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Ratgeber

Wie viele Ärzte hat Deutschland wirklich? Ärztestatistik 2025 und Berufsaussichten

Wie viele Ärzte hat Deutschland wirklich? Ärztestatistik 2025 und Berufsaussichten

14.08.2026

16 Min. Lesezeit

Zum 31. Dezember 2025 waren in Deutschland 446.120 Ärztinnen und Ärzte berufstätig. Das sind 2,0 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und der höchste Wert, den die Bundesärztekammer je ausgewiesen hat. Bei den 17 Landesärztekammern gemeldet waren insgesamt rund 593.300 Personen; die Differenz von gut 147.000 entfällt auf Ärztinnen und Ärzte ohne ärztliche Tätigkeit, darunter etwa 106.000 im Ruhestand.

Diese Statistik ist keine Umfrage. Sie beruht auf den Meldedaten der Landesärztekammern, bei denen jede approbierte Ärztin und jeder approbierte Arzt registriert sein muss, und ist damit die genaueste Bestandsaufnahme zur ärztlichen Versorgung in Deutschland. Die Gesamtsumme allein sagt trotzdem wenig. Der Bestand wächst seit Jahren um rund zwei Prozent. Er wächst nur nicht gleichmässig.

Dieser Beitrag sortiert die Zahlen nach den Fragen dahinter: Wie viele Ärztinnen und Ärzte arbeiten wirklich am Patienten, wie alt ist die Berufsgruppe, warum steigt die Kopfzahl schneller als das geleistete Arbeitsvolumen, welchen Anteil hat Zuwanderung. Und was daraus für alle folgt, die 2026 über ein Medizinstudium nachdenken.

Zuletzt geprüft: August 2026

Wie viele Ärztinnen und Ärzte arbeiten in Deutschland?

Nach der Ärztestatistik der Bundesärztekammer waren am 31. Dezember 2025 in Deutschland 446.120 Ärztinnen und Ärzte berufstätig, 2,0 Prozent mehr als im Jahr 2024. Bei den Landesärztekammern gemeldet waren rund 593.300 Personen, darunter etwa 106.000 im Ruhestand. Versorgungsrelevant ist immer die kleinere Zahl der Berufstätigen.

Die folgende Aufstellung fasst das Berichtsjahr zusammen. Zwei Zeilen darin stehen so in keiner Veröffentlichung: Der stationäre Bestand und die Zahl der unter 35-Jährigen ergeben sich erst, wenn man die von der Bundesärztekammer genannten Teilwerte gegeneinander rechnet.

KennzahlWert zum 31.12.2025Einordnung
Berufstätige Ärztinnen und Ärzte446.120plus 2,0 Prozent gegenüber 2024
Bei Kammern gemeldetrund 593.300rund 75 Prozent davon ärztlich tätig (KBV)
Ambulant tätig173.912davon 68.648 angestellt
Stationär tätigrund 233.500eigene Berechnung aus den BAeK-Teilwerten
60 Jahre und älter104.27023,4 Prozent der Berufstätigen
Jünger als 35 Jahrerund 84.800gut 19 Prozent, eigene Berechnung
Ohne deutsche Staatsangehörigkeit71.48016 Prozent, plus 3.378 im Jahr 2025
Frauenanteil50,5 Prozent59 Prozent bei Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung

Quellen: Bundesärztekammer, Ärztestatistik zum 31.12.2025, sowie Gesundheitsdaten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Die Zeilen zum stationären Sektor und zu den unter 35-Jährigen sind eigene Berechnungen aus den veröffentlichten Teilzahlen.

Eine Zahl daraus verdient besondere Aufmerksamkeit. Rund 104.300 berufstätige Ärztinnen und Ärzte haben das 60. Lebensjahr erreicht, aber nur etwa 84.800 sind jünger als 35. Auf 100 Personen der älteren Gruppe kommen damit rund 81 der jüngeren (eigene Berechnung auf Basis der Ärztestatistik 2025). Der Nachwuchs füllt die Reihen nicht eins zu eins auf.

