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Ratgeber

Medizin und Zahnmedizin im Baltikum studieren - Riga, Kaunas, Vilnius, Tartu

Medizin und Zahnmedizin im Baltikum studieren - Riga, Kaunas, Vilnius, Tartu

14.08.2026

16 Min. Lesezeit

Das Baltikum ist innerhalb weniger Jahre zu einer der größten englischsprachigen Ausbildungsregionen für Medizin und Zahnmedizin in der Europäischen Union geworden. Die Riga Stradins University weist für das Studienjahr 2026/2027 allein in der Humanmedizin 620 Studienplätze für internationale Studierende aus, dazu 64 in der Zahnmedizin und bis zu 30 in den übrigen englischsprachigen Programmen. An der Lithuanian University of Health Sciences in Kaunas sind nach Universitätsangaben 28 Prozent aller Studierenden international, 20 Studiengänge laufen auf Englisch.

Gleichzeitig bewegen sich die Finanzierungsmodelle. Die Universität Tartu hat angekündigt, neu zugelassenen Studierenden von außerhalb der EU und des EWR ab dem Studienjahr 2026/2027 keine Studiengebührenbefreiung mehr zu gewähren und stattdessen in einzelnen Programmen Gebührenreduktionen einzuführen. Für Studierende aus Deutschland, Österreich und den übrigen EU-Staaten bleibt der Rahmen dagegen stabil: sechs Jahre Humanmedizin, fünf Jahre Zahnmedizin, Unterricht auf Englisch, ein Abschluss innerhalb des europäischen Anerkennungssystems.

Dieser Beitrag porträtiert die vier wichtigsten Standorte der Region – Riga, Kaunas, Vilnius und Tartu – mit den Zahlen, die die Universitäten selbst veröffentlichen: Studiendauer, Sprache, Gebühren, klinische Ausbildung, Anteil internationaler Studierender. Danach folgt ein Vergleich mit Polen, Ungarn und Bulgarien sowie ein Blick auf die Absolventenquoten von Eurostat.

Vier Städte, ein gemeinsamer Rechtsrahmen

Lettland, Litauen und Estland sind seit 2004 Mitglieder der Europäischen Union. Für angehende Ärztinnen, Ärzte und Zahnärzte bedeutet das vor allem eines: Die Mindestanforderungen an die Ausbildung sind europaweit dieselben. Die Richtlinie 2005/36/EG über die Anerkennung von Berufsqualifikationen schreibt in Artikel 24 für die ärztliche Grundausbildung „a total of at least five years of study“ und „at least 5 500 hours of theoretical and practical training provided by, or under the supervision of, a university“ vor. Für die zahnärztliche Grundausbildung verlangt Artikel 34 „at least five years of study“ und „at least 5 000 hours of full-time theoretical and practical training“. In Anhang V der Richtlinie sind die Ausbildungsnachweise der Mitgliedstaaten aufgeführt, die von diesem System erfasst werden.

Alle vier hier porträtierten Universitäten liegen mit sechs Jahren Humanmedizin und fünf Jahren Zahnmedizin oberhalb dieser Mindestwerte. Riga, Kaunas und Tartu weisen für die Humanmedizin jeweils 360 ECTS aus, für die Zahnmedizin 300 ECTS. Das ist exakt der Umfang, den auch deutsche Fakultäten für ein vollständiges Medizinstudium ansetzen.

Riga: die größte Adresse der Region

Riga Stradins University

Die Riga Stradins University (RSU) ist der größte medizinische Ausbildungsstandort des Baltikums. Die Universität zählt nach eigenen Angaben 12.474 Studierende, davon 3.146 internationale aus 87 Herkunftsländern, sowie 63 Studienprogramme, von denen acht auf Englisch laufen. Rund 700 Personen befinden sich zusätzlich in der Facharztweiterbildung.

