Ein Facharzt für Rechtsmedizin klärt für Justiz und Polizei medizinische Fragen: Woran ist ein Mensch gestorben, wann und durch wessen Einwirkung? Er führt gerichtliche Obduktionen und Leichenschauen durch, untersucht lebende Opfer von Gewalt, sichert Spuren, bewertet Verletzungen und erstellt Gutachten zu Fahrtüchtigkeit, Alkohol und Drogen. Forensische Toxikologie und DNA-Analytik gehören in vielen Instituten dazu, ebenso die Altersschätzung bei unbekannter Identität.
Rechtsmediziner arbeiten an Universitätsinstituten und wenigen Landesinstituten. Der Tag beginnt oft im Sektionssaal, danach folgen Gutachten am Schreibtisch, Untersuchungen in der Gewaltopferambulanz und Aussagen vor Gericht. Rufbereitschaft für Tatorte und Leichenschauen ist üblich, klassische Stationsdienste gibt es nicht. Enge Partner sind Staatsanwaltschaft, Kriminalpolizei, Pathologie und Toxikologie; Lehre und Forschung gehören an der Universität dazu.
Die Rechtsmedizin ist ein kleines Fach mit knapp besetzten Instituten, und mehrere Standorte kämpfen um Nachwuchs. Politische Forderungen nach mehr Obduktionen, Kinderschutzambulanzen und Gewaltopferversorgung erhöhen den Bedarf. Technisch verändern postmortale CT und MRT, forensische DNA-Analytik und KI-gestützte Bildauswertung die Arbeit. Karrierechancen liegen fast ausschließlich an Universitäten, mit Habilitation als Weg zur Institutsleitung; daneben entstehen Stellen bei Landeskriminalämtern, Gesundheitsbehörden und in der Versicherungsmedizin.
Fünf Jahre, davon ein Jahr in einem anderen Fach wie Pathologie oder Psychiatrie. Wer in der Universitätslaufbahn bleiben will, plant zusätzlich Promotion und Habilitation ein.
Ja, es gibt nur rund 30 Institute mit wenigen Stellen. Frühes Engagement über Famulatur, PJ-Tertial und Doktorarbeit am Institut ist fast Voraussetzung.
Das Gehalt liegt unter dem klinischer Fächer, weil Dienstzuschläge fehlen. Gutachtenhonorare und Professuren verbessern die Einkommen in leitenden Positionen deutlich.
Nach dem Medizinstudium und der Approbation bewirbst du dich an einem rechtsmedizinischen Institut. Das Studium lässt sich auch NC-frei im EU-Ausland absolvieren; der Abschluss wird EU-weit anerkannt und führt zur Approbation in Deutschland.
Rechtsmediziner werden nach dem Tarif der Universitätskliniken bezahlt, ohne die Dienstzuschläge klinischer Fächer; Institutsleitungen sind Professuren. Alle Angaben sind Bruttojahreswerte.
Die Facharztprüfung ist ein mündliches Fachgespräch vor der Landesärztekammer über Obduktionsbefunde, Gutachtenlogik und rechtliche Grundlagen.