Internat in der Oberstufe: der beste Weg ins Medizinstudium?
14.08.2026
Lohnt sich der Wechsel auf ein Internat in der Oberstufe, wenn man Arzt werden will?
Ein Internatswechsel in der Oberstufe lohnt sich für ein Medizin-Ziel nur dann, wenn er einen der wenigen Faktoren verbessert, die im Zulassungsverfahren tatsächlich zählen. Das sind 2026 im Wesentlichen drei: die Abiturnote, das Ergebnis im Medizinertest und das Bundesland, in dem das Abitur abgelegt wird. Alles andere wirkt auf das Leben, nicht auf die Zulassung.
| Faktor | Wirkung im Zulassungsverfahren | Durch die Schulwahl beeinflussbar? |
|---|---|---|
| Abiturnote | Sehr hoch: 30 Prozent Abiturbestenquote, zusätzlich gewichtet im Auswahlverfahren der Hochschulen (60 Prozent) | Begrenzt – und an hochselektiven Schulen sogar mit Risiko (Referenzgruppeneffekt) |
| Medizinertest (TMS, ab 2027 TMSnat) | Hoch: Kern der Zusätzlichen Eignungsquote (10 Prozent) und an fast allen Fakultäten im Auswahlverfahren | Ja, indirekt über starken Unterricht in Biologie, Chemie, Physik und Mathematik |
| Bundesland des Abiturs | Hoch: In der Abiturbestenquote werden zuerst 16 Landesquoten gebildet | Ja, unmittelbar – wer das Bundesland wechselt, wechselt die Konkurrenzgruppe |
| Ausbildung, Dienste, Auswahlgespräche | Mittel: fakultätsabhängige Boni im Auswahlverfahren | Nein |
Das Quotenmodell selbst steht fest: Nach einem Vorwegabzug von bis zu 20 Prozent für Vorabquoten teilen sich Abiturbestenquote (30 Prozent), Zusätzliche Eignungsquote (10 Prozent) und Auswahlverfahren der Hochschulen (60 Prozent) die Plätze auf. In der Abiturbestenquote bildet hochschulstart.de zunächst 16 Landeslisten und führt diese anschliessend rechnerisch zu einer Bundesrangliste zusammen. Wie das Verfahren im Detail funktioniert, steht in unserem Artikel zur Studienplatzvergabe in der Medizin.
Welche Internate und Privatschulen nehmen überhaupt noch zur Oberstufe auf?
Der Kreis ist kleiner, als viele Familien annehmen. Viele Spezialschulen mit naturwissenschaftlichem Profil steigen bereits in Klasse 5, 7 oder 9 ein, ein Quereinstieg in die Oberstufe ist dort nicht vorgesehen. Die folgende Übersicht stellt die Schulen zusammen, bei denen ein Einstieg zur Oberstufe belegt oder eingepreist ist – Stand August 2026.
| Schule | Träger | Einstieg | Kosten pro Monat |
|---|---|---|---|
| Internatsschule Schloss Hansenberg (Hessen) | Land Hessen | Nach Klasse 9 (G8) bzw. 10 (G9) in die Einführungsphase | 415 Euro inklusive Vollverpflegung, Schulbesuch kostenfrei (Stand 01/2026) |
| MINT-Exzellenzgymnasium Bad Saulgau (BW) | Land Baden-Württemberg | Reine Oberstufenschule, Start Schuljahr 2026/2027 | Steht noch nicht fest |
| Landesgymnasium für Hochbegabte Schwäbisch Gmünd | Land Baden-Württemberg | Klasse 7 und Klasse 10, Ausnahmefälle darüber hinaus | 580 Euro laut Gebührensatzung des Ostalbkreises |
| Sächsisches Landesgymnasium Sankt Afra, Meissen | Freistaat Sachsen | Klasse 7 und 9, Quereinstieg 8 und 10 – kein regulärer Oberstufeneinstieg | Rund 600 Euro, sächsische Schüler erhalten 200 Euro monatlich erstattet |
| Schule Schloss Salem | Privat | Jahrgänge 5 bis 11, Klasse 12 nur im Einzelfall | 5.280 Euro bei Eintritt ab Klasse 11, IB-Zweig 5.700 Euro (Schuljahr 2027/2028) |
| Stiftung Louisenlund | Privat | Jahrgänge 5 bis 13, Abitur und IB | 7.025 Euro (Preisblatt Stand 01.05.2026) |
| Birklehof, Hinterzarten | Privat | Klassen 5 bis 12, plus-MINT-Standort ab Klasse 9 | 4.050 Euro (Schuljahr 2025/2026) |
| Schule Marienau | Privat | Eigener Tarif für den Eintritt ab Klasse 11 | 3.830 Euro bei Eintritt ab Klasse 11 (Schuljahr 2025/2026) |
| Internat Solling, Holzminden | Privat | Klassen 5 bis 12 | 3.950 Euro (Schuljahr 2026/2027) |
| Schloss Torgelow | Privat | Eigener Oberstufentarif | 3.955 Euro in der Oberstufe (Schuljahr 2025/2026) |
| CJD Königswinter | Privat | Sekundarstufe II ausdrücklich in EF und Q1 | 1.700 bis 1.900 Euro |
Zwei Dinge fallen an dieser Aufstellung sofort auf. Erstens: Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Platz liegt bei derselben Schulform der Faktor 17. Zweitens: Die drei sachlich interessantesten Adressen für ein naturwissenschaftliches Profil sind staatlich und kosten einen Bruchteil dessen, was private Häuser aufrufen. Beiträge werden jährlich angepasst, deshalb gehört der aktuelle Betrag immer bei der Schule selbst erfragt.
Was kostet die Oberstufe im Internat – und was kostet dafür ein ganzes Medizinstudium?
