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Landarztquote

Landarztquote NRW

Nordrhein-Westfalen reserviert 7,8 % aller Medizin-Studienplätze für die Landarztquote — das sind rund 160 Plätze pro Semester an neun Universitäten. Drei Fachrichtungen sind zugelassen.

7,8 %
Quotenanteil
~160 Plätze
Pro Semester
10 Jahre
Verpflichtungszeit
250.000 €
Max. Rückzahlung
Fachrichtungen
Allgemeinmedizin, Kinder- und Jugendmedizin sowie Innere Medizin. NRW bietet eine der breitesten Fachrichtungsauswahl aller Bundesländer.
9 Universitäten
Bonn, Düsseldorf, Köln, Münster, Bochum, Essen, Aachen, Bielefeld, Witten/Herdecke — kein anderes Bundesland hat mehr Standorte.
Auswahlverfahren
Bewerbung über das NRW-Landesportal. Bewertung nach TMS, Berufsausbildung im Gesundheitswesen, Ehrenamt und persönlichem Auswahlgespräch.
Einsatzgebiet
Unterversorgte Regionen in NRW — häufig ländliche Gebiete im Sauerland, Eiffel, Münsterland oder am Niederrhein.

So ist die Landarztquote Nordrhein-Westfalen aufgebaut

Nordrhein-Westfalen war 2019 das erste Bundesland mit Landarztquote und hat mit über 1.000 Teilnehmern das größte Programm. Zuständig ist das Landeszentrum für Gesundheit (heute LfGA). Hier laufen auch die meisten Klagen, und hier wurde eine Fachrichtung nachträglich gestrichen.

Rechtsgrundlage
Landarztgesetz NRW (LAG NRW) vom 29.12.2018 plus LAG-Verordnung vom 21.02.2019, zuletzt geändert 2024.
Plätze
Bisher 7,8 % (rund 180 bis 200 Plätze pro Jahr), ab Wintersemester 2026/27 8,8 % = 227 Plätze. Vergabe zum Winter- und Sommersemester.
Universitäten
Wintersemester: Aachen, Bielefeld, Bochum, Bonn, Düsseldorf, Duisburg-Essen, Köln, Münster. Sommersemester: nur Köln und Münster. Bei Überhang entscheidet das Los über den Studienort.
Fachrichtungen
Allgemeinmedizin oder Innere Medizin ohne Schwerpunkt. Kinder- und Jugendmedizin ist seit 2025 nicht mehr zulässig, weil das Land keinen besonderen Bedarf mehr sieht.
Bewerbung
Wintersemester: 1. bis 31. März. Sommersemester: 1. bis 30. September. Über das Bewerberportal landarztgesetz.nrw, Registrierung bei hochschulstart.de nötig.

Die Bindung im Klartext

Der NRW-Vertrag ist einer der strengsten: Vollzeit ist Standard, die Strafe ist pauschal, und das Land hat sich vorbehalten, die Liste der Fachrichtungen zu ändern. Genau das ist 2025 passiert.

Dauer
10 Jahre vertragsärztliche hausärztliche Tätigkeit nach der Weiterbildung, angestellt oder selbständig. Unterbrechungen verlängern die Bindung, außer Mutterschutz.
Wo
Regionen in NRW, die die Landesausschüsse Nordrhein bzw. Westfalen-Lippe als unterversorgt oder von Unterversorgung bedroht feststellen. Das kann auch ein Stadtteil einer Großstadt sein.
Wann wird der Ort festgelegt
Maßgeblich ist die Lage bei Aufnahme der Tätigkeit. Die Gebiete werden halbjährlich aktualisiert. Eine Vorauswahl bei der Bewerbung ist nicht möglich.
Weiterbildung
Unverzüglich nach dem Studium und in NRW. Eine Monatsfrist ist nicht definiert.
Vollzeit oder Teilzeit
Vollzeit ist Standard. Teilzeit nur bei besonderer Härte oder Mutterschutz, eine Mindestquote ist nicht veröffentlicht.
Fachrichtung kann wegfallen
Die FAQ warnt ausdrücklich, dass gewünschte Fachrichtungen zum Weiterbildungsbeginn nicht mehr zulässig sein können. 2025 wurde die Pädiatrie gestrichen, obwohl sie in den Verträgen von 2019 stand.
Wechsel in anderes Bundesland
Nein. Wer zusätzlich einen Quotenplatz in einem anderen Land annimmt, bleibt gegenüber NRW verpflichtet.

