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Ratgeber

Medizin und Zahnmedizin studieren in Rumänien – Standorte, Kosten und Anerkennung

Medizin und Zahnmedizin studieren in Rumänien – Standorte, Kosten und Anerkennung

14.08.2026

15 Min. Lesezeit

Rumänien gehört zu den grössten Ausbildungsländern für Medizin in der Europäischen Union. Nach dem Eurostat-Datensatz hlth_rs_grd2 schlossen dort im Jahr 2023 rund 28 Medizinabsolventen je 100.000 Einwohner ihr Studium ab, im EU-Durchschnitt waren es 15. In der Zahnmedizin ist der Abstand noch deutlicher: Die Eurostat-Meldung vom 5. August 2024 weist für das Bezugsjahr 2022 in Rumänien 9,9 Zahnmedizin-Absolventen je 100.000 Einwohner aus, bei einem EU-Schnitt von 3,2. Das ist der höchste Wert der Union.

Dahinter steht ein Netz staatlicher medizinischer Universitäten, die seit Jahrzehnten auf Rumänisch, Englisch und Französisch unterrichten. Humanmedizin und Zahnmedizin sind in Rumänien einstufige Langzeitstudiengänge mit sechs Jahren Regelstudienzeit und 360 ECTS-Punkten. Beide Berufe fallen unter die automatische Anerkennung nach der Richtlinie 2005/36/EG. Der Abschluss trägt also.

Dieser Beitrag nennt die offiziell ausgewiesenen Gebühren der fünf grossen Standorte, rechnet die Gesamtkosten für sechs Jahre durch und benennt eine Einschränkung, die in den meisten Rumänien-Texten fehlt: die Anerkennung der rumänischen Zwischenprüfung als Physikum.

Zuletzt geprüft: August 2026

Was kostet ein Medizinstudium in Rumänien pro Studienjahr?

Die staatlichen medizinischen Universitäten in Rumänien verlangen für ihre englisch- und französischsprachigen Programme in den Studienjahren 2025/2026 und 2026/2027 zwischen 8.000 und 10.000 Euro pro Studienjahr. Timisoara und Iasi liegen bei 9.000 Euro, Cluj-Napoca und Targu Mures bei 10.000 Euro. Die französischsprachigen Strecken sind an zwei Standorten günstiger. Alle Beträge stammen aus Gebührenordnungen und Zulassungsseiten der Universitäten.

StandortHumanmedizin pro JahrZahnmedizin pro JahrSprachen
Timisoara (Victor Babes)9.000 Euro (EN), 8.000 Euro (FR)9.000 Euro (EN)EN, FR, RO
Cluj-Napoca (Iuliu Hatieganu)10.000 Euro10.000 EuroEN, FR, RO
Iasi (Grigore T. Popa)9.000 Euro9.000 EuroEN
Bukarest (Carol Davila)10.000 Euro (Rechenbeispiel der Finanzabteilung)keine offizielle Einzelangabe abrufbarEN, FR, RO
Targu Mures (George Emil Palade)10.000 Euro (EN), 8.000 Euro (FR)10.000 Euro (EN)EN, FR, RO, HU

Die Timisoaraer Gebührenordnung 2025/2026 hält zusätzlich fest, dass sich die Gebühr während eines Studienjahres nicht ändert und bis zum Ende des Studiengangs stabil bleibt. Das ist ein Punkt, den kaum jemand erwähnt und der bei einer sechsjährigen Verpflichtung mehr wert ist als tausend Euro Preisunterschied. Bukarest weist keinen eigenen Zahnmedizin-Satz öffentlich aus; die 10.000 Euro stammen aus einem Rechenbeispiel der Finanzabteilung für EU-Bürger, die in Lei zum Kurs der rumänischen Nationalbank zahlen.

Einen zweiten Kostenpfad übersehen viele. Die rumänischsprachigen Programme sind erheblich günstiger: In Targu Mures und Timisoara liegt die Jahresgebühr für gebührenpflichtige Plätze in Humanmedizin und Zahnmedizin bei 15.000 Lei, also im niedrigen vierstelligen Eurobereich. Der Preis dafür ist Zeit. Rumänisch auf Studienniveau bedeutet in der Praxis ein Vorbereitungsjahr, und das verschiebt den Berufseinstieg um zwölf Monate.