Drei Jahre Oberstufe im Internat kosten je nach Schule zwischen rund 15.000 und rund 253.000 Euro. Die folgende Gegenüberstellung ist unsere eigene Berechnung auf Basis der oben belegten Monatsbeiträge, gerechnet mit zwölf Monatsraten pro Jahr und drei Jahren Oberstufe. Einmalige Aufnahmegebühren, Kautionen und Nebenkosten sind nicht enthalten.
| Weg | Kosten (eigene Berechnung) | Anmerkung |
|---|---|---|
| Louisenlund, drei Jahre Oberstufe | 252.900 Euro | 84.300 Euro pro Schuljahr laut Preisblatt 2026/2027 |
| Salem, drei Jahre ab Klasse 11 | 190.080 Euro | Zuzüglich 2.000 Euro Aufnahmegebühr, 2.000 Euro Verwaltungszuschlag und Kaution |
| Birklehof, drei Jahre | 145.800 Euro | Einheitstarif Klassen 5 bis 12 |
| Marienau, drei Jahre ab Klasse 11 | 137.880 Euro | Eigener Oberstufentarif |
| Schloss Hansenberg, drei Jahre | 14.940 Euro | Im Bedarfsfall vollständig über Schüler-BAföG abgedeckt |
| Studiengebühren Humanmedizin im Ausland, sechs Jahre | ab 21.000 Euro | Zwölf Semester zu Semestergebühren ab 1.750 Euro |
Der Vergleich in der letzten Zeile ist der eigentliche Punkt dieses Artikels. Drei Jahre Oberstufe in Louisenlund entsprechen rechnerisch dem Zwölffachen der gesamten Studiengebühren eines sechsjährigen NC-freien Medizinstudiums an unserem günstigsten Standort. Zwischen Hansenberg und Louisenlund liegt bei derselben Schulform der Faktor 16,9. Beides sind eigene Rechnungen, keine Angaben der Schulen.
Zum Schüler-BAföG, das gerade bei den staatlichen Internaten die entscheidende Grösse ist: Nach Paragraf 12 Absatz 2 Nummer 1 des Bundesausbildungsförderungsgesetzes in der Fassung vom 16.04.2026 beträgt der monatliche Bedarf für Schülerinnen und Schüler an weiterführenden allgemeinbildenden Schulen, die nicht bei den Eltern wohnen, 666 Euro; zuzüglich der Zuschläge für Kranken- und Pflegeversicherung von 102 und 35 Euro ergeben sich 803 Euro monatlich. Schüler-BAföG ist ein Vollzuschuss und wird nicht zurückgezahlt. Voraussetzung ist allerdings Paragraf 2 Absatz 1a: Eine entsprechende zumutbare Schule darf von der elterlichen Wohnung aus nicht erreichbar sein, wobei die Ämter an drei Wochentagen eine Wegzeit von mindestens zwei Stunden für Hin- und Rückweg ansetzen.
Für ein staatliches Internat wie Schloss Hansenberg deckt dieser Betrag die Unterbringung vollständig ab. Bei einem privaten Internat mit 4.000 Euro Monatsbeitrag bleibt er ein Zuschuss von rund einem Fünftel.
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Welche Schulen sind für ein Medizin-Ziel wirklich interessant?
Aus meiner Sicht sind es genau zwei Wege, die 2026 sachlich etwas bringen: die staatlichen Oberstufeninternate mit MINT-Schwerpunkt und das Programm plus-MINT. Beide sind vergleichsweise günstig, beide setzen genau in dem Zeitfenster an, um das es hier geht.
Die Internatsschule Schloss Hansenberg in Geisenheim ist die einzige staatliche reine Oberstufen-Internatsschule dieser Art in Deutschland. Sie wurde 2003 gegründet, führt bis zu 200 Schülerinnen und Schüler in drei Jahrgängen und verlangt 415 Euro monatlich inklusive Verpflegung. Bewerben kann sich, wer im letzten Zeugnis mindestens ein Gut in Deutsch, Mathematik, einer Fremdsprache und einer Naturwissenschaft hat und in den übrigen Fächern bei einem Schnitt von 2,0 oder besser liegt. Das Auswahlverfahren für 2026/2027 lief vom 17.11.2025 bis 19.01.2026, gefolgt von einem Testtag am 07.02.2026 und einem Auswahltag am 14.03.2026. Wichtig für Medizin-Interessierte: Alle Schüler belegen drei Leistungskurse, nämlich Mathematik, Politik und Wirtschaft sowie eine Naturwissenschaft oder Informatik. Eine Kombination aus Biologie und Chemie als doppeltem Naturwissenschafts-Leistungskurs ist dort also nicht möglich. Für die Zulassung zur Medizin spielt das keine formale Rolle, weil kein deutscher Studiengang bestimmte Leistungskurse verlangt. Für das erste Studienjahr macht es sehr wohl einen Unterschied.
Das Programm plus-MINT arbeitet mit fünf Internaten zusammen: Birklehof, Louisenlund, Schloss Neubeuern, Steinmühle und dem staatlichen Sankt Afra. Der Einstieg erfolgt in Klasse 9 oder 10 im G8 beziehungsweise 10 oder 11 im G9 – also exakt im gefragten Zeitfenster. plus-MINT gibt rund 100 bis 120 Bewerbungen pro Jahr bei 60 bis 70 Aufnahmen an. Unsere eigene Rechnung dazu: Das entspricht einer Aufnahmequote von rund 55 bis 60 Prozent. Wer glaubt, es handle sich um ein extrem selektives Verfahren, liegt daneben; entscheidend ist eher, dass sich überhaupt wenige Familien bewerben. Einen eigenen Stipendienfonds hat plus-MINT nicht, verweist aber ab Klasse 10 auf das Schüler-BAföG.
Neu und für Familien mit jüngeren Kindern interessant: Baden-Württemberg startet zum Schuljahr 2026/2027 in Bad Saulgau ein MINT-Exzellenzgymnasium, das ausschliesslich die drei Oberstufenjahre umfasst, mit Internat, rund 200 Plätzen und Modulen gemeinsam mit Hochschulen und Unternehmen. Kosten und Auswahlverfahren stehen Stand August 2026 noch nicht fest.
Bringt eine Privatschule wirklich eine bessere Abiturnote?
