Herzchirurgie: Facharztausbildung, Was Herzchirurgen täglich machen, Gehalt
14.09.2026
Was Herzchirurgen wirklich operieren
Herzchirurgie ist das Fach, in dem Sekunden entscheiden. Wer als Herzchirurg arbeitet, operiert am stillgelegten oder schlagenden Herzen – eine technische und mentale Anforderung, die kaum eine andere Disziplin erreicht. Laut dem Jahresbericht der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) 2023 wurden in Deutschland rund 88.000 herzchirurgische Eingriffe durchgeführt, darunter etwa 40.000 koronare Bypassoperationen (CABG) und 30.000 Herzklappenoperationen.
Das operative Spektrum umfasst koronare Bypasschirurgie, Klappenrekonstruktionen und -ersatz, Eingriffe an der thorakalen Aorta, Herzrhythmuschirurgie sowie die Implantation mechanischer Kreislaufunterstützungssysteme (MCS) und Kunstherzen. Kinderherzchirurgie ist ein eigenständiges Teilgebiet mit eigenen Zentren. Das Herzlungenmaschinen-Management, auf Fachsprache Extrakorporale Zirkulation (EKZ), ist integraler Bestandteil der täglichen Arbeit – und ein Grund, warum die Weiterbildung so spezifisch ist.
Minimalinvasive Techniken gewinnen an Bedeutung: Mitralklappenoperationen durch kleine Schnitte, roboterassistierte Eingriffe und Hybrid-Verfahren mit der Kardiologie sind heute an spezialisierten Zentren Standard. Wer in der Herzchirurgie ausgebildet wird, lernt klassische und minimalinvasive Technik parallel.
Die Facharztweiterbildung Herzchirurgie: Dauer, Struktur, Mindestanforderungen
Der Weg zum Facharzt für Herzchirurgie dauert nach der Muster-Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer (MWBO 2018, Stand 2021) sechs Jahre. Die Struktur folgt dem chirurgischen Grundprinzip: Basisabschnitt zuerst, dann Spezialisierung.
| Phase | Dauer | Inhalte |
|---|---|---|
| Basisweiterbildung Chirurgie | 24 Monate | Notfallversorgung, operative Grundtechniken, allgemeinchirurgisches Spektrum |
| Facharztweiterbildung Herzchirurgie | 48 Monate | Koronarchirurgie, Klappeneingriffe, Aortenchirurgie, EKZ, MCS |
| Optional: Schwerpunkt | variabel | Kinderherzchirurgie, Transplantation, minimalinvasive Herzchirurgie |
Die MWBO schreibt Eingriffsmindestmengen vor: mindestens 250 herzchirurgische Operationen, davon mindestens 100 CABG-Eingriffe, eigenständig oder als erster Assistent. Diese Zahlen sind an kleinen Häusern kaum erreichbar – die Wahl der Weiterbildungsstätte entscheidet direkt darüber, wann die Facharztreife möglich ist.
Herzchirurgische Weiterbildungsstätten sind konzentriert: Laut DGTHG gibt es in Deutschland rund 80 herzchirurgische Zentren, von denen viele Maximalversorger sind. Universitätskliniken und große Herzzentren bieten zwar Komplexität, aber OP-Autonomie kommt dort oft erst spät. Mittelgroße Zentren mit hohem Volumen und guter Ausbildungsstruktur sind für viele der realistischere Weg.
{{cta}}Gehalt in der Herzchirurgie: Was du tatsächlich verdienst
Herzchirurgen gehören zu den bestbezahlten Ärzten in Deutschland – aber das gilt erst nach der Weiterbildung. Als Assistenzarzt in der Herzchirurgie liegen die Grundgehälter nach TV-Ärzte 2025 (Marburger Bund) bei 7.000 bis 8.000 Euro brutto monatlich. Bereitschaftsdienste und Zulagen kommen hinzu – realistisch sind 8.000 bis 10.000 Euro monatlich brutto in der frühen Weiterbildungsphase.
Als Facharzt: 11.000–16.000 € brutto. Als Oberarzt: 14.000–20.000 € brutto. Als Chefarzt an einem großen Herzchirurgiezentrum: 25.000–40.000 € brutto – und in privatärztlichen Abrechnungsstrukturen deutlich mehr. Eigene Auswertungen aktueller Stellenanzeigen und Tarifverträge zeigen: Die Spanne ist groß, und die Verhandlungsposition nach dem Facharzt ist stark, weil qualifizierte Herzchirurgen überall gesucht werden.