Alle Details zum Aufklappen

Vertragsstrafe und Ausstieg+
Höhe
250.000 € pauschal, keine Staffelung.
Auslöser
Weiterbildung nicht, nicht unverzüglich oder außerhalb NRW aufgenommen, andere Fachrichtung, Tätigkeit außerhalb einer Bedarfsregion, Nichtantritt oder Abbruch.
Straffrei
Studienabbruch oder endgültiges Nichtbestehen beendet den Vertrag ohne Strafe. Eine kostenfreie Rücktrittsfrist nach Zulassung ist auf den offiziellen Seiten nicht angegeben.
Härtefall
Ganz, teilweise oder zeitweiser Verzicht bei besonderer sozialer, gesundheitlicher oder familiärer Härte, Ratenzahlung nach Leistungsfähigkeit. Ermessen des Landes.
Verzinsung
Nicht geregelt.
Was nicht als Härtefall zählt

Heirat, Partner, Familiengründung oder der Wunsch nach einer anderen Fachrichtung sind keine Härte. In NRW klagt derzeit unter anderem eine Absolventin, die ihre Pädiatrie-Weiterbildung bereits begonnen hatte, als das Land die Fachrichtung strich.

Auswahlverfahren und Fristen+
Stufe 1 (Vorauswahl)
Alle Kriterien werden auf 0 bis 100 normiert und gewichtet: Abiturnote 30 %, TMS 30 %, einschlägige Ausbildung und Berufserfahrung (max. 48 Monate) 40 %. Fehlender Nachweis = 0 Punkte. Anders als in Bayern oder Hessen zählt die Abiturnote also mit.
Stufe 2
Standardisiertes, strukturiertes Auswahlgespräch mit mehreren Stationen. Das Gespräch zählt 50 % des Gesamtrangs.
Zeitplan Sommersemester 2027
Bewerbung bis 30.09.2026, Einladungen Ende Oktober, Gespräche um den 25.11.2026, Ergebnis Anfang bis Mitte Dezember, Meldung an hochschulstart im Januar 2027.
Bewerber, Plätze und Abbrüche+

Seit 2019 gab es 14 Auswahlverfahren mit durchschnittlich vier Bewerbern pro Platz: 4.825 Bewerbungen auf 1.043 Plätze zwischen 2019 und 2024. Anfang 2026 waren 1.048 Studierende im Programm.

79 Teilnehmer (6,7 %) haben das Programm abgebrochen. Vom ersten Jahrgang mit 138 Teilnehmern haben 35 das Studium abgeschlossen, 9 sind in der hausärztlichen Weiterbildung. 11 von 55 Absolventen des ersten Jahrgangs klagen.

Kritik und laufende Verfahren+

Am Verwaltungsgericht Gelsenkirchen sind 17 bis 18 Klagen anhängig (Stand Anfang 2026), die erste seit Juli 2024. Vier frühere Verfahren endeten per Vergleich. Bis Februar 2026 wurde keine Strafe verhängt. Die ersten mündlichen Verhandlungen sind für Oktober 2026 angesetzt. NRW hat zudem selbst einen Absolventen verklagt.

Streitpunkte: die nachträgliche Streichung der Kinder- und Jugendmedizin (laut Fachanwalt Rau „eindeutig rechtswidrig“), die Unbestimmtheit von „unverzüglich“ und die Höhe der pauschalen Strafe.

Was die offizielle Darstellung nicht deutlich sagt

Der offizielle Flyer nennt weder die 250.000 €, noch die Vollzeitpflicht, noch dass die Region erst bei Tätigkeitsaufnahme festgelegt wird. Dass „unterversorgt“ auch Großstadtteile umfassen kann, steht nur in der FAQ. Die 30-Prozent-Gewichtung der Abiturnote wird in Pressetexten („nicht nur Noten“) heruntergespielt. Der gravierendste Punkt, die nachträgliche Streichung einer Fachrichtung, wird in der FAQ nur als „müssen damit rechnen“ formuliert.

Offizielle Dokumente, Verträge und Broschüren

Lies vor einer Bewerbung den vollständigen Vertragstext. Die Landesseiten fassen die Bedingungen oft freundlicher zusammen, als der Vertrag sie formuliert.

Stand: September 2026. Zusammengestellt aus Gesetz, Verordnung, Mustervertrag, offiziellen FAQ und Presseberichten. Alle Angaben ohne Gewähr, maßgeblich ist der jeweils aktuelle Vertragstext des Landes.

⚠ Kompetitiv trotz hoher Platzzahl
Auch in NRW ist die Nachfrage hoch. Mehr Standorte und Fachrichtungen erhöhen die Chancen — doch das Auswahlgespräch bleibt entscheidend.

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