Diese Rechnung nehme ich inzwischen in viele Beratungsgespräche mit. Nach der Gesamtsumme fragt fast niemand. Gefragt wird, ob es in zehn Jahren zu viele Ärztinnen und Ärzte gibt und ob sich das Studium dann noch auszahlt. Die Altersverteilung beantwortet das ehrlicher als jede Prognose, weil sie nichts voraussetzt ausser dem Kalender.

Wo arbeiten Ärztinnen und Ärzte in Deutschland?

Von den 446.120 berufstätigen Ärztinnen und Ärzten in Deutschland waren Ende 2025 rechnerisch rund 233.500 im stationären Sektor tätig und 173.912 ambulant, dazu 12.050 in Behörden und Körperschaften und 26.639 in sonstigen Bereichen. Das Krankenhaus bleibt der grösste Arbeitgeber der Berufsgruppe.

Der stationäre Sektor stellt weiter ein

Im Krankenhaus stieg die Zahl der tätigen Ärztinnen und Ärzte 2025 um 2,4 Prozent, also stärker als der Gesamtbestand. Für Berufseinsteiger ist das die entscheidende Grösse, denn die Facharztweiterbildung findet ganz überwiegend in Kliniken statt. 2024 sprach die Bundesärztekammer 15.378 Facharztanerkennungen aus, 3,4 Prozent mehr als im Jahr davor; auf die Allgemeinmedizin entfielen 2.140.

Im ambulanten Bereich verschiebt sich die Anstellungsform

Spannender als die Gesamtzahl ist hier die Binnenstruktur. Die Zahl der ambulant tätigen Ärztinnen und Ärzte stieg 2025 um 1,7 Prozent auf 173.912. Innerhalb dieser Gruppe laufen zwei Entwicklungen gegeneinander: Die Zahl der Niedergelassenen ging um 1,3 Prozent zurück und liegt rund 8 Prozent unter dem Wert von 2019, während die Zahl der angestellten Ärztinnen und Ärzte um 6,7 Prozent auf 68.648 wuchs. Seit 2020 ist das ein Plus von rund 48 Prozent. 39 Prozent aller ambulant Tätigen sind heute angestellt.

Das ist keine Schrumpfung der ambulanten Versorgung, sondern eine Verschiebung der Rechtsform. Die jüngere Ärztegeneration wählt häufiger die Anstellung in einem medizinischen Versorgungszentrum oder einer Berufsausübungsgemeinschaft als die eigene Einzelpraxis. Wer weder Praxiskredit noch unternehmerisches Risiko möchte, findet heute deutlich mehr Angestelltenstellen als vor zehn Jahren. Wer die eigene Praxis will, findet dafür leichter eine übergabebereite.

Wie alt ist die deutsche Ärzteschaft?

23,4 Prozent der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland waren Ende 2025 mindestens 60 Jahre alt: 60.826 Personen zwischen 60 und 65 Jahren und 43.444 über 65 Jahren, die weiterarbeiten. Gut 19 Prozent sind jünger als 35 Jahre. Das Statistische Bundesamt zählte 2024 rund 31 Prozent ab 55 Jahren.

Diese Verteilung ist der wichtigste Einzelbefund der ganzen Statistik. Sie beschreibt einen Ersatzbedarf, der weder von Konjunktur noch von politischen Mehrheiten abhängt. Wer 2026 mit dem Medizinstudium beginnt, beendet die Facharztweiterbildung ungefähr dann, wenn dieser Jahrgangsblock den Beruf verlassen hat. Die Nachfrage der ersten Berufsjahre steht heute schon fest.

