Mitteleuropa

Medizin studieren in Tschechien

Vier medizinische Fakultäten in Tschechien unterrichten auf Englisch, drei davon gehören zur Karls-Universität. Ohne NC, mit EU-weit automatisch anerkanntem Abschluss.

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Überblick

Auf einen Blick

Die wichtigsten Eckdaten zum Medizinstudium in diesem Land.

Standorte

4 Standorte

Studiengebühren

15.700 bis 17.400 EUR pro Jahr

Lebenshaltungskosten

500 bis 800 EUR im Monat

Unterrichtssprache

Englisch

Studiendauer

6 Jahre, Zahnmedizin 5 Jahre

Aufnahmeverfahren

Schriftliche Aufnahmeprüfung

Anerkennung

EU-weit automatisch

EU-Status

EU-Mitglied seit 2004

Einführung

Warum deutsche Bewerber hier studieren

Tschechien gehört seit 2004 zur Europäischen Union und bildet an vier Standorten Mediziner auf Englisch aus, ohne dass ein deutscher Numerus clausus verlangt wird. Drei dieser vier Fakultäten gehören zur Karls-Universität, die 1348 in Prag gegründet wurde und damit die älteste Universität Mitteleuropas ist. Die Wege sind kurz. Von Dresden nach Prag oder von Nürnberg nach Pilsen kommt man an einem Vormittag, ohne ein Flugzeug zu besteigen.

Vier Fakultäten, vier verschiedene Zuschnitte

Die Zweite Medizinische Fakultät der Karls-Universität in Prag unterrichtet ausschliesslich Humanmedizin und ist am Universitätsklinikum Motol angesiedelt, dem grössten Krankenhaus Tschechiens. Mit 8.675 EUR pro Semester ist Prag der teuerste der vier Standorte, dazu kommen die höchsten Mieten des Landes. Die Medizinische Fakultät der Karls-Universität in Pilsen verlangt 8.064 EUR pro Semester und macht dabei keinen Unterschied zwischen Humanmedizin und Zahnmedizin, was für angehende Zahnmediziner der günstigste Weg in Tschechien ist. Pilsen liegt zudem näher an der bayerischen Grenze als jeder andere medizinische Standort des Landes. In Hradec Králové, ebenfalls Karls-Universität, kostet Humanmedizin 8.150 EUR pro Semester und Zahnmedizin 8.400 EUR pro Semester; die Stadt in Ostböhmen ist überschaubar, das Studentenleben spielt sich zwischen Fakultät, Universitätskrankenhaus und Altstadt ab.

Aus der Reihe fällt Brünn. Die Masaryk-Universität ist die zweitgrösste Universität Tschechiens, ihre Medizinische Fakultät unterrichtet Human- und Zahnmedizin und ist mit 7.852 EUR pro Semester für Humanmedizin und 8.265 EUR pro Semester für Zahnmedizin der günstigste Standort im Land. Brünn hat einen hohen Studentenanteil, kurze Wege und Alltagskosten unter Prager Niveau.

Für wen Tschechien passt

Tschechien passt zu Bewerbern, die eine kurze Anreise, eine lange akademische Tradition und ein englischsprachiges Curriculum an einer staatlichen Universität suchen. Eine Hürde gehört klar benannt: Die Aufnahmeprüfungen der Karls-Universität und der Masaryk-Universität sind schriftlich, decken Biologie, Chemie und Physik ab und werden ohne Vorbereitung selten bestanden. Dazu kommt Tschechisch als Pflichtfach, weil auf den Stationen tschechische Patienten behandelt werden.

Standorte

Alle Universitäten in diesem Land

Jede Universität mit Studiengängen, Gebühren und Unterrichtssprache – ein Klick führt zur ausführlichen Standortseite.

