Ein Facharzt für Physiologie erforscht und lehrt, wie der gesunde Körper funktioniert: Herz-Kreislauf-Regulation, Atmung, Nierenfunktion, Nervensystem, Sinnesorgane und Hormonsysteme. Er behandelt keine Patienten, sondern arbeitet mit Zellkulturen, Tiermodellen, Probandenstudien und Computermodellen, häufig an einer konkreten Fragestellung über Jahre hinweg. Seine Ergebnisse bilden die Grundlage für klinische Fächer, etwa in der Kardiologie, Neurologie oder Sportmedizin, und seine Lehre prägt Medizinstudenten in der Vorklinik.

Physiologen arbeiten an Universitätsinstituten. Der Tag verbindet Laborexperimente, Datenanalyse und das Schreiben von Publikationen und Förderanträgen mit Vorlesungen, Praktika und Prüfungen. Nacht- und Wochenenddienste gibt es nicht, dafür Deadlines für Anträge und Kongresse. Das Team besteht aus Naturwissenschaftlern, Doktoranden und technischen Assistenten; internationale Kooperationen sind üblich, Forschungsaufenthalte im Ausland gehören meist zur Karriere.

  • Planung und Durchführung physiologischer Experimente
  • Auswertung von Messdaten und Statistik
  • Vorlesungen und Praktika für Medizinstudenten
  • Publikation von Forschungsergebnissen in Fachzeitschriften
  • Einwerbung von Drittmitteln und Förderanträgen
  • Betreuung von Doktoranden und Prüfungen
  • Du willst verstehen, warum der Körper funktioniert, nicht nur behandeln.
  • Du hast Freude an Lehre und erklärst gern komplexe Zusammenhänge.
  • Du arbeitest geduldig und methodisch, auch wenn Experimente scheitern.
  • Du kannst gut schreiben und mit Englisch als Wissenschaftssprache umgehen.
  • Du akzeptierst befristete Stellen und ein niedrigeres Einkommen.

Vorteile

  • Freie, kreative Forschung und intellektuelle Tiefe
  • Keine Dienste, flexible Arbeitszeit, viel internationale Zusammenarbeit
  • Kaum Konkurrenz um Weiterbildungsstellen, Institute suchen ärztlichen Nachwuchs

Herausforderungen

  • Deutlich geringeres Gehalt als in klinischen Fächern
  • Befristete Verträge bis zur Professur, Abhängigkeit von Drittmitteln
  • Kein Patientenkontakt und keine Praxisoption
  • Zusatz-Weiterbildung Medizinische Informatik
  • Zusatz-Weiterbildung Ärztliches Qualitätsmanagement
  • Zusatz-Weiterbildung Sportmedizin
  • Habilitation und Professur als akademischer Karriereweg (kein MWBO-Titel)

Die Physiologie hat Nachwuchsprobleme: Viele Lehrstühle sind mit Naturwissenschaftlern besetzt, ärztliche Physiologen sind selten und werden für Lehre und translationale Forschung gesucht. Neue Forschungsfelder wie Systemphysiologie, Organoide, Neurotechnologie und die Modellierung von Körperfunktionen mit KI bringen Fördermittel. Wer Medizin, Datenanalyse und Forschung verbindet, hat gute Chancen auf Professuren, aber auch auf Positionen in Medizintechnik, Pharmaforschung und Digital-Health-Unternehmen, wo physiologisches Verständnis knapp ist.

Wie lange dauert die Weiterbildung Physiologie?

Vier Jahre, die kürzeste Facharztweiterbildung. Meist läuft sie parallel zu Promotion oder Habilitation, weil die Universitätskarriere davon abhängt.

Kann ich als Physiologe später noch Patienten behandeln?

Die Approbation bleibt bestehen, ein Wechsel in ein klinisches Fach erfordert aber die dortige Weiterbildung. Einige Physiologen kombinieren Forschung mit Sportmedizin oder Kardiologie.

Wie ist die Work-Life-Balance?

Ohne Dienste ist die Arbeitszeit flexibel und familienfreundlich. Belastend sind eher befristete Verträge und der Druck, Publikationen und Fördermittel zu liefern.

Wie werde ich Physiologe?

Voraussetzung ist ein abgeschlossenes Medizinstudium mit Approbation, das auch NC-frei im EU-Ausland möglich ist; der Abschluss wird EU-weit anerkannt. Danach bewirbst du dich an einem physiologischen Institut, oft schon während der Promotion.

Physiologen werden an Universitäten nach TV-Ärzte TdL oder TV-L bezahlt, ohne Dienstzuschläge; das Einkommen liegt deshalb unter dem klinischer Fachärzte. Die Spitze bilden Professuren.

  • Assistenzarzt in Weiterbildung (TV-Ärzte TdL an der Universität): ca. 60.000 € brutto/Jahr
  • Facharzt bzw. wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut: ca. 88.000 € brutto/Jahr
  • Oberarzt / leitender Arzt bzw. Arbeitsgruppenleiter: ca. 119.000 € brutto/Jahr
  • Professur (W2/W3) oder Leitungsposition in Pharma- und Medizintechnikforschung: ca. 100.000–180.000 € brutto/Jahr
  • 48 Monate Weiterbildung, davon bis zu 12 Monate in einem klinischen oder anderen theoretischen Gebiet anrechenbar
  • Inhalte zu Organ-, Zell- und Neurophysiologie, Sinnesphysiologie und experimentellen Methoden
  • Eigenständige wissenschaftliche Arbeit mit Publikationen, in der Regel verbunden mit Promotion
  • Mitwirkung in der studentischen Lehre, z. B. Praktika und Seminare der Vorklinik
  • Dokumentation der Weiterbildungsinhalte im eLogbuch

Die Facharztprüfung ist ein mündliches Fachgespräch vor der Landesärztekammer über physiologische Grundlagen, Methodik und eigene Forschungsarbeit.