Hier wird es unbequem, und ich halte es für redlich, das offen zu sagen. Die grosse deutsche Vergleichsstudie zu dieser Frage stammt von Klaus Klemm, Lars Hoffmann, Kai Maaz und Petra Stanat: Privatschulen in Deutschland, Trends und Leistungsvergleiche, Friedrich-Ebert-Stiftung, Berlin 2018. Ausgewertet wurden IQB-Bildungstrend-Daten aus 2.721 Schulen in den Jahrgangsstufen 4 und 9, Erhebungsjahre 2015 und 2016. Das Ergebnis: Es existiert keine empirische Evidenz für eine generelle Überlegenheit privater Schulen. Nach Kontrolle von sozialer Herkunft und Bildungsstand der Eltern bleiben nur geringfügige Unterschiede.
Noch wichtiger für die Medizin-Zulassung ist ein zweiter Befund. Marko Neumann, Gabriel Nagy, Ulrich Trautwein und Oliver Lüdtke verglichen in der Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, Jahrgang 12 (2009), Seiten 691 bis 714, Gymnasiasten in Baden-Württemberg und Hamburg mit standardisierten Tests. In Mathematik lagen die baden-württembergischen Schüler rund eine Standardabweichung besser – die Noten unterschieden sich aber nicht. Bei gleicher Testleistung erhielten Hamburger Leistungskursschüler 1,57 Punkte mehr auf der 15-Punkte-Skala, also rund eine halbe Notenstufe. Die Ursache nennen die Autoren Referenzgruppeneffekt: Bewertet wird relativ zur eigenen Lerngruppe.
Genau das ist das Risiko einer hochselektiven Schule. Wer an einer Schule lernt, an der alle stark sind, kann bei identischer Leistung eine schlechtere Note bekommen als am wohnortnahen Gymnasium. Und die Abiturbestenquote bewertet ausschliesslich die Note. Ein Kind, das dort auf 1,4 statt auf 1,1 landet, hat viel investiert und steht am Ende schlechter da als geplant. Das spricht nicht gegen gute Schulen – es spricht dagegen, die Note als planbares Ergebnis einer Kaufentscheidung zu behandeln.
Was man in Rankings trotzdem sieht, ist etwas anderes. Eine Auswertung der Berliner Abiturdaten 2024 zeigte an Privatschulen eine Durchfallquote von 1,7 Prozent gegenüber 5,7 Prozent an öffentlichen Schulen. Das ist Selektion, nicht Kausalität: Wer 30.000 Euro Schulgeld zahlt, kommt in der Regel aus einem Elternhaus, das ohnehin die stärkste Einzelvariable der Bildungsforschung ist. Genau diesen Effekt rechnet die Friedrich-Ebert-Studie heraus, und dann bleibt fast nichts übrig. Wie viel eine Abiturnote überhaupt über Studienerfolg aussagt, haben wir in Die Bestnoten-Hysterie anhand der Validitätsstudien aufgeschrieben.
Dazu kommt ein Punkt, der die Schulwahl grundsätzlich betrifft: Zu Medizin-Zulassungsquoten einzelner Schulen oder Schulformen gibt es in Deutschland keine veröffentlichten Daten. Weder hochschulstart.de noch die Kultusministerkonferenz noch die Schulen selbst erheben das. Jede Aussage der Art, eine bestimmte Schule bringe besonders viele Absolventen in die Medizin, ist unbelegt – auch dann, wenn sie plausibel klingt.
Warum das Bundesland des Abiturs mehr zählt als der Name der Schule
Die Abiturbestenquote wird nicht bundesweit in einem Topf vergeben. hochschulstart.de bildet zuerst 16 Landesquoten und führt die Landeslisten erst danach zu einer Bundesrangliste zusammen. Praktisch heisst das: Man konkurriert in erster Linie mit dem eigenen Landesjahrgang. Wer für die Oberstufe das Bundesland wechselt, wechselt damit auch die Konkurrenzgruppe – das ist der einzige Hebel in diesem ganzen Thema, der unmittelbar und nachweisbar auf das Verfahren wirkt.
Die Landesdurchschnitte gehen deutlich auseinander. Das Deutsche Schulportal führt für die zuletzt gemeldeten Jahrgänge unter anderem Thüringen mit 2,13, Sachsen mit 2,20, Hessen mit 2,24, Bayern mit 2,35, Nordrhein-Westfalen mit 2,37 und Niedersachsen mit 2,45. In Thüringen erreichten im Schuljahr 2023/2024 rund 41 Prozent der Abiturienten eine Note zwischen 1,0 und 1,9.
Ein niedriger Landesschnitt ist trotzdem kein Freifahrtschein, denn die Landesquote wird nach Bewerberzahlen gebildet: Wo viele ein sehr gutes Abitur haben, gibt es auch mehr Plätze zu verteilen, aber eben auch mehr Konkurrenz um die vordersten Ränge. Der Effekt ist real und er ist der direkteste Hebel in diesem Thema – er ist nur kleiner, als er in Beratungsgesprächen gelegentlich klingt.
Was ändert der TMSnat ab 2027 an der Schulwahl?
Der Test für medizinische Studiengänge in seiner bisherigen Form läuft aus: Der letzte reguläre TMS-Durchgang findet im November 2026 statt, ab 2027 tritt der TMSnat an seine Stelle, die erste Durchführung ist für das Frühjahr 2027 vorgesehen. Genau das betrifft jedes Kind, das jetzt in die Oberstufe wechselt.
Der TMSnat soll zusätzlich einen naturwissenschaftlichen Wissensteil aus Biologie, Chemie, Physik und Mathematik sowie einen Untertest zum arithmetischen Problemlösen enthalten, während drei der bisherigen visuellen Untertests entfallen. Amtlich bestätigt ist bislang die Ablösung selbst; die endgültige Teststruktur steht noch aus.
Falls sich der naturwissenschaftliche Wissensteil bestätigt, verändert das die Bewertung einer MINT-Schule spürbar. Bisher liess sich schulisches Fachwissen im TMS kaum in Punkte umsetzen, weil der Test bewusst wissensfrei angelegt war. Ein Wissensteil bedeutet, dass drei Jahre soliden Chemie- und Physikunterrichts erstmals direkt in ein Testergebnis einzahlen. Das ist aus meiner Sicht das stärkste sachliche Argument für eine naturwissenschaftlich profilierte Schule überhaupt – stärker als jedes Notenargument. Den aktuellen Stand haben wir in TMS 2026 und der neue TMSnat ab 2027 zusammengetragen.
Ist ein International Baccalaureate ein Vorteil für das Medizinstudium in Deutschland?