Beim Rest muss man ehrlich bleiben. Die Altersstruktur sagt nichts darüber, in welcher Region und in welchem Fach dieser Bedarf entsteht. Sie sagt auch nichts über Dienstbelastung, Arbeitszeiten oder Vergütung. Eine gesicherte Nachfrage ist kein Versprechen auf einen angenehmen Arbeitsplatz.

Auch der Frauenanteil zeigt den Generationenwechsel: 50,5 Prozent über alle Berufstätigen, 32 Prozent bei den über 65-Jährigen, 59 Prozent bei den Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung. Die Gruppe, die die Versorgung der nächsten zwei Jahrzehnte trägt, ist mehrheitlich weiblich.

Warum wächst die Arztzahl, ohne dass der Personalbedarf sinkt?

Die Ärztestatistik zählt Köpfe, nicht Stunden. Der Teilzeitanteil in der deutschen Ärzteschaft stieg von 15 Prozent im Jahr 2014 auf 28 Prozent im Jahr 2024, die durchschnittliche Wochenarbeitszeit lag 2024 bei 40,3 Stunden. Ein Plus von 2,0 Prozent bei den Köpfen bedeutet deshalb spürbar weniger zusätzliche Arbeitsstunden.

Die Zahlen lassen sich nachrechnen. Vollzeit bedeutet 46,0 Stunden, Teilzeit 25,6 Stunden. Bei einem Teilzeitanteil von 28 Prozent ergibt das rechnerisch 40,3 Stunden im Mittel, genau den Wert der Statistik. Legt man denselben Rechenweg an den Teilzeitanteil von 15 Prozent aus dem Jahr 2014 an, kommt man auf rund 42,9 Stunden. Allein durch die veränderte Teilzeitquote ist das Arbeitsvolumen pro Kopf also um rund sechs Prozent gesunken (eigene Berechnung, gerundet).

Von zehn Ärztinnen und Ärzten arbeiten heute knapp drei in reduziertem Umfang, 2014 waren es anderthalb. Dazu kommen Aufgaben, die keine Patientenversorgung sind: Dokumentation, Kodierung, Qualitätssicherung, Abstimmung mit Kostenträgern. Beides zusammen erklärt, warum eine wachsende Arztzahl und offene Stellen kein Widerspruch sind.

Ich arbeite als Zahnarzt in Bern, also in einem anderen System und einem anderen Fach. Die Bewegung ist trotzdem dieselbe. Reduzierte Pensen sind bei jüngeren Kolleginnen und Kollegen normal geworden, und niemand rechtfertigt sich dafür. Wer heute ins Studium startet, tritt in einen Beruf ein, der Lebensplanung besser zulässt als vor zwanzig Jahren. Das ist eine Errungenschaft, keine Schwundmeldung.

Wie viele ausländische Ärztinnen und Ärzte arbeiten in Deutschland?

71.480 berufstätige Ärztinnen und Ärzte in Deutschland hatten Ende 2025 keine deutsche Staatsangehörigkeit, das sind 16 Prozent. Im Jahr 2025 kamen 3.378 Personen hinzu, ein Plus von rund 5 Prozent. Die grössten Herkunftsgruppen sind Syrien mit 7.959, Rumänien mit 4.617 und die Türkei mit 3.532 Ärztinnen und Ärzten.

Es folgen die Russische Föderation mit 3.138, Österreich mit 3.076, Griechenland mit 2.963 und die Ukraine mit 2.820; rund 24.300 stammen aus EU-Mitgliedstaaten. Der Zuwachs speist sich überwiegend aus Staaten ausserhalb der Europäischen Union, dort betrug er 7,6 Prozent. Am stärksten wuchsen 2025 die Gruppen aus Amerika mit 13 Prozent und aus Asien mit 9,8 Prozent.

Diese Gruppe ist jung. Knapp die Hälfte der zugewanderten Ärztinnen und Ärzte ist unter 35 Jahre alt, in der Gesamtgruppe sind es 22 Prozent. Nach den Gesundheitsdaten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung arbeiten 71 Prozent von ihnen im stationären Bereich.

