Ein Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie behandelt Erkrankungen und Verletzungen des Bewegungsapparats: Arthrose in Hüfte und Knie, Bandscheibenvorfälle, Sportverletzungen wie Kreuzband- und Meniskusrisse, Knochenbrüche nach Stürzen und Unfällen sowie Fehlstellungen bei Kindern. Das Spektrum reicht von der Physiotherapie-Verordnung über Injektionen bis zur Endoprothese. Patienten sind alle Altersgruppen, vom Säugling mit Hüftdysplasie bis zum Hochbetagten mit Oberschenkelhalsbruch.

In der Klinik dominieren OP-Programm, Schockraum und Notaufnahme; Unfälle sorgen für Nacht- und Wochenenddienste. Du arbeitest eng mit Anästhesie, Physiotherapie und Radiologie zusammen. In der Praxis liegt der Schwerpunkt auf konservativer Behandlung, Sonographie, Röntgen und kleinen Eingriffen, teils mit Belegbetten. Orthopädische Praxen gehören zu den umsatzstärksten Niederlassungen mit gut planbaren Zeiten und vielen Selbstzahlerangeboten.

  • Hüft- und Knieendoprothesen implantieren
  • Frakturen mit Platten, Nägeln und Schrauben stabilisieren
  • Arthroskopische Eingriffe an Knie und Schulter
  • Rückenschmerz konservativ mit Injektionen und Physiotherapie behandeln
  • Polytrauma-Patienten im Schockraum mitversorgen
  • Sonographie und Röntgen des Bewegungsapparats befunden
  • Du arbeitest gern handwerklich und mit Kraft, etwa beim Einbringen einer Prothese.
  • Du denkst räumlich und verstehst Biomechanik intuitiv.
  • Du bist belastbar für lange OP-Tage und Unfalldienste.
  • Du hast Freude am Umgang mit Sportlern ebenso wie mit älteren Patienten.
  • Du willst später die Wahl zwischen Klinik und eigener Praxis haben.

Vorteile

  • Sehr gute Niederlassungschancen mit hohen Praxiserträgen
  • Sichtbare Erfolge, Patienten laufen nach der Prothese wieder schmerzfrei
  • Breites Spektrum von konservativ bis hochoperativ, viele Subspezialisierungen

Herausforderungen

  • Unfallchirurgische Dienste sind häufig und körperlich fordernd
  • Hohe Konkurrenz um Weiterbildungsstellen an großen Unfallkliniken
  • Vollständiger OP-Katalog erfordert oft Wechsel des Hauses
  • Zusatz-Weiterbildung Spezielle Unfallchirurgie
  • Zusatz-Weiterbildung Spezielle Orthopädische Chirurgie
  • Zusatz-Weiterbildung Kinder- und Jugendorthopädie
  • Zusatz-Weiterbildung Orthopädische Rheumatologie
  • Zusatz-Weiterbildung Handchirurgie
  • Zusatz-Weiterbildung Sportmedizin und Manuelle Medizin

Die alternde Bevölkerung sorgt für stetig steigende Zahlen an Endoprothesen und Osteoporose-Frakturen, gleichzeitig treiben Freizeitsport und aktive Senioren die Nachfrage nach konservativer Orthopädie. Viele niedergelassene Orthopäden stehen vor dem Ruhestand, Praxisübernahmen sind daher gut möglich. Roboterassistierte Endoprothetik, 3D-geplante Implantate und KI-gestützte Röntgenbefundung werden Standard. Ambulantes Operieren verlagert viele Eingriffe aus der Klinik in OP-Zentren und eröffnet neue Kooperationsmodelle für Praxen.

Wie lange dauert die Weiterbildung in Orthopädie und Unfallchirurgie?

Mindestens sechs Jahre nach dem Studium: zwei Jahre Common Trunk Chirurgie und vier Jahre im Fach. Wer den OP-Katalog an einem kleineren Haus füllen muss, braucht oft ein Jahr länger.

Wie viel verdient ein Orthopäde in eigener Praxis?

Orthopädische Praxen gehören mit Reinerträgen von rund 250.000 bis 350.000 € je Inhaber zu den umsatzstärksten Fachrichtungen. Selbstzahlerleistungen wie Stoßwellentherapie oder Sportmedizin können den Ertrag weiter erhöhen.

Ist es schwer, eine Weiterbildungsstelle zu bekommen?

An Unikliniken und großen Unfallzentren ist die Konkurrenz spürbar, in Regelversorgern und ländlichen Häusern findest du meist schnell eine Stelle. Praktische Erfahrung im PJ oder als Famulant in der Chirurgie ist der beste Türöffner.

Kann ich Orthopäde werden, wenn ich keinen Studienplatz in Deutschland bekomme?

Ja. Das Medizinstudium ist auch NC-frei im EU-Ausland möglich, der Abschluss wird in Deutschland anerkannt und du erhältst die Approbation. Die Facharztweiterbildung läuft danach exakt so wie für Absolventen deutscher Universitäten.

Orthopäden und Unfallchirurgen verdienen in der Klinik über Dienste solide; die eigene Praxis zählt zu den ertragsstärksten Facharztpraxen in Deutschland.

  • Assistenzarzt in der Weiterbildung (TV-Ärzte/VKA bzw. TV-Ärzte TdL): ca. 70.000 € brutto/Jahr inklusive Dienste
  • Angestellter Facharzt in der Klinik: ca. 115.000 € brutto/Jahr
  • Oberarzt oder leitender Arzt: ca. 180.000 € brutto/Jahr
  • Niederlassung in der orthopädischen Praxis: Reinertrag je Inhaber ca. 250.000 bis 350.000 € brutto/Jahr, mit Belegbetten oder ambulantem OP mehr
  • 72 Monate Weiterbildung, davon 24 Monate Basisweiterbildung Chirurgie mit je 6 Monaten Notaufnahme und Intensivmedizin
  • 48 Monate Orthopädie und Unfallchirurgie, ein Teil kann in einer orthopädischen Praxis absolviert werden
  • Richtzahlen im eLogbuch für Osteosynthesen, Endoprothesen, Arthroskopien und Weichteileingriffe
  • Nachweis konservativer Behandlungen, z. B. Gelenkinjektionen, Gipsverbände und Schockraum-Versorgung
  • Strahlenschutzkurse und Dokumentation aller Eingriffe im eLogbuch

Die Facharztprüfung ist ein mündliches Fachgespräch vor der Landesärztekammer, für das die Richtzahlen vollständig belegt sein müssen.