In den Beratungsgesprächen kommt zu Rumänien fast immer dieselbe Frage zuerst, und zwar nicht die nach dem Preis: Ob man den Alltag übersteht, ohne Rumänisch zu können. Meine Antwort ist immer gleich zweigeteilt. Im Hörsaal reicht Englisch oder Französisch vollständig aus. Am Krankenbett nicht. Spätestens im klinischen Abschnitt spricht der Patient Rumänisch, und die Universitäten unterrichten die Landessprache genau deshalb studienbegleitend mit.

Wie lange dauert das Medizinstudium in Rumänien?

Humanmedizin und Zahnmedizin dauern in Rumänien regulär sechs Jahre und umfassen jeweils 360 ECTS-Punkte; Pharmazie ist auf fünf Jahre und 300 ECTS angelegt. Die Universität Iuliu Hatieganu in Cluj-Napoca weist diese Struktur in ihrem Studienangebot so aus, das Factsheet der Universität Victor Babes in Timisoara nennt dieselben Laufzeiten für ihre internationalen Programme.

Damit liegt Rumänien über dem europäischen Minimum. Artikel 24 Absatz 2 der Richtlinie 2005/36/EG verlangt für die ärztliche Grundausbildung in der konsolidierten Fassung „insgesamt mindestens fünf Jahre“ Studium und mindestens 5.500 Stunden theoretische und praktische Ausbildung. Rumänien setzt sechs Jahre an. Das sechste ist ein klinisch geprägtes Praxisjahr und endet mit einer staatlichen Abschlussprüfung.

Beim Sprachnachweis sind sich die Standorte einig: Das Timisoaraer Factsheet verlangt ein B2-Niveau in der Unterrichtssprache, Cluj-Napoca nennt für Englisch und Französisch dieselbe Schwelle.

In welchen Sprachen kann man in Rumänien Medizin studieren?

Rumänische medizinische Universitäten unterrichten Humanmedizin, Zahnmedizin und Pharmazie neben Rumänisch auch auf Englisch und an mehreren Standorten auf Französisch; in Targu Mures kommt Ungarisch hinzu. Diese Dreisprachigkeit ist in Mittel- und Osteuropa eine Besonderheit, denn in Ungarn, Bulgarien und Kroatien bestehen die Parallelprogramme für Internationale praktisch ausschliesslich auf Englisch.

  • Timisoara: Humanmedizin (Englisch, Französisch), Zahnmedizin (Englisch), Pharmazie (Englisch, Französisch).
  • Cluj-Napoca: Humanmedizin (Englisch, Französisch, Rumänisch), Zahnmedizin (Englisch, Französisch), Pharmazie (Französisch).
  • Iasi: Humanmedizin, Zahnmedizin und Pharmazie auf Englisch.
  • Bukarest: Humanmedizin und Zahnmedizin mit eigenen englisch- und französischsprachigen Strecken.
  • Targu Mures: Humanmedizin (Englisch, Französisch), Zahnmedizin (Englisch), dazu rumänisch- und ungarischsprachige Programme.

Wie tragfähig diese Strecken sind, zeigt die Internationalisierungsauswertung der Universität Timisoara für 2023: 659 Personen studierten dort Humanmedizin auf Englisch, 206 Humanmedizin auf Französisch, 211 Zahnmedizin auf Englisch und 144 Pharmazie auf Französisch. Insgesamt waren 1.501 internationale Studierende eingeschrieben, gegenüber 1.375 im Jahr 2019. Wer dort ankommt, ist kein Sonderfall in einem Pilotprogramm, sondern sitzt in einem eingespielten Jahrgang.

Ein oft übersehener Vorteil betrifft die Landessprache selbst: Rumänisch ist eine romanische Sprache. Wer Französisch, Spanisch oder Italienisch mitbringt, erkennt einen grossen Teil des Wortschatzes wieder und kommt in den studienbegleitenden Sprachkursen entsprechend schnell voran. Das ist ein Startvorteil, den es an slawischsprachigen Standorten so nicht gibt.

