Ein Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen arbeitet nicht für den einzelnen Patienten, sondern für die Gesundheit der Bevölkerung. Im Gesundheitsamt überwacht er Infektionsausbrüche, ordnet Maßnahmen nach Infektionsschutzgesetz an, untersucht Schulanfänger, erstellt amtsärztliche Gutachten zu Dienstfähigkeit oder Pflegebedürftigkeit, kontrolliert Hygiene in Kliniken und Pflegeheimen und berät Kommunen zu Gesundheitsplanung. Patienten sind hier Kinder bei der Einschulungsuntersuchung, Menschen ohne Krankenversicherung, Beamtenanwärter und Betroffene meldepflichtiger Infektionen.

Der Alltag ist ein Bürojob mit Außenterminen: Untersuchungen, Begehungen, Gutachten, Krisensitzungen bei Ausbrüchen und Zusammenarbeit mit Verwaltung, Schulen und Behörden. Nacht- und Wochenenddienste fehlen fast vollständig, in Krisen wie einer Pandemie kann es allerdