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Ratgeber

9.100 Deutsche studieren Medizin im Ausland – das steckt dahinter

9.100 Deutsche studieren Medizin im Ausland – das steckt dahinter

09.09.2026

5 Min. Lesezeit

Jedes Jahr verlassen Tausende Deutsche das Land, um Medizin zu studieren – nicht aus Abenteuerlust, sondern weil sie zu Hause keine echte Chance sehen. Der NC blockiert den Weg an deutschen Hochschulen, und wer nicht jahrelang warten will, sucht sich einen anderen Weg. Neue Zahlen zeigen, wie viele das tatsächlich tun: Rund 9.100 Deutsche studieren aktuell Medizin im Ausland, bevorzugt in Österreich, Ungarn und Bulgarien. Das ist kein Nischenphänomen mehr – es ist ein strukturelles Muster mit direkten Folgen für das deutsche Gesundheitssystem.

Die Zahlen im Überblick

Laut aktueller Hochschulstatistik (Daten 2023/2024) studieren rund 9.100 Deutsche Medizin im Ausland – das entspricht etwa zehn Prozent aller deutschen Medizinstudierenden. Die beliebtesten Zielland nach Studierendenzahl:

  • Österreich: 2.543 deutsche Studierende
  • Ungarn: 2.018 deutsche Studierende
  • Bulgarien: 1.229 deutsche Studierende
  • Schweiz: 760 deutsche Studierende
  • Polen: 698 deutsche Studierende

Für Rumänien, Kroatien und die Slowakei lagen zum Auswertungszeitpunkt noch keine vollständigen Daten vor. Die tatsächliche Zahl dürfte daher noch höher liegen.

Warum wählen so viele diesen Weg?

Die Antwort ist in den meisten Fällen nicht kompliziert: weil sie keine andere Option sehen. In Deutschland gilt für das Medizinstudium ein strenger Numerus Clausus. Wer keine Abiturnote nahe 1,0 hat, kommt an den meisten Universitäten nicht direkt zum Zug – oder wartet viele Semester über die Wartezeitquote. Das Medizinstudium im Ausland bietet dagegen an vielen Hochschulen NC-freie Zulassungsverfahren: Statt auf einen einzigen Abiturdurchschnitt wird auf Aufnahmetests, Motivation und Interviews gesetzt.

In Deutschland selbst starteten im Wintersemester 2024/25 rund 15.900 Studierende ein Medizinstudium – zusammen mit dem Sommersemester fast 21.000 im gesamten Jahr 2024. Das ist ein Anstieg von 30 Prozent in zehn Jahren. Trotzdem reicht die Zahl der Plätze nicht aus, um den Bewerberdruck aufzufangen.

Was kostet das Medizinstudium im Ausland?

Die Studiengebühren variieren stark je nach Land und Universität. Wer in Ungarn an einer Privatuniversität auf Englisch studiert, zahlt zwischen 14.000 € und 18.000 € pro Jahr. Bulgarien liegt mit rund 8.000 € bis 12.000 € im mittleren Bereich. Österreich ist eine besondere Option: An staatlichen Universitäten werden dort keine Studiengebühren erhoben – allerdings ist das Aufnahmeverfahren (MedAT) äußerst selektiv. Wichtig: BAföG kann grundsätzlich auch für das Medizinstudium im Ausland in der EU beantragt werden, wenn die allgemeinen Fördervoraussetzungen erfüllt sind. An unseren 25+ Partneruniversitäten begleiten wir Studierende auch bei Finanzierungsfragen.

Internationaler Vergleich

Deutschland ist mit seinem NC-Problem kein Einzelfall – aber die internationale Dimension wird selten beleuchtet.

Vereinigtes Königreich: Rekord-Bewerberzahlen 2026. Laut UCAS-Statistik bewarben sich 25.770 Studierende um Medizinstudienplätze – ein Anstieg von 10,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für rund 8.000 Studienplätze, davon nur etwa 450 für internationale Bewerber. Das bedeutet: Drei von vier Bewerbern gehen leer aus. Der zunehmende Druck aus dem britischen Zulassungsmarkt treibt die Nachfrage nach Studienplätzen in Ungarn, Tschechien und Polen weiter an.

Frankreich: Das PASS/LAS-Auswahlverfahren ist noch restriktiver als der deutsche NC. Von den Erstsemestern schaffen es nur rund 15 bis 20 Prozent in die klinischen Studienjahre. Viele Franzosen weichen deshalb nach Belgien, Rumänien oder Spanien aus – ein Muster, das dem deutschen sehr ähnelt.

Skandinavien: Schweden und Norwegen setzen auf ein Gesamtprofil aus Noten, standardisierten Tests und Auswahlgesprächen. Der Zugang ist weniger NC-zentriert, aber die Platzzahl ist ebenfalls begrenzt. Die Abbruchquoten in frühen Semestern sind tendenziell höher als in Deutschland.

