Ein Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie behandelt Erkrankungen, bei denen Körper und Psyche ineinandergreifen: Depressionen und Angststörungen mit körperlichen Symptomen, Essstörungen, somatoforme Störungen wie chronische Schmerzen ohne organischen Befund, Traumafolgestörungen und die psychische Verarbeitung schwerer körperlicher Krankheiten wie Krebs oder Herzinfarkt. Die wichtigsten Werkzeuge sind Gespräch, Psychotherapie in Einzel- und Gruppensetting und ein Behandlungsplan, der Medizin und Psychologie verbindet.
In der psychosomatischen Klinik oder Reha-Einrichtung arbeitest du in einem multiprofessionellen Team mit Psychologen, Kunst- und Körpertherapeuten und Pflege; Visiten, Therapiestunden, Teamsitzungen und Supervision strukturieren den Tag. Nachtdienste sind selten oder fallen ganz weg. In der eigenen Praxis planst du deine Therapiestunden selbst und arbeitest ohne Bereitschaftsdienste, mit hoher Nachfrage und langen Wartelisten.
Psychische und psychosomatische Erkrankungen sind der häufigste Grund für Frühverrentung und lange Krankschreibungen, und die Nachfrage nach Psychotherapie übersteigt das Angebot in fast allen Regionen. Psychosomatische Fachärzte werden in Kliniken, Reha-Einrichtungen und Praxen gesucht. Videosprechstunden und digitale Gesundheitsanwendungen ergänzen die Therapie und ermöglichen wohnortunabhängige Arbeit. Weil der Kassensitz für Psychotherapie stark nachgefragt ist, lohnt sich die frühe Planung der Niederlassung.
Mindestens fünf Jahre nach dem Studium, inklusive eines Jahres Psychiatrie und eines Jahres in einem körpermedizinischen Fach. Die psychotherapeutische Ausbildung mit Selbsterfahrung und Supervision läuft parallel zur Klinikarbeit.
Kaum. Psychosomatische Kliniken haben meist nur Rufbereitschaften oder gar keine Nachtdienste, in der Praxis arbeitest du ausschließlich tagsüber. Das macht das Fach für Familie und Teilzeit besonders attraktiv.
Als angestellter Facharzt liegst du bei rund 94.000 € brutto im Jahr, in der Praxis bei etwa 110.000 bis 160.000 € Reinertrag. Das ist weniger als in operativen Fächern, dafür ohne Dienste und mit sehr niedrigen Praxiskosten.
Nach dem Medizinstudium und der Approbation bewirbst du dich in einer psychosomatischen Klinik. Das Studium ist auch NC-frei im EU-Ausland möglich; der Abschluss wird in Deutschland anerkannt, sodass du die Weiterbildung hier antreten kannst.
Die Psychosomatik gehört zu den geringer vergüteten Fächern, gleicht das aber durch planbare Zeiten und niedrige Praxiskosten aus.
Die Facharztprüfung ist ein mündliches Fachgespräch vor der Landesärztekammer; Voraussetzung ist die vollständige Dokumentation der Therapiestunden, Supervisionen und Selbsterfahrung.