Wer nach der Facharztausbildung in die Schweiz wechselt, verdient als Kaderarzt in der Herzchirurgie CHF 18.000–28.000 brutto monatlich – bei vergleichbarem Arbeitspensum und ohne Zusatzversicherungspflicht für Weiterbildungskosten.
Karriere und Stellenmarkt: Was nach dem Facharzt kommt
Der Herzchirurgie-Markt ist angespannt – zu Gunsten der Fachärzte. Mit rund 80 Zentren in Deutschland und einem anhaltenden Nachwuchsmangel sind qualifizierte Herzchirurgen gesucht. Laut einer Erhebung der DGTHG aus 2023 gaben über 60 Prozent der befragten Zentren an, mindestens eine offene Arztstelle in der Herzchirurgie nicht besetzen zu können.
Karrierepfade nach dem Facharzt:
Leitende Positionen: Der klassische Weg führt über Oberarzt zur Chefarztstellung. Wer Leitungsverantwortung übernehmen will, sollte frühzeitig in Management und strukturiertes Qualitätsmanagement investieren – viele Zentren verlangen heute formale Qualifikationen für Chefarztstellen.
Subspezialisierung: Kinderherzchirurgie, Transplantationschirurgie, Assist-Device-Implantation und minimalinvasive Techniken sind Nischen mit eigenem Ausbildungsweg. Wer sich hier spezialisiert, arbeitet oft als gefragter Experte an Universitätskliniken oder Spezialzentren.
Internationale Karriere: Herzchirurgen mit deutschen Facharztabschlüssen sind weltweit anerkannt. Der Wechsel in die Schweiz, nach Österreich oder in den Nahen Osten ist nach dem Facharzt ohne größere Hürden möglich – und oft finanziell sehr attraktiv.
Internationaler Blick: Herzchirurgie in anderen Ländern
Herzchirurgie ist weltweit ein Hochpräzisionsfach mit ähnlicher Ausbildungsstruktur, aber sehr unterschiedlichen Rahmenbedingungen.
In der Schweiz dauert die Weiterbildung zum Facharzt Herzchirurgie FMH sechs Jahre. Laut dem Schweizerischen Institut für ärztliche Weiter- und Fortbildung (SIWF) gibt es in der Schweiz 23 anerkannte Weiterbildungsstätten für Herzchirurgie – bei einer deutlich kleineren Bevölkerung als Deutschland. Assistenzärzte verdienen CHF 10.000–12.000 brutto monatlich, Fachärzte CHF 18.000–28.000. Der Fachkräftemangel ist ausgeprägt: Viele Zentren rekrutieren aktiv in Deutschland, Österreich und Osteuropa.
In den USA führt der Weg zur Herzchirurgie über ein generelles General Surgery Residency (5 Jahre) plus ein Cardiothoracic Surgery Fellowship (2–3 Jahre). Laut dem ABTS (American Board of Thoracic Surgery) gibt es rund 80 akkreditierte CT-Fellowship-Programme in den USA, mit einer Match-Rate von unter 50 Prozent für Bewerber ohne US-Residency-Hintergrund. Die Vergütung nach Training: laut MGMA 2024 Survey verdienen Cardiac/Thoracic Surgeons in den USA durchschnittlich 680.000 US-Dollar jährlich – bei hohem Versicherungsaufwand und Kreditlast aus dem Studium.
Im Vereinigten Königreich durchläuft man nach dem Foundation Programme Core Surgical Training (2 Jahre) und dann ein Cardiothoracic Surgery Higher Surgical Training (6 Jahre). Die JCST akkreditiert alle Programme. NHS-Registrars in der Herzchirurgie verdienen £ 50.000–70.000 brutto; NHS Consultants £ 110.000–150.000 – mit erheblichen Wartezeiten für Consultant-Stellen an großen Zentren.
Im Nahen Osten – insbesondere in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien und Katar – werden Herzchirurgen mit deutschen oder westeuropäischen Facharzttiteln mit steuerfreien Paketen von 250.000–400.000 Euro jährlich angeworben. Die Eingriffszahlen sind hoch, das operative Spektrum breit, und die Vertragslaufzeiten betragen meist 2–3 Jahre. Wer internationale Erfahrung sucht und bereit ist, die Familie zu begleiten, findet dort eine finanziell sehr effektive Möglichkeit, Kapital aufzubauen – bei modernen Kliniken nach westlichem Standard.