Das Medizinstudium im Ausland ist kein deutsches Phänomen – es ist eine europäische Reaktion auf zu wenige Studienplätze in zu vielen Ländern.

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Meinung des Autors

9.100 Deutsche studieren Medizin im Ausland – und das Gespräch darüber bewegt sich in Deutschland oft zwischen zwei Extremen: Die einen finden es abenteuerlich, die anderen verdächtig. Beides verfehlt die Realität.

Die meisten dieser Studierenden haben nicht frei gewählt, ins Ausland zu gehen. Sie wurden durch ein System gedrängt, das den Hochschulzugang immer noch primär über eine einzige Zahl regelt: die Abiturnote. Ein System, das so rigide ist, dass es jedes Jahr Tausende motivierter Menschen ins Ausland schickt, um das Studium zu machen, das sie eigentlich hier machen wollten.

Was mich dabei am meisten beschäftigt: Viele dieser Studierenden kommen mit ausgezeichneten Abschlüssen zurück und werden anerkannte Ärzte – in Deutschland. Was sagt das über die Selektionswirkung des NC aus? Dass er gute Ärzte verhindert, oder nur verzögert?

Wer heute noch zögert, sollte die Zahlen klar im Blick haben: Das Medizinstudium im Ausland ist nicht der Ausweg für schlechte Bewerber. Es ist längst eine vollwertige, akzeptierte Alternative – mit Vor- und Nachteilen, die man kennen sollte, bevor man eine Entscheidung trifft.

– Marcel Kloos

Über 9.100 Deutsche studieren Medizin im Ausland – eine Zahl, die den strukturellen Mangel an inländischen Studienplätzen und die Starrheit des NC-Systems widerspiegelt. Der Trend wächst weiter und betrifft längst nicht nur Studierende mit schwächeren Abiturnoten: Viele entscheiden sich bewusst und strategisch für den internationalen Weg.

Das Medizinstudium im Ausland ist eine Option mit echten Vorteilen – NC-freier Zugang, internationale Erfahrung, anerkannte EU-Abschlüsse. Entscheidend ist, die richtige Hochschule zu wählen und gut vorbereitet zu starten.

Häufige Fragen zum Medizinstudium im Ausland

Wird ein Medizinstudium im Ausland in Deutschland anerkannt?

Das kommt auf das Studienland an. EU-Abschlüsse – etwa aus Österreich, Ungarn, Bulgarien oder Polen – werden in Deutschland grundsätzlich anerkannt, sofern das Studium an einer staatlich akkreditierten Universität absolviert wurde. Bei unseren 25+ Partneruniversitäten ist das garantiert. Außereuropäische Abschlüsse unterliegen einem separaten Anerkennungsverfahren.

Kann ich BAföG bekommen, wenn ich im Ausland studiere?

Ja. BAföG wird grundsätzlich auch für das Medizinstudium im Ausland innerhalb der EU gewährt, sofern die allgemeinen Fördervoraussetzungen erfüllt sind. Einkommensgrenzen der Eltern und Leistungsnachweise gelten auch hier. Da die Antragsmodalitäten je nach Studienland variieren können, empfiehlt sich eine individuelle Beratung beim zuständigen BAföG-Amt.

In welchem Land ist das Medizinstudium am günstigsten?

Österreich ist eine beliebte Option, da staatliche Universitäten dort keine Studiengebühren erheben – allerdings ist das MedAT-Aufnahmeverfahren sehr selektiv. Bulgarien liegt mit rund 8.000 € bis 12.000 € pro Jahr im mittleren Bereich. In Ungarn variieren die Kosten je nach Universität und Studiensprache stark. Generell gilt: Günstigere Gebühren bedeuten oft einen strengeren Auswahlprozess oder eingeschränkte Unterrichtssprachen.

Welche Länder sind 2026 am beliebtesten?

Nach aktuellen Daten führt Österreich mit 2.543 deutschen Studierenden, gefolgt von Ungarn (2.018) und Bulgarien (1.229). Schweiz und Polen folgen mit deutlichem Abstand. Die Nachfrage nach englischsprachigen Programmen in Ungarn und Tschechien wächst weiterhin, unter anderem getrieben durch den hohen Wettbewerb im britischen Zulassungsmarkt.

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Über den Autor

Marcel Kloos

Eidgenössisch anerkannter Zahnarzt und Gründer der Medizinerschmiede

Marcel Kloos gründete die Medizinerschmiede bereits im Auslandsstudium, seither wurden über 500 Studienplätze vermittelt. Der gebürtige Stuttgarter studierte Zahnmedizin von 2015 bis 2021 in Sofia und ist eidgenössisch anerkannter Zahnarzt.

Heute lebt er in Bern und führt die Medizinerschmiede hauptberuflich als Inhaber.

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