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Thüringen führt die Landarztquote ein: 17 Plätze, 177 Bewerber und ein Vertrag, den niemand vorher lesen konnte

Thüringen führt die Landarztquote ein: 17 Plätze, 177 Bewerber und ein Vertrag, den niemand vorher lesen konnte

06.09.2026

9 Min. Lesezeit

Zum Wintersemester 2026/27 wird Thüringen das elfte Bundesland mit einer Landarztquote. An der Friedrich-Schiller-Universität Jena sind 17 der 286 Studienplätze in Humanmedizin und 4 der 57 Plätze in Zahnmedizin für Bewerber reserviert, die sich verpflichten, nach Studium und Weiterbildung mindestens zehn Jahre in einem unterversorgten Gebiet des Freistaats zu arbeiten. Auf die 17 Medizinplätze gingen in der ersten Runde 177 Bewerbungen ein, mehr als zehn pro Platz.

Das Programm kommt zwei Jahre später als vom Gesetz vorgesehen. Beschlossen wurde das Thüringer Haus- und Zahnärztesicherstellungsgesetz bereits im Sommer 2024, der Start war für 2024/25 geplant. Der Regierungswechsel verzögerte die Durchführungsverordnung bis Dezember 2025. Bemerkenswert ist, was bis heute fehlt: Weder die Verordnung noch ein Mustervertrag sind online auffindbar. Wer sich im März 2026 beworben hat, tat das auf Basis einer Landesseite, die weder Vertragsstrafe noch Härtefallregeln nennt.

Was Thüringen genau eingeführt hat, wie das Auswahlverfahren funktioniert, was die Bindung bedeutet, wie andere Länder mit demselben Problem umgehen und warum ich Bewerbern rate, die Alternative zu kennen, bevor sie unterschreiben.

Was Thüringen beschlossen hat

Rechtsgrundlage ist das Thüringer Gesetz über die Unterstützung der Sicherstellung der hausärztlichen und zahnärztlichen Versorgung in Gebieten mit besonderem öffentlichen Bedarf, kurz ThürHaZaSiG, verkündet im Gesetz- und Verordnungsblatt 2024 auf Seite 267. Der ursprüngliche Entwurf der Landesregierung betraf nur Hausärzte. Die Zahnmedizin kam auf Betreiben der CDU im parlamentarischen Verfahren hinzu, ein bundesweit bislang einmaliger Schritt, den seit 2026 auch Mecklenburg-Vorpommern geht.

Das Gesetz erlaubt eine Vorabquote von bis zu 20 Prozent der Studienplätze. Genutzt werden 6 Prozent: 17 Plätze in der Humanmedizin und 4 in der Zahnmedizin, alle an der Universität Jena, der einzigen medizinischen Fakultät des Landes. Umgesetzt wird das Verfahren vom Thüringer Landesverwaltungsamt, beworben wird es über das Karriereportal des Landes unter dem Titel „Medizin und Zahnmedizin studieren ohne Numerus clausus“. Eine Evaluation ist erstmals zum 31. Dezember 2026 vorgesehen, danach alle drei Jahre.

So läuft das Auswahlverfahren

Die Bewerbung war vom 1. bis 31. März 2026 möglich, das Verfahren endet Mitte Juli. Voraussetzung ist eine Registrierung bei hochschulstart.de, weil die Plätze als Vorabquote über die Stiftung für Hochschulzulassung vergeben werden. Das Verfahren ist zweistufig, beide Stufen zählen je 50 Prozent.

Laut Gesetzentwurf vergibt die erste Stufe bis zu 100 Punkte: Abiturnote bis 20 Punkte, Studierfähigkeitstest bis 40 Punkte, einschlägige Ausbildung oder Studium bis 20 Punkte, Berufstätigkeit bis 10 Punkte für maximal zwei Jahre, Freiwilligendienst oder Ehrenamt bis 10 Punkte. Der Test wiegt damit doppelt so schwer wie das Abitur. Ob die Durchführungsverordnung dieses Schema unverändert übernommen hat, lässt sich nicht prüfen, weil sie nicht veröffentlicht ist. Die zweite Stufe besteht aus strukturierten, standardisierten Auswahlgesprächen, zu denen doppelt so viele Kandidaten eingeladen werden, wie Plätze vorhanden sind.

