Ein Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie behandelt Erkrankungen, bei denen Körper und Psyche ineinandergreifen: Depressionen und Angststörungen mit körperlichen Symptomen, Essstörungen, somatoforme Störungen wie chronische Schmerzen ohne organischen Befund, Traumafolgestörungen und die psychische Verarbeitung schwerer körperlicher Krankheiten wie Krebs oder Herzinfarkt. Die wichtigsten Werkzeuge sind Gespräch, Psychotherapie in Einzel- und Gruppensetting und ein Behandlungsplan, der Medizin und Psychologie verbindet.

In der psychosomatischen Klinik oder Reha-Einrichtung arbeitest du in einem multiprofessionellen Team mit Psychologen, Kunst- und Körpertherapeuten und Pflege; Visiten, Therapiestunden, Teamsitzungen und Supervision strukturieren den Tag. Nachtdienste sind selten oder fallen ganz weg. In der eigenen Praxis planst du deine Therapiestunden selbst und arbeitest ohne Bereitschaftsdienste, mit hoher Nachfrage und langen Wartelisten.

  • Psychosomatische Diagnostik und biopsychosoziale Anamnese erheben
  • Einzel- und Gruppenpsychotherapie durchführen
  • Essstörungen stationär und ambulant behandeln
  • Konsiliardienst für somatische Stationen leisten
  • Psychopharmaka gezielt einsetzen und überwachen
  • Therapiepläne mit Kunst-, Körper- und Sozialtherapie abstimmen
  • Du hörst gern zu und hältst auch schwierige Gespräche aus.
  • Du interessierst dich für Psychologie und Medizin gleichermaßen.
  • Du bist bereit zur Selbsterfahrung und reflektierst dein eigenes Verhalten.
  • Du hast Geduld für lange Behandlungsverläufe ohne schnelle Erfolge.
  • Du legst Wert auf planbare Arbeitszeiten ohne Nachtdienste.

Vorteile

  • Kaum Nacht- und Wochenenddienste, sehr gute Work-Life-Balance
  • Hohe Nachfrage in Klinik und Praxis, Wartezeiten von Monaten
  • Tiefe Beziehung zu Patienten und sichtbare Entwicklung über Monate

Herausforderungen

  • Gehalt in Klinik und Praxis unter dem Durchschnitt anderer Fächer
  • Selbsterfahrung und Supervision kosten Zeit und teils eigenes Geld
  • Emotionale Belastung durch Traumata, Suizidalität und schwere Lebensgeschichten
  • Zusatz-Weiterbildung Psychoanalyse
  • Zusatz-Weiterbildung Spezielle Schmerztherapie
  • Zusatz-Weiterbildung Sexualmedizin
  • Zusatz-Weiterbildung Suchtmedizinische Grundversorgung
  • Zusatz-Weiterbildung Sozialmedizin
  • Zusatz-Weiterbildung Schlafmedizin

Psychische und psychosomatische Erkrankungen sind der häufigste Grund für Frühverrentung und lange Krankschreibungen, und die Nachfrage nach Psychotherapie übersteigt das Angebot in fast allen Regionen. Psychosomatische Fachärzte werden in Kliniken, Reha-Einrichtungen und Praxen gesucht. Videosprechstunden und digitale Gesundheitsanwendungen ergänzen die Therapie und ermöglichen wohnortunabhängige Arbeit. Weil der Kassensitz für Psychotherapie stark nachgefragt ist, lohnt sich die frühe Planung der Niederlassung.

Wie lange dauert die Weiterbildung in Psychosomatik?

Mindestens fünf Jahre nach dem Studium, inklusive eines Jahres Psychiatrie und eines Jahres in einem körpermedizinischen Fach. Die psychotherapeutische Ausbildung mit Selbsterfahrung und Supervision läuft parallel zur Klinikarbeit.

Gibt es in der Psychosomatik Nachtdienste?

Kaum. Psychosomatische Kliniken haben meist nur Rufbereitschaften oder gar keine Nachtdienste, in der Praxis arbeitest du ausschließlich tagsüber. Das macht das Fach für Familie und Teilzeit besonders attraktiv.

Wie viel verdient man in der Psychosomatik?

Als angestellter Facharzt liegst du bei rund 94.000 € brutto im Jahr, in der Praxis bei etwa 110.000 bis 160.000 € Reinertrag. Das ist weniger als in operativen Fächern, dafür ohne Dienste und mit sehr niedrigen Praxiskosten.

Wie werde ich Facharzt für Psychosomatik?

Nach dem Medizinstudium und der Approbation bewirbst du dich in einer psychosomatischen Klinik. Das Studium ist auch NC-frei im EU-Ausland möglich; der Abschluss wird in Deutschland anerkannt, sodass du die Weiterbildung hier antreten kannst.

Die Psychosomatik gehört zu den geringer vergüteten Fächern, gleicht das aber durch planbare Zeiten und niedrige Praxiskosten aus.

  • Assistenzarzt in der Weiterbildung (TV-Ärzte/VKA bzw. TV-Ärzte TdL): ca. 62.000 € brutto/Jahr
  • Angestellter Facharzt in der Klinik: ca. 94.000 € brutto/Jahr
  • Oberarzt oder leitender Arzt: ca. 131.000 € brutto/Jahr
  • Niederlassung in der psychotherapeutischen Praxis: Reinertrag je Inhaber ca. 110.000 bis 160.000 € brutto/Jahr bei geringen Fixkosten
  • 60 Monate Weiterbildung, davon 12 Monate in Psychiatrie und Psychotherapie
  • 12 Monate in einem somatischen Fach, z. B. Innere Medizin oder Allgemeinmedizin, Anrechnung weiterer Fächer möglich
  • Psychotherapeutische Weiterbildung in einem Richtlinienverfahren (tiefenpsychologisch fundiert oder Verhaltenstherapie) mit dokumentierten Einzel- und Gruppentherapiestunden unter Supervision
  • Selbsterfahrung, Balint- oder interaktionsbezogene Fallarbeit und Theoriestunden nach Vorgabe des eLogbuchs
  • Nachweis psychosomatischer Konsiliartätigkeit und Behandlung von z. B. Essstörungen und somatoformen Störungen

Die Facharztprüfung ist ein mündliches Fachgespräch vor der Landesärztekammer; Voraussetzung ist die vollständige Dokumentation der Therapiestunden, Supervisionen und Selbsterfahrung.