Wenn der NC nicht reicht – Medizinstudium im Ausland als reale Option
Herzchirurgie ist ein Ziel, das früh angesteuert werden muss – und der erste Schritt ist das Medizinstudium. Wer am deutschen NC scheitert, hat mit einem europäisch akkreditierten Auslandsstudium eine gleichwertige Alternative. Länder wie Ungarn, Kroatien, Tschechien und Bulgarien bieten Studiengänge, deren Abschlüsse in Deutschland für die Approbation anerkannt werden – und damit direkt für die Facharztweiterbildung.
Ich habe von 2015 bis 2021 in Sofia studiert. Das Studium war medizinisch vollwertig und hat mir die gleiche Grundlage gegeben, die ich für meine klinische Arbeit und später für die Gründung der Medizinerschmiede gebraucht habe. Wer Herzchirurgie anstrebt und keinen NC-Platz bekommt, sollte das Auslandsstudium nicht als Umweg sehen – sondern als direkten Weg. Der Einstieg in die Facharztweiterbildung in Deutschland ist für alle identisch, unabhängig davon, wo das Studium absolviert wurde.
Meine Meinung als Zahnarzt und Gründer
Herzchirurgie ist das Fach, das die meisten Medizinstudierenden fasziniert – und vor dem sich trotzdem viele zurückschrecken. Zu lang, zu hart, zu spezialisiert. Ich verstehe diese Haltung, teile sie aber nicht. Was mich in meiner Beratungsarbeit immer wieder beeindruckt, ist das Commitment der Menschen, die diesen Weg wirklich gehen. Sie wissen früh, was sie wollen – und sie ziehen es durch.
Was ich Bewerbern empfehle: Hospitiert früh, am liebsten schon im Studium. Nicht ein Mal, sondern mehrfach – an unterschiedlichen Zentren. Herzchirurgie sieht von außen oft einheitlicher aus, als sie ist. Ein Zentrum mit 500 Eingriffen im Jahr und aktiver Ausbildungskultur ist etwas völlig anderes als eine Klinik mit 3.000 Eingriffen, in der Assistenzärzte jahrelang nur assistieren. Der Unterschied zeigt sich nicht im Stelleninserat, sondern im Gespräch vor Ort. Wer seinen Weg über ein Auslandsstudium gemacht hat, tritt in die Facharztweiterbildung exakt gleichwertig ein – das habe ich bei Bewerbungen wieder und wieder gesehen.
Zusammenfassung
- Die Weiterbildung zum Facharzt Herzchirurgie dauert sechs Jahre: 24 Monate chirurgischer Basisabschnitt plus 48 Monate Herzchirurgie nach MWBO 2018.
- Die DGTHG dokumentierte 2023 rund 88.000 herzchirurgische Eingriffe in Deutschland – das Fach ist nachfrageintensiv und sucht aktiv Nachwuchs.
- Pflicht-Eingriffsmindestmengen nach MWBO: mindestens 250 herzchirurgische Operationen, davon mindestens 100 CABG – die Wahl der Weiterbildungsstätte ist entscheidend.
- Gehaltsspanne: Assistenzarzt 7.000–8.000 € brutto, Facharzt 11.000–16.000 €, Chefarzt 25.000–40.000 € – einer der höchsten Vergütungsrahmen im deutschen Krankenhauswesen.
- International: In den USA verdienen Cardiac/Thoracic Surgeons laut MGMA 2024 Survey durchschnittlich 680.000 US-Dollar; im Nahen Osten werden steuerfreie Pakete von 250.000–400.000 Euro angeboten.
- Wer über ein europäisches Auslandsstudium in die Medizin einsteigt, tritt in Deutschland in die Facharztweiterbildung Herzchirurgie ohne jeden Nachteil ein – der Weg ist identisch.
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Häufige Fragen zur Herzchirurgie
Wie lange dauert die Weiterbildung zum Facharzt Herzchirurgie?
Sechs Jahre nach MWBO 2018 – 24 Monate gemeinsamer chirurgischer Basisabschnitt plus 48 Monate Herzchirurgie. Optional folgt ein Schwerpunkt wie Kinderherzchirurgie oder Transplantation.