Das französischsprachige Angebot halte ich für die am stärksten unterbewertete Option in ganz Osteuropa. Das ist meine Einschätzung, nicht mehr. Viele Bewerber aus der Westschweiz und aus zweisprachigen Familien bringen sehr gutes Französisch mit und wissen schlicht nicht, dass sie damit in Cluj-Napoca, Timisoara oder Targu Mures ein komplettes Medizinstudium absolvieren können. Preislich liegen diese Strecken an zwei Standorten sogar unter den englischsprachigen.

Welche medizinischen Universitäten gibt es in Rumänien?

Rumänien unterhält fünf grosse staatliche medizinische Universitäten mit internationalen Programmen: Victor Babes in Timisoara, Iuliu Hatieganu in Cluj-Napoca, Grigore T. Popa in Iasi, Carol Davila in Bukarest und George Emil Palade in Targu Mures. Alle führen Humanmedizin und Zahnmedizin über sechs Jahre und unterhalten eigene Wohnheime.

Timisoara – Victor Babes

Timisoara liegt im Banat, im Westen des Landes, nahe der Grenze zu Ungarn und Serbien, und ist mit rund 320.000 Einwohnern eine lebendige Universitätsstadt. Die Universität trägt den Namen des Bakteriologen Victor Babes und betreibt Fakultäten für Medizin, Zahnmedizin, Pharmazie und Pflege. Ihre internationalen Studiengänge laufen unter der Zulassung Typ III. Die Anreise ist ein praktischer Vorteil: Der internationale Flughafen bietet Direktverbindungen in den deutschsprachigen Raum, alternativ ist man über Budapest oder Wien in wenigen Stunden zu Hause, und die ungarische Grenze liegt nur wenige Autostunden entfernt. 2023 war Timisoara Kulturhauptstadt Europas, was der Stadt einen sichtbaren Modernisierungsschub gebracht hat.

Cluj-Napoca – Iuliu Hatieganu

Cluj-Napoca ist das akademische Zentrum Siebenbürgens und die grösste Universitätsstadt des Landes, mit einer entsprechend grossen Studierendenszene und einer wachsenden Technologiebranche. Die Universität Iuliu Hatieganu bezeichnet sich als die rumänische Hochschule mit den meisten internationalen Studierenden und als einzige medizinische Fakultät des Landes mit einer Akkreditierung der Association of Medical Schools in Europe. Hinzu kommen Zertifizierungen der frankophonen Fakultätsverbünde CIDMEF und CIDPharmEF. Auch Cluj-Napoca hat einen internationalen Flughafen mit Verbindungen nach Deutschland und Österreich.

Iasi – Grigore T. Popa

Iasi ist die grosse Universitätsstadt der historischen Region Moldau im Nordosten. Für das Studienjahr 2026/2027 weist die Universität Grigore T. Popa im englischsprachigen Angebot 200 Plätze in Humanmedizin, 70 in Zahnmedizin und 50 in Pharmazie aus. Das ist einer der kapazitätsstärksten Standorte des Landes.

Bukarest – Carol Davila

Carol Davila ist die traditionsreichste medizinische Hochschule Rumäniens und gliedert sich in Medizin, Zahnmedizin, Pharmazie sowie Pflege und Hebammenwesen. Für Internationale bestehen getrennte englisch- und französischsprachige Strecken. Bukarest ist zugleich die teuerste Stadt des Landes, was die Rechnung spürbar verändert.

Targu Mures – George Emil Palade

Targu Mures im Herzen Siebenbürgens ist traditionell mehrsprachig und führt neben rumänischen auch ungarischsprachige Studiengänge. Die amtliche Platzverteilung für 2026/2027 nennt 150 Plätze in Humanmedizin auf Englisch, 100 in Humanmedizin auf Französisch und 60 in Zahnmedizin auf Englisch. Daneben stehen staatlich finanzierte Plätze in den rumänischsprachigen Programmen, etwa 172 in Humanmedizin und 45 in Zahnmedizin.

