Medizin studieren in Ungarn
Ungarn ist das einzige Land in Osteuropa mit vollständig deutschsprachigen Medizinstudiengängen. Vier Universitäten, EU-Mitglied seit 2004.
Auf einen Blick
Die wichtigsten Eckdaten zum Medizinstudium in diesem Land.
Standorte
4 Standorte
Studiengebühren
14.400 bis 18.700 EUR pro Jahr
Lebenshaltungskosten
450 bis 700 EUR im Monat
Unterrichtssprache
Deutsch oder Englisch
Studiendauer
6 Jahre, Zahnmedizin 5 Jahre
Aufnahmeverfahren
Aufnahmeprüfung und Gespräch
Anerkennung
EU-weit automatisch
EU-Status
EU-Mitglied seit 2004
Warum deutsche Bewerber hier studieren
Ungarn ist seit 2004 EU-Mitglied und für deutschsprachige Bewerber vor allem aus einem Grund interessant: An drei der vier Universitäten lässt sich das komplette Medizinstudium auf Deutsch absolvieren, mit deutschsprachigen Vorlesungen, deutschsprachigen Prüfungen und deutschen Lehrbüchern. Diese Studiengänge bestehen seit Jahrzehnten. Ein Numerus clausus existiert in Ungarn nicht, über die Zulassung entscheiden eine Aufnahmeprüfung in Biologie und Chemie sowie ein Gespräch.
Die vier Universitäten in Ungarn
Die Semmelweis Universität Budapest ist die bekannteste Adresse des Landes und führt Humanmedizin, Zahnmedizin und Pharmazie auf Deutsch und auf Englisch. Die Universität Pécs im Süden Ungarns bietet Humanmedizin und Zahnmedizin ebenfalls in beiden Sprachen an und hat einen besonders hohen Anteil deutschsprachiger Studenten. Die Universität Szeged mit ihrer Albert Szent-Györgyi Medizinischen Fakultät liegt nahe der Grenze zu Serbien und Rumänien und führt Humanmedizin auf Deutsch und Englisch, Zahnmedizin auf Englisch. Die Universität Debrecen im Osten Ungarns unterrichtet Humanmedizin, Zahnmedizin und Pharmazie auf Englisch und ist damit der Standort für Bewerber, die bewusst international studieren wollen.
Für wen Ungarn passt
Ungarn passt zu Bewerbern, die auf keinen Fall in einer Fremdsprache Anatomie lernen wollen, und zu allen, die einen späteren Berufsstart in Deutschland, Österreich oder der Schweiz fest im Blick haben. Wer auf Deutsch studiert, spricht die Fachsprache von Anfang an in der Sprache, in der er später arbeitet. Auch die Nähe zählt: Budapest, Pécs, Szeged und Debrecen sind mit Zug, Auto oder Direktflug in überschaubarer Zeit von Wien und München aus erreichbar.
Wo es hakt
Ungarn ist teuer. Mit 14.400 bis 18.700 EUR pro Studienjahr liegen die Gebühren deutlich über denen in Bulgarien oder Rumänien, und die deutschsprachigen Studiengänge kosten an der Semmelweis Universität Budapest mehr als die englischsprachigen. Dazu kommt der Ruf der Prüfungsordnung: Anatomie in Budapest gilt als eines der härtesten Siebe Europas, die Durchfallquoten in den ersten Studienjahren sind hoch. Wer damit rechnet, ohne festen Lernrhythmus durchzukommen, verschätzt sich.
Alle Universitäten in diesem Land
Jede Universität mit Studiengängen, Gebühren und Unterrichtssprache – ein Klick führt zur ausführlichen Standortseite.
Was kostet das Medizinstudium hier?
Die Studiengebühren in Ungarn hängen vom Standort, vom Studiengang und von der Unterrichtssprache ab. An der Semmelweis Universität Budapest kostet das Studium 9.340 EUR pro Semester auf Deutsch und 8.930 EUR pro Semester auf Englisch. Die Universität Debrecen verlangt 7.250 EUR pro Semester für Humanmedizin und 7.500 EUR pro Semester für Zahnmedizin. An der Universität Pécs liegt die Humanmedizin bei 7.500 EUR pro Semester auf Deutsch und 7.200 EUR pro Semester auf Englisch, die Zahnmedizin bei 7.875 beziehungsweise 7.450 EUR pro Semester. Die Universität Szeged berechnet für Humanmedizin 7.600 EUR pro Semester auf Deutsch und 7.900 EUR pro Semester auf Englisch, für Zahnmedizin 8.000 EUR pro Semester.
Aufs Jahr gerechnet ergibt das eine Spanne von 14.400 bis 18.700 EUR. Die Spanne ist breit. Die Sprache verschiebt den Preis in beide Richtungen. In Budapest und Pécs ist der deutschsprachige Studiengang teurer als der englischsprachige, in Szeged ist es umgekehrt.
