PJ Gehalt 2026: Was dir das Praktische Jahr als Aufwandsentschädigung bringt
11.09.2026
Was ist das PJ – und warum gibt es kein echtes Gehalt?
Das Praktische Jahr ist kein Anstellungsverhältnis. PJler sind Studierende im letzten Abschnitt des Medizinstudiums, die in der Klinik ausgebildet werden – nicht Arbeitnehmer, die Leistung erbringen und dafür Lohn erhalten. Die Approbationsordnung für Ärzte (ÄAppO) verpflichtet Kliniken zu keiner festen Vergütung. Die Aufwandsentschädigung ist freiwillig – und entsprechend variabel.
Das PJ dauert 48 Wochen, aufgeteilt in drei Tertiale: Innere Medizin (Pflicht), Chirurgie (Pflicht) und ein Wahlfach. Wer das Wahlfach klug wählt, kann damit gezielt Erfahrung in der angestrebten Fachrichtung sammeln. Oder ins Ausland gehen – manche Kliniken im Ausland zahlen besser und bieten gleichzeitig internationale Erfahrung.
Die Debatte um eine Mindest-PJ-Vergütung läuft seit Jahren. Der Marburger Bund fordert laut seiner Stellungnahme von 2024 eine Mindestentschädigung von 1.000 Euro pro Monat bundesweit. Umgesetzt ist das bislang nicht – einzelne Bundesländer und Kliniken gehen freiwillig höher, viele andere nicht.
PJ Aufwandsentschädigung 2026: Was Kliniken und Bundesländer zahlen
Diese Tabelle zeigt geschätzte Richtwerte auf Basis öffentlich verfügbarer Angaben von Universitätskliniken und PJ-Börsen (Stand 2026). Die tatsächlichen Beträge können je nach Klinik und Tertial abweichen – immer direkt bei der Klinik nachfragen:
| Bundesland / Region | Monatliche Aufwandsentschädigung (ca.) | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Bayern (Unikliniken) | 400–600 € | Teils kostenlose Mahlzeiten, Mensaessen |
| Hessen (Frankfurt, Marburg) | 600–800 € | Teils Unterkunftsmöglichkeiten |
| Nordrhein-Westfalen | 550–800 € | Variiert stark zwischen Treffpunkten und Privatkliniken |
| Berlin (Charité) | 700–900 € | Hohe Lebenshaltungskosten berücksichtigen |
| Hamburg | 700–950 € | UKE zahlt überdurchschnittlich |
| Baden-Württemberg | 500–750 € | Heidelberg und Tübingen teils höher |
| Private Klinikketten (bundesweit) | 800–1.200 € | Oft höher als Unikliniken, weniger Lehrstruktur |
Die Spanne ist enorm. Wer das PJ an einem privaten Krankenhaus absolviert, bekommt oft mehr als an einer Uniklinik – muss aber abwägen, ob die Lehrqualität vergleichbar ist. Universitaire Ausbildungsstrukturen sind nicht automatisch besser, aber in manchen Fächern unverzichtbar.
{{cta}}Was gehört zum PJ-Paket – und was viele übersehen
Die monatliche Aufwandsentschädigung ist nur ein Teil des Pakets. Viele Kliniken bieten zusätzlich:
Kostenlose Verpflegung: Manche Häuser gewähren freie Mahlzeiten oder Essensmarken. Das entspricht hochgerechnet 150–250 Euro Mehrwert pro Monat – steuerlich nicht immer irrelevant.
Günstige Unterkunft: Einige Kliniken bieten Wohnheimplätze für PJler. Besonders relevant in teuren Städten wie München oder Hamburg, wo Zimmer sonst 700–1.000 Euro kosten.
ÖPNV-Tickets: Manche Kliniken übernehmen den ÖPNV-Beitrag oder geben ein Jobticket. Wenig sichtbar, aber wirksam.
Studierendenrabatte bleiben: Während des PJ bleibt der Studierendenstatus erhalten. Semesterticket, GEZ-Befreiung, BaföG-Fragen – all das bleibt wie bisher.
Wer das PJ wirklich gut plant, rechnet das Gesamtpaket durch – nicht nur die monatliche Zahl. Eine Klinik mit 500 Euro Aufwandsentschädigung plus freier Unterkunft und Mahlzeiten kann effektiv besser sein als eine mit 900 Euro und hohen Wohnkosten am Standort.
Internationaler Blick: Was zahlen andere Länder für das PJ-Äquivalent?
Das Praktische Jahr in seiner deutschen Form ist international nicht 1:1 übertragbar – aber ähnliche Ausbildungsabschnitte existieren überall. Und die Vergütung unterscheidet sich erheblich.
Österreich: Das österreichische Äquivalent zum deutschen PJ ist das Klinisch-praktische Jahr (KPJ), das nach dem Abschluss des Studiums und vor der Berufszulassung absolviert wird. KPJ-Absolventinnen erhalten laut Regelung der österreichischen Gesundheitsbehörden eine verpflichtende Entlohnung von rund 1.400–1.600 Euro brutto pro Monat – deutlich mehr als das deutsche PJ in den meisten Bundesländern. Wer das Tertial im Ausland in Österreich absolviert, profitiert davon direkt.