Ich schaue mir Standorte nach Möglichkeit selbst an, weil sich auf einer Gebührentabelle zwei Universitäten gleich anfühlen, die es vor Ort nicht sind. Entscheidend ist banaleres Zeug: wie weit der Hörsaal vom Lehrkrankenhaus entfernt liegt, ob es eine deutschsprachige Community gibt, wie oft und wie teuer ein Flug nach Hause geht. Sechs Jahre sind lang. Diese Dinge entscheiden am Ende mehr über den Studienerfolg als tausend Euro Gebührendifferenz im Jahr.

Welcher der fünf Standorte zu Zeugnis, Sprachniveau und Lebensplanung passt, lässt sich nicht pauschal sagen. Genau dafür gibt es das kostenlose Beratungsgespräch.

Wird die rumänische Zwischenprüfung in Deutschland als Physikum anerkannt?

Nein. Seit 2023 wird die rumänische Zwischenprüfung nach dem vorklinischen Abschnitt von den deutschen Landesprüfungsämtern nicht mehr als Ärztliche Vorprüfung anerkannt. Wer sein Studium in Rumänien beginnt und später an eine deutsche Fakultät wechseln möchte, muss das Physikum in Deutschland nachholen. Wer den Abschluss in Rumänien macht, ist davon nicht betroffen.

Bei den Fachsemestern gilt nach den Erfahrungswerten, die uns aus Anrechnungsverfahren zurückgemeldet werden, eine grobe Faustregel: Nach zwei Semestern in Rumänien wird an deutschen Fakultäten in der Regel ein Fachsemester angerechnet, nach drei bis vier Semestern zwei. Verbindlich ist immer nur die Entscheidung der aufnehmenden Fakultät.

Diesen Hinweis nenne ich bewusst, weil er zu einer vollständigen Einordnung gehört. Die Quellenlage dazu ist dünn: Eine zentrale, veröffentlichte Verlautbarung, auf die man verlinken könnte, existiert nicht, weil die Zuständigkeit bei sechzehn Landesbehörden liegt und jede für sich entscheidet. Belastbar ist die Praxis, wie sie uns seit 2023 aus Anrechnungsverfahren zurückgemeldet wird. Wer den Rückwechsel fest einplant, sollte sich die Anrechnung vorab schriftlich von der aufnehmenden Fakultät bestätigen lassen und sich nicht auf einen Blogartikel verlassen, auch nicht auf diesen.

Für die grosse Mehrheit ändert das nichts. Das rumänische Diplom selbst fällt unter Anhang V der Richtlinie 2005/36/EG und wird in Deutschland automatisch anerkannt. Der Punkt betrifft nicht das Ende des Studiums, sondern nur einen Wechsel in der Mitte.

Was kostet das Leben als Medizinstudent in Rumänien?

Rumänien gehört zu den preisgünstigsten Ländern der Europäischen Union. Nach der Eurostat-Preisniveaustatistik lag Rumänien 2025 bei Nahrungsmitteln und alkoholfreien Getränken bei rund 80 Prozent des EU-Durchschnitts. Miete, Verpflegung und Nahverkehr fallen dadurch spürbar niedriger aus als in deutschen oder schweizerischen Universitätsstädten. Die folgende Rechnung macht daraus eine Gesamtsumme.

Die Tabelle ist unsere eigene Aufstellung, Stand August 2026. Sie unterstellt eine Jahresgebühr von 9.000 Euro und Erfahrungswerte aus der Vermittlungspraxis der Medizinerschmiede für einen mittleren Standort ausserhalb Bukarests. Es sind Schätzwerte, keine amtlichen Zahlen.