Brünn

Masaryk-Universität, Medizinische Fakultät

Humanmedizin und Zahnmedizin

Humanmedizin 7.852 EUR pro Semester, Zahnmedizin 8.265 EUR pro Semester

bruenn

Brünn

Masaryk University – Faculty of Medicine

masaryk-university-bruenn

Hradec Králové

Karls-Universität, Medizinische Fakultät in Hradec Králové

Humanmedizin, Zahnmedizin

Humanmedizin 8.150 EUR pro Semester, Zahnmedizin 8.400 EUR pro Semester

hradec-kralove

Olmütz

Palacký-Universität Olomouc, Medizinische Fakultät

Humanmedizin, Zahnmedizin

ca. 12.500 EUR pro Studienjahr

olmuetz-palacky

Ostrava

Universität Ostrava, Medizinische Fakultät

Humanmedizin

auf Anfrage

ostrava
Neuer Partner

Pilsen

Karls-Universität, Medizinische Fakultät Pilsen

Humanmedizin und Zahnmedizin

8.064 EUR pro Semester (Human- und Zahnmedizin)

pilsen

Prag

Karls-Universität, Zweite Medizinische Fakultät

Humanmedizin

8.675 EUR pro Semester

prag

Prag

Charles University – First Faculty of Medicine

charles-university-prag

Prag

Karls-Universität, Dritte Medizinische Fakultät

Humanmedizin

auf Anfrage

prag-dritte-fakultaet
Kosten

Was kostet das Medizinstudium hier?

Die Studiengebühren liegen in Tschechien zwischen 7.852 und 8.675 EUR pro Semester und damit enger beieinander als in vielen anderen Ländern. Am günstigsten ist die Humanmedizin an der Masaryk-Universität in Brünn mit 7.852 EUR pro Semester, aufs Studienjahr gerechnet 15.704 EUR; die Zahnmedizin kostet dort 8.265 EUR pro Semester. Die Medizinische Fakultät der Karls-Universität in Pilsen nimmt 8.064 EUR pro Semester für Humanmedizin und Zahnmedizin gleichermassen. In Hradec Králové verlangt die Karls-Universität 8.150 EUR pro Semester für Humanmedizin und 8.400 EUR pro Semester für Zahnmedizin. Am oberen Ende steht die Zweite Medizinische Fakultät der Karls-Universität in Prag mit 8.675 EUR pro Semester, also 17.350 EUR pro Studienjahr.

Der Abstand ist kleiner, als er wirkt. Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Standort in Tschechien liegen über sechs Studienjahre gerechnet knapp 10.000 EUR, was ein einziges Jahr teurer Miete in Prag bereits aufwiegen kann.

Für die Lebenshaltung sollten Studenten in Tschechien etwa 500 bis 800 EUR im Monat einplanen. In Prag liegt allein das Zimmer in einer Wohngemeinschaft im oberen Bereich dieser Spanne, in Hradec Králové, Pilsen oder Brünn bleibt vom gleichen Budget spürbar mehr übrig. Die Wohnheimplätze der Universitäten sind günstiger als der freie Markt und entsprechend schnell vergeben.

Eine grobe Schätzung für ein Studienjahr Humanmedizin an der Masaryk-Universität in Brünn: 15.704 EUR Studiengebühren, also zwei Semester à 7.852 EUR, plus rund 7.200 EUR Lebenshaltung bei zwölf Monaten à etwa 600 EUR. Zusammen sind das ungefähr 22.900 EUR im Jahr. Bücher, Versicherung und Heimfahrten kommen dazu. Es bleibt eine Schätzung.

Bewerbung

Wie läuft die Bewerbung ab?

Das Studienjahr beginnt an den Universitäten in Tschechien im September oder Oktober. Die Bewerbungsfenster öffnen im Winter oder Frühjahr davor, die Fristen liegen je nach Fakultät zwischen dem Frühjahr und dem Sommer. Wer im Herbst anfangen will, plant also gut ein Jahr vorher. Das lohnt sich, weil die Prüfungstermine an den Fakultäten in Tschechien teils dicht beieinanderliegen und mehrere Bewerbungen parallel laufen können.

Die Auswahl läuft an allen vier Standorten in Tschechien über eine schriftliche Aufnahmeprüfung. Geprüft werden Biologie, Chemie und Physik auf Englisch, inhaltlich auf dem Niveau der deutschen Oberstufe, in der Regel im Multiple-Choice-Format. Manche Fakultäten laden zusätzlich zu einem kurzen Gespräch ein. Ein Nachweis über Englischkenntnisse gehört zur Bewerbung, üblicherweise auf B2-Niveau. Tschechischkenntnisse werden für die Zulassung nicht verlangt, der Pflichtkurs beginnt erst im Studium. Studienbeginn ist einmal im Jahr, ein Start zum Sommersemester ist an den medizinischen Fakultäten in Tschechien nicht vorgesehen.