Das Programm Medicine dauert sechs Jahre, umfasst 360 ECTS und schließt mit dem Titel Medical Doctor (MD) ab. Die Akkreditierung läuft laut Programmseite bis zum 28.05.2030. Zahnmedizin (Dentistry) dauert fünf Jahre mit 300 ECTS und führt zum Doctor of Dental Surgery (DDS). Für deutschsprachige Studierende besonders relevant: Die RSU gibt an, dass über 550 deutsche Studierende eingeschrieben sind, und bietet die Möglichkeit, einen Teil der klinischen Ausbildung in den Jahren vier bis sechs an der klinischen Außenstelle der Universität in Stade in Deutschland zu absolvieren, mindestens für ein Semester.

Die Studiengebühren für das Studienjahr 2026/2027 betragen nach der offiziellen Gebührentabelle 13.500 Euro pro Jahr in der Humanmedizin und 15.500 Euro pro Jahr in der Zahnmedizin, jeweils semesterweise zu zahlen, also 6.750 beziehungsweise 7.750 Euro je Semester. Hinzu kommt eine einmalige Registrierungsgebühr von 1.800 Euro.

Universität Lettlands

Die Universität Lettlands (Latvijas Universitate) führt an ihrer Fakultät für Medizin und Lebenswissenschaften sowohl Medicine als auch Dentistry jeweils in einer lettisch- und einer englischsprachigen Variante. Riga bietet damit als einzige Stadt der Region zwei staatliche Universitäten mit englischsprachiger Medizin- und Zahnmedizinausbildung parallel.

Kaunas: die spezialisierte Gesundheitsuniversität

Die Lithuanian University of Health Sciences (LSMU) ist die einzige reine Gesundheitsuniversität des Baltikums und vereint Human-, Zahn-, Veterinärmedizin und Pharmazie unter einem Dach. Die Universität gibt 20 englischsprachige Programme und einen Anteil internationaler Studierender von 28 Prozent an.

Humanmedizin dauert sechs Jahre mit 360 ECTS und führt zum MSc in Health Sciences mit der Berufsqualifikation Medical Doctor. Die Gebühren betragen nach Universitätsangaben 12.800 Euro pro Jahr in den Studienjahren eins bis drei und 13.300 Euro pro Jahr in den Jahren vier bis sechs. Odontologie umfasst fünf Jahre und 300 ECTS und kostet 13.600 Euro pro Jahr in den Jahren eins bis drei sowie 14.100 Euro pro Jahr in den Jahren vier und fünf. Der Abschluss lautet MSc in Health Sciences mit der Qualifikation Doctor Odontologist.

Die klinische Ausbildung findet an der nach Universitätsangaben größten Klinik des Baltikums sowie in 32 akkreditierten Mehrprofilkrankenhäusern in ganz Litauen statt; die klinischen Kurse laufen in Gruppen von bis zu zehn Studierenden. Das Medizinprogramm trägt eine internationale WFME-Akkreditierung.

Vilnius: die älteste Universität des Baltikums

Die Universität Vilnius, 1579 gegründet, bietet Medizin und Zahnmedizin ebenfalls auf Englisch an. Das Programm Medicine dauert sechs Jahre und führt zum Doctor of Medicine (MD); die Gebühr für nicht staatlich finanzierte Plätze beträgt 14.100 Euro pro Jahr. Zahnmedizin ist mit 15.000 Euro pro Jahr ausgewiesen.

Vilnius setzt beim Thema Landessprache am konsequentesten an: Nach Angaben der Universität belegen alle Studierenden in Medizin und Zahnmedizin sechs aufeinanderfolgende Semester Litauisch und müssen am Ende mindestens Niveau B2 nachweisen; für die klinischen Kurse und das Abschlussjahr ist die Sprachkompetenz Voraussetzung. Wer das nur als Zusatzaufwand liest, unterschätzt den Effekt: Wer mit Patientinnen und Patienten in deren Sprache spricht, sammelt deutlich mehr eigenständige Untersuchungssituationen als jemand, der auf Übersetzung angewiesen ist.

Tartu: klein, forschungsnah, selektiv

Die Universität Tartu bezeichnet sich als führende Universität des Baltikums und zählt rund 15.200 Studierende und 3.700 Beschäftigte. Das englischsprachige Medizinprogramm dauert sechs Jahre, umfasst 360 ECTS und führt zum Degree in Medicine (MD). Die Gebühr beträgt 13.200 Euro pro Jahr. Auffällig ist die Größe des Jahrgangs: Die Programmseite weist 24 Studienplätze aus – Tartu ist damit der kleinste und selektivste der vier Standorte.