Postenpro Monatpro Studienjahrsechs Jahre
Studiengebühr9.000 Euro54.000 Euro
Zimmer oder WG-Anteil250 Euro3.000 Euro18.000 Euro
Essen, Nahverkehr, Mobilfunk350 Euro4.200 Euro25.200 Euro
Bücher, Kittel, Instrumente40 Euro480 Euro2.880 Euro
vier Heimflüge im Jahr600 Euro3.600 Euro
Summe17.280 Euro103.680 Euro

Rund 104.000 Euro für sechs Jahre, davon gut die Hälfte Studiengebühren. Wer sich für Zahnmedizin einschreibt, rechnet zusätzlich mit Instrumentenkosten im vierstelligen Bereich über die klinischen Jahre. Diese Position taucht in Standortvergleichen fast nie auf, obwohl sie real ist. Ich habe sie während meines eigenen Zahnmedizinstudiums in Sofia zwischen 2015 und 2021 selbst bezahlt.

Zur Einordnung nach oben: Die Medizinerschmiede vermittelt Studienplätze mit Semestergebühren ab 1.750 Euro. Rumänien liegt darüber, andere Standorte deutlich darunter, und welcher Rahmen zu welchem Budget passt, lässt sich in einem Gespräch in zwanzig Minuten klären.

Wird ein rumänischer Medizinabschluss in Deutschland und in der Schweiz anerkannt?

Ja. Ärztinnen, Ärzte, Zahnärztinnen und Zahnärzte gehören zu den Berufen, für die die Europäische Union nach Artikel 21 in Verbindung mit Anhang V der Richtlinie 2005/36/EG eine automatische Anerkennung vorsieht. Die zuständigen Behörden müssen den Eingang der Unterlagen innerhalb eines Monats bestätigen und innerhalb von drei Monaten entscheiden.

In Deutschland erteilen die Länder die Approbation. In Nordrhein-Westfalen ist dafür seit dem 1. März 2020 die Bezirksregierung Münster als zentrale Anerkennungsstelle für Gesundheitsberufe zuständig, die übrigen Länder haben eigene Landesprüfungsämter oder Bezirksregierungen benannt. Der Aufnahmestaat darf einen Sprachnachweis verlangen.

In der Schweiz entscheidet die Medizinalberufekommission MEBEKO beim Bundesamt für Gesundheit. Diplome der Medizinalberufe aus EU- und EFTA-Staaten sowie aus dem Vereinigten Königreich können dort anerkannt werden; Grundlage sind das Medizinalberufegesetz, die bilateralen Abkommen und die europäische Berufsanerkennungsrichtlinie. Danach folgt der Eintrag ins Medizinalberuferegister MedReg. Ich bin diesen Weg selbst gegangen und arbeite heute als zugelassener Zahnarzt in Bern. Es ist ein Verwaltungsverfahren mit klaren Regeln, keine Glückssache.

Wie schneidet Rumänien im Vergleich zu Ungarn, Bulgarien und Kroatien ab?

Rumänien liegt mit 8.000 bis 10.000 Euro pro Studienjahr am unteren Rand des südosteuropäischen Feldes, während die Universität Zagreb 12.000 Euro und die Semmelweis-Universität in Budapest 10.450 US-Dollar pro Semester verlangt. Die Medizinische Universität Sofia nennt 9.950 Euro pro Jahr für Humanmedizin. Alle vier Länder führen sechsjährige Studiengänge mit EU-Anerkennung.

Land und BeispieluniversitätHumanmedizin pro JahrUnterrichtssprachenZugang dem Grunde nach
Rumänien (Timisoara, Cluj, Iasi, Targu Mures)8.000 bis 10.000 EuroEnglisch, Französisch, Rumänischüberwiegend Aktenbewertung, teils Prüfung
Ungarn (Semmelweis Budapest)10.450 US-Dollar pro SemesterEnglisch, Ungarisch, DeutschAufnahmeprüfung Biologie, Chemie, Englisch
Bulgarien (MU Sofia)9.950 EuroEnglisch, BulgarischAufnahmeprüfung Biologie und Chemie
Kroatien (Zagreb)12.000 EuroEnglisch, Kroatischschriftliche Prüfung Biologie, Chemie, Physik

Der zweite Unterschied ist die Kapazität, und er fällt grösser aus als der Preisunterschied. Zagreb begrenzt sein englischsprachiges Programm auf maximal 60 Studierende pro Jahr. Iasi allein öffnet 200 Plätze in Humanmedizin, Targu Mures 150 auf Englisch und 100 auf Französisch. Ein einzelner rumänischer Standort vergibt damit mehr internationale Plätze als Kroatien insgesamt.