Mit 177 Bewerbungen auf 17 Plätze liegt Thüringen bei einem Verhältnis von rund 10 zu 1. Zum Vergleich: Nordrhein-Westfalen meldet im Schnitt vier Bewerber pro Platz, Niedersachsen zuletzt 214 Bewerbungen auf 60 Plätze, also etwa 3,5 zu 1. Die hohe Nachfrage in Thüringen erklärt sich weniger aus Begeisterung für das Landarztleben als aus dem Umstand, dass 17 Plätze ein sehr kleines Angebot sind und der Titel „ohne Numerus clausus“ viele anspricht, die keine 1,0 im Abitur haben.

Die Bindung: zehn Jahre, Fachwechsel nur binnen zwölf Monaten

Wer einen Platz annimmt, unterschreibt einen öffentlich-rechtlichen Vertrag mit dem Land. Er verpflichtet sich, nach dem Studium unverzüglich die Weiterbildung zum Hausarzt aufzunehmen und anschließend mindestens zehn Jahre in einem Bedarfsgebiet zu arbeiten. Bedarfsgebiete sind Zulassungsbezirke, für die der Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen nach § 100 SGB V eine Unterversorgung oder drohende Unterversorgung festgestellt hat. Welche das in fünfzehn Jahren sein werden, kann heute niemand sagen. Für die Zahnmedizin gilt die Bindung als Vertragszahnarzt oder Kieferorthopäde.

Ein Wechsel der Fachrichtung ist nur innerhalb von zwölf Monaten nach Beginn der Weiterbildung möglich und nur, wenn in Thüringen für die neue Fachrichtung ein entsprechender Bedarf besteht. Wer nach dem zweiten Weiterbildungsjahr merkt, dass er in die Chirurgie oder die Anästhesie will, hat diese Option nicht mehr.

Bei Verstößen droht eine Vertragsstrafe von bis zu 250.000 €. Ob sie gestaffelt ist, wie in Rheinland-Pfalz oder Mecklenburg-Vorpommern, oder pauschal, wie in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen, ist nicht veröffentlicht. Das Gesetz nennt Härtefälle aus besonderen sozialen, gesundheitlichen oder familiären Gründen, die einen Aufschub oder eine teilweise Befreiung erlauben, und enthält Ausnahmen für Schwangerschaft und Mutterschutz. In allen anderen Bundesländern gilt: Heirat, der Arbeitsort des Partners und ein geänderter Berufswunsch sind keine Härte. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass Thüringen das anders handhabt.

Der Jugend-Check des Landtags

Der Thüringer Landtag hat den Gesetzentwurf einem Jugend-Check unterzogen, einer Folgenabschätzung für junge Menschen. Das Ergebnis liest sich wie eine Warnung: Das Gesetz greift in die Berufsfreiheit und die Wahl des Wohnorts ein, es erzeugt psychische Belastung durch eine Bindung, die Jahrzehnte reicht, und die Fähigkeit, eine Vertragsstrafe von 250.000 € zu zahlen, ist sozial ungleich verteilt. Wer aus einer Arztfamilie stammt, kann sich einen Ausstieg leisten. Wer der Erste in seiner Familie an einer Universität ist, kann es nicht. Die Härtefallklausel bewertet der Check als unklar. Das Gesetz wurde trotzdem in dieser Form beschlossen.

Kritik aus dem Landtag

Die CDU nannte das vier Seiten lange Gesetz im Landtag „lächerlich“ und hielt 6 Prozent für zu wenig. Die FDP kritisierte, dass die Quote keinen einzigen zusätzlichen Studienplatz schafft, sondern bestehende Plätze umverteilt. Die Kassenzahnärztliche Vereinigung drängte auf einen früheren Start. Bemerkenswert ist, dass keine Fraktion die Grundfrage stellte, ob eine zwanzigjährige Bindung von Achtzehnjährigen das richtige Instrument ist. Diese Frage wird inzwischen andernorts beantwortet: Bundesweit klagen 28 Quotenstudierende gegen ihre Verträge, die meisten in Nordrhein-Westfalen.

