oft kann ich den EMS wiederholen?
Theoretisch beliebig oft – es gibt keine gesetzliche Wiederholungsbeschränkung. Da der EMS nur einmal pro Jahr stattfindet, bedeutet jeder weitere Versuch ein Jahr Wartezeit.
Gibt es Quoten für ausländische Bewerber?
Offizielle Quoten gibt es nicht. Alle Bewerber mit anerkanntem Hochschulzulassungszeugnis konkurrieren gleichberechtigt. In der Praxis sind Schweizer Bewerber durch ihre Systemkenntnis und teils bessere EMS-Vorbereitung im Vorteil.
Wie hoch sind die Lebenshaltungskosten im Vergleich zu Deutschland?
Deutlich höher. Die Schweiz ist im Schnitt 50–80 % teurer als vergleichbare deutsche Städte. Besonders Miete und die obligatorische Krankenversicherung (nicht arbeitgeberfinanziert) fallen stark ins Gewicht. Realistisch sind 2.000–2.500 CHF pro Monat als Untergrenze.
Gibt es private Medizinuniversitäten in der Schweiz?
Nein. Alle Medizinfakultäten sind staatliche Kantonsuniversitäten. Eine private Alternative mit eigenem Aufnahmetest – wie in anderen Ländern üblich – gibt es in der Schweiz nicht.
Vermittelt die Medizinerschmiede Studienplätze in der Schweiz?
Nein. Die Medizinerschmiede vermittelt keine Studienplätze an Schweizer Universitäten. Für NC-freie Alternativen in Europa stehen wir dir im Rahmen einer kostenlosen Beratung gern zur Verfügung.
Was Studierende über die Medizinerschmiede sagen
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Über den Autor

Marcel Kloos
Eidgenössisch anerkannter Zahnarzt und Gründer der Medizinerschmiede
Marcel Kloos gründete die Medizinerschmiede bereits im Auslandsstudium, seither wurden über 500 Studienplätze vermittelt. Der gebürtige Stuttgarter studierte Zahnmedizin von 2015 bis 2021 in Sofia und ist eidgenössisch anerkannter Zahnarzt.
Heute lebt er in Bern und führt die Medizinerschmiede hauptberuflich als Inhaber.
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