11.000 Hausärzte fehlen bis 2035: Deutschlands stille Krise
26.09.2026
Die Zahlen hinter der Krise
Die Grundlage der Prognose lieferte die Robert-Bosch-Stiftung: Bis 2035 gehen in Deutschland rund 30.000 Hausärzte in den Ruhestand. Gleichzeitig steigt die Zahl der Medizinstudienanfänger – rund 21.000 beginnen inzwischen jährlich ein Studium der Humanmedizin, davon 15.900 allein im Wintersemester 2024/25. Klingt nach genug Nachwuchs? Der Haken: Nur ein Bruchteil wählt am Ende Allgemeinmedizin als Fachrichtung. Viele bevorzugen Spezialisierungen, Klinikkarrieren oder wandern ins Ausland ab.
Rund 121.000 Ärzte mit Migrationsgeschichte arbeiten heute in Deutschland – das entspricht 24 Prozent aller Ärzte. Noch vor zehn Jahren waren es rund 30.000. Deutschland deckt seinen Bedarf also längst durch Zuwanderung. Doch wie lange hält das?
Das Medizinstudium im Ausland als Druckventil
Rund 9.100 Deutsche studieren Medizin außerhalb Deutschlands – das entspricht etwa 10 Prozent aller deutschen Medizinstudierenden. Sie studieren in Österreich, Ungarn, Polen, Rumänien oder Bulgarien – teils wegen des NC, teils wegen niedrigerer Studienkosten, teils wegen besserer Lernbedingungen. Viele kommen zurück, viele bleiben. Ein Teil davon trägt am Ende zur Hausarztversorgung in Deutschland bei – wenn sie entsprechend gefördert und begleitet werden.
Das Medizinstudium im Ausland ist damit nicht nur eine individuelle Karrierestrategie, sondern auch ein gesamtgesellschaftlich relevanter Beitrag zur ärztlichen Versorgung – sofern die Rahmenbedingungen stimmen.
Internationaler Vergleich
Deutschland ist nicht allein mit seinem Problem, aber andere Länder handhaben es cleverer:
Österreich: Österreich setzt seit Jahren auf eine enge Verzahnung zwischen Studium und späterer Praxis. Wer in Wien oder Graz Medizin studiert, wird frühzeitig mit Allgemeinmedizin konfrontiert – durch Pflichtpraktika in Landpraxen. Das erhöht die Bereitschaft, nach dem Studium tatsächlich als Hausarzt zu arbeiten. Kein Zufall: Ein Drittel aller deutschen Medizinstudierenden im Ausland studiert in Österreich.
Vereinigtes Königreich: Der NHS setzt auf direkte finanzielle Anreize. Ärzte, die sich für eine Praxis in unterversorgten Regionen entscheiden, erhalten höhere Gehälter, Startprämien und teils Schuldenerlass. Das „GP Retention Scheme“ hält zudem erfahrene Hausarzte im Beruf. Deutschland kennt zwar die Landarztstipendien, aber flächendeckend verbreitet sind sie noch nicht.
Skandinavien: In Norwegen und Dänemark ist Allgemeinmedizin einer der bestbezahlten und gesellschaftlich angesehensten Ärztejobs. In Deutschland galt das Fach lange als „Restlaufbahn“ – dieses Image beginnt sich zu wandeln, aber der Prozess ist noch nicht abgeschlossen.