Die Prüfung ist der eigentliche Engpass. Vorbereitung entscheidet. Wer sich in Biologie und Chemie vorbereitet, hat gute Chancen, wer ohne Übung in den Prüfungsraum geht, in der Regel nicht. Termine, Fristen, Prüfungsstoff und die Frage, welche der vier Fakultäten in Tschechien zum eigenen Profil passt, unterscheiden sich von Standort zu Standort. Die Medizinerschmiede geht diesen Ablauf im Beratungsgespräch für den einzelnen Bewerber durch und begleitet die Bewerbung von der Auswahl der Universität bis zur Einschreibung.

Anerkennung

Wird der Abschluss in Deutschland anerkannt?

Human- und Zahnmedizin sind in der Europäischen Union über die Berufsanerkennungsrichtlinie 2005/36/EG geregelt. Wer sein Studium an einer staatlich anerkannten Universität in Tschechien abschliesst, die in Anhang V dieser Richtlinie geführt wird, bekommt den Abschluss in Deutschland automatisch anerkannt. Eine Gleichwertigkeitsprüfung entfällt, eine Kenntnisprüfung ebenfalls. Grundlage dafür ist die EU-Mitgliedschaft Tschechiens seit 2004.

Erledigt werden muss trotzdem einiges. Der Approbationsantrag geht an die zuständige Landesbehörde in dem Bundesland, in dem gearbeitet werden soll. Dazu kommen der Nachweis von Deutschkenntnissen, in der Regel auf C1-Niveau, und die Fachsprachenprüfung der jeweiligen Ärztekammer. Bei dieser Prüfung geht es um medizinisches Deutsch: Anamnese, Arztbrief, Übergabe an Kollegen. Für Muttersprachler ist sie zu schaffen. Ganz nebenbei erledigt sie sich nicht, weil deutsche Fachbegriffe im englischsprachigen Studium in Tschechien kaum vorkommen. Viele Studenten arbeiten daher schon während der klinischen Jahre mit deutschen Lehrbüchern gegen diese Lücke an.

Für die Schweiz läuft die Anerkennung eines Abschlusses aus Tschechien über die MEBEKO, für Österreich über die Österreichische Ärztekammer. Beide Verfahren verlangen einen eigenen Antrag und eigene Sprachnachweise, auch wenn sie auf derselben europäischen Regelung beruhen.

Vom anerkannten Abschluss zu trennen ist der Wechsel während des Studiums. Wer von einer Universität in Tschechien an eine deutsche Fakultät wechseln möchte, braucht einen Platz im höheren Fachsemester, und davon gibt es wenige. Die meisten Studenten bleiben deshalb bis zum Abschluss in Tschechien und kehren erst danach zurück.

Vor Ort

Studium und Alltag vor Ort

Das Medizinstudium in Tschechien ist verschult und dicht getaktet. Praktika und Seminare laufen in festen Gruppen mit Anwesenheitspflicht, geprüft wird laufend über Testate und mündliche Prüfungen am Semesterende. Anatomie mit Präparierkurs, Histologie und Biochemie bestimmen die ersten Jahre, ab dem vierten Jahr verlagert sich der Unterricht an die Krankenbetten: in Prag ans Universitätsklinikum Motol, in Brünn, Pilsen und Hradec Králové an die jeweiligen Universitätskrankenhäuser. Sommerpraktika sind fester Bestandteil des Curriculums und lassen sich nach Absprache auch in Deutschland, Österreich oder der Schweiz ableisten.

Beim Wohnen entscheidet vor allem die Stadt. Prag ist teuer und der Markt schnell, Brünn liegt darunter, Pilsen und Hradec Králové sind vergleichsweise entspannt. Wohnheime der Karls-Universität und der Masaryk-Universität sind die günstige Variante, dafür einfach ausgestattet. Wer ein eigenes Zimmer im Zentrum von Prag sucht, sollte früh anfangen und mit deutschen Grossstadtpreisen rechnen.