Das International Baccalaureate wird in Deutschland als Hochschulzugangsberechtigung anerkannt, es ist aber für den deutschen Numerus clausus keine Abkürzung, sondern rechnerisch eher eine Hürde. Grundlage ist die Vereinbarung der Kultusministerkonferenz vom 10.03.1986 in der Fassung vom 15.06.2023.
Verlangt werden sechs Prüfungsfächer, drei davon auf Higher Level, darunter zwei Sprachen, eine Naturwissenschaft, Mathematik und ein gesellschaftswissenschaftliches Fach. Die Umrechnung in die deutsche Durchschnittsnote folgt einer festen Formel: Note gleich 1 plus 3 mal der Differenz aus 42 und der erreichten Punktzahl, geteilt durch 18. Ab 42 von 45 Punkten ergibt sich glatt 1,0, gerundet wird nicht.
| IB-Punkte | Deutsche Durchschnittsnote | Einordnung für Medizin |
|---|---|---|
| 42 bis 45 | 1,0 | In der Abiturbestenquote konkurrenzfähig |
| 41 | rund 1,2 | Grenzbereich der Auswahlgrenzen |
| 39 | 1,5 | Über die Note allein kaum ausreichend |
| 36 | 2,0 | Weg über Test, Auswahlverfahren oder Ausland |
Unsere eigene Rechnung mit dieser Formel zeigt die Konsequenz: Für eine Durchschnittsnote von 1,2 braucht man 41 von 45 Punkten. Das erreichen weltweit nur wenige Prozent eines IB-Jahrgangs. Wer das IB wählt, tut das sinnvollerweise wegen der internationalen Anschlussfähigkeit – nicht, um den deutschen NC zu umgehen.
Zwei offene Punkte gehören dazu. Erstens: Wer Mathematik nur auf Standard Level belegt, erhält seit dem Prüfungstermin 2021 grundsätzlich nur einen fachgebundenen Hochschulzugang, ausser die Schule steht auf den Anlagenlisten der Vereinbarung. Die IB-Organisation vertritt dazu seit 2019 die Auslegung, Medizin gelte in Deutschland nicht als Naturwissenschaft, weshalb Mathematik auf Grundstufe genüge. Das ist die Lesart der IB-Organisation, nicht der Wortlaut der Kultusministerkonferenz. Zweitens gelten ab dem Prüfungstermin 2025 zusätzlich studienfachspezifische Mindestanforderungen je Fächergruppe. Beides gehört vor einer Schulentscheidung bei der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen oder der zuständigen Landesbehörde geklärt. Belegt IB-Zweige führen in Deutschland unter anderem Salem, Louisenlund und die CJD Braunschweig International School.
Ist das britische A-Level der schnellere Weg zu einer 1,0?
Das britische A-Level ist der einzige verbreitete Schulabschluss, der die letzten beiden Schuljahre auf drei Fächer zusammenzieht. Wer in England in die Sixth Form eintritt, belegt in Year 12 und Year 13 in der Regel drei A-Level-Fächer – und für Medizin verlangt die Kultusministerkonferenz genau drei naturwissenschaftliche. Fachwahl und Studienziel fallen hier zusammen.
Der Unterschied zur deutschen Oberstufe ist gross. Ein deutscher Schüler belegt nach der KMK-Vereinbarung 40 Kurse und bringt 36 davon in die Abiturnote ein, verteilt auf acht bis zehn Fächer, darunter mindestens sechs Halbjahre Gesellschaftswissenschaften. In der Sixth Form verteilt sich die gesamte Unterrichtszeit auf drei Fächer. Shrewsbury School weist in ihrer Curriculum Policy 2025 einen Stundenplan von 37 Unterrichtsstunden zu je 40 Minuten pro Woche aus, aus dem die Schüler vier Wahlen treffen, die zu mindestens drei A-Levels führen. Rechnerisch bleiben fünf bis sieben Stunden pro Fach und Woche. Was in Deutschland der Leistungskurs ist, ist dort der Normalfall, und zwar in allen drei Fächern gleichzeitig.
Ich habe das als Schüler während eines Auslandsaufenthalts in Shrewsbury aus der Nähe erlebt. Dort sind mir Mitschüler begegnet, die genau diesen Weg gegangen sind: zwei Jahre englisches Internat, drei naturwissenschaftliche Fächer, danach zurück nach Deutschland mit einem Zeugnis, das in der Umrechnung ganz oben lag. Im Kopf geblieben ist mir vor allem die Ruhe dieser zwei Jahre. Niemand jonglierte zehn Fächer, niemand rettete eine Note in einem Nebenfach über die Ziellinie. Wer Biologie, Chemie und Physik belegt hatte, arbeitete zwei Jahre lang an Biologie, Chemie und Physik.
Geschenkt bekommt man die Bestnote deshalb nicht. Von allen A-Level-Ergebnissen in England lagen im Sommer 2026 nach Angaben der Aufsichtsbehörde Ofqual 28,3 Prozent bei A* oder A. An den unabhängigen Schulen, zu denen die klassischen Internate gehören, war es fast jede zweite Note.
| Gruppe oder Fach | Anteil A* oder A im Sommer 2026 |
|---|---|
| Alle A-Level in England | 28,3 Prozent |
| Unabhängige Schulen und Internate | 48,6 Prozent |
| Mathematik | 42,1 Prozent |
| Physik | 32,2 Prozent |
| Chemie | 31,8 Prozent |
| Biologie | 27,4 Prozent |
Ein Punkt spricht dabei klar für das englische System, und er hängt direkt mit dem Referenzgruppeneffekt weiter oben zusammen: A-Level-Noten kommen aus zentralen Prüfungen der Prüfungsstellen, nicht aus der Bewertung durch die eigene Schule. Eine starke Lerngruppe kann die Note dort nicht nach unten ziehen. Genau dieses Risiko besteht an einer hochselektiven deutschen Schule sehr wohl.
Was verlangt die Kultusministerkonferenz, damit ein A-Level für Medizin zählt?