Schweiz: Das klinische Praktikum in der Schweiz (als Unterassistenzarzt) ist gut vergütet. Unterassistenten verdienen je nach Kanton 1.500–2.500 Schweizer Franken pro Monat. Der Einstieg für deutsche Medizinstudierende im Wahlfachtertial ist möglich und beliebt. Die Erfahrung – und die Vergütung – sind deutlich attraktiver als in vielen deutschen Häusern.
Großbritannien: Das Foundation Programme beginnt nach dem Abschluss des Medizinstudiums. Es ist ein vollwertiges Anstellungsverhältnis mit Gehalt – F1-Ärzte verdienen rund 32.000–40.000 GBP/Jahr. Das ist kein PJ-Äquivalent im deutschen Sinn, zeigt aber, wie anders andere Systeme verguten.
USA: Das Clinical Rotation-System in den USA ist eng in das Studium integriert. Med Students erhalten während des klinischen Studiums kein Gehalt, müssen aber hohe Studienkosten tragen. Das Residency-Programm danach ist dagegen ein Anstellungsverhältnis mit Vergütung ab rund 55.000 USD/Jahr.
Niederlande: Coschappen (das niederländische Pendants) werden nicht vergütet – ähnlich wie das deutsche PJ im schlechtesten Fall. Die Diskussion über Vergütung läuft dort parallel zu Deutschland.
Welche Kliniken zahlen am meisten – und wie findest du sie?
Eine vollständige Rangliste gibt es nicht – die Vergütungen ändern sich jährlich und werden nicht zentral erfasst. Aber es gibt Strategien, um gut bezahlte PJ-Plätze zu finden.
PJ-Börsen wie Medi-Learn, amboss.com/pj und die Lehrkoordinatoren der eigenen Hochschule sind gute Ausgangspunkte. Studentische Fachschaften pflegen oft aktuelle Listen mit Erfahrungsberichten, in denen auch Vergütungen erwähnt werden. Facebook-Gruppen nach Studienstandort sind trotz ihres niedrigschwelligen Images erstaunlich informativ.
Wer das Wahlfachtertial im Ausland plant – etwa in der Schweiz oder in Österreich – und danach überlegt, den Ärzteberuf international fortzusetzen: Dort setzt das PJ wichtige Weichen. Wer frühzeitig plant, kann diesen Abschnitt nutzen, um Netzwerk, Sprache und erste klinische Kontakte in einem zukünftigen Arbeitsland aufzubauen. Wir beraten dazu kostenlos und individuell.
Meine Meinung als Zahnarzt und Gründer
Das PJ war für mich selbst eine prägende Phase – nicht wegen der Vergütung, sondern wegen der Erfahrung. Ich habe von 2015 bis 2021 in Sofia Zahnmedizin studiert und meine klinischen Abschnitte in verschiedenen Umgebungen gemacht. Was ich dabei gelernt habe: Der Standort des PJ prägt stärker als viele denken.
Was ich in der Beratungspraxis immer wieder beobachte: Viele Studierende wählen die PJ-Klinik primär nach Wohnort oder Freundeskreis. Das ist menschlich verständlich. Aber wer klug plant, nutzt das Wahlfachtertial gezielt – entweder um eine spätere Fachrichtung zu testen oder um erste Kontakte in einem Haus oder Land zu knüpfen, das später als Arbeitgeber in Frage kommt.
Bei der Vergütung ist die Lage wirklich unbefriedigend. Es ist schwer zu vermitteln, warum jährlich Tausende Medizinstudierende echte klinische Arbeit leisten und dafür in manchen Bundesländern weniger als 500 Euro im Monat bekommen. Eine bundesweite Mindestgrenze von 1.000 Euro, wie der Marburger Bund sie fordert, wäre ein überfälliger Schritt.
Bis dahin: Informiert euch vor der PJ-Bewerbung genau. Der Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten PJ-Platz ist real – finanziell und inhaltlich.
Zusammenfassung
- Das PJ ist kein Anstellungsverhältnis – die Aufwandsentschädigung ist freiwillig und variiert stark: von rund 400 Euro pro Monat in manchen bayerischen Häusern bis über 1.200 Euro in gut zahlenden privaten Kliniken.
- Neben der monatlichen Zahlung zählen auch Sachleistungen: Freie Verpflegung, günstige Unterkunft und ÖPNV-Tickets können das Gesamtpaket deutlich aufwerten – immer gesamtheitlich kalkulieren.
- Der Marburger Bund fordert laut seiner Stellungnahme von 2024 eine bundesweite Mindest-PJ-Vergütung von 1.000 Euro monatlich – einzeläne Kliniken zahlen das bereits freiwillig, eine gesetzliche Regelung steht aus.
- In Österreich liegt die verpflichtende KPJ-Entlohnung bei 1.400–1.600 Euro brutto – deutlich über dem deutschen Durchschnitt; Schweizer Unterassistenten verdienen 1.500–2.500 CHF pro Monat.