Auch bei den Lebenshaltungskosten liegt Rumänien im unteren Bereich des Feldes: Nach Erfahrungswerten aus der Vermittlungspraxis kommt man in Timisoara mit etwa 400 bis 550 Euro im Monat aus, in Cluj-Napoca mit rund 450 bis 600 Euro. Zum Vergleich bewegen sich die entsprechenden Beträge in ungarischen und polnischen Universitätsstädten eher zwischen 450 und 850 Euro.

Wie viele Ärzte und Zahnärzte bildet Rumänien aus?

Rumänien zählte im Jahr 2023 nach dem Eurostat-Datensatz hlth_rs_grd2 rund 28 Medizinabsolventen je 100.000 Einwohner, gegenüber 15 im EU-Durchschnitt. In der Zahnmedizin liegt Rumänien mit 9,9 Absolventen je 100.000 Einwohner im Bezugsjahr 2022 an der EU-Spitze, bei einem Durchschnitt von 3,2. Das Land bildet also in beiden Berufen weit über dem europäischen Mittel aus.

Wer beide Zahlen nebeneinanderlegt, stösst auf einen scheinbaren Widerspruch, und er ist erklärbar. Die Eurostat-Meldung vom 5. August 2024 nennt für 2022 einen EU-Schnitt von 15,5 Medizinabsolventen je 100.000 Einwohner sowie Bulgarien mit 29,5, Malta mit 27,7 und Lettland mit 27,5. Die Werte für 2023 aus demselben Datensatz liegen leicht anders, weil sich das Bezugsjahr unterscheidet und einzelne Mitgliedstaaten ihre Meldungen nachträglich korrigieren. Die Rangfolge bleibt in beiden Jahren stabil: Bulgarien, Malta, Rumänien und Lettland bilden die Spitzengruppe, der EU-Schnitt liegt bei rund 15.

Diese Quote ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines bewusst breit angelegten Systems aus fünf grossen staatlichen Universitäten, mehrsprachigen Parallelprogrammen und dreistelligen Platzzahlen je Standort. Rumänien bildet zudem seit Jahrzehnten internationale Studierende aus, viele davon aus Frankreich, Israel und Deutschland. Zum Vergleich: Eurostat zählte 2023 in der EU rund 1,98 Millionen praktizierende Ärztinnen und Ärzte, mit Österreich an der Spitze bei 551 je 100.000 Einwohner und Deutschland bei 466.

Ob Rumänien der passende Standort ist, hängt am Ende weniger an diesen Zahlen als an der eigenen Lebenssituation. Wer das durchsprechen möchte, kann sich bei der Medizinerschmiede kostenlos beraten lassen.

Dieser Beitrag gibt den Recherchestand vom August 2026 wieder und ersetzt keine rechtliche Beratung. Zuständig für Anerkennungsentscheidungen sind allein die genannten Behörden.

Meinung des Autors

Ich bin 2015 zum Zahnmedizinstudium nach Sofia gezogen und habe es 2021 abgeschlossen. Was mir damals niemand gesagt hat: Die ersten Wochen im Ausland haben mit dem Studium fast nichts zu tun. Es geht um Meldeamt, Bankkonto, SIM-Karte, Wohnung und darum, dass man in einer Stadt ankommt, in der man niemanden kennt. Das ist die eigentliche Hürde. Wer sie einmal genommen hat, findet den Rest überraschend normal.

Rumänien überzeugt mich fachlich vor allem durch die Breite. Fünf grosse staatliche Universitäten, englisch- und französischsprachige Parallelprogramme mit dreistelligen Platzzahlen, dazu Zahlen wie die 1.501 internationalen Studierenden in Timisoara im Jahr 2023. Das ist gewachsene Struktur, kein Experiment.