Warum verschiedene Quellen verschiedene Anteile nennen

Wer die Zahlen vergleicht, stösst auf Abweichungen. Es sind keine Widersprüche, sondern Definitionsfragen. Die Bundesärztekammer zählt Kammermitglieder nach Staatsangehörigkeit und kommt für 2025 auf 16 Prozent. Das Statistische Bundesamt wertet Erwerbstätigendaten aus und wies für 2024 einen Anteil von 13 Prozent aus, rund 64.000 Personen, gegenüber 7 Prozent zehn Jahre zuvor. Zählt man Ärztinnen und Ärzte mit Einwanderungsgeschichte und deutschem Pass mit, liegt der Anteil nach Destatis bei 24 Prozent oder rund 121.000 Personen. Drei Zahlen, drei Grundgesamtheiten, keine davon falsch. Für die Versorgungsfrage ist die Kammerstatistik präziser, weil sie den Berufsstatus miterfasst.

Wie steht Deutschland bei der Ärztedichte im europäischen Vergleich?

Deutschland kam 2023 nach Eurostat auf 466,3 praktizierende Ärztinnen und Ärzte je 100.000 Einwohner und lag damit im oberen Feld der Europäischen Union. Österreich führt mit 551,4, Finnland bildet mit 288 das untere Ende. In der EU praktizierten 2023 rund 1,98 Millionen Ärztinnen und Ärzte.

Interessant wird der Vergleich erst, wenn die Ausbildungsleistung danebensteht. Die folgende Tabelle stellt zwei Eurostat-Datensätze nebeneinander, die in der deutschen Berichterstattung fast nie zusammen zitiert werden.

LandPraktizierende je 100.000 Einw. (2023)Medizinabsolventen je 100.000 Einw. (2023)
Österreich551,416,8
Norwegen497,410,8
Deutschland466,312,2
Schweiz455,013,9
Polen374,615,8
EU-27nicht ausgewiesen15,5

Quelle: Eurostat, Datensätze hlth_rs_prs2 und hlth_rs_grd2, Berichtsjahr 2023.

Das Muster taucht in der öffentlichen Debatte selten auf. Deutschland und Norwegen haben eine hohe Ärztedichte, bilden aber gemessen an der Bevölkerung weniger aus als der EU-Durchschnitt von 15,5 Absolventen je 100.000 Einwohner. Polen liegt bei der Dichte hinten und bildet deutlich mehr aus. Österreich schafft beides. Länder mit hoher Dichte und geringer eigener Ausbildungsleistung schliessen die Lücke über Zuwanderung und über eigene Staatsangehörige, die im europäischen Ausland studieren.

Ein Vorbehalt gehört dazu. Die aktuellsten europaweit vergleichbaren Eurostat-Werte stammen aus dem Berichtsjahr 2023 und sind damit drei Jahre alt, während die deutsche Kammerstatistik den Stand Ende 2025 abbildet. Die Rangfolge dürfte stabil sein, die Absolutwerte sind es nicht.

Grossbritannien: 42 Prozent mit ausländischem Erstabschluss

Wie weit das gehen kann, zeigt der britische General Medical Council. Nach dem Workforce Report 2025 arbeiten im Vereinigten Königreich 138.405 approbierte Ärztinnen und Ärzte, die ihren medizinischen Erstabschluss ausserhalb des Landes erworben haben, 42 Prozent der gesamten Ärzteschaft. Der Anteil der Nicht-UK-Absolventen an den Plätzen der Facharztweiterbildung stieg von 26 Prozent im Studienjahr 2018/19 auf 34 Prozent im Studienjahr 2023/24.

