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Landarztquote

Landarztquote Sachsen

Sachsen nutzt die Landarztquote, um dem wachsenden Hausarztmangel in ländlichen Regionen entgegenzuwirken. Bewerber verpflichten sich, nach Studium und Facharztausbildung als niedergelassener Hausarzt in unterversorgten Gebieten tätig zu sein.

10 %
Quotenanteil
10 Jahre
Verpflichtungszeit
Allgemeinmedizin
Fachrichtung
bis 250.000 €
Max. Rückzahlung
Beteiligte Universitäten
Universität Leipzig (Medizinische Fakultät) und Technische Universität Dresden (Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus) — beide vergeben Landarztquoten-Plätze.
Verpflichtungsgebiet
Unterversorgte ländliche Regionen in Sachsen, z. B. Erzgebirgskreis, Vogtlandkreis, Sächsische Schweiz oder Nordsachsen.
Fachrichtung
Allgemeinmedizin. Facharztausbildung nach Studium erforderlich; anschließend Niederlassung im festgelegten Versorgungsgebiet.
Bewerbung
Bewerbung über das sächsische Landarztprogramm. Aktuelle Fristen und Anforderungen beim Sächsischen Staatsministerium für Soziales prüfen.

So ist die Landarztquote Sachsen aufgebaut

Sachsen vergibt seit 2022 jährlich 40 Quotenplätze in Leipzig, Dresden und Chemnitz. Zuständig ist die Landesdirektion Sachsen. Als einziges Land veröffentlicht Sachsen jährliche Evaluationsberichte, und die zeigen hohe Rücktritts- und Abbruchzahlen.

Rechtsgrundlage
Sächsisches Landarztgesetz (SächsLArztG) vom 30.09.2021 plus Sächsische Landarztverordnung vom 13.01.2022. Der Landtag entscheidet bis Ende 2033 über die Fortführung.
Plätze
6,5 % = 40 Plätze pro Jahr: 22 Leipzig, 15 TU Dresden, 3 im Modellstudiengang MEDiC Chemnitz.
Universitäten
Leipzig, Dresden, Chemnitz (MEDiC).
Fachrichtungen
Allgemeinmedizin oder Innere Medizin ohne Schwerpunkt, Weiterbildung in Sachsen. Pädiatrie ist ausdrücklich nicht zugelassen. Ein Wechsel zwischen den beiden Fachrichtungen ist bis 12 Monate nach Weiterbildungsbeginn auf Antrag möglich.
Bewerbung
15. Januar bis 28. Februar über amt24.sachsen.de, Nachweise rund zwei Wochen später. Nur der ITB-TMS wird anerkannt (ab 2028 TMSnat).

Die Bindung im Klartext

Sachsen legt das Bedarfsgebiet bereits beim Beginn der Weiterbildung fest, also früher als andere Länder. Vollzeit ist Pflicht, Teilzeit nur als Härtefall.

Dauer
10 Jahre Vollzeit, vertragsärztlich in Niederlassung oder Anstellung, in einem Bedarfsgebiet. Unterbrechungen verlängern die Bindung.
Wo
Bedarfsgebiete, die die KV Sachsen nach den Feststellungen des Landesausschusses festlegt. Der Vertragssitz innerhalb des Bedarfsgebiets ist frei wählbar.
Wann wird der Ort festgelegt
Maßgeblich ist der Zeitpunkt der Aufnahme der Weiterbildung, also rund sechs Jahre nach Vertragsschluss. Heute ist das Gebiet unbekannt.
Weiterbildung
Unverzüglich nach dem Studium in Sachsen, Tätigkeit unverzüglich nach Abschluss. Keine Monatsfrist definiert.
Vollzeit oder Teilzeit
Vollzeit. Teilzeit nur auf Antrag bei besonderer Härte, mindestens 0,5 Stelle. Mutterschutz und Elternzeit sind anzeigepflichtig.
Wechsel in anderes Bundesland
Nicht geregelt, Anrechnung außerhalb Sachsens nicht vorgesehen.