Deutschsprachige Studenten findet man an allen vier Standorten in Tschechien, besonders in Prag und Pilsen wegen der kurzen Verbindung nach Bayern und Sachsen. Über die Jahrgänge hinweg werden Altfragen, Skripte und Wohnungstipps weitergereicht. Das hilft. Ersetzen kann es die tägliche Arbeit am Stoff nicht, dafür sitzt die Prüfungsordnung in Tschechien zu straff. Im Alltag ausserhalb der Fakultät sind Lebensmittel, Nahverkehr und Freizeit in Brünn, Pilsen und Hradec Králové günstiger als in Prag, was das monatliche Budget merklich entlastet.

FAQ

Häufige Fragen zum Medizinstudium in diesem Land

Brauche ich für ein Medizinstudium in Tschechien einen NC?

Nein. Die Universitäten in Tschechien wählen ihre Studenten über eine schriftliche Aufnahmeprüfung in Biologie, Chemie und Physik aus, nicht über den deutschen Numerus clausus. Der Abiturschnitt spielt für die Zulassung praktisch keine Rolle. Entscheidend ist, wie gut man in dieser Prüfung abschneidet, und dafür lässt sich gezielt lernen.

Kann ich in Tschechien auf Deutsch Medizin studieren?

Nein. Alle vier Standorte in Tschechien, also die Karls-Universität in Prag, Pilsen und Hradec Králové sowie die Masaryk-Universität in Brünn, unterrichten das internationale Programm auf Englisch. Tschechisch kommt als Pflichtfach für den Umgang mit Patienten dazu. Wer auf Deutsch studieren möchte, sollte im Beratungsgespräch nach anderen Ländern fragen.

Was kostet ein Medizinstudium in Tschechien pro Jahr?

Die Studiengebühren reichen in Tschechien von 7.852 EUR pro Semester für Humanmedizin an der Masaryk-Universität in Brünn bis 8.675 EUR pro Semester an der Zweiten Medizinischen Fakultät der Karls-Universität in Prag. Aufs Studienjahr gerechnet sind das rund 15.700 bis 17.400 EUR. Für die Lebenshaltung kommen etwa 500 bis 800 EUR im Monat dazu.

Wird ein Medizinabschluss aus Tschechien in Deutschland anerkannt?

Ja. Tschechien ist seit 2004 Mitglied der Europäischen Union, Human- und Zahnmedizin fallen unter die Richtlinie 2005/36/EG. Der Abschluss einer staatlich anerkannten tschechischen Universität aus Anhang V wird in Deutschland automatisch anerkannt, ohne Gleichwertigkeits- oder Kenntnisprüfung. Nötig bleiben der Approbationsantrag, Deutsch auf C1-Niveau und die Fachsprachenprüfung der zuständigen Ärztekammer.

Wie schwer ist die Aufnahmeprüfung in Tschechien?

Die Aufnahmeprüfungen der Karls-Universität und der Masaryk-Universität sind schriftlich und decken Biologie, Chemie und Physik auf Englisch ab. Der Stoff entspricht der deutschen Oberstufe, der Umfang ist gross und die Zeit knapp. Mit gezielter Vorbereitung über einige Monate ist die Prüfung zu bestehen, spontan angetreten fällt sie meist durch.

Kann ich später von Tschechien an eine deutsche Universität wechseln?

Ein Wechsel in ein höheres Fachsemester an einer deutschen Universität ist möglich, die Plätze sind aber selten und umkämpft. Die meisten Studenten schliessen ihr Studium deshalb an ihrer Universität in Tschechien ab und kehren erst für die Approbation zurück. Der tschechische Abschluss berechtigt dazu ohne zusätzliche Prüfung.

Wie sicher ist der Studienplatz in Tschechien?

Sicher ist der Studienplatz in Tschechien erst, wenn die Aufnahmeprüfung bestanden, die Zulassung schriftlich erteilt und die Einschreibung erfolgt ist. Die Zahl der englischsprachigen Plätze ist pro Jahrgang begrenzt. Die Medizinerschmiede schätzt vorab ein, wie realistisch die Chancen an den einzelnen Fakultäten sind, und plant Alternativen mit ein.

Ahmad

Sabrina

Rami

Noah

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