Trotzdem würde ich niemandem raten, die Standortwahl an der Gebührentabelle festzumachen. Ob eine Stadt passt, ob die Klinik in Gehweite liegt, ob Flüge nach Hause bezahlbar sind, entscheidet über sechs Jahre mehr als tausend Euro Differenz. Genau deshalb sprechen wir bei der Medizinerschmiede seit Jahren auf YouTube mit echten Studierenden im Ausland, statt Hochglanzbroschüren zu verteilen.

Einen Punkt spreche ich gern offen an, weil er zur vollständigen Einordnung gehört. Die Sache mit der Zwischenprüfung, die seit 2023 nicht mehr als Physikum durchgeht, betrifft genau die Gruppe, die Rumänien als Zwischenstation plant. Wer von vornherein zurück nach Deutschland will, sollte das wissen, bevor er einschreibt, und nicht im dritten Semester. Wer den Abschluss in Rumänien macht, kann diesen Absatz überspringen.

Und noch etwas aus der eigenen Berufspraxis: Der Abschluss ist der Anfang, nicht das Ziel. Die Approbation in Deutschland und die MEBEKO-Anerkennung in der Schweiz, die ich selbst durchlaufen habe, sind Verwaltungsverfahren mit klaren Regeln. Wer sein Studium sauber dokumentiert und die Sprache des späteren Arbeitslandes ernst nimmt, hat den schwierigsten Teil hinter sich, wenn er das Diplom in der Hand hält.

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Zusammenfassung

  • Rumänien führt Humanmedizin und Zahnmedizin als sechsjährige Studiengänge mit 360 ECTS-Punkten an fünf grossen staatlichen Universitäten: Timisoara, Cluj-Napoca, Iasi, Bukarest und Targu Mures.
  • Die offiziell ausgewiesenen Studiengebühren liegen in den Studienjahren 2025/2026 und 2026/2027 zwischen 8.000 und 10.000 Euro pro Studienjahr; die rumänischsprachigen Programme kosten mit 15.000 Lei deutlich weniger, verlangen aber ein Vorbereitungsjahr.
  • Rumänische Universitäten unterrichten auf Rumänisch, Englisch und Französisch und verlangen ein B2-Niveau in der Unterrichtssprache; als romanische Sprache erschliesst sich Rumänisch mit Französisch-, Spanisch- oder Italienischkenntnissen besonders schnell.
  • Die rumänische Zwischenprüfung wird seit 2023 in Deutschland nicht mehr als Physikum anerkannt; ein Wechsel an eine deutsche Fakultät setzt das deutsche Physikum voraus, angerechnet wird nach Erfahrungswerten ein Fachsemester nach zwei und zwei Fachsemester nach drei bis vier Semestern.
  • Arzt und Zahnarzt fallen unter die automatische Anerkennung nach Anhang V der Richtlinie 2005/36/EG, in Deutschland über die Landesbehörden und in der Schweiz über die MEBEKO.
  • Sechs Jahre Studium in Rumänien kosten nach unserer eigenen Aufstellung von August 2026 rund 104.000 Euro inklusive Miete, Lebenshaltung und Heimflügen.

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Häufige Fragen zum Medizinstudium in Rumänien

Wie lange dauert das Medizinstudium in Rumänien?

Humanmedizin dauert in Rumänien regulär sechs Jahre und umfasst 360 ECTS-Punkte. Zahnmedizin ist ebenfalls auf sechs Jahre und 360 ECTS angelegt, Pharmazie auf fünf Jahre und 300 ECTS.

Was kostet ein Studienjahr in Rumänien?

Die offiziell ausgewiesenen Jahresgebühren liegen bei 9.000 Euro in Timisoara und Iasi sowie bei 10.000 Euro in Cluj-Napoca und Targu Mures. Die französischsprachigen Strecken in Timisoara und Targu Mures kosten 8.000 Euro.

Was kostet das ganze Studium inklusive Lebenshaltung?

Nach unserer eigenen Aufstellung vom August 2026 kommen bei einer Jahresgebühr von 9.000 Euro rund 17.280 Euro pro Studienjahr und damit etwa 104.000 Euro für sechs Jahre zusammen, inklusive Miete, Verpflegung, Lernmitteln und vier Heimflügen im Jahr.

In welchen Sprachen kann man in Rumänien Medizin studieren?