Auch hier gehört die Landessprache zum Curriculum. Die Universität formuliert es so: „To be able to communicate with local patients, knowledge of the Estonian language is required as well. Several Estonian courses are a compulsory part of the curriculum.“ Die klinische Ausbildung findet am Universitätsklinikum Tartu statt, dem größten Anbieter medizinischer Versorgung in Estland.

Gebühren und Lebenshaltungskosten im Überblick

Die folgende Tabelle fasst die von den Universitäten selbst veröffentlichten Angaben zusammen. Alle Gebühren beziehen sich auf englischsprachige Programme.

StandortHumanmedizinZahnmedizinGebühr HumanmedizinGebühr Zahnmedizin
Riga, RSU6 Jahre, 360 ECTS, MD5 Jahre, 300 ECTS, DDS13.500 Euro/Jahr (2026/27)15.500 Euro/Jahr (2026/27)
Riga, Universität Lettlandsenglischsprachige Varianteenglischsprachige Variantenach Angaben der Universitätnach Angaben der Universität
Kaunas, LSMU6 Jahre, 360 ECTS, MD5 Jahre, 300 ECTS12.800 Euro (J. 1–3), 13.300 Euro (J. 4–6)13.600 Euro (J. 1–3), 14.100 Euro (J. 4–5)
Vilnius, VU6 Jahre, MDintegriertes Programm14.100 Euro/Jahr15.000 Euro/Jahr
Tartu, UT6 Jahre, 360 ECTS, MD, 24 Plätze13.200 Euro/Jahr

Bei den Lebenshaltungskosten liegt das Baltikum spürbar unter westeuropäischem Niveau. Die offiziellen nationalen Studienportale und die Universitäten selbst nennen folgende Größenordnungen:

  • Riga und Lettland allgemein: Study in Latvia beziffert die durchschnittlichen monatlichen Lebenshaltungskosten auf 450 bis 700 Euro, je nach Wohnform und Lebensstil.
  • Kaunas: Die LSMU veröffentlicht die Preise ihrer Wohnheime; je nach Haus liegen sie zwischen 81 und 117 Euro, zwischen 101 und 144 Euro sowie zwischen 150 und 250 Euro pro Person und Monat.
  • Tartu und Estland allgemein: Study in Estonia nennt monatliche Gesamtkosten von etwa 300 bis 500 Euro, Wohnheimplätze zwischen 150 und 350 Euro und Privatwohnungen zwischen 350 und 750 Euro. Das Monatsticket im Tartuer Nahverkehr kostet mit Studierendenkarte 7,67 Euro.
  • Vilnius: Die Hauptstadt ist der teuerste Wohnungsmarkt Litauens. Eine offizielle, gebündelte Monatsangabe der Universität liegt nicht vor, weshalb hier bewusst keine Zahl behauptet wird.

Klinische Ausbildung: ab wann am Patienten

Der praktische Teil ist das eigentliche Unterscheidungsmerkmal zwischen den Standorten. Die RSU gibt an, dass Studierende ab dem dritten Jahr mit Patientinnen und Patienten arbeiten, die Jahre vier und fünf überwiegend klinisch verlaufen und das sechste Jahr aus drei Rotationszyklen besteht – Innere Medizin, invasive Medizin und ein frei wählbares Fach. Ergänzt wird das durch das Medical Education Technology Centre, nach Angaben der Universität das einzige Simulationszentrum Lettlands und das größte im Baltikum.

In Kaunas verteilt sich die klinische Ausbildung auf 32 akkreditierte Krankenhäuser, die Gruppengröße in klinischen Kursen ist auf zehn Studierende begrenzt. Tartu bündelt die Ausbildung am größten Klinikum des Landes. Vilnius knüpft die klinischen Kurse an den Nachweis der litauischen Sprache. Wer frühen und dichten Patientenkontakt sucht, findet ihn im Baltikum in einer Form, die bei sehr großen Jahrgängen andernorts schwerer zu organisieren ist.