Anerkannt werden drei voneinander unabhängige allgemeinbildende A-Level-Fächer mit mindestens der Note C. Für Medizin und Pharmazie müssen alle drei aus Mathematik, Biologie, Chemie, Physik oder Informatik stammen. Grundlage ist der Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 24.06.2021; vorausgesetzt wird ausserdem ein mindestens zwölfjähriger Schulbesuch.
| Angestrebte Studienrichtung | Verlangte A-Level-Fächer |
|---|---|
| Medizin und Pharmazie | Drei Fächer aus Mathematik, Biologie, Chemie, Physik, Informatik |
| Naturwissenschaften | Zwei Fächer aus dieser Gruppe |
| Mathematik und Technik | Mathematik plus ein Fach aus Biologie, Chemie, Physik, Informatik |
| Geistes- und Rechtswissenschaften | Ein Fach aus Sprache, Geschichte, Geographie, Politik, Wirtschaft |
| Sozial- und Wirtschaftswissenschaften | Je ein Fach aus beiden Gruppen |
Daraus folgt der wichtigste Satz dieses Kapitels: Die Kombination Biologie, Chemie und Physik öffnet Medizin, Pharmazie, Naturwissenschaften und Technik – ein geistes-, rechts- oder wirtschaftswissenschaftliches Studium dagegen nicht, weil dafür ein sprachliches oder gesellschaftswissenschaftliches Fach verlangt wird. Wer mit 16 drei naturwissenschaftliche Fächer wählt, legt sich damit auch auf die Studienrichtung fest. Bewertet werden zudem nur Zeugnisse der Prüfungsstellen AQA, OCR, Pearson, WJEC und CCEA, keine Schulzeugnisse.
Die Umrechnung in die deutsche Durchschnittsnote folgt der Vereinbarung der Kultusministerkonferenz vom 15.03.1991 in der Fassung vom 18.11.2004: Note gleich 1 plus 3 mal der Differenz aus bestmöglicher Note und erreichtem Durchschnitt, geteilt durch die Spanne zwischen bester und schlechtester Note. Das Ergebnis wird auf eine Dezimalstelle festgesetzt und nicht gerundet. Wer in allen drei Fächern die Bestnote erreicht, steht damit bei 1,0. Verbindlich festgesetzt wird die Note von der Zeugnisanerkennungsstelle des Bundeslandes; in Bayern ist das Landesamt für Schule zuständig, das Verfahren ist kostenfrei und dauert in der Regel vier bis sechs Wochen.
Ein Detail entscheidet dabei über mehr, als die meisten Familien erwarten. Wer seine Hochschulzugangsberechtigung nicht in Deutschland erworben hat, kann keiner der 16 Landesquoten zugerechnet werden und wird einer davon nach Bevölkerungsanteilen per Los zugeordnet. Der Hebel aus dem Kapitel zum Bundesland fällt beim A-Level also weg. Man tauscht ihn gegen die Chance auf eine sehr gute Note.
Der Rest des Verfahrens läuft normal. Deutsche Staatsangehörige und EU-Bürger bewerben sich mit einem A-Level regulär über hochschulstart.de, nehmen an der Abiturbestenquote teil und können den Medizinertest in der Zusätzlichen Eignungsquote und im Auswahlverfahren der Hochschulen einsetzen. Die Ausländerquote betrifft sie nicht.
Zwei Hürden gehören in die Planung. Erstens der Kalender: Die A-Level-Prüfungen liegen im Mai und Juni, die Ergebnisse kamen 2026 am 13. August – der Antragsschluss bei hochschulstart.de für das Wintersemester war der 15. Juli. Ein Studienstart im selben Oktober ist damit nicht möglich. Es bleiben die Bewerbung zum Sommersemester zwischen dem 03.11. und dem 15.01. und das folgende Wintersemester mit Antragsschluss 31. Mai. Zweitens der Sprachnachweis: Wer seine Hochschulzugangsberechtigung nicht an einer deutschsprachigen Einrichtung erworben hat, muss deutsche Sprachkenntnisse nachweisen; das Niveau legt die Hochschule fest, die Universität Greifswald verlangt für Human- und Zahnmedizin C2.
Was kostet die Sixth Form an einem englischen Internat?
Ein Internatsplatz in der Sixth Form kostet im Schuljahr 2026/2027 an den bekannten englischen Häusern rund 60.000 bis 65.000 Pfund pro Jahr. Seit dem 01.01.2025 fällt auf britische Schulgebühren die Mehrwertsteuer von 20 Prozent an; die folgenden Jahreswerte sind Bruttobeträge für drei Terms.
| Schule | Boarding pro Schuljahr | Anmerkung |
|---|---|---|
| Shrewsbury School, Sixth Form (ausserhalb UK und EWR) | 63.651 Pfund | 21.217 Pfund je Term inklusive Mehrwertsteuer |
| Shrewsbury School, Sixth Form (UK und EWR) | 60.423 Pfund | 20.141 Pfund je Term |
| Oundle School (Tarif für Schüler aus dem Ausland) | 62.235 Pfund | Gebührenplan 2026/2027 |
| Rugby School | 61.860 Pfund | 20.620 Pfund je Term inklusive Mehrwertsteuer |
| Cheltenham College, Jahrgänge 12 und 13 | 63.186 Pfund | 21.062 Pfund je Term |
| Wellington College | 65.070 Pfund | 21.690 Pfund je Term |
Zwei Muster sind dabei wichtig. Die Sixth Form kostet an fast allen Häusern mehr als die unteren Jahrgänge, und mehrere Schulen erheben einen Aufschlag für Schüler von ausserhalb des Vereinigten Königreichs und des EWR – bei Shrewsbury sind das 1.076 Pfund je Term. Unsere eigene Rechnung für zwei Jahre Sixth Form in Shrewsbury zum Auslandstarif ergibt rund 127.300 Pfund. Das liegt in derselben Grössenordnung wie drei Jahre Birklehof oder Marienau, bei einem Schuljahr weniger.
Der Marktdurchschnitt liegt niedriger. Der Census des Independent Schools Council vom Januar 2026 weist für Internatsplätze 14.980 Pfund pro Term ohne Mehrwertsteuer aus. Deutschland ist dort die drittgrösste Herkunftsgruppe unter den Schülern, deren Eltern im Ausland leben: 1.959 von 22.941.