Alle Details zum Aufklappen

Vertragsstrafe und Ausstieg+
Höhe
250.000 € pauschal, vollstreckbar im Verwaltungsweg. Die Landesdirektion entscheidet über die Höhe unter Berücksichtigung der persönlichen Verhältnisse.
Auslöser
Verletzung einer der drei Pflichten: Weiterbildung in Sachsen, Tätigkeitsaufnahme, zehn Jahre Tätigkeit.
Straffrei
Rücktritt bis zum ersten Werktag im Juli des Bewerbungsjahres. Kein Strafe bei Nichtantritt oder endgültigem Abbruch des Studiums.
Härtefall
Verzicht ganz, teilweise oder zeitweise bei sozialen, gesundheitlichen oder familiären Gründen. Ratenzahlung auf Antrag nach wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit.
Verzinsung
Nicht geregelt.
Was nicht als Härtefall zählt

Fachanwalt Rau sieht Sachsen wegen der starren 250.000 € besonders in der Kritik. Heirat, Familie und der Wunsch nach einer Fachrichtung außerhalb der Hausarztmedizin sind keine Härte.

Auswahlverfahren und Fristen+
Stufe 1 (max. 100 Punkte)
Abitur bis 20 Punkte (1,0 = 20, 4,0 = 0), TMS bis 40 Punkte (Prozentrang durch 100 mal 40), Berufsausbildung oder Studium bis 20 Punkte nach Note, Berufstätigkeit 2,5 Punkte je 6 Monate (max. 10), Freiwilligendienst oder Ehrenamt (mindestens 150 Stunden pro Jahr) bis 10 Punkte.
Stufe 2
Strukturierte Interviews zu fünf Kompetenzen à 20 Punkte. Maximal 80 Eingeladene, also die doppelte Platzzahl.
Gewichtung
Stufe 1 und Stufe 2 je 50 %, bei Gleichstand entscheidet das Los.
Zeitplan
Bewerbung bis Ende Februar, Gespräche Anfang Juni, Zuteilung an hochschulstart bis 15. Juli, Ablehnung möglich bis 15. Oktober.
Bewerber, Plätze und Abbrüche+

Bewerbungen auf 40 Plätze: 2022: 64 bis 67, 2023: 119, 2024: 125, 2025: 101 bis 104, 2026: 94.

Rücktritte vor Studienbeginn: 2022: 4, 2023: 7, 2024: 8, 2025: 12. Exmatrikulationen bis Oktober 2025: 10 von 38 im Jahrgang 2022, 4 von 39 im Jahrgang 2023. Der erste Jahrgang hat also bereits rund 26 % verloren.

Kritik und laufende Verfahren+

Bislang keine Klagen und keine Vertragsstrafen, die erste Kohorte ist noch im Studium. Sachsen wartet den Ausgang der NRW-Verfahren ab.

Der eigene Evaluationsbericht nennt: Teilnehmer unterschätzten die Schwierigkeit des Studiums, die 150-Stunden-Hürde beim Ehrenamt ist kaum erfüllbar, und er empfiehlt, die Quote nicht zu erhöhen.

Was die offizielle Darstellung nicht deutlich sagt

„Rund 40 Plätze“ verschweigt, dass 12 von 40 Zugelassenen 2025 vor Studienbeginn zurücktraten und rund ein Viertel des ersten Jahrgangs bereits exmatrikuliert ist. Das Bedarfsgebiet wird erst beim Weiterbildungsbeginn fixiert. Vollzeitzwang mit Teilzeit nur als Härtefall, „unverzüglich“ ohne Frist, keine Anrechnung außerhalb Sachsens.

Offizielle Dokumente, Verträge und Broschüren

Lies vor einer Bewerbung den vollständigen Vertragstext. Die Landesseiten fassen die Bedingungen oft freundlicher zusammen, als der Vertrag sie formuliert.

Stand: September 2026. Zusammengestellt aus Gesetz, Verordnung, Mustervertrag, offiziellen FAQ und Presseberichten. Alle Angaben ohne Gewähr, maßgeblich ist der jeweils aktuelle Vertragstext des Landes.

⚠ Kompetitives Auswahlverfahren
Die Landarztquote in Sachsen ist begehrt — die Nachfrage übersteigt das Angebot regelmäßig. Abiturnote, TMS-Ergebnis und praktische Vorerfahrungen im Gesundheitswesen sind entscheidend für eine erfolgreiche Bewerbung.

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