Die Schweiz zeigt denselben Mechanismus. Die Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte FMH zählte 2024 über 42.600 berufstätige Ärztinnen und Ärzte, ein Plus von 3,7 Prozent, und weist für 2025 aus, dass ein Viertel der Schweizer Ärzteschaft mindestens 60 Jahre alt ist. Umgekehrt verliessen 2024 nach Angaben der Bundesärztekammer 2.197 Ärztinnen und Ärzte Deutschland, 675 davon in Richtung Schweiz und 331 nach Österreich. Der europäische Arbeitsmarkt ist real und durchlässig.

Was bedeuten die Arztzahlen für ein Medizinstudium ab 2026?

Aus der Ärztestatistik 2025 folgen für Studieninteressierte drei belastbare Punkte: Die Nachfrage nach ärztlicher Arbeitskraft ist demografisch gesichert, der Engpass liegt beim Studienzugang und nicht beim Arbeitsmarkt, und ein Studienort innerhalb der Europäischen Union ist für die spätere Berufsausübung kein Hindernis.

Zum ersten Punkt: Rund 104.300 berufstätige Ärztinnen und Ärzte sind 60 Jahre oder älter, die Wochenarbeitszeit pro Kopf sinkt, und der ambulante Sektor baut Angestelltenstellen in hohem Tempo auf. Ein Berufsbild mit diesen drei Merkmalen hat auf Jahrzehnte Bedarf.

Zum zweiten Punkt: Im Wintersemester 2024/25 nahmen nach Angaben des Statistischen Bundesamts rund 15.900 Studierende ein Humanmedizinstudium auf, 30 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor. Die Kapazität ist also gewachsen. Gemessen an der Bevölkerung liegt sie mit 12,2 Absolventen je 100.000 Einwohner trotzdem unter dem EU-Durchschnitt von 15,5.

Zum dritten Punkt: Innerhalb der Europäischen Union wird der Medizinabschluss nach der Richtlinie 2005/36/EG automatisch anerkannt, sofern die Mindestanforderungen der Ausbildung erfüllt sind. Wer in Bulgarien, Polen, Ungarn, Kroatien oder der Slowakei studiert, bewegt sich später auf demselben Arbeitsmarkt wie jeder deutsche Absolvent.

Ich habe von 2015 bis 2021 in Sofia Zahnmedizin studiert und danach in Bern die MEBEKO-Anerkennung durchlaufen. Aus dieser Zeit habe ich vor allem eines mitgenommen: Die Papiere sind selten das eigentliche Thema. Das eigentliche Thema ist, ob jemand sechs Jahre lang durchhält, weit weg von zu Hause. Deshalb frage ich in Beratungsgesprächen früh nach dem Alltag und erst spät nach der Anerkennung.

Meine Einschätzung: Die jährliche Wachstumsrate von rund zwei Prozent wird sich halten, weil der Zugang zum Beruf über die Studienplatzzahlen gedeckelt ist und ein wachsender Teil des Zuwachses aus dem Ausland kommt. Die Kopfzahl steigt weiter, das Arbeitsvolumen pro Kopf sinkt weiter. Belegen kann ich diese Fortschreibung nicht, sie folgt aus den Trends von 2014 bis 2025 und nicht aus einer amtlichen Prognose.

Welcher Weg im Einzelfall passt, hängt von Noten, Sprachen, Budget und Lebenssituation ab. Wer das sortieren möchte, kann sich bei uns kostenlos beraten lassen.

Wie liest man die Ärztestatistik richtig?

Zwei Unterscheidungen sind entscheidend. Gemeldete und berufstätige Ärztinnen und Ärzte sind nicht dasselbe: Die häufig zitierten rund 593.300 umfassen auch Ruheständler, versorgungsrelevant sind die 446.120 Berufstätigen. Und Kopfzahlen sind keine Vollzeitäquivalente: Ohne die Teilzeitquote von 28 Prozent bleibt jede Aussage zur Versorgungslage unvollständig.