Drei formale Punkte gehören dazu. Deutsche Schüler brauchen seit dem Brexit ein Child Student Visa, das nur für 4- bis 17-Jährige und nur für unabhängige Schulen gilt: 558 Pfund Gebühr plus 776 Pfund Immigration Health Surcharge pro Jahr, Antrag frühestens sechs Monate vor Kursbeginn und zwingend vor dem 18. Geburtstag. Schüler mit Wohnsitz ausserhalb des Vereinigten Königreichs brauchen zusätzlich einen Guardian, der die Betreuung an schulfreien Tagen übernimmt. Und die Aufnahme in Year 12 läuft über eine Eingangsprüfung in den drei Wunschfächern; Shrewsbury verlangt dazu mindestens drei GCSE-Noten der Stufe 6 und drei der Stufe 5, geprüft wird Anfang November des Vorjahres.
Und damit steht dieselbe Rechnung wie beim deutschen Privatinternat, nur in Pfund: rund 127.300 Pfund für zwei Jahre Schule gegen ab 21.000 Euro Studiengebühren für sechs Jahre Humanmedizin im europäischen Ausland. Das englische A-Level ist der sauberste Weg zu einer 1,0, den es gibt, aber es bleibt ein Umweg über eine Note, die man erst noch erreichen muss. Das Geld ist im Studium selbst besser aufgehoben: Wer über uns an einer europäischen Universität einsteigt, braucht weder eine 1,0 noch zwei Jahre Vorlauf im Ausland, und der Abschluss gilt anschliessend EU-weit. Was zu welchem Kind passt, klären wir im kostenlosen Beratungsgespräch.
Was ist beim Schulwechsel in ein anderes Bundesland zu beachten?
Der häufigste Stolperstein ist nicht die Note, sondern die zweite Fremdsprache. Im G9 beginnt sie meist in Klasse 7, im G8 in Klasse 6, was beim Wechsel schnell ein Jahr Nachholbedarf bedeutet. Ebenso verliert ein Schüler beim Wechsel aus einem G9 in ein G8 häufig faktisch ein Schuljahr. Verbindlich entscheidet immer die Schulaufsicht des aufnehmenden Landes, nicht die Wunschschule.
Der Rahmen wird gerade vereinheitlicht. Die Kultusministerkonferenz hat ihre Vereinbarung zur gymnasialen Oberstufe vom 07.07.1972 am 16.03.2023 neu gefasst: zwei bis drei Leistungskurse statt bis zu vier, einheitlich 40 belegte und 36 einzubringende Kurse, mindestens sechs Halbjahre Gesellschaftswissenschaften und naturwissenschaftliche Grundkurse einheitlich mit drei Wochenstunden. Spätestens für das Abitur 2030 gilt das in allen Ländern, betroffen sind die Jahrgänge, die ab 2027 in die Einführungsphase eintreten. Für Familien, die jetzt wechseln, heisst das: Die Vergleichbarkeit zwischen den Ländern nimmt zu, die Unterschiede in der Notengebung verschwinden dadurch aber nicht.
Praktisch entscheidend sind die Fristen, und die liegen früh. Am Hansenberg lief die Bewerbung für 2026/2027 von Mitte November bis Mitte Januar, am CJD Königswinter für die Sekundarstufe II vom 24.09. bis 30.11.2025, am Carl-Zeiss-Gymnasium Jena für die Spezialklassen bis 27.02.2026. Wer im Frühjahr der Klasse 10 anfängt zu suchen, ist für das kommende Schuljahr meistens zu spät.
Der Weg, den viele Familien in dieser Entscheidung übersehen
In der Beratung erlebe ich diese Situation regelmässig: Eltern rechnen mit sechsstelligen Beträgen für drei Jahre Schule, um eine Note zu erreichen, die niemand garantieren kann – und kennen den Weg nicht, der das eigentliche Ziel direkt ansteuert. Ein Medizinstudium in Europa ist ohne NC möglich, mit Semestergebühren ab 1.750 Euro, und der Abschluss wird nach der Richtlinie 2005/36/EG, Anhang V Nummer 5.1.1, in der gesamten Europäischen Union automatisch anerkannt. Das ist kein Notnagel, sondern seit Jahren ein regulärer Weg: Jeder elfte deutsche Medizinstudierende ist im Ausland eingeschrieben.
Ich habe selbst von 2015 bis 2021 in Sofia studiert, bin eidgenössisch anerkannter Zahnarzt und führe heute von Bern aus die Medizinerschmiede. Aus dieser doppelten Perspektive – als jemand, der diesen Weg gegangen ist, und als Vater – würde ich die Rechnung anders aufmachen als die meisten Internatsberatungen. Wenn drei Jahre Privatinternat 140.000 bis 250.000 Euro kosten und der belegbare Notenvorteil bei null liegt, dann ist die Frage nicht, welches Internat das beste ist. Die Frage ist, ob das Geld nicht besser in ein Studium fliesst, das ohnehin stattfinden soll.
Welche Universität zu welchem Kind passt, hängt von Vorbildung, Sprache, Budget und Lebensplanung ab. Das klären wir individuell – am einfachsten in einem kostenlosen Beratungsgespräch, gern schon während der Oberstufe und nicht erst nach dem Abiturzeugnis. Einen Überblick über Standorte, Kosten und Finanzierung gibt unser Leitfaden Medizin studieren ohne NC im Ausland.
Meinung des Autors: Was ich Eltern in dieser Entscheidung sage
Wenn mich Eltern fragen, welches Internat ihr Kind zum Medizinstudienplatz bringt, drehe ich die Frage um. Nicht: Welche Schule ist die beste? Sondern: Was genau soll die Schule leisten, das die jetzige nicht leistet? In vier von fünf Gesprächen bleibt danach ein anderer Wunsch übrig als der Studienplatz – mehr Struktur, ein anderes Umfeld, ein Kind, das zu Hause nicht in die Spur kommt. Das sind gute Gründe für ein Internat. Sie haben nur mit dem Numerus clausus nichts zu tun.
