Ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie diagnostiziert und behandelt psychische Erkrankungen: Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen, Schizophrenie, bipolare Störungen, Suchterkrankungen, Demenzen, Persönlichkeitsstörungen und Traumafolgen. Er kombiniert Gesprächsführung, Psychotherapie, Psychopharmakologie und sozialpsychiatrische Hilfen, beurteilt Eigen- und Fremdgefährdung und arbeitet an der Schnittstelle zu Neurologie, Innerer Medizin und Sozialrecht.

In der Klinik betreust du Stationen von der geschützten Akutpsychiatrie bis zur Psychotherapiestation, führst Einzel- und Gruppengespräche, stellst Medikation ein und stimmst dich täglich mit Pflege, Psychologen, Sozialdienst und Ergotherapie ab. Dienste umfassen Notaufnahme, Krisenintervention und Unterbringungen. In der Praxis dominieren Sprechstunde, Psychotherapie und Langzeitbetreuung mit planbaren Zeiten. Das Fach lebt von Zuhören, Beziehung und interdisziplinärer Teamarbeit. Angehörigengespräche und Kontakte zu Betreuern und Sozialämtern gehören ebenfalls dazu.

  • Psychiatrische Diagnostik und Krisenintervention durchführen
  • Psychopharmaka einstellen und Nebenwirkungen überwachen
  • Einzel- und Gruppenpsychotherapie anbieten
  • Suizidalität einschätzen und Unterbringungen begleiten
  • Suchterkrankungen entgiften und Rückfälle vorbeugen
  • Gutachten und sozialpsychiatrische Hilfen koordinieren
  • Du hörst gern zu und kannst Beziehungen zu schwierigen Patienten aufbauen.
  • Du hältst Distanz, ohne kalt zu werden, auch bei Aggression oder Verzweiflung.
  • Du interessierst dich für Neurobiologie, Pharmakologie und Psychologie gleichermaßen.
  • Du arbeitest gern im multiprofessionellen Team auf Augenhöhe.
  • Du bringst Geduld mit, weil Verläufe oft Monate oder Jahre dauern.

Vorteile

  • Enormer Bedarf, sehr gute Niederlassungs- und Anstellungschancen bundesweit.
  • Viel Gesprächszeit, wenig körperliche Belastung, Teilzeit gut möglich.
  • Psychotherapie ist integraler Teil der Weiterbildung, kein Zusatzweg nötig.

Herausforderungen

  • Emotionale Belastung durch Suizidalität, Zwangsmaßnahmen und Gewalt.
  • Tarifgehalt liegt unter dem operativer Fächer, Praxisumsätze sind begrenzt.
  • Selbsterfahrung und Supervision kosten in der Weiterbildung Zeit und Geld.
  • Zusatz-Weiterbildung Forensische Psychiatrie
  • Zusatz-Weiterbildung Geriatrie
  • Zusatz-Weiterbildung Suchtmedizinische Grundversorgung
  • Zusatz-Weiterbildung Sexualmedizin
  • Zusatz-Weiterbildung Schlafmedizin
  • Zusatz-Weiterbildung Sozialmedizin

Psychische Erkrankungen sind eine der häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit, und Patienten warten oft Monate auf einen Termin; der Bedarf an Psychiatern übersteigt das Angebot in fast allen Regionen. Viele Kliniken besetzen Assistenz- und Oberarztstellen nur mit Mühe, Kassensitze sind in ländlichen Gebieten frei. Digitale Gesundheitsanwendungen, Videosprechstunden und KI-gestützte Verlaufsdokumentation entlasten, ersetzen aber nicht das Gespräch. Wer Psychiatrie wählt, hat Planungssicherheit für Jahrzehnte.

Wie lange dauert die Weiterbildung zum Psychiater?

60 Monate nach dem Studium, inklusive eines Jahres Neurologie und der integrierten Psychotherapieausbildung. Viele brauchen etwas länger, weil Selbsterfahrung und Supervisionsstunden parallel zur Klinikarbeit laufen.

Kann ich als Psychiater eine Praxis eröffnen?

Ja, und die Nachfrage ist hoch: Patienten warten oft Monate auf Termine. Kassensitze sind besonders außerhalb der Großstädte verfügbar, viele Psychiater kombinieren Sprechstunde und Psychotherapie.

Wie ist die Work-Life-Balance?

In der Praxis sehr gut planbar, in der Klinik gibt es Dienste mit Kriseninterventionen. Teilzeit ist verbreitet, die körperliche Belastung ist gering, die emotionale sollte man nicht unterschätzen.

Wie werde ich Psychiater, wenn ich keinen Studienplatz in Deutschland bekomme?

Auch ein NC-freies Medizinstudium im EU-Ausland führt zum Ziel: Der Abschluss ist EU-weit anerkannt, du erhältst die Approbation in Deutschland und beginnst dann die reguläre Weiterbildung Psychiatrie und Psychotherapie.

Psychiater verdienen in der Klinik nach den ärztlichen Tarifverträgen; die Praxis bietet planbare Zeiten, aber im Fächervergleich moderate Erträge.

  • Assistenzarzt in Weiterbildung (TV-Ärzte/VKA bzw. TdL): ca. 62.000 € brutto/Jahr
  • Angestellter Facharzt in der Klinik: ca. 95.000 € brutto/Jahr
  • Oberarzt / leitender Arzt: ca. 135.000 € brutto/Jahr
  • Niederlassung in psychiatrisch-psychotherapeutischer Praxis: Reinertrag je Inhaber ca. 150.000 bis 190.000 € brutto/Jahr
  • 60 Monate insgesamt, davon 12 Monate Neurologie als Pflichtabschnitt und 24 Monate in der stationären psychiatrischen Patientenversorgung
  • Bis zu 12 Monate in Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik, Allgemeinmedizin oder Innerer Medizin anrechenbar, ambulante Abschnitte möglich
  • Psychotherapie-Ausbildung in einem Richtlinienverfahren (Verhaltenstherapie oder tiefenpsychologisch fundiert) mit Theoriestunden, supervidierten Behandlungsstunden, Selbsterfahrung und Balint- bzw. interaktioneller Gruppe
  • Inhalte: Akutpsychiatrie, Gerontopsychiatrie, Suchtmedizin, Psychopharmakologie, forensische Grundlagen, sozialpsychiatrische Versorgung
  • Nachweis im eLogbuch; Psychotherapiestunden werden über Weiterbildungsinstitute oder Kliniken bescheinigt

Die Facharztprüfung ist ein Fachgespräch vor der Landesärztekammer, das psychiatrische Fälle, Pharmakotherapie und psychotherapeutische Behandlungsplanung umfasst.