Als Facharzt für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie stellst du Form und Funktion wieder her: nach Tumoroperationen, schweren Unfällen, Verbrennungen oder angeborenen Fehlbildungen. Du verpflanzt Gewebe mit mikrochirurgischer Technik, rekonstruierst Brüste nach Krebs, versorgst komplexe Handverletzungen und behandelst Verbrennungsopfer. Der ästhetische Teil, etwa Lidstraffungen, Brustoperationen oder Körperkonturierung, ist ein Bereich davon, nicht das ganze Fach.

In der Klinik verbringst du viel Zeit im OP, oft mit mehrstündigen mikrochirurgischen Eingriffen unter dem Mikroskop. Dazu kommen Sprechstunden, Wundvisiten und die Nachsorge freier Lappen, die in den ersten Tagen engmaschig kontrolliert werden. Dienste gibt es vor allem an Zentren für Hand- und Verbrennungschirurgie. In der Privatpraxis dominieren planbare ästhetische Eingriffe ohne Nachtdienste, dafür mit hohem Anspruch an Beratung und Ergebnis.

  • Freie Lappenplastiken mikrochirurgisch anschließen
  • Brustrekonstruktion nach Mastektomie
  • Handverletzungen und Sehnen operieren
  • Verbrennungen mit Hauttransplantaten versorgen
  • Ästhetische Eingriffe an Gesicht, Brust und Körper
  • Chronische Wunden und Druckgeschwüre decken
  • Du arbeitest gern extrem präzise und hast ruhige Hände.
  • Du hast ein Auge für Form, Proportion und Ästhetik.
  • Du hältst mehrstündige Operationen unter dem Mikroskop konzentriert durch.
  • Du kannst mit hohen Erwartungen und anspruchsvollen Patienten umgehen.
  • Du bist bereit, dich in einem kleinen Fach lange um eine Stelle zu bemühen.

Vorteile

  • Hohes Einkommenspotenzial in der ästhetischen Privatpraxis
  • Sichtbare, oft lebensverändernde Ergebnisse für Patienten
  • Planbare Arbeit ohne Nachtdienste im ambulanten Bereich

Herausforderungen

  • Sehr wenige Weiterbildungsstellen, hohe Konkurrenz
  • Lange Eingriffe und Dienste an Verbrennungs- und Handzentren
  • Selbstzahlermarkt mit Wettbewerb und rechtlichem Haftungsrisiko
  • Handchirurgie
  • Intensivmedizin
  • Notfallmedizin
  • Klinische Akut- und Notfallmedizin
  • Ärztliches Qualitätsmanagement

Die Nachfrage nach rekonstruktiver Chirurgie wächst mit steigenden Tumorzahlen und besseren Überlebensraten, etwa bei der Brustrekonstruktion. Der ästhetische Markt wächst ebenfalls, wird aber von Fachfremden bedrängt, weshalb die Facharztbezeichnung als Qualitätsmerkmal an Wert gewinnt. 3D-Planung, Simulation und robotische Mikrochirurgie halten Einzug. Weiterbildungsstellen bleiben knapp, wer eine bekommt, hat danach exzellente Chancen in Klinik und Praxis. Auch Kooperationen mit Onkologie und Unfallchirurgie an zertifizierten Zentren wachsen und schaffen neue Oberarztstellen.

Wie lange dauert die Weiterbildung Plastische Chirurgie?

Sechs Jahre nach dem Studium, davon zwei Jahre chirurgische Basis und vier Jahre im Fach. Weil Stellen knapp sind, dauert es in der Praxis häufig länger, etwa durch Zwischenjahre in der Allgemein- oder Unfallchirurgie. Realistisch bist du 13 bis 14 Jahre nach dem Abitur Facharzt.

Wie schwer ist es, eine Weiterbildungsstelle zu bekommen?

Es ist eines der umkämpftesten Fächer. Es gibt nur wenige Abteilungen, und Bewerber sind oft schon promoviert und haben Famulaturen oder PJ-Tertiale im Fach absolviert. Frühe Kontakte, Kongresse und wissenschaftliche Arbeit erhöhen die Chancen deutlich.

Muss ich in Deutschland studiert haben?

Nein, entscheidend ist die Approbation. Ein NC-freies Medizinstudium im EU-Ausland führt zu einem EU-weit anerkannten Abschluss, mit dem du die deutsche Approbation erhältst und dich regulär um Weiterbildungsstellen bewirbst. Für die Bewerbung zählen dann Noten, Promotion und Engagement im Fach.

Kann ich nur ästhetisch arbeiten?

Nach der Facharztprüfung ja, viele lassen sich in ästhetischen Praxen oder Privatkliniken nieder. Die Weiterbildung selbst ist aber überwiegend rekonstruktiv, weil Klinikabteilungen Tumor-, Unfall- und Verbrennungspatienten versorgen. Das rekonstruktive Können ist auch die Basis für sichere ästhetische Chirurgie.

In der Klinik verdienen Plastische Chirurgen wie andere operative Fächer, der große Sprung kommt mit ästhetischer Tätigkeit.

  • Assistenzarzt in Weiterbildung (TV-Ärzte/VKA, TdL): ca. 69.000 € brutto/Jahr mit Diensten
  • Angestellter Facharzt in der Klinik: ca. 112.000 € brutto/Jahr
  • Oberarzt oder leitender Arzt: ca. 188.000 € brutto/Jahr inklusive Beteiligung an Privatleistungen
  • Ästhetische Privatpraxis: Reinertrag je Inhaber sehr breit gestreut, realistisch ca. 200.000 bis 400.000 € vor Steuern, abhängig von Standort und Ruf
  • 72 Monate nach MWBO 2018: 24 Monate Basisweiterbildung Chirurgie plus 48 Monate Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie
  • Mindestens 6 Monate Intensivmedizin und 6 Monate Notaufnahme in der Basisweiterbildung
  • Richtzahlen für Lappenplastiken, mikrochirurgische Gefäß- und Nervennähte, Hauttransplantationen und Handeingriffe
  • Nachweis rekonstruktiver Eingriffe an Brust, Kopf-Hals und Extremitäten sowie ästhetischer Operationen
  • Verbrennungsbehandlung und Wundmanagement, Dokumentation im eLogbuch

Die Facharztprüfung vor der Landesärztekammer bespricht typische rekonstruktive Situationen: Defektdeckung, Lappenwahl, Komplikationsmanagement. Auch ästhetische Indikationen und Aufklärungspflichten werden geprüft.