Meine Einschätzung: Wer ein Internat rein als Investition in die Abiturnote betrachtet, zahlt einen hohen Betrag für eine Wirkung, die sich empirisch bisher nicht belegen lässt. Die Friedrich-Ebert-Studie von 2018 findet keinen generellen Leistungsvorteil privater Schulen, und der Referenzgruppeneffekt aus der Studie von Neumann und Kollegen kann in einer starken Lerngruppe sogar gegen das eigene Kind arbeiten. Diese Einschätzung beruht auf zwei belastbaren Studien und auf Gesprächen aus unserer Beratungspraxis. Sie belegt nicht, dass Internate schlecht sind – sie belegt nur, dass sie keine Notengarantie sind.
Was ich dagegen für unterbewertet halte, sind die staatlichen Wege. Ein Platz am Hansenberg kostet 415 Euro im Monat und ist im Bedarfsfall vollständig über Schüler-BAföG gedeckt. Bei plus-MINT werden nach eigenen Angaben von rund 100 bis 120 Bewerbungen 60 bis 70 angenommen. Das sind Chancen, von denen die meisten Familien schlicht nie gehört haben, weil dahinter kein Marketingbudget steht.
Und ich sage offen, was mich an der ganzen Debatte stört: Sie unterstellt, dass es nur einen Weg in den Arztberuf gibt, nämlich eine 1,0 in Deutschland. Ich habe von 2015 bis 2021 in Sofia studiert, und aus diesem Jahrgang sind Kolleginnen und Kollegen in Deutschland, der Schweiz und Skandinavien angekommen. Am Ende zählt der Abschluss und was jemand daraus macht, nicht der Name der Schule davor.
NC-freie Medizinstudienplätze im In- und Ausland
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- Begleitung bis zum Berufseinstieg in DE oder CH
Zusammenfassung
- Ein Internatswechsel zur Oberstufe verbessert die Abiturnote nicht automatisch: Die Friedrich-Ebert-Studie von 2018 (IQB-Daten aus 2.721 Schulen) findet keine generelle Überlegenheit privater Schulen.
- Der Referenzgruppeneffekt kann an einer hochselektiven Schule gegen die Note arbeiten – bei gleicher Testleistung lagen die Noten in der Studie von Neumann und Kollegen (2009) um rund eine halbe Notenstufe auseinander.
- Kosten 2026: staatliche Oberstufeninternate wie Schloss Hansenberg 415 Euro monatlich, private Internate 3.800 bis 7.025 Euro monatlich. Drei Jahre Louisenlund entsprechen rechnerisch dem Zwölffachen der Studiengebühren eines sechsjährigen NC-freien Medizinstudiums.
- Sachlich sinnvoll ist der Wechsel vor allem wegen des naturwissenschaftlichen Wissensteils, den der TMSnat ab 2027 voraussichtlich enthält, und wegen der 16 Landesquoten in der Abiturbestenquote.
- Ein International Baccalaureate ist kein Abkürzungsweg: Nach der KMK-Formel braucht es 41 von 45 Punkten für eine Durchschnittsnote von 1,2.
- Das britische A-Level ist der Sonderweg in dieser Frage: drei Fächer in zwei Jahren, für Medizin verlangt die Kultusministerkonferenz seit dem Beschluss vom 24.06.2021 genau drei naturwissenschaftliche, und Bestnoten ergeben umgerechnet 1,0. Der Preis dafür liegt bei 60.000 bis 65.000 Pfund pro Schuljahr, und die eigene Landesquote entfällt.
- Unser Fazit aus dieser Rechnung: Das Geld ist im Studium selbst besser investiert als in zwei oder drei Jahre Schule für eine Note, die niemand garantieren kann. Rund 127.300 Pfund für zwei Jahre englisches Internat stehen ab 21.000 Euro Studiengebühren für sechs Jahre Humanmedizin gegenüber.
- Wer über uns an einer europäischen Universität einsteigt, braucht keinen Einserschnitt: Medizin ist in Europa NC-frei studierbar, mit Semestergebühren ab 1.750 Euro und EU-weiter Anerkennung nach Richtlinie 2005/36/EG – das klären wir im kostenlosen Beratungsgespräch individuell.
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Bringt ein Internat in der Oberstufe eine bessere Abiturnote?
Nicht nachweisbar. Die Studie Privatschulen in Deutschland (Friedrich-Ebert-Stiftung 2018) wertete IQB-Daten aus 2.721 Schulen aus und fand nach Kontrolle der sozialen Herkunft keine generelle Überlegenheit privater Schulen. Sichtbare Notenvorsprünge beruhen weit überwiegend auf der Zusammensetzung der Schülerschaft. Was ein Internat leisten kann, liegt woanders: Struktur, Betreuung, Laborausstattung und ein Umfeld, in dem Lernen selbstverständlich ist.
Welches Internat ist das beste, wenn man Arzt werden will?
Es gibt keine Daten zu Medizin-Zulassungsquoten einzelner Schulen, also auch keine belegbare Rangliste. Sachlich am interessantesten sind staatliche Oberstufeninternate mit MINT-Profil, allen voran die Internatsschule Schloss Hansenberg in Hessen mit 415 Euro monatlich, sowie das Programm plus-MINT mit fünf Partnerinternaten.
Ab welcher Klasse kann man noch auf ein Internat wechseln?
Das hängt stark von der Schule ab. Schloss Hansenberg nimmt gezielt nach Klasse 9 im G8 beziehungsweise Klasse 10 im G9 auf, Schule Marienau und Schloss Torgelow führen eigene Tarife für den Einstieg ab Klasse 11, Salem nimmt bis Jahrgang 11 auf. Sankt Afra in Meissen dagegen steigt regulär in Klasse 7 und 9 ein.
Was kostet ein Internat in der Oberstufe 2026?
Private Internate liegen zwischen rund 3.800 und 7.025 Euro monatlich; Louisenlund weist für 2026/2027 84.300 Euro pro Schuljahr aus, Salem 5.280 Euro monatlich bei Eintritt ab Klasse 11. Staatliche Internate sind deutlich günstiger: Schloss Hansenberg verlangt 415 Euro monatlich inklusive Verpflegung, Sankt Afra je nach Quelle 450 bis 600 Euro.
Gibt es BAföG für ein Internat?