Anerkennung in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Lettland, Litauen und Estland sind EU-Mitgliedstaaten. Damit gilt für ärztliche und zahnärztliche Abschlüsse aus diesen Ländern das System der automatischen Anerkennung. Das EU-Portal Your Europe formuliert es so: „as a doctor, nurse for general care, midwife, dental practitioner, pharmacist, architect and veterinary surgeon, you enjoy automatic recognition of your professional qualification“. Grundlage ist die Richtlinie 2005/36/EG mit den bereits genannten Mindestanforderungen aus Artikel 24 und Artikel 34 und der Auflistung der Ausbildungsnachweise in Anhang V.

Für Deutschland bedeutet das: Die Approbation erteilt die zuständige Landesbehörde, das in einem EU-Staat erworbene Diplom wird dabei als gleichwertiger Ausbildungsnachweis behandelt und nicht inhaltlich neu bewertet. Österreich ist ebenfalls EU-Mitglied, dort greift dieselbe Systematik über die zuständige Standesvertretung. Die Schweiz ist kein EU-Mitglied; die Anerkennung eines EU-Arzt- oder Zahnarztdiploms läuft dort über ein eigenes nationales Verfahren des Bundes. Ich habe diesen Weg selbst genommen: Diplom in der EU erworben, heute als Zahnarzt in Bern tätig.

Welche Behörde in Ihrem konkreten Fall zuständig ist und was das praktisch bedeutet, klären wir individuell – am einfachsten kostenlos beraten lassen.

Rückwechsel nach Deutschland während des Studiums

Die Option, nach einigen Semestern im Baltikum an eine deutsche Fakultät zu wechseln, bleibt bestehen. Sie hängt an zwei Dingen: an der Vergleichbarkeit der erbrachten Studienleistungen und an freien Kapazitäten im entsprechenden Fachsemester. Weil alle vier Standorte nach ECTS strukturiert sind und die Curricula an den Mindestvorgaben der Richtlinie 2005/36/EG ausgerichtet sind, ist die inhaltliche Vergleichbarkeit in der Regel gut dokumentierbar. Über die Anrechnung entscheiden das jeweilige Landesprüfungsamt und die aufnehmende Hochschule, nicht die ausländische Universität.

Wichtig für die Planung: Der Rückwechsel ist eine Möglichkeit, kein Automatismus, und er ist auch kein Argument gegen das Studium im Baltikum. Viele Studierende, mit denen wir sprechen, beginnen mit dem Rückwechsel im Hinterkopf und bleiben, weil die Ausbildung trägt. Wer die Anrechnungsfrage für den eigenen Fall durchrechnen möchte, bespricht das am besten persönlich; die Details dazu prüfen wir im kostenlosen Beratungsgespräch.

Internationaler Vergleich: Baltikum, Polen, Ungarn und Bulgarien

Das Baltikum steht nicht in Konkurrenz zu Deutschland, sondern zu den anderen etablierten englischsprachigen Ausbildungsregionen der EU. Der Vergleich fällt differenziert aus.

In Polen nennt das offizielle Regierungsportal study.gov.pl für Studiengänge der ersten, zweiten und langen Zyklen durchschnittlich rund 2.000 Euro pro Jahr und eine Gesamtspanne von 2.000 bis 6.000 Euro. Die Gebühren der englischsprachigen Medizinprogramme werden dagegen je Universität gesondert per Rektoratsverordnung festgesetzt und liegen deutlich darüber; die Medizinische Universität Warschau führt in ihrer English Division ein sechsjähriges Medizin- und ein fünfjähriges Zahnmedizinprogramm. Die Medizinische Universität Posen gibt rund 8.000 Studierende und über 1.000 internationale Studierende an.

In Ungarn weist die Semmelweis-Universität für General Medicine 10.450 US-Dollar pro Semester aus, bei sechs Jahren, zwölf Semestern und 360 Kreditpunkten mit dem Abschluss Doctor of General Medicine. Das ist der höchste Gebührenwert in diesem Vergleich.