Wie andere Länder das Problem lösen

Hausarztmangel auf dem Land gibt es fast überall. Der Blick ins Ausland zeigt, dass Deutschland mit seinem Verpflichtungsmodell zu den Ausnahmen gehört. In den USA übernimmt das National Health Service Corps Studienschulden für Ärzte, die freiwillig in unterversorgten Gebieten arbeiten. Wer geht, zahlt zurück, wird aber nicht verklagt. Australien zahlt Landärzten über sein Distribution-Priority-Area-System deutlich höhere Vergütungen und erleichtert Visa. Der britische NHS lockt mit „Golden Hello“-Prämien von bis zu 20.000 £ für Hausärzte in schwer besetzbaren Regionen. Kanadas Provinzen bieten Schuldenerlass, Einkommenszuschläge und Umzugsprämien, alles freiwillig und kündbar.

Japan kennt regionale Universitätsquoten mit Rückkehrverpflichtung in die Heimatpräfektur, also ein Modell, das der deutschen Landarztquote ähnelt. Auch dort werden hohe Abbruchquoten und rechtliche Konflikte beobachtet. Norwegen setzt auf dezentrale Ausbildung: Wer während des Studiums längere Zeit in Nordnorwegen verbringt, bleibt mit hoher Wahrscheinlichkeit dort, ohne dass ein Vertrag ihn zwingt. Die internationale Forschung ist hier eindeutig: Ländliche Herkunft, ländliche Ausbildungsabschnitte und gute Arbeitsbedingungen halten Ärzte auf dem Land. Vertragsstrafen tun das nicht.

Was das für Bewerber bedeutet

Die Landarztquote Thüringen ist kein NC-freier Studienplatz. Sie ist ein Auswahlverfahren mit zehn Bewerbern pro Platz, in dem ein Studierfähigkeitstest und ein Gespräch entscheiden, verbunden mit einem Vertrag, dessen Bedingungen vorher nicht einsehbar sind. Wer einen Platz bekommt, hat nicht die Freiheit gewonnen, Medizin zu studieren, sondern die Freiheit abgegeben, später zu entscheiden, wo und als was er arbeitet.

Wer Medizin oder Zahnmedizin studieren möchte, ohne sich zwanzig Jahre zu binden, hat mit einem Studium an einer unserer 25+ Partneruniversitäten im EU-Ausland eine echte Alternative. Die Approbation gilt in ganz Deutschland und der EU, die Fachrichtung bleibt frei wählbar. Wir vermitteln dir den Medizinstudienplatz und kümmern uns um die gesamte Bürokratie. Jeder Fall wird in einer kostenlosen Beratung individuell geprüft, damit wir gemeinsam sehen, ob und wo ein Studienstart planbar ist.

Alle Konditionen der Thüringer Quote im Klartext, inklusive der offiziellen Dokumente, stehen auf unserer Detailseite Landarztquote Thüringen. Einen Vergleich aller elf Bundesländer findest du auf der Übersichtsseite Landarztquote.

Meinung des Autors

Ich sage es so klar, wie ich es Bewerbern in der Beratung sage: Die Landarztquote ist kein NC-freier Studienplatz, sondern ein Vertrag mit dem Staat, den ein 18-Jähriger unterschreibt und der ihn bis Mitte vierzig bindet. Thüringen startet dieses Modell mit 17 Plätzen, auf die sich 177 Menschen beworben haben. Zehn von elf gehen leer aus. Und die 17, die durchkommen, haben keine Wahlfreiheit gewonnen, sondern sie abgegeben: Fachrichtung, Wohnort, Arbeitsort und Lebensplanung sind für zwei Jahrzehnte festgelegt, abgesichert mit einer Vertragsstrafe von bis zu 250.000 €.

Was mich an Thüringen besonders stört: Die Durchführungsverordnung ist nicht online, ein Mustervertrag ebenso wenig. Wer sich hier bewirbt, unterschreibt Bedingungen, die er vorher nirgends nachlesen konnte. Der Jugend-Check des Landtags warnt selbst vor Eingriffen in Berufsfreiheit und Wohnortwahl und davor, dass die Fähigkeit, eine solche Strafe zu zahlen, sozial ungleich verteilt ist. Das Land hat diese Warnung gelesen und trotzdem nichts veröffentlicht.

Ich habe selbst mit 24 in Sofia angefangen, Zahnmedizin zu studieren, ohne Einser-Abitur und ohne Vertrag mit irgendeinem Ministerium. Heute bin ich eidgenössisch anerkannter Zahnarzt und Gründer und Inhaber der Medizinerschmiede. Der Weg über eine unserer 25+ Partneruniversitäten im EU-Ausland führt zum selben Ziel: eine Approbation, die in ganz Deutschland und der EU gilt. Der Unterschied ist, dass du danach frei entscheidest, ob du Chirurg, Kinderärztin oder Hausarzt in der Eifel wirst. Deshalb rate ich fast jedem, der mich nach der Landarztquote fragt: Bewirb dich gern, aber unterschreib nichts, bevor du die Alternative kennst. Wir vermitteln dir den Medizinstudienplatz und kümmern uns um die gesamte Bürokratie. Jeder Fall wird in einer kostenlosen Beratung individuell geprüft.

