Gehaltsrechner für Ärzte: Netto in 16 Ländern berechnen und vergleichen
06.09.2026
Wie viel verdient ein Assistenzarzt brutto?
Ein Assistenzarzt der Entgeltgruppe Ä1 verdient laut Tarifvertrag TV-Ärzte VKA (Marburger Bund, Stand 2025) zwischen 5.928 Euro in der ersten und 7.596 Euro in der sechsten Erfahrungsstufe. An Universitätskliniken gilt stattdessen der TV-Ärzte TdL, mit etwas niedrigeren Werten zwischen 5.694 und 7.251 Euro. Beide Tabellen bilden die Datengrundlage des Gehaltsrechners für Deutschland; für Facharzt und Oberarzt rechnet er mit den Entgeltgruppen Ä2 und Ä3.
Der Unterschied zwischen beiden Tarifverträgen liegt bei rund 230 bis 350 Euro brutto im Monat, je nach Stufe. Kommunale Kliniken zahlen durchgehend etwas mehr als Unikliniken – ein Detail, das in Bewerbungsgesprächen selten zur Sprache kommt, aber über mehrere Jahre einen spürbaren Unterschied macht.
Was bleibt nach Steuern und Sozialversicherung übrig?
| Stufe | VKA brutto* | VKA netto** | TdL brutto* | TdL netto** |
|---|---|---|---|---|
| 1 | 6.168 € | 3.175 € | 5.934 € | 3.064 € |
| 2 | 6.501 € | 3.333 € | 6.293 € | 3.234 € |
| 3 | 6.926 € | 3.534 € | 6.653 € | 3.405 € |
| 4 | 7.312 € | 3.717 € | 7.013 € | 3.575 € |
| 5 | 7.582 € | 3.848 € | 7.264 € | 3.694 € |
| 6 | 7.836 € | 3.996 € | 7.491 € | 3.802 € |
*inklusive vier Bereitschaftsdiensten à 60 Euro. **eigene Berechnung des Gehaltsrechners, Steuerklasse I, keine Kinder, ohne Kirchensteuer.
Von jedem Bruttoeuro bleiben in Steuerklasse I je nach Stufe zwischen 51 und 52 Prozent netto übrig. Der größte Einzelposten ist dabei nicht die Lohnsteuer nach § 32a Einkommensteuergesetz (EStG, Stand 2025), sondern die Sozialversicherung: Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung ziehen zusammen rund 20 Prozent des Bruttogehalts ab, bis zur jeweiligen Beitragsbemessungsgrenze.
Ich habe selbst zwischen 2015 und 2021 in Sofia Zahnmedizin studiert und kenne aus dieser Zeit genug Kommilitonen, die heute als Assistenzärzte in Deutschland arbeiten. Fast alle haben mir irgendwann erzählt, wie sehr sie die erste Abrechnung überrascht hat – die Bruttozahl aus dem Arbeitsvertrag und das, was am Monatsende auf dem Konto ankommt, sind zwei sehr unterschiedliche Beträge.
Wie stark verändern Bereitschaftsdienste das Netto?
Ein Bereitschaftsdienst der Stufe A bringt zusätzlich rund 60 Euro brutto. Bei vier Diensten im Monat sind das 240 Euro brutto zusätzlich, nach Abzügen bleiben davon je nach Steuerklasse etwa 120 bis 150 Euro netto übrig. Wer regelmäßig sechs oder acht Dienste übernimmt, sieht den Unterschied am Jahresende deutlich – im Rechner lässt sich das direkt durchspielen. Der Fachbereich setzt dabei eine typische Diensteanzahl vor: Chirurgie, Anästhesie und Notfallmedizin liegen deutlich über Radiologie oder Dermatologie.
{{cta}}Internationaler Blick: Was verdienen Ärzte in 16 Ländern?
Der Gehaltsrechner rechnet dieselbe Position mit derselben Erfahrung und Dienstanzahl für 16 Länder durch – jeweils mit dem Steuertarif 2025 des Landes, den Pflichtabgaben des Arbeitnehmers und landestypischen Sonderzahlungen, angezeigt in Landeswährung und als Euro-Näherung. Die Kaufkraftbereinigung gegen Deutschland (= 100) zeigt, was vom nominalen Vorsprung eines Landes wirklich übrig bleibt.
In der Schweiz verdient ein Assistenzarzt im ersten Jahr laut Standardarbeitsvertrag des Berufsverbands der Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte (VSAO, Stand 2025) zwischen 7.500 und 8.500 Franken brutto im Monat – nominal deutlich mehr als in Deutschland. Kaufkraftbereinigt schmilzt der Vorsprung aber stark zusammen: Miete, Krankenkassenprämie und Lebenshaltungskosten liegen in Schweizer Städten oft 30 bis 50 Prozent über deutschem Niveau.
In Österreich verdient ein Turnusarzt zu Berufsbeginn laut Kollektivvertrag der Ärzte Österreichs deutlich weniger als in Deutschland, üblicherweise zwischen 4.800 und 5.500 Euro brutto – allerdings 14-mal im Jahr, mit begünstigt besteuertem 13. und 14. Gehalt und dem Familienbonus Plus. Die Lebenshaltungskosten unterscheiden sich kaum vom deutschen Niveau.
In Großbritannien startet ein Foundation-Arzt im NHS (Pay Circular 2024/25) mit rund 36.600 Pfund im Jahr, ein Consultant verdient 105.000 bis 140.000 Pfund – nach Income Tax, National Insurance und NHS-Pension bleibt davon weniger, als die Bruttozahl vermuten lässt. Irland zahlt nach den HSE-Skalen ähnlich, mit spürbar höheren Consultant-Gehältern seit dem neuen Vertrag 2023.
In den USA verdient ein Resident Physician laut AAMC-Erhebung (Association of American Medical Colleges, 2024) umgerechnet etwa 60.000 bis 68.000 Euro brutto im Jahr – bei Wochenarbeitszeiten, die 60 Stunden häufig überschreiten. Nach der Residency öffnet sich die Schere: Attendings liegen laut Medscape Physician Compensation Report 2025 im Schnitt bei mehreren hunderttausend Dollar, stark abhängig von Fachrichtung und Bundesstaat. Kanada und Australien folgen einem ähnlichen Muster mit moderat bezahlter Weiterbildung und hohen Facharzteinkommen.
Skandinavien (Norwegen, Dänemark, Schweden) bietet solide, aber hoch besteuerte Gehälter bei 37 bis 40 Wochenstunden, die Niederlande und Luxemburg liegen kaufkraftbereinigt über Deutschland, Frankreich darunter. Die Vereinigten Arabischen Emirate zahlen steuerfrei – der Rechner zeigt, was das gegenüber einem deutschen Facharztgehalt netto bedeutet.
Was bedeutet das für die Berufswahl?
Heute leite ich die Medizinerschmiede hauptberuflich von Bern aus und bekomme regelmäßig Nachrichten von ehemaligen Studierenden, die inzwischen als Assistenzärzte in Deutschland arbeiten und wissen wollen, ob ihr Gehalt normal ist – oder ob sich der Wechsel in die Schweiz, nach Skandinavien oder in die Emirate lohnt. Meine Einschätzung: Das Einstiegsgehalt wirkt auf dem Papier ordentlich, verliert aber durch Steuern und Sozialversicherung fast die Hälfte seiner Kraft. Der eigentliche Sprung passiert erst mit der Facharztanerkennung und den höheren Erfahrungsstufen – in jedem der 16 Länder. Wer das vorher weiß, plant realistischer.
Meinung des Autors
Als ich 2015 mein Studium in Sofia begonnen habe, ging es mir vor allem um einen Studienplatz ohne Numerus clausus. Über das spätere Gehalt habe ich damals kaum nachgedacht. Heute sehe ich bei der Medizinerschmiede aus nächster Nähe, wie viele Studierende genau diese Frage stellen, bevor sie sich für ein Studium im Ausland entscheiden.
Meine Einschätzung: Das Einstiegsgehalt als Assistenzarzt ist solide, aber nicht spektakulär – vor allem, wenn man sieht, wie viel davon durch Steuern und Sozialversicherung verschwindet. Der eigentliche Grund, Medizin zu studieren, sollte deshalb nie allein das Gehalt sein. Es lohnt sich trotzdem, die Zahlen zu kennen – und zwar für mehr als ein Land –, bevor man eine Entscheidung trifft, die Jahre der Ausbildung kostet.
Zusammenfassung
Das Bruttogehalt eines Assistenzarztes liegt 2025 zwischen 5.694 und 7.596 Euro im Monat, je nach Tarifvertrag und Erfahrungsstufe. Nach Steuern und Sozialversicherung bleiben davon in Steuerklasse I zwischen rund 3.000 und 4.000 Euro netto. Bereitschaftsdienste, Steuerklasse und Kinderzahl verändern das Ergebnis spürbar. Wie sich dieselbe Position in Österreich, der Schweiz, Großbritannien, Irland, USA, Kanada, Australien, Neuseeland, Skandinavien, den Niederlanden, Luxemburg, Frankreich oder den Emiraten rechnet – in Landeswährung, in Euro und kaufkraftbereinigt –, zeigt der Gehaltsrechner für 16 Länder.
Häufige Fragen zum Assistenzarzt-Gehalt
Was ist der Unterschied zwischen TV-Ärzte VKA und TdL?
TV-Ärzte VKA gilt an kommunalen Krankenhäusern, TV-Ärzte TdL an Universitätskliniken. Die VKA-Tabelle liegt in jeder Erfahrungsstufe um rund 230 bis 350 Euro brutto höher als die TdL-Tabelle.
Wie viel verdient ein Facharzt im Vergleich zum Assistenzarzt?
Mit der Facharztanerkennung wechselt die Vergütung in eine höhere Entgeltgruppe (Ä2), üblicherweise mit einem Sprung von 800 bis 1.200 Euro brutto im Monat gegenüber der letzten Assistenzarzt-Stufe.
Zählen Nachtzuschläge zum Bruttogehalt?
Zeitzuschläge für Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit nach § 3b EStG sind bis zu gesetzlichen Grenzen steuerfrei und tauchen deshalb auf der Abrechnung getrennt vom regulären Bruttogehalt auf.
Ändert sich das Nettogehalt mit Kindern?
Ja. Der Beitragssatz zur Pflegeversicherung sinkt mit jedem Kind, von 2,3 Prozent kinderlos bis 0,95 Prozent ab vier Kindern – das macht netto einen kleinen, aber messbaren Unterschied.
Was Studierende über die Medizinerschmiede sagen
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Über den Autor

Marcel Kloos
Eidgenössisch anerkannter Zahnarzt und Gründer der Medizinerschmiede
Marcel Kloos gründete die Medizinerschmiede bereits im Auslandsstudium, seither wurden über 500 Studienplätze vermittelt. Der gebürtige Stuttgarter studierte Zahnmedizin von 2015 bis 2021 in Sofia und ist eidgenössisch anerkannter Zahnarzt.
Heute lebt er in Bern und führt die Medizinerschmiede hauptberuflich als Inhaber.
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