Die Zahlen dieses Beitrags stammen aus der Ärztestatistik der Bundesärztekammer zum 31.12.2025, den Gesundheitsdaten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamts, den Eurostat-Datensätzen hlth_rs_prs2 und hlth_rs_grd2 zum Berichtsjahr 2023 sowie dem Workforce Report 2025 des General Medical Council. Stand ist August 2026. Eine rechtliche Beratung im Einzelfall ersetzt dieser Beitrag nicht.

Meinung des Autors

Ich lese die Ärztestatistik seit Jahren, und mir fällt jedes Mal auf, wie unterschiedlich dieselben Zahlen erzählt werden. In der einen Version gibt es zu wenige Ärzte. In der anderen so viele wie nie. Beides stimmt. 446.120 berufstätige Ärztinnen und Ärzte sind ein Rekordwert, und trotzdem sinkt die Zahl der geleisteten Stunden pro Kopf, weil fast jeder Dritte in Teilzeit arbeitet. Wer beide Hälften zusammenliest, versteht die Sicherheit dieses Berufs.

Mich interessiert an diesen Daten vor allem die Perspektive der jungen Menschen, die gerade überlegen, ob Medizin für sie realistisch ist. Ich habe von 2015 bis 2021 in Sofia studiert und arbeite heute als Zahnarzt in Bern. Wie selbstverständlich europäische Gesundheitssysteme mit Abschlüssen aus anderen Mitgliedstaaten umgehen, habe ich in beiden Ländern erlebt. Die britischen Zahlen zeigen dasselbe: 42 Prozent der dort tätigen Ärztinnen und Ärzte haben ihren Erstabschluss ausserhalb Grossbritanniens erworben. Ein Medizinstudium in Europa ist kein Nebenweg, sondern ein normaler Weg.

An der Altersstruktur bewegt mich ihre Verlässlichkeit. Über 100.000 heute berufstätige Ärztinnen und Ärzte haben das 60. Lebensjahr überschritten, und diese Zahl hängt an keiner politischen Entscheidung. Wenn mich jemand fragt, ob das Medizinstudium noch eine gute Entscheidung ist, antworte ich mit genau dieser Verteilung: Es gibt wenige Ausbildungswege, deren Nachfrageseite man zwanzig Jahre im Voraus ausrechnen kann.

Ehrlich muss man dazusagen, was die Statistik nicht liefert. Sie sagt nichts über Nachtdienste, nichts über die Stimmung auf einer überlasteten Station und nichts darüber, ob das Wunschfach am Wunschort einen Weiterbildungsplatz frei hat. Sicherer Bedarf und guter Arbeitsplatz sind zwei verschiedene Dinge. Wer nur wegen der Arbeitsmarktzahlen Medizin studiert, hat sich die falsche Frage gestellt.

Als wir mit der Medizinerschmiede angefangen haben, war die Idee, nahezu täglich Videos und Interviews mit echten Medizinstudierenden im Ausland zu veröffentlichen, damit niemand seine Vorstellung vom Studium aus Gerüchten zusammensetzen muss. Wer heute wissen will, wie ein Semester in Sofia, Plowdiw oder Osijek abläuft, kann es sich ansehen.

Mein praktischer Rat an alle, die abwägen: Lasst euch von der Debatte um Numerus clausus und Wartezeiten nicht den Blick auf den Arbeitsmarkt verstellen. Der Zugang ist der Engpass, nicht der Beruf. Sobald der Studienplatz steht, arbeitet die Demografie für euch.

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Zusammenfassung

  • Zum 31. Dezember 2025 waren in Deutschland 446.120 Ärztinnen und Ärzte berufstätig, 2,0 Prozent mehr als im Jahr 2024.
  • 23,4 Prozent der berufstätigen Ärzteschaft sind 60 Jahre oder älter, rund 104.300 Personen; jünger als 35 sind nur etwa 84.800.
  • Der Teilzeitanteil stieg von 15 Prozent im Jahr 2014 auf 28 Prozent im Jahr 2024; die durchschnittliche Wochenarbeitszeit lag 2024 bei 40,3 Stunden.
  • 71.480 berufstätige Ärztinnen und Ärzte hatten Ende 2025 keine deutsche Staatsangehörigkeit, das sind 16 Prozent der Berufstätigen.
  • Deutschland kam 2023 auf 466 praktizierende Ärztinnen und Ärzte je 100.000 Einwohner, bildete mit 12,2 Absolventen je 100.000 Einwohner aber weniger aus als der EU-Durchschnitt von 15,5.