Für die Lebenshaltung in Ungarn sind 450 bis 700 EUR im Monat realistisch, wobei Budapest klar am oberen Rand liegt und Debrecen, Szeged und Pécs darunter. Miete, Nahverkehr, Lebensmittel und Versicherung sind darin enthalten.
Als Schätzung für ein Studienjahr an der Universität Pécs: rund 15.000 EUR Studiengebühren plus etwa 6.600 EUR Lebenshaltung bei 550 EUR im Monat, zusammen also gut 21.000 EUR. In Budapest liegt dieselbe Rechnung eher bei 26.000 EUR. Das sind Richtwerte, keine verbindlichen Angaben.
Wie läuft die Bewerbung ab?
Die Bewerbung für ein Medizinstudium in Ungarn läuft über das Frühjahr und den Sommer, der Studienbeginn ist im September. Die Auswahl besteht aus zwei Teilen: einer schriftlichen Aufnahmeprüfung in Biologie und Chemie auf dem Stoffniveau der gymnasialen Oberstufe und einem Gespräch, in dem Motivation und Sprachkenntnisse eingeschätzt werden. Geprüft wird in der Sprache, in der später studiert wird, also auf Deutsch für die deutschsprachigen Studiengänge in Budapest, Pécs und Szeged.
Ein bestimmter Abiturschnitt ist keine formale Voraussetzung. Einen Numerus clausus gibt es in Ungarn nicht. Wer sich für einen englischsprachigen Studiengang bewirbt, weist Englischkenntnisse nach; für die deutschsprachigen Studiengänge genügt bei deutschen, österreichischen und Schweizer Bewerbern in der Regel das Zeugnis. Die Plätze in den deutschsprachigen Jahrgängen sind begrenzt und in beliebten Jahren früh vergeben, weshalb sich eine Bewerbung im Frühjahr auszahlt. Ein Studienstart im Frühjahrssemester ist an den Medizinfakultäten in Ungarn nicht vorgesehen, der Jahrgang beginnt geschlossen im September mit einer Einführungswoche und der Einschreibung vor Ort.
Welche Universität in Ungarn zum eigenen Zeugnis passt, wann welche Prüfungstermine liegen und wie eine sinnvolle Vorbereitung auf Biologie und Chemie aussieht, geht die Medizinerschmiede im persönlichen Gespräch mit jedem Bewerber durch, ebenso die Frage, ob der deutsch- oder der englischsprachige Studiengang der bessere Weg ist. Das Gespräch ist kostenlos.
Wird der Abschluss in Deutschland anerkannt?
Ungarn ist seit 2004 Mitglied der Europäischen Union. Human- und Zahnmedizin fallen unter die Richtlinie 2005/36/EG über die Anerkennung von Berufsqualifikationen, die die Ausbildung in diesen Berufen europaweit auf einen gemeinsamen Mindeststandard festlegt. Die ungarischen Medizinuniversitäten sind in Anhang V der Richtlinie aufgeführt. Der Abschluss wird in Deutschland deshalb automatisch anerkannt, ohne Gleichwertigkeitsprüfung und ohne Kenntnisprüfung.
Für die Approbation bleibt der Antrag bei der zuständigen Landesbehörde des Bundeslandes, in dem gearbeitet werden soll. Dazu kommen der Nachweis von Deutschkenntnissen, in der Regel auf Niveau C1, und die Fachsprachenprüfung der jeweiligen Ärztekammer oder Zahnärztekammer. Wer in Ungarn auf Deutsch studiert hat, ist an dieser Stelle im Vorteil, weil die medizinische Fachsprache von der ersten Vorlesung an Deutsch war. Ein Selbstläufer ist sie nicht. Abgenommen wird die Fachsprachenprüfung von der jeweiligen Kammer im Zielbundesland, und sie sollte im letzten Studienjahr fest eingeplant werden.
Für die Schweiz läuft die Anerkennung eines ungarischen Abschlusses über die MEBEKO, für Österreich über die Österreichische Ärztekammer. Beide Verfahren beruhen auf derselben Richtlinie, haben aber eigene Formulare, eigene Gebühren und eigene Bearbeitungszeiten. Anerkannt wird jeweils der fertige Abschluss. Wer mitten im Studium von Ungarn an eine deutsche Fakultät wechseln will, fällt nicht unter diese Regel, sondern unter die Anrechnung einzelner Studienleistungen durch die aufnehmende Fakultät. Das ist ein Verfahren mit offenem Ausgang und hängt an freien Plätzen im höheren Fachsemester, weshalb es sich nicht als Plan B einkalkulieren lässt.
Studium und Alltag vor Ort
Humanmedizin dauert in Ungarn sechs Jahre, Zahnmedizin und Pharmazie fünf. Der Aufbau folgt dem klassischen Muster: zwei vorklinische Jahre mit Anatomie, Histologie, Physiologie und Biochemie, danach der klinische Abschnitt an den Universitätskliniken, am Ende ein Praktisches Jahr. Anwesenheitspflicht in Seminaren und Praktika ist an allen vier Universitäten die Regel, dazu kommen Testate während des Semesters. Fehlzeiten werden gezählt.