In Bulgarien nennt die Medizinische Universität Sofia für Medizin auf Englisch 9.950 Euro pro Jahr und für Zahnmedizin auf Englisch 10.000 Euro pro Jahr – die günstigste der hier verglichenen Optionen.

Ein zweiter, oft übersehener Indikator ist die Ausbildungsleistung eines Landes gemessen an seiner Bevölkerung. Eurostat weist für 2023 im Datensatz hlth_rs_grd2 EU-weit 15 Medizinabsolventen je 100.000 Einwohner aus. An der Spitze stehen Malta mit 32, Bulgarien mit 31, Rumänien mit 28 und Lettland mit 27; die meisten übrigen EU-Staaten liegen zwischen 10,5 und 25,0. Lettland und Bulgarien bilden also, gemessen an ihrer Einwohnerzahl, deutlich mehr Ärztinnen und Ärzte aus als der EU-Durchschnitt – ein Beleg dafür, wie tragfähig die dortigen Ausbildungsstrukturen sind.

Land und StandortGebühren Humanmedizin (englischsprachig)UnterrichtsspracheGröße der internationalen ProgrammeMedizinabsolventen je 100.000 Einwohner (2023)
Lettland, Riga (RSU)13.500 Euro/JahrEnglisch, Lettisch im Curriculum3.146 internationale Studierende aus 87 Ländern27
Litauen, Kaunas (LSMU)12.800–13.300 Euro/JahrEnglisch, Litauisch im Curriculum28 Prozent internationale Studierende, 20 Programme auf Englischkeine Einzelangabe in der Eurostat-Textfassung
Litauen, Vilnius (VU)14.100 Euro/JahrEnglisch, Litauisch bis B2 verpflichtendMedizin und Zahnmedizin auf Englischkeine Einzelangabe in der Eurostat-Textfassung
Estland, Tartu (UT)13.200 Euro/JahrEnglisch, Estnisch im Curriculum24 Studienplätze im Jahrgangkeine Einzelangabe in der Eurostat-Textfassung
Polenje Universität per Rektoratsverordnung; allgemeiner Rahmen laut study.gov.pl 2.000–6.000 Euro/JahrEnglisch, Polnisch im Curriculumgroße English Divisions, z. B. Warschau (6 J. Medizin, 5 J. Zahnmedizin), Posen über 1.000 internationale Studierendekeine Einzelangabe in der Eurostat-Textfassung
Ungarn, Budapest (Semmelweis)10.450 US-Dollar/SemesterEnglisch, Ungarisch im Curriculumetablierte englischsprachige Fakultät, 360 Kreditpunktekeine Einzelangabe in der Eurostat-Textfassung
Bulgarien, Sofia9.950 Euro/JahrEnglisch, Bulgarisch im Curriculumlangjährige englischsprachige Programme31

Zur Einordnung noch eine Zahl aus derselben Eurostat-Auswertung: 2023 kamen in Österreich 551 und in Deutschland 466 praktizierende Ärztinnen und Ärzte auf 100.000 Einwohner, in Lettland 336. Die baltischen Staaten bilden also kräftig aus und haben zugleich Bedarf – eine Konstellation, die englischsprachige Programme fachlich wie wirtschaftlich tragfähig macht.

Dieser Beitrag gibt den Recherchestand vom 14. August 2026 wieder und stellt keine Rechtsberatung dar. Verbindliche Auskünfte zu Anerkennung und Approbation erteilen ausschließlich die zuständigen Behörden.

Meinung des Autors

Ich habe selbst im Ausland studiert, in Sofia, und arbeite heute als Zahnarzt in Bern. Wenn ich mir die vier baltischen Standorte anschaue, sehe ich vor allem eines: Die Region hat in einem Jahrzehnt eine Ausbildungsinfrastruktur aufgebaut, die den Vergleich nicht scheuen muss. 3.146 internationale Studierende aus 87 Ländern allein an der RSU, 28 Prozent internationale Studierende in Kaunas, ein Simulationszentrum, das die eigene Universität als größtes im Baltikum ausweist – das sind keine Zahlen einer Nischenlösung, das ist eine gewachsene Struktur.