Die Ärztestatistik zum 31.12.2025 weist 446.120 berufstätige Ärztinnen und Ärzte aus, den höchsten Wert der Reihe. Drei Befunde erklären, warum die Nachfrage nach ärztlicher Arbeitskraft trotzdem hoch bleibt: die Altersstruktur mit 23,4 Prozent ab 60 Jahren, der Sprung der Teilzeitquote von 15 auf 28 Prozent binnen zehn Jahren und der wachsende Anteil der Arbeitszeit, der auf Dokumentation und Verwaltung entfällt.

Beim europäischen Vergleich fällt eine Schere auf. Bei der Ärztedichte liegt Deutschland mit 466 je 100.000 Einwohner im oberen Feld, bei der Ausbildungsleistung mit 12,2 Absolventen je 100.000 Einwohner unter dem EU-Durchschnitt von 15,5. Diese Lücke schliessen alle betrachteten Länder über Zuwanderung und über im Ausland ausgebildete Absolventinnen und Absolventen. In Grossbritannien stellen sie 42 Prozent der Ärzteschaft.

Für Studieninteressierte bleibt eine unspektakuläre Botschaft. Der Arztberuf ist nachgefragt, planbar und in Europa mobil. Der Wettbewerb findet vor dem Studium statt, nicht danach. Wer einen Studienplatz hat, ob in Deutschland oder in einem anderen EU-Staat, tritt in einen Arbeitsmarkt ein, dessen Bedarf demografisch feststeht. Welcher Studienweg zum eigenen Profil passt, klärt sich am schnellsten im Gespräch: kostenloses Beratungsgespräch vereinbaren.

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Häufige Fragen zur Ärztestatistik 2025

Wie viele Ärztinnen und Ärzte hat Deutschland aktuell?

Zum 31. Dezember 2025 waren nach der Ärztestatistik der Bundesärztekammer 446.120 Ärztinnen und Ärzte berufstätig. Insgesamt waren rund 593.300 Personen bei den Landesärztekammern gemeldet, darunter etwa 106.000 im Ruhestand.

Warum unterscheiden sich die Zahlen 446.120 und 593.300?

Die grössere Zahl umfasst alle bei einer Landesärztekammer gemeldeten Personen, also auch Ruheständler und Ärztinnen und Ärzte ohne ärztliche Tätigkeit. Versorgungsrelevant ist die kleinere Zahl der Berufstätigen. Nach den KBV-Gesundheitsdaten sind rund 75 Prozent aller Gemeldeten ärztlich tätig.

Wie stark wächst die Zahl der Ärztinnen und Ärzte?

2025 lag der Zuwachs bei 2,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch 2024 betrug die Wachstumsrate 2,0 Prozent. Der Bestand wächst damit seit Jahren gleichmässig.

Wie alt ist die deutsche Ärzteschaft?

23,4 Prozent der berufstätigen Ärztinnen und Ärzte haben das 60. Lebensjahr erreicht. 60.826 Personen sind zwischen 60 und 65 Jahre alt, 43.444 sind älter als 65 Jahre. Gut 19 Prozent sind jünger als 35 Jahre.

Kommen genug junge Ärztinnen und Ärzte nach?

Rechnerisch nicht ganz. Den rund 104.300 berufstätigen Ärztinnen und Ärzten ab 60 Jahren standen Ende 2025 nur etwa 84.800 unter 35 Jahren gegenüber. Auf 100 Personen der älteren Gruppe kommen damit rund 81 der jüngeren (eigene Berechnung auf Basis der Ärztestatistik 2025).