Ja, ab Klasse 10 als Schüler-BAföG und als Vollzuschuss ohne Rückzahlung. Der Bedarf beträgt nach Paragraf 12 Absatz 2 Nummer 1 BAföG 666 Euro monatlich, zuzüglich 102 Euro Kranken- und 35 Euro Pflegeversicherungszuschlag. Voraussetzung ist, dass eine entsprechende zumutbare Schule von der Wohnung der Eltern aus nicht erreichbar ist.
Welche Leistungskurse sollte man für Medizin wählen?
Kein deutscher Medizinstudiengang verlangt bestimmte Leistungskurse. Biologie und Chemie erleichtern das erste Studienjahr spürbar und zahlen voraussichtlich auf den naturwissenschaftlichen Wissensteil des TMSnat ab 2027 ein. Wichtiger als die Fachwahl ist, in welchen Fächern die besten Punkte realistisch erreichbar sind.
Hilft ein Schulwechsel in ein anderes Bundesland bei der Medizin-Zulassung?
Er verändert die Konkurrenzgruppe. In der Abiturbestenquote bildet hochschulstart.de zuerst 16 Landesquoten und führt diese danach zu einer Bundesrangliste zusammen. Weil die Landesdurchschnitte auseinandergehen – Thüringen zuletzt 2,13, Niedersachsen 2,45 – hat das Bundesland einen realen Effekt. Ein Freifahrtschein ist es nicht, weil die Quote nach Bewerberzahlen gebildet wird.
Wird ein International Baccalaureate für Medizin in Deutschland anerkannt?
Ja, auf Grundlage der KMK-Vereinbarung vom 10.03.1986 in der Fassung vom 15.06.2023, sofern die Fächerauflagen erfüllt sind. Wer das IB an einer Schule in Deutschland erwirbt, bewirbt sich regulär über hochschulstart.de. Rechnerisch ist es allerdings anspruchsvoll: Für eine Durchschnittsnote von 1,2 sind 41 von 45 Punkten nötig.
Wird das britische A-Level in Deutschland für Medizin anerkannt?
Ja. Nach dem Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 24.06.2021 werden drei voneinander unabhängige A-Level-Fächer mit mindestens der Note C anerkannt. Für Medizin und Pharmazie müssen alle drei aus Mathematik, Biologie, Chemie, Physik oder Informatik stammen. Bewertet werden nur Zeugnisse der Prüfungsstellen AQA, OCR, Pearson, WJEC und CCEA.
Führt ein A-Level wirklich zu einem Schnitt von 1,0?
Es kann. Die Umrechnung folgt der KMK-Vereinbarung vom 15.03.1991 in der Fassung vom 18.11.2004, das Ergebnis wird auf eine Dezimalstelle festgesetzt und nicht gerundet. Wer in allen drei Fächern die Bestnote erreicht, landet bei 1,0. Zum Vergleich: Im Sommer 2026 lagen 28,3 Prozent aller A-Level-Ergebnisse in England bei A* oder A.
Kann man mit dem A-Level direkt zum Wintersemester in Deutschland starten?
In der Regel nicht. Die Prüfungen liegen im Mai und Juni, die Ergebnisse kamen 2026 am 13. August, der Antragsschluss bei hochschulstart.de für das Wintersemester war der 15. Juli. Es bleiben die Bewerbung zum Sommersemester zwischen dem 03.11. und dem 15.01. und das folgende Wintersemester mit Antragsschluss 31. Mai.
Was kostet ein englisches Internat in der Sixth Form?
Rund 60.000 bis 65.000 Pfund pro Schuljahr, inklusive der seit dem 01.01.2025 fälligen Mehrwertsteuer von 20 Prozent. Shrewsbury School verlangt für Schüler von ausserhalb des Vereinigten Königreichs und des EWR 21.217 Pfund je Term. Dazu kommen das Child Student Visa mit 558 Pfund und 776 Pfund Immigration Health Surcharge pro Jahr.
Was ist plus-MINT und für wen lohnt es sich?
plus-MINT ist ein Talentförderprogramm an fünf Internaten – Birklehof, Louisenlund, Schloss Neubeuern, Steinmühle und dem staatlichen Sankt Afra. Der Einstieg liegt in Klasse 9 oder 10 im G8 beziehungsweise 10 oder 11 im G9. Nach eigenen Angaben stehen 100 bis 120 Bewerbungen pro Jahr 60 bis 70 Aufnahmen gegenüber.
Zählt das MINT-EC-Zertifikat bei der Bewerbung um einen Medizinstudienplatz?
Dafür gibt es keinen Beleg. Das Zertifikat wird zum Abitur vergeben und in drei Prädikaten abgestuft, und wird von Kultusministerkonferenz und Hochschulrektorenkonferenz unterstützt. Eine Anrechnung im Auswahlverfahren der medizinischen Fakultäten ist damit aber nicht verbunden. Fachlich ist es trotzdem ein starkes Signal, weil dahinter drei Jahre MINT-Arbeit stehen.
Was ändert sich mit dem TMSnat ab 2027?
Der klassische TMS läuft mit dem Durchgang im November 2026 aus, ab 2027 folgt der TMSnat mit erster Durchführung im Frühjahr 2027. Vorgesehen ist ein zusätzlicher naturwissenschaftlicher Wissensteil aus Biologie, Chemie, Physik und Mathematik; die endgültige Teststruktur steht noch aus.
Was ist die Alternative, wenn die Abiturnote am Ende nicht reicht?
Medizin lässt sich in Europa ohne NC studieren, mit Semestergebühren ab 1.750 Euro pro Semester. Der Abschluss wird nach der Richtlinie 2005/36/EG, Anhang V Nummer 5.1.1, EU-weit automatisch anerkannt. Welcher Standort zu einem Bewerber passt, prüfen wir individuell im kostenlosen Beratungsgespräch.
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Über den Autor

Marcel Kloos
Eidgenössisch anerkannter Zahnarzt und Gründer der Medizinerschmiede
Marcel Kloos gründete die Medizinerschmiede bereits im Auslandsstudium, seither wurden über 500 Studienplätze vermittelt. Der gebürtige Stuttgarter studierte Zahnmedizin von 2015 bis 2021 in Sofia und ist eidgenössisch anerkannter Zahnarzt.
Heute lebt er in Bern und führt die Medizinerschmiede hauptberuflich als Inhaber.
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