Zwei Details finde ich besonders bemerkenswert. Erstens die klinische Außenstelle der RSU in Stade: Wer möchte, kann Teile der klinischen Jahre in Deutschland absolvieren. Das ist ein Angebot, das es in dieser Form kaum irgendwo sonst gibt, und es nimmt der Frage „Wie komme ich später wieder zurück?“ einen Teil ihrer Schwere. Zweitens die konsequente Sprachpolitik in Vilnius und Tartu. Sechs Semester Litauisch bis B2, verpflichtende Estnischkurse – das klingt auf dem Papier nach Zusatzaufwand. In der Praxis ist es der Grund, warum diese Studierenden im vierten Jahr eigenständig Anamnesen führen. Sprache ist im klinischen Alltag kein Nebenfach, sie ist das Werkzeug.

Was mir an der Region gefällt, ist die Ehrlichkeit der Zahlen. Die Universitäten veröffentlichen ihre Gebühren, ihre Platzzahlen, ihre Akkreditierungsdaten. 13.500 Euro pro Jahr in Riga, 13.200 in Tartu, 12.800 bis 13.300 in Kaunas – man weiß, woran man ist, und kann rechnen. Zusammen mit Lebenshaltungskosten von 300 bis 700 Euro im Monat ergibt sich ein Budget, das planbar ist. Planbarkeit ist beim Auslandsstudium mehr wert als jedes Versprechen.

Und noch etwas, das ich aus den vielen Gesprächen mitgenommen habe, die wir seit Jahren mit Studierenden im Ausland führen und in unseren Videos zeigen: Der Standort entscheidet weniger als die Passung. Tartu mit 24 Plätzen im Jahrgang ist eine andere Erfahrung als Riga mit 620 internationalen Plätzen in der Humanmedizin. Beides funktioniert, aber nicht für denselben Menschen. Wer eine kleine, forschungsnahe Kohorte sucht, ist in Estland gut aufgehoben. Wer eine große internationale Community, deutschsprachige Mitstudierende und die Option auf klinische Semester in Deutschland möchte, findet das in Riga. Diese Entscheidung sollte man nicht nach Ranglisten treffen, sondern nach dem eigenen Lerntyp. Genau darüber sprechen wir am liebsten in der Beratung.

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Fazit: vier Standorte, ein verlässlicher europäischer Rahmen

Riga, Kaunas, Vilnius und Tartu bieten Humanmedizin in sechs Jahren und, mit Ausnahme von Tartu, Zahnmedizin in fünf Jahren an – auf Englisch, nach ECTS strukturiert und oberhalb der Mindestanforderungen der Richtlinie 2005/36/EG. Die Gebühren bewegen sich zwischen 12.800 und 15.500 Euro pro Jahr, die Lebenshaltungskosten nach den offiziellen Portalen zwischen etwa 300 und 700 Euro pro Monat. Im europäischen Vergleich liegt das Baltikum damit unter Ungarn und über Bulgarien.

Die Unterschiede zwischen den vier Städten sind real: Riga ist der größte Standort mit über 550 deutschen Studierenden und der Option auf klinische Semester in Stade, Kaunas die spezialisierte Gesundheitsuniversität mit WFME-Akkreditierung und 32 Ausbildungskliniken, Vilnius die älteste Universität der Region mit der striktesten Sprachanforderung, Tartu die kleinste und selektivste Adresse mit 24 Plätzen im Jahrgang. Wer sich für einen dieser Wege interessiert, sollte die Auswahl an der eigenen Lernbiografie ausrichten – nicht am Preisschild allein.

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Häufige Fragen

Wie lange dauert das Medizinstudium im Baltikum?

Sechs Jahre. Riga (RSU), Kaunas (LSMU) und Tartu weisen jeweils 360 ECTS aus. Die Zahnmedizin dauert in Riga und Kaunas fünf Jahre mit 300 ECTS.

Sind die Programme vollständig auf Englisch?

Ja. Die Programmseiten von RSU, LSMU, Vilnius und Tartu geben Englisch als Unterrichtssprache an. Zusätzlich gehören Kurse in der jeweiligen Landessprache zum Curriculum, weil sie für den Patientenkontakt gebraucht werden.

Wie viel Landessprache muss ich lernen?