Zusammenfassung

Thüringen startet 2026 als elftes Bundesland mit einer Landarztquote und als zweites mit einer Landzahnarztquote. 21 Plätze an der Universität Jena, 177 Bewerbungen auf die 17 Medizinplätze, zehn Jahre Bindung, bis zu 250.000 € Vertragsstrafe. Die Verordnung und der Mustervertrag sind nicht öffentlich, der Jugend-Check des Landtags warnt vor genau den Folgen, die das Gesetz jetzt auslöst. Wer sich bewirbt, sollte die Alternative kennen: ein Medizinstudium im EU-Ausland ohne Bindungsvertrag.

  • Start zum Wintersemester 2026/27 an der Universität Jena, 17 Plätze Humanmedizin und 4 Plätze Zahnmedizin, das entspricht 6 Prozent der Studienplätze.
  • 177 Bewerbungen auf 17 Medizinplätze, zweistufiges Verfahren mit Studierfähigkeitstest und Auswahlgespräch, je 50 Prozent.
  • Bindung: mindestens zehn Jahre hausärztliche Tätigkeit in einem Bedarfsgebiet, Fachwechsel nur binnen zwölf Monaten nach Weiterbildungsbeginn.
  • Vertragsstrafe bis zu 250.000 €, Staffelung nicht veröffentlicht, Durchführungsverordnung und Mustervertrag nicht online.
  • International setzen USA, Australien, Großbritannien und Kanada auf Anreize statt Verpflichtung. Verpflichtungsmodelle wie in Deutschland und Japan zeigen hohe Abbruchquoten.

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Pressestimmen und weitere Quellen zum Thema

So berichten andere Medien und Institutionen über das Thema. Die Links führen auf externe Seiten.

Häufige Fragen zur Landarztquote Thüringen

Wie viele Plätze vergibt Thüringen über die Landarztquote?

17 Plätze in der Humanmedizin und 4 Plätze in der Zahnmedizin an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, jeweils 6 Prozent der Studienplätze. Das Gesetz würde bis zu 20 Prozent erlauben.

Wie viele Bewerber gab es 2026?

177 Bewerbungen auf die 17 Medizinplätze, also mehr als zehn pro Platz. Zahlen zur Zahnmedizin hat das Land nicht veröffentlicht.

Wie lange bindet der Vertrag?

Mindestens zehn Jahre hausärztliche Tätigkeit in einem Bedarfsgebiet Thüringens nach Studium und Facharztweiterbildung. Zwischen Vertragsunterschrift und Ende der Bindung liegen in der Regel rund zwanzig Jahre.

Wie hoch ist die Vertragsstrafe in Thüringen?

Bis zu 250.000 €. Ob die Strafe nach Ausbildungsabschnitt gestaffelt ist, hat das Land nicht veröffentlicht.

Kann ich die Fachrichtung später wechseln?

Nur innerhalb von zwölf Monaten nach Beginn der Weiterbildung und nur, wenn in Thüringen für die neue Fachrichtung ein besonderer Bedarf besteht.

Gibt es eine Alternative ohne Bindung?

Ja. Ein Medizinstudium an einer unserer 25+ Partneruniversitäten im EU-Ausland ist NC-frei und führt zu einer Approbation, die in ganz Deutschland gilt. Die Fachrichtung bleibt frei wählbar. Wir prüfen jeden Fall in einer kostenlosen Beratung individuell.

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Über den Autor

Marcel Kloos

Eidgenössisch anerkannter Zahnarzt und Gründer der Medizinerschmiede

Marcel Kloos gründete die Medizinerschmiede bereits im Auslandsstudium, seither wurden über 500 Studienplätze vermittelt. Der gebürtige Stuttgarter studierte Zahnmedizin von 2015 bis 2021 in Sofia und ist eidgenössisch anerkannter Zahnarzt.

Heute lebt er in Bern und führt die Medizinerschmiede hauptberuflich als Inhaber.

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