Was operiert ein Herzchirurg im Alltag?
Koronare Bypässe (CABG), Herzklappenoperationen (Rekonstruktion und Ersatz), Eingriffe an der thorakalen Aorta, Implantation von Kreislaufunterstützungssystemen. An spezialisierten Zentren auch Herztransplantationen und minimalinvasive Klappeneingriffe.
Was verdiene ich als Herzchirurg?
Als Assistenzarzt rund 7.000–8.000 € brutto monatlich nach TV-Ärzte 2025, mit Diensten 8.000–10.000 €. Als Facharzt 11.000–16.000 €, als Chefarzt 25.000–40.000 € und mehr. Herzchirurgie gehört zu den bestbezahlten chirurgischen Fachrichtungen in Deutschland.
Wächst das Fach oder schrumpft es?
Das Fach wächst – die Eingriffszahlen steigen laut DGTHG-Jahresbericht kontinuierlich, getrieben von der demografischen Entwicklung und dem Ausbau minimalinvasiver Verfahren. Der Nachwuchsmangel ist strukturell, nicht konjunkturell.
Was ist der Unterschied zwischen Herzchirurgie und Kardiologie?
Kardiologie ist ein internistisches Fach – ohne Skalpell. Kardiologen diagnostizieren und behandeln mit Medikamenten und Kathetern. Herzchirurgen operieren. Die Zusammenarbeit ist eng, besonders bei Hybrid-Verfahren, aber die Ausbildungswege und Berufsbilder sind grundverschieden.
Wie schwer ist es, eine Weiterbildungsstelle in der Herzchirurgie zu finden?
Leichter als viele denken. Über 60 Prozent der deutschen Herzzentren meldeten laut DGTHG 2023 unbesetzte Arztstellen. Wer mobil ist und aktiv auf Zentren zugeht, findet eine Stelle – besonders außerhalb der großen Universitätsstädte.
Kann ich mit einem Auslandsstudium in Deutschland Herzchirurgie machen?
Ja, ohne Einschränkung. Wer mit einem europäisch anerkannten Studienabschluss die deutsche Approbation erhält, steigt in die Facharztweiterbildung identisch ein wie alle anderen. Das gilt für Absolventen aus Ungarn, Kroatien, Tschechien und Bulgarien genauso wie für Absolventen aus Heidelberg oder München.
Was ist die Herzlungenmaschine und wie lerne ich den Umgang damit?
Die extrakorporale Zirkulation (EKZ) ist das System, das Herzfunktion und Blutoxygenierung während einer offenen Herzoperation übernimmt. Der Umgang wird in der Weiterbildung erlernt, oft in enger Zusammenarbeit mit spezialisierten Kardiotechnikern. Ein eigener Kurs ist Teil der Weiterbildungsstruktur an anerkannten Zentren.
Was ist OPCAB und ist das noch relevant?
OPCAB (Off-Pump Coronary Artery Bypass) bezeichnet Bypassoperationen am schlagenden Herzen ohne Herzlungenmaschine. Das Verfahren wird an spezialisierten Zentren eingesetzt, ist aber nicht flächendeckend Standard. Wer OPCAB beherrschen will, muss gezielt eine Weiterbildungsstätte wählen, die das Verfahren aktiv einsetzt.
Lohnt es sich, für internationale Erfahrung ins Ausland zu gehen?
Ja – sowohl fachlich als auch finanziell. Ein Jahr oder zwei in der Schweiz, den USA oder dem Nahen Osten nach dem Facharzt kann das operative Spektrum erheblich erweitern und finanziell beschleunigen, was in Deutschland zehn Jahre dauern würde. Wichtig: Das Rückkehrnetzwerk frühzeitig pflegen, damit die internationale Phase auch bei einer späteren Chefarztbewerbung in Deutschland zählt.
Was Studierende über die Medizinerschmiede sagen
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Über den Autor

Marcel Kloos
Eidgenössisch anerkannter Zahnarzt und Gründer der Medizinerschmiede
Marcel Kloos gründete die Medizinerschmiede bereits im Auslandsstudium, seither wurden über 500 Studienplätze vermittelt. Der gebürtige Stuttgarter studierte Zahnmedizin von 2015 bis 2021 in Sofia und ist eidgenössisch anerkannter Zahnarzt.
Heute lebt er in Bern und führt die Medizinerschmiede hauptberuflich als Inhaber.
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