In Vilnius sind es sechs aufeinanderfolgende Semester Litauisch mit dem Ziel Niveau B2. In Tartu sind mehrere Estnischkurse verpflichtender Teil des Curriculums. In Kaunas ist Litauisch in den ersten Studienjahren im Lehrplan verankert.

Was kostet ein Studienjahr?

Nach den offiziellen Angaben: RSU Riga 13.500 Euro (Humanmedizin) und 15.500 Euro (Zahnmedizin) für 2026/2027, LSMU Kaunas 12.800 bis 13.300 Euro (Humanmedizin) und 13.600 bis 14.100 Euro (Odontologie), Vilnius 14.100 Euro (Medizin) und 15.000 Euro (Zahnmedizin), Tartu 13.200 Euro.

Wie hoch sind die Lebenshaltungskosten?

Study in Latvia nennt 450 bis 700 Euro pro Monat, Study in Estonia 300 bis 500 Euro. Die LSMU-Wohnheime in Kaunas kosten je nach Haus zwischen 81 und 250 Euro pro Person und Monat, das Monatsticket im Tartuer Nahverkehr 7,67 Euro mit Studierendenkarte.

Wird der Abschluss in Deutschland anerkannt?

Lettland, Litauen und Estland sind EU-Mitgliedstaaten; für Arzt- und Zahnarztdiplome gilt das System der automatischen Anerkennung nach der Richtlinie 2005/36/EG. Die Approbation selbst erteilt die zuständige Landesbehörde.

Und in Österreich und der Schweiz?

Österreich ist EU-Mitglied, dort greift dieselbe Systematik. Die Schweiz ist kein EU-Mitglied und führt ein eigenes nationales Anerkennungsverfahren. Was das im Einzelfall bedeutet, klären wir im kostenlosen Beratungsgespräch.

Kann ich später nach Deutschland zurückwechseln?

Ein Wechsel ist grundsätzlich möglich. Über die Anrechnung der erbrachten Leistungen entscheiden das Landesprüfungsamt und die aufnehmende Hochschule; freie Kapazitäten im Zielfachsemester sind Voraussetzung.

Wie international sind die Universitäten?

Die RSU zählt 3.146 internationale Studierende aus 87 Ländern bei 12.474 Studierenden insgesamt und gibt über 550 deutsche Studierende an. Die LSMU weist einen Anteil von 28 Prozent internationaler Studierender aus.

Wann beginnt die Arbeit am Patienten?

An der RSU nach Universitätsangaben ab dem dritten Studienjahr; die Jahre vier und fünf sind überwiegend klinisch, das sechste Jahr besteht aus drei Rotationszyklen. In Kaunas laufen die klinischen Kurse in Gruppen von bis zu zehn Studierenden, verteilt auf 32 akkreditierte Krankenhäuser.

Kann ich klinische Semester in Deutschland absolvieren?

Die RSU bietet an, einen Teil der klinischen Ausbildung in den Jahren vier bis sechs an ihrer klinischen Außenstelle in Stade zu absolvieren, mindestens für ein Semester.

Wie schneidet das Baltikum gegen Polen, Ungarn und Bulgarien ab?

Bei den Gebühren liegt Sofia mit 9.950 Euro pro Jahr am günstigsten, die Semmelweis-Universität mit 10.450 US-Dollar pro Semester am höchsten; das Baltikum liegt dazwischen. Bei der Ausbildungsleistung je Einwohner führen laut Eurostat 2023 Malta (32), Bulgarien (31), Rumänien (28) und Lettland (27) je 100.000 Einwohner, bei einem EU-Durchschnitt von 15.

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Über den Autor

Marcel Kloos

Eidgenössisch anerkannter Zahnarzt und Gründer der Medizinerschmiede

Marcel Kloos gründete die Medizinerschmiede bereits im Auslandsstudium, seither wurden über 500 Studienplätze vermittelt. Der gebürtige Stuttgarter studierte Zahnmedizin von 2015 bis 2021 in Sofia und ist eidgenössisch anerkannter Zahnarzt.

Heute lebt er in Bern und führt die Medizinerschmiede hauptberuflich als Inhaber.

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