Neben Rumänisch bieten mehrere staatliche Universitäten komplette Studiengänge auf Englisch an, in Cluj-Napoca, Timisoara, Bukarest und Targu Mures zusätzlich auf Französisch. In Targu Mures kommen ungarischsprachige Programme hinzu.

Welches Sprachniveau wird verlangt?

Die Universität Timisoara hält in ihrem Factsheet fest, dass alle Studierenden ein B2-Niveau in der Unterrichtssprache nachweisen müssen. Cluj-Napoca nennt für Englisch und Französisch dieselbe Schwelle.

Muss ich Rumänisch lernen, wenn ich auf Englisch studiere?

Für den Unterricht nicht, für den klinischen Alltag schon. Ab dem klinischen Abschnitt sprechen die Patientinnen und Patienten Rumänisch, weshalb die Universitäten die Landessprache studienbegleitend unterrichten.

Wird die rumänische Zwischenprüfung als Physikum anerkannt?

Nein. Seit 2023 erkennen die deutschen Landesprüfungsämter die rumänische Zwischenprüfung nicht mehr als Ärztliche Vorprüfung an. Wer später an eine deutsche Fakultät wechseln will, muss das Physikum in Deutschland ablegen. Auf den rumänischen Abschluss selbst hat das keinen Einfluss.

Gibt es auch gebührenfreie Plätze?

In den rumänischsprachigen Programmen existieren staatlich finanzierte Plätze. Nach dem Zulassungsdokument der Universität Targu Mures können sich Bürgerinnen und Bürger der EU, des EWR und der Schweiz unter denselben Bedingungen bewerben wie rumänische Staatsangehörige. Voraussetzung ist Rumänisch auf Studienniveau.

Wird ein rumänischer Abschluss in Deutschland anerkannt?

Ja. Arzt und Zahnarzt gehören zu den Berufen mit automatischer Anerkennung nach Anhang V der Richtlinie 2005/36/EG. Die Approbation erteilen die zuständigen Landesbehörden, in Nordrhein-Westfalen etwa die Bezirksregierung Münster.

Und in der Schweiz?

Zuständig ist die Medizinalberufekommission MEBEKO beim Bundesamt für Gesundheit. Diplome der Medizinalberufe aus EU- und EFTA-Staaten sowie aus dem Vereinigten Königreich können in der Schweiz anerkannt werden. Danach folgt der Eintrag ins Medizinalberuferegister MedReg.

Wie lange dauert ein Anerkennungsverfahren?

Nach den Vorgaben der Richtlinie 2005/36/EG bestätigen die zuständigen Behörden den Eingang der Unterlagen innerhalb eines Monats und entscheiden innerhalb von drei Monaten nach Erhalt der vollständigen Bescheinigungen.

Wie teuer ist das Leben in Rumänien?

Rumänien gehört zu den preisgünstigsten Ländern der EU. Nach der Eurostat-Preisniveaustatistik lag Rumänien 2025 bei Nahrungsmitteln und alkoholfreien Getränken bei rund 80 Prozent des EU-Durchschnitts.

Wie schneidet Rumänien gegenüber Ungarn, Bulgarien und Kroatien ab?

Preislich liegt Rumänien mit 8.000 bis 10.000 Euro unter Zagreb (12.000 Euro) und Semmelweis Budapest (10.450 US-Dollar pro Semester) und etwa auf dem Niveau von Sofia (9.950 Euro). Bei der Kapazität ist der Abstand grösser: Iasi allein vergibt mehr internationale Plätze als Zagreb insgesamt.

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Über den Autor

Marcel Kloos

Eidgenössisch anerkannter Zahnarzt und Gründer der Medizinerschmiede

Marcel Kloos gründete die Medizinerschmiede bereits im Auslandsstudium, seither wurden über 500 Studienplätze vermittelt. Der gebürtige Stuttgarter studierte Zahnmedizin von 2015 bis 2021 in Sofia und ist eidgenössisch anerkannter Zahnarzt.

Heute lebt er in Bern und führt die Medizinerschmiede hauptberuflich als Inhaber.

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