Was die Politik bisher tut
Im Rahmen des Masterplans Medizinstudium 2020 hat die Bundesregierung mehrere Maßnahmen eingeführt: Allgemeinmedizin ist nun Pflichtbestandteil des Staatsexamens. Einzelne Bundesländer können bis zu 10 Prozent der Studienplätze für Bewerber reservieren, die sich für zehn Jahre Arbeit in unterversorgten Regionen verpflichten. Neue Fakultäten entstanden in Augsburg, Oldenburg, Chemnitz und Bielefeld. Alles richtige Schritte – aber ob sie schnell genug wirken, bleibt offen. {{cta}}
Meinung des Autors
Das Problem ist seit Jahren bekannt, die Zahlen sind seit Jahren bekannt, und die Lösungen sind auch bekannt. Trotzdem spielt Deutschland beim Thema Hausarztmangel noch immer auf Zeit. Die Landarztstipendien sind gut gemeint, aber kaum jemand weiß davon. Der Imagewandel in der Allgemeinmedizin hat begonnen, ist aber noch lange nicht vollzogen. Wer heute mit 18 Jahren ans Medizinstudium denkt, dem wird selten jemand sagen: „Du kannst Hausarzt werden, gut verdienen und einen echten Unterschied machen.“ Das müssen wir ändern. Nicht mit weiteren Studien. Mit konkreten Taten. – Marcel Kloos
Der Hausarztmangel ist keine Zukunftsprognose mehr – er ist bereits Realität in weiten Teilen Deutschlands. 11.000 fehlende Hausärzte bis 2035, 30.000 bald im Ruhestand, und eine ganze Generation Medizinstudierender, die Spezialisierungen statt Allgemeinmedizin wählt. Das Medizinstudium im Ausland ist dabei kein Nischenphänomen, sondern ein echter Beitrag – wenn die Rahmenbedingungen stimmen.
Wer über ein Medizinstudium nachdenkt, sollte auch Hausarztmedizin als echte Karriereoption betrachten. Die Nachfrage ist sicher. Die gesellschaftliche Relevanz auch. Und wer in einer unterversorgten Region arbeiten will, kann dort einen Unterschied machen, den kaum ein Spezialist im Krankenhaus macht.
Häufige Fragen zum Hausarztmangel in Deutschland
Wie viele Hausärzte fehlen in Deutschland bis 2035?
Laut einer Studie der Robert-Bosch-Stiftung werden bis 2035 mindestens 11.000 Hausarztstellen unbesetzt bleiben. Bis dahin gehen rund 30.000 Hausärzte in den Ruhestand, während die Nachfolge in vielen Regionen – besonders im ländlichen Raum – nicht sichergestellt ist.
Was tut die Politik gegen den Hausarztmangel?
Mehrere Maßnahmen wurden eingeführt: Allgemeinmedizin ist jetzt Pflichtfach im Staatsexamen, und einzelne Bundesländer können Studienplätze für künftige Landarztbewerber reservieren. Neu eröffnete medizinische Fakultäten sollen die Absolventenzahlen erhöhen. Dennoch ist fraglich, ob diese Maßnahmen schnell genug wirken.
Ist ein Medizinstudium im Ausland eine Lösung für den Ärztemangel?
Indirekt ja. Rund 9.100 Deutsche studieren Medizin im Ausland, viele kehren danach nach Deutschland zurück und tragen zur ärztlichen Versorgung bei. Das Medizinstudium im Ausland reduziert den Engpass beim NC und ermöglicht es mehr Menschen, den Arztberuf zu ergreifen.
Kann ich mit einem Abschluss aus dem Medizinstudium im Ausland in Deutschland als Hausarzt arbeiten?
Ja, sofern der Abschluss anerkannt wird. Bei einem Studium an einer EU-Universität ist die Anerkennung durch EU-Recht geregelt. Unsere 25+ Partneruniversitäten bieten Studiengänge an, deren Abschlüsse in Deutschland anerkannt werden.
Was Studierende über die Medizinerschmiede sagen
Über 500 vermittelte Studienplätze an mehr als 25 Partneruniversitäten in über 10 Ländern. Die Erfahrungen unserer Studierenden kannst du unabhängig auf Trustpilot nachlesen.
Über den Autor

Marcel Kloos
Eidgenössisch anerkannter Zahnarzt und Gründer der Medizinerschmiede
Marcel Kloos gründete die Medizinerschmiede bereits im Auslandsstudium, seither wurden über 500 Studienplätze vermittelt. Der gebürtige Stuttgarter studierte Zahnmedizin von 2015 bis 2021 in Sofia und ist eidgenössisch anerkannter Zahnarzt.
Heute lebt er in Bern und führt die Medizinerschmiede hauptberuflich als Inhaber.
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