- Das Wahlfachtertial im Ausland bietet Mehrwert auf zwei Ebenen: bessere Vergütung und erster Aufbau von Netzwerk und Erfahrung in einem möglichen künftigen Arbeitsland.
- Wer das PJ klug plant – Klinik, Standort, Tertialreihenfolge und optionalen Auslandsanteil – spart Geld, gewinnt Erfahrung und legt gleichzeitig Grundlagen für die Karriere nach dem Staatsexamen.
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Häufige Fragen zum PJ Gehalt und zur Aufwandsentschädigung
Bekommt man im PJ Gehalt oder eine Aufwandsentschädigung?
Eine Aufwandsentschädigung – kein Gehalt. PJler stehen in keinem Anstellungsverhältnis. Die Klinik ist gesetzlich nicht zur Zahlung verpflichtet; die meisten zahlen freiwillig zwischen 400 und 1.200 Euro pro Monat, je nach Haus und Bundesland.
Wie viel bekommt man im PJ 2026 durchschnittlich?
Der Bundesdurchschnitt liegt schätzungsweise bei 550–750 Euro pro Monat. Gut zahlende Kliniken – vor allem private Krankenhausketten – zahlen 900–1.200 Euro. An manchen Unikliniken in Bayern sind es nur rund 400–500 Euro.
Ist die PJ-Aufwandsentschädigung steuerpflichtig?
Grundsätzlich ja, wenn sie den jährlichen Grundfreibetrag überschreitet. Bei 500–800 Euro pro Monat landet man oft unter dem Freibetrag, muss aber eine Steuererklärung machen. Sachleistungen wie Mahlzeiten können als geldwerter Vorteil gelten. Im Zweifel Steuerberatung konsultieren.
Welche Kliniken zahlen im PJ am meisten?
Private Klinikketten zahlen häufig mehr als Unikliniken – oft 900–1.200 Euro pro Monat. Große Zentren wie das UKE Hamburg oder die Charité Berlin liegen im oberen Mittelfeld. Am schlechtesten zahlen strukturschwächere Akademische Lehrkrankenhäuser.
Kann man das PJ-Tertial im Ausland absolvieren?
Ja, das Wahlfachtertial ist überwiegend flexibel. Viele Studierende absolvieren es in der Schweiz, Österreich oder anderen EU-Ländern. Voraussetzung ist die Genehmigung durch die eigene Uni. Wichtig: Verpflegungsnachweis und Lehrvereinbarung mit der Auslandsklinik.
Was zahlt die Schweiz für das PJ-Äquivalent?
Deutsche Studierende können als Unterassistenten an Schweizer Spitälern einsteigen. Die Vergütung liegt je nach Kanton bei 1.500–2.500 CHF pro Monat – deutlich mehr als in Deutschland. Neben dem Geld bringt es internationale Erfahrung und erste Kontakte für eine spätere Karriere in der Schweiz.
Gibt es eine Mindest-PJ-Vergütung in Deutschland?
Noch nicht gesetzlich. Der Marburger Bund fordert 1.000 Euro monatlich als Mindeststandard – einzelne Bundesländer und Kliniken orientieren sich daran freiwillig. Eine bundeseinheitliche Regelung fehlt Stand 2026.
Bekommt man im PJ auch Urlaub?
Ja. PJler haben gesetzlich Anspruch auf Urlaub. Wie viel, hängt von der jeweiligen Klinik und dem Tertialvertrag ab – in der Regel sind es 30 Arbeitstage pro Jahr, anteilig für die Tertialsdauer. Dieser Punkt sollte bei der Klinikwahl explizit geklärt werden.
Was ist der Unterschied zwischen dem deutschen PJ und dem österreichischen KPJ?
Das KPJ (Österreich) beginnt nach dem Studienabschluss, das PJ (Deutschland) ist noch Teil des Studiums. Das KPJ ist verpflichtend vergütet (ca. 1.400–1.600 Euro brutto), das PJ nicht. Inhaltlich sind beide ähnlich aufgebaut – klinische Rotation durch mehrere Fächer.
Lohnt es sich, das PJ für die Klinikwahl zu optimieren?
Definitiv. Die PJ-Klinik kann später zum ersten Arbeitgeber werden – viele PJler werden nach dem Examen übernommen. Wer das PJ strategisch wählt, schafft Kontakte und Chancen. Wer nur nach Heimatort geht, verschenkt eine möglicherweise wichtige Weiche.
Was Studierende über die Medizinerschmiede sagen
Über 500 vermittelte Studienplätze an mehr als 25 Partneruniversitäten in über 10 Ländern. Die Erfahrungen unserer Studierenden kannst du unabhängig auf Trustpilot nachlesen.
Über den Autor

Marcel Kloos
Eidgenössisch anerkannter Zahnarzt und Gründer der Medizinerschmiede
Marcel Kloos gründete die Medizinerschmiede bereits im Auslandsstudium, seither wurden über 500 Studienplätze vermittelt. Der gebürtige Stuttgarter studierte Zahnmedizin von 2015 bis 2021 in Sofia und ist eidgenössisch anerkannter Zahnarzt.
Heute lebt er in Bern und führt die Medizinerschmiede hauptberuflich als Inhaber.
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