Iuliu Hațieganu University of Medicine and Pharmacy (Cluj-Napoca)
Iuliu Hațieganu University of Medicine and Pharmacy unterrichtet in Cluj-Napoca auf Englisch und führt zum Abschluss M.D. Die Studiengebühr beträgt rund 10.000 EUR im Jahr, und der Abschluss ist in der EU automatisch anerkannt.
Die Iuliu Hațieganu University of Medicine and Pharmacy ist die älteste medizinische Ausbildungsstätte Siebenbürgens. Ihre Wurzeln reichen bis zu einer medizinisch-chirurgischen Schule von 1775 und zur ungarischen medizinischen Fakultät der Franz-Joseph-Universität von 1872 zurück; die rumänische Fakultät entstand 1919, nach dem Anschluss Siebenbürgens an Rumänien, und wurde von Iuliu Hațieganu geprägt, dessen Namen die Universität heute trägt. Diese geschichtete Vergangenheit ist typisch für Cluj-Napoca, das als Klausenburg im 13. Jahrhundert von deutschen Siedlern gegründet wurde, lange zweitgrößte Stadt des Königreichs Ungarn war und bis heute eine ungarischsprachige Minderheit hat.
Größe, Sprachen und Struktur
Die Universität hat drei große Fakultäten, Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie, und zählt nach eigenen Angaben über 6.000 Studierende, dazu rund 2.400 Ärzte in Weiterbildung und über 1.100 Lehrende und Forschende. Unterrichtet wird Humanmedizin auf Rumänisch, Englisch und Französisch. Eine deutschsprachige Medizinlinie gibt es entgegen einer verbreiteten Annahme nicht, auch nicht in Cluj: Die deutschen Studienangebote der Stadt liegen an der Babeș-Bolyai-Universität, nicht an der Medizinuni. Für dich bleibt damit der englischsprachige Studiengang, für den ein Sprachnachweis auf B2-Niveau verlangt wird. Eine Besonderheit ist die Außenstelle des Medizinstudiums im italienischen Novara, die ebenfalls auf Englisch geführt wird.
Zwei getrennte Zugangswege
Wichtig zu verstehen ist, dass Cluj zwei völlig verschiedene Auswahlverfahren betreibt. Die rumänischsprachige Linie füllt sich über eine klassische, sehr kompetitive Aufnahmeprüfung im Multiple-Choice-Format, wie sie in Rumänien üblich ist. Internationale Bewerber für die englisch- und französischsprachigen Studiengänge werden dagegen über eine Bewertung ihrer Unterlagen ausgewählt, ohne Aufnahmeprüfung. Beide Wege führen zum selben Abschluss, aber sie haben unterschiedliche Fristen, unterschiedliche Gebühren und unterschiedliche Anforderungen.
Was den Standort ausmacht
Cluj ist mit knapp 290.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Rumäniens und ihr wichtigstes Hochschulzentrum; allein die Babeș-Bolyai-Universität hat mehr als 45.000 Studierende. Dazu kommt eine starke IT- und Dienstleistungsbranche, die die Stadt wohlhabender und internationaler gemacht hat als den Rest des Landes. Die Kehrseite spürst du sofort bei der Wohnungssuche: Cluj gehört bei den Mieten zu den teuersten Städten Rumäniens, direkt hinter Bukarest. Wer mit einem knappen Budget plant, sollte diesen Unterschied ernst nehmen, denn über sechs Studienjahre summieren sich ein paar hundert Euro Miete im Monat zu einem Betrag, der die Studiengebühr eines ganzen Jahres übersteigt. Dafür bekommst du eine Stadt mit einem großen medizinischen Einzugsgebiet, dichtem Kulturangebot und guter Anbindung an Deutschland.
Zulassung und Finanzen
Bewerbung ohne Aufnahmeprüfung
Für die englisch- und französischsprachigen Studiengänge wählt die Universität ausschließlich nach Aktenlage aus, es gibt keine schriftliche Aufnahmeprüfung. Verlangt wird ein Englischnachweis auf B2-Niveau; er entfällt, wenn du deine Schulbildung in der Unterrichtssprache abgeschlossen oder das Niveau im Abitur nachgewiesen hast. Die Bewerbung läuft in zwei Runden. Im Jahrgang 2026 lief die erste Runde von Ende März bis Mitte Mai mit Ergebnissen Anfang Juni, die zweite bis Mitte Juli mit Ergebnissen Ende Juli. Wer früh bewirbt, hat es mit einem größeren Platzangebot zu tun.
Gebühren und Lebenshaltung
Die Studiengebühr für internationale Studiengänge lag zuletzt bei 10.000 Euro pro Studienjahr, dazu kommt eine nicht erstattungsfähige Bearbeitungsgebühr von 300 Euro. Zur Platzbestätigung zahlen EU-Bürger die Hälfte der Jahresgebühr an; auch dieser Betrag wird bei einem Rückzieher nicht zurückerstattet. Beim Lebensunterhalt ist Cluj der teuerste der vier rumänischen Standorte, die für deutsche Studenten üblicherweise infrage kommen: Marktanalysen für das zweite Quartal 2026 wiesen im Schnitt rund 400 Euro für eine Einzimmerwohnung und rund 575 Euro für eine Zweizimmerwohnung aus. Eine WG senkt das deutlich, sollte aber früh organisiert werden.
