Als Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie stellst du Form und Funktion wieder her: nach Tumoroperationen, schweren Unfällen, Verbrennungen oder angeborenen Fehlbildungen. Du verpflanzt Gewebe mit mikrochirurgischer Technik, rekonstruierst Brüste nach Krebs, versorgst komplexe Handverletzungen und behandelst Verbrennungsopfer. Der ästhetische Teil, etwa Lidstraffungen, Brustoperationen oder Körperkonturierung, ist ein Bereich davon, nicht das ganze Fach.
In der Klinik verbringst du viel Zeit im OP, oft mit mehrstündigen mikrochirurgischen Eingriffen unter dem Mikroskop. Dazu kommen Sprechstunden, Wundvisiten und die Nachsorge freier Lappen, die in den ersten Tagen engmaschig kontrolliert werden. Dienste gibt es vor allem an Zentren für Hand- und Verbrennungschirurgie. In der Privatpraxis dominieren planbare ästhetische Eingriffe ohne Nachtdienste, dafür mit hohem Anspruch an Beratung und Ergebnis.
Die Nachfrage nach rekonstruktiver Chirurgie wächst mit steigenden Tumorzahlen und besseren Überlebensraten, etwa bei der Brustrekonstruktion. Der ästhetische Markt wächst ebenfalls, wird aber von Fachfremden bedrängt, weshalb die Facharztbezeichnung als Qualitätsmerkmal an Wert gewinnt. 3D-Planung, Simulation und robotische Mikrochirurgie halten Einzug. Weiterbildungsstellen bleiben knapp, wer eine bekommt, hat danach exzellente Chancen in Klinik und Praxis. Auch Kooperationen mit Onkologie und Unfallchirurgie an zertifizierten Zentren wachsen und schaffen neue Oberarztstellen.
Sechs Jahre nach dem Studium, davon zwei Jahre chirurgische Basis und vier Jahre im Fach. Weil Stellen knapp sind, dauert es in der Praxis häufig länger, etwa durch Zwischenjahre in der Allgemein- oder Unfallchirurgie. Realistisch bist du 13 bis 14 Jahre nach dem Abitur Facharzt.
Es ist eines der umkämpftesten Fächer. Es gibt nur wenige Abteilungen, und Bewerber sind oft schon promoviert und haben Famulaturen oder PJ-Tertiale im Fach absolviert. Frühe Kontakte, Kongresse und wissenschaftliche Arbeit erhöhen die Chancen deutlich.
Nein, entscheidend ist die Approbation. Ein NC-freies Medizinstudium im EU-Ausland führt zu einem EU-weit anerkannten Abschluss, mit dem du die deutsche Approbation erhältst und dich regulär um Weiterbildungsstellen bewirbst. Für die Bewerbung zählen dann Noten, Promotion und Engagement im Fach.
Nach der Facharztprüfung ja, viele lassen sich in ästhetischen Praxen oder Privatkliniken nieder. Die Weiterbildung selbst ist aber überwiegend rekonstruktiv, weil Klinikabteilungen Tumor-, Unfall- und Verbrennungspatienten versorgen. Das rekonstruktive Können ist auch die Basis für sichere ästhetische Chirurgie.
In der Klinik verdienen Plastische Chirurgen wie andere operative Fächer, der große Sprung kommt mit ästhetischer Tätigkeit.
Die Facharztprüfung vor der Landesärztekammer bespricht typische rekonstruktive Situationen: Defektdeckung, Lappenwahl, Komplikationsmanagement. Auch ästhetische Indikationen und Aufklärungspflichten werden geprüft.