Ein Facharzt für Physiologie erforscht und lehrt, wie der gesunde Körper funktioniert: Herz-Kreislauf-Regulation, Atmung, Nierenfunktion, Nervensystem, Sinnesorgane und Hormonsysteme. Er behandelt keine Patienten, sondern arbeitet mit Zellkulturen, Tiermodellen, Probandenstudien und Computermodellen, häufig an einer konkreten Fragestellung über Jahre hinweg. Seine Ergebnisse bilden die Grundlage für klinische Fächer, etwa in der Kardiologie, Neurologie oder Sportmedizin, und seine Lehre prägt Medizinstudenten in der Vorklinik.
Physiologen arbeiten an Universitätsinstituten. Der Tag verbindet Laborexperimente, Datenanalyse und das Schreiben von Publikationen und Förderanträgen mit Vorlesungen, Praktika und Prüfungen. Nacht- und Wochenenddienste gibt es nicht, dafür Deadlines für Anträge und Kongresse. Das Team besteht aus Naturwissenschaftlern, Doktoranden und technischen Assistenten; internationale Kooperationen sind üblich, Forschungsaufenthalte im Ausland gehören meist zur Karriere.
Die Physiologie hat Nachwuchsprobleme: Viele Lehrstühle sind mit Naturwissenschaftlern besetzt, ärztliche Physiologen sind selten und werden für Lehre und translationale Forschung gesucht. Neue Forschungsfelder wie Systemphysiologie, Organoide, Neurotechnologie und die Modellierung von Körperfunktionen mit KI bringen Fördermittel. Wer Medizin, Datenanalyse und Forschung verbindet, hat gute Chancen auf Professuren, aber auch auf Positionen in Medizintechnik, Pharmaforschung und Digital-Health-Unternehmen, wo physiologisches Verständnis knapp ist.
Vier Jahre, die kürzeste Facharztweiterbildung. Meist läuft sie parallel zu Promotion oder Habilitation, weil die Universitätskarriere davon abhängt.
Die Approbation bleibt bestehen, ein Wechsel in ein klinisches Fach erfordert aber die dortige Weiterbildung. Einige Physiologen kombinieren Forschung mit Sportmedizin oder Kardiologie.
Ohne Dienste ist die Arbeitszeit flexibel und familienfreundlich. Belastend sind eher befristete Verträge und der Druck, Publikationen und Fördermittel zu liefern.
Voraussetzung ist ein abgeschlossenes Medizinstudium mit Approbation, das auch NC-frei im EU-Ausland möglich ist; der Abschluss wird EU-weit anerkannt. Danach bewirbst du dich an einem physiologischen Institut, oft schon während der Promotion.
Physiologen werden an Universitäten nach TV-Ärzte TdL oder TV-L bezahlt, ohne Dienstzuschläge; das Einkommen liegt deshalb unter dem klinischer Fachärzte. Die Spitze bilden Professuren.
Die Facharztprüfung ist ein mündliches Fachgespräch vor der Landesärztekammer über physiologische Grundlagen, Methodik und eigene Forschungsarbeit.