Studium und Anerkennung
Ablauf des Studiums
Humanmedizin dauert sechs Jahre. Auf die vorklinischen Jahre folgt die klinische Ausbildung an den Kliniken von Cluj, das als medizinisches Zentrum Siebenbürgens ein großes Einzugsgebiet hat. Der Unterricht im internationalen Studiengang findet auf Englisch statt, Rumänisch ist Pflichtbestandteil des Curriculums. Das ist keine Formalie: Ohne Rumänisch kannst du in der Klinik weder Anamnesen führen noch Übergaben verstehen. Am Ende steht die rumänische Abschlussprüfung.
Anerkennung und Approbation
Rumänien ist seit 2007 EU-Mitglied, der Arztabschluss unterliegt der Richtlinie 2005/36/EG und wird in Deutschland automatisch anerkannt. Du musst also keine Gleichwertigkeitsprüfung und keine Kenntnisprüfung ablegen. Die Approbation beantragst du selbst bei der zuständigen Landesbehörde; dabei sind ein allgemeiner Sprachnachweis und in den meisten Bundesländern eine Fachsprachprüfung vorgesehen. Ein Punkt, der oft untergeht: Der ärztliche Berufseinstieg in Deutschland ist damit möglich, ein Wechsel an eine deutsche Fakultät während des Studiums aber nicht garantiert. Jede Zieluniversität entscheidet über die Anrechnung deiner bisherigen Leistungen selbst, und Plätze in höheren Fachsemestern sind knapp.
Campus und Leben
Die Stadt
Cluj-Napoca gilt als die lebendigste Universitätsstadt Rumäniens. Studentenkneipen, ein bekanntes Filmfestival, Oper und Theater in rumänischer und ungarischer Sprache sowie eine große Zahl junger Berufstätiger aus der IT-Branche prägen den Alltag. Historisch ist die Stadt siebenbürgisch geschichtet: deutsche Gründung, ungarische Prägung, rumänische Gegenwart. Das siehst du an Kirchen, Straßennamen und der Zweisprachigkeit vieler Einwohner.
Wohnen und Anreise
Der Wohnungsmarkt ist der angespannteste unter den rumänischen Universitätsstädten außerhalb Bukarests, und zu Semesterbeginn wird es eng. Wohnheimplätze sind günstiger als der private Markt, aber begrenzt, WGs sind der Normalfall. Für die Anreise ist Cluj der bequemste der vier Standorte: Der internationale Flughafen der Stadt gehört zu den größten des Landes und wird von mehreren deutschen Flughäfen aus angeflogen, darunter Dortmund und Memmingen. Eine deutschsprachige Szene existiert vor allem über die Germanistik und die deutschsprachigen Studiengänge der Babeș-Bolyai-Universität.
Häufige Fragen
Gibt es in Cluj ein Medizinstudium auf Deutsch?
Nein. Die Iuliu Hațieganu Universität unterrichtet Humanmedizin auf Rumänisch, Englisch und Französisch. Deutschsprachige Studiengänge gibt es in Cluj an der Babeș-Bolyai-Universität, aber nicht in der Medizin. Für Bewerber aus Deutschland ist der englischsprachige Studiengang der übliche Weg.
Muss ich eine Aufnahmeprüfung bestehen?
Für den internationalen Studiengang nicht, dort entscheidet die Bewertung deiner Unterlagen. Die rumänischsprachige Linie dagegen vergibt ihre Plätze über eine kompetitive Multiple-Choice-Prüfung. Beide Verfahren laufen getrennt und haben eigene Fristen.
Was kostet ein Studienjahr?
Die Gebühr für die internationalen Studiengänge lag zuletzt bei 10.000 Euro pro Jahr, dazu kommt eine Bearbeitungsgebühr von 300 Euro. Zur Bestätigung des Platzes zahlen EU-Bürger die Hälfte der Jahresgebühr an, und diese Anzahlung wird nicht zurückerstattet.
Wie teuer ist das Leben in Cluj?
Teurer als an den anderen rumänischen Medizinstandorten. Nach Marktanalysen für das zweite Quartal 2026 kostete eine Einzimmerwohnung im Schnitt rund 400 Euro, eine Zweizimmerwohnung rund 575 Euro Miete. Dazu kommen Lebensmittel, Nahverkehr und Studienmaterial. Eine WG oder ein Wohnheimplatz drückt die Kosten spürbar.
Wie wird der Abschluss in Deutschland behandelt?
Der rumänische Arztabschluss ist über die EU-Richtlinie 2005/36/EG automatisch anerkannt, eine zusätzliche Kenntnisprüfung entfällt. Für die Approbation brauchst du den Antrag bei der zuständigen Landesbehörde sowie die vorgeschriebenen Sprachnachweise, in den meisten Bundesländern inklusive Fachsprachprüfung.

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