Wie hoch ist der Frauenanteil im Arztberuf?

Er liegt bei 50,5 Prozent der berufstätigen Ärzteschaft. Bei den Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung beträgt er 59 Prozent, bei den über 65-Jährigen 32 Prozent.

Wie viele Ärztinnen und Ärzte arbeiten in Teilzeit?

Der Teilzeitanteil lag 2024 bei 28 Prozent nach 15 Prozent im Jahr 2014. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit betrug 40,3 Stunden, in Vollzeit 46,0 Stunden und in Teilzeit 25,6 Stunden.

Wie viele ausländische Ärztinnen und Ärzte arbeiten in Deutschland?

71.480 berufstätige Ärztinnen und Ärzte hatten Ende 2025 keine deutsche Staatsangehörigkeit, das sind 16 Prozent. Die grössten Gruppen kommen aus Syrien mit 7.959, Rumänien mit 4.617 und der Türkei mit 3.532 Personen.

Warum nennt das Statistische Bundesamt einen anderen Anteil?

Destatis wies für 2024 einen Anteil von 13 Prozent ohne deutsche Staatsangehörigkeit aus und von 24 Prozent, wenn Ärztinnen und Ärzte mit Einwanderungsgeschichte und deutschem Pass mitgezählt werden. Die Bundesärztekammer zählt Kammermitglieder, Destatis wertet Erwerbstätigendaten aus. Die Grundgesamtheiten unterscheiden sich.

Wie viele Ärztinnen und Ärzte arbeiten im Krankenhaus?

Der stationäre Sektor wuchs 2025 um 2,4 Prozent. Aus den Angaben der Bundesärztekammer ergibt sich rechnerisch ein Bestand von rund 233.500 Personen. Ambulant tätig waren 173.912 Ärztinnen und Ärzte.

Wie steht Deutschland bei der Ärztedichte international da?

Nach Eurostat-Daten für 2023 kamen in Deutschland 466 praktizierende Ärztinnen und Ärzte auf 100.000 Einwohner. Österreich führt die EU mit 551 an, Norwegen erreicht 497, die Schweiz 455 und Polen 375.

Bildet Deutschland genug Medizinerinnen und Mediziner aus?

Gemessen an der Bevölkerung liegt Deutschland mit 12,2 Medizinabsolventen je 100.000 Einwohner unter dem EU-Durchschnitt von 15,5. Im Wintersemester 2024/25 nahmen nach Angaben des Statistischen Bundesamts rund 15.900 Studierende ein Humanmedizinstudium auf, 30 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor.

Sind die Berufsaussichten für Medizinstudierende gut?

Die Datenlage spricht dafür. Rund 104.300 berufstätige Ärztinnen und Ärzte sind 60 Jahre oder älter, die durchschnittliche Arbeitszeit pro Kopf sinkt durch die gestiegene Teilzeitquote, und der ambulante Sektor schafft in hohem Tempo Angestelltenstellen. Was die Statistik nicht sagt: wie sich Dienstbelastung und Vergütung im einzelnen Fach entwickeln. Welcher Studienweg zum eigenen Profil passt, besprechen wir gern in einem kostenlosen Beratungsgespräch.

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Über den Autor

Marcel Kloos

Eidgenössisch anerkannter Zahnarzt und Gründer der Medizinerschmiede

Marcel Kloos gründete die Medizinerschmiede bereits im Auslandsstudium, seither wurden über 500 Studienplätze vermittelt. Der gebürtige Stuttgarter studierte Zahnmedizin von 2015 bis 2021 in Sofia und ist eidgenössisch anerkannter Zahnarzt.

Heute lebt er in Bern und führt die Medizinerschmiede hauptberuflich als Inhaber.

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