Die Prüfungen sind zu einem grossen Teil mündlich. An der Semmelweis Universität Budapest hat vor allem die Anatomieprüfung einen Ruf, der über die Landesgrenzen hinausreicht. Wer den Lernstoff vor sich herschiebt, verliert schnell ein Semester. Ungarisch wird begleitend unterrichtet und ist für den Umgang mit Patienten im klinischen Abschnitt nötig, auch in den deutschsprachigen Studiengängen. Praktika in den Semesterferien gehören zum Pflichtprogramm und lassen sich häufig im deutschsprachigen Raum ableisten.
Beim Wohnen ist Budapest das teuerste Pflaster Ungarns, während Debrecen, Szeged und Pécs deutlich günstiger und übersichtlicher sind. In Pécs und Budapest ist die deutschsprachige Community am grössten, mit eigenen Fachschaften, Altklausurensammlungen und Lerngruppen, die neue Jahrgänge auffangen. Szeged und Debrecen sind Universitätsstädte mit kurzen Wegen, in denen sich der Alltag zwischen Fakultät, Klinik und Wohnung ohne langes Pendeln organisieren lässt. Wohnheimplätze gibt es an allen vier Universitäten in Ungarn, sie reichen aber nicht für jeden internationalen Studenten, weshalb die meisten privat mieten.
Häufige Fragen zum Medizinstudium in diesem Land
Braucht man für ein Medizinstudium in Ungarn einen NC?
Nein. Einen Numerus clausus gibt es in Ungarn nicht. Über die Zulassung an der Semmelweis Universität Budapest sowie an den Universitäten Pécs, Szeged und Debrecen entscheiden eine schriftliche Aufnahmeprüfung in Biologie und Chemie und ein Auswahlgespräch. Die Abiturnote wird zur Kenntnis genommen, ist aber kein Ausschlusskriterium.
Kann man in Ungarn auf Deutsch Medizin studieren?
Ja. Die Semmelweis Universität Budapest, die Universität Pécs und die Universität Szeged führen komplett deutschsprachige Studiengänge in der Humanmedizin, Budapest und Pécs auch in der Zahnmedizin. Vorlesungen, Seminare und Prüfungen laufen auf Deutsch. Ungarisch kommt begleitend dazu, weil die Arbeit mit Patienten in Ungarn auf Ungarisch stattfindet.
Was kostet ein Studienjahr in Ungarn?
Je nach Universität, Studiengang und Sprache zwischen 14.400 und 18.700 EUR pro Jahr. Am unteren Rand liegt die Universität Pécs mit 7.200 EUR pro Semester für englischsprachige Humanmedizin, am oberen die Semmelweis Universität Budapest mit 9.340 EUR pro Semester auf Deutsch. Für die Lebenshaltung in Ungarn kommen 450 bis 700 EUR im Monat dazu.
Wird ein Medizinabschluss aus Ungarn in Deutschland anerkannt?
Ja, automatisch. Ungarn ist seit 2004 EU-Mitglied, Human- und Zahnmedizin fallen unter die Richtlinie 2005/36/EG. Eine Gleichwertigkeits- oder Kenntnisprüfung entfällt. Für die Approbation bleiben der Antrag bei der zuständigen Landesbehörde, der Deutschnachweis auf Niveau C1 und die Fachsprachenprüfung der jeweiligen Ärztekammer oder Zahnärztekammer.
Warum ist ein Medizinstudium in Ungarn teurer als in Bulgarien?
Die vier Universitäten in Ungarn verlangen zwischen 7.200 und 9.340 EUR pro Semester, während bulgarische Standorte bei 4.500 bis 5.000 EUR pro Semester liegen. Der grösste Unterschied ist das deutschsprachige Angebot, das es in Ungarn an drei Standorten gibt und das in Osteuropa sonst kaum zu finden ist.
Ist ein Wechsel von Ungarn an eine deutsche Universität möglich?
Möglich, aber nicht planbar. Über die Anrechnung der in Ungarn erbrachten Studienleistungen entscheidet die aufnehmende deutsche Fakultät, freie Plätze in höheren Fachsemestern sind knapp. Weil der ungarische Abschluss in Deutschland automatisch anerkannt wird, schliessen die meisten Studenten ihr Studium in Ungarn ab.
Wie sicher ist der Studienplatz in Ungarn?
Die deutschsprachigen Jahrgänge in Budapest, Pécs und Szeged haben feste Platzzahlen und sind in nachfragestarken Jahren früh vergeben. Wer die Aufnahmeprüfung besteht und sich im Frühjahr bewirbt, hat die besten Aussichten. Eine Zusage vor bestandener Prüfung gibt es an keiner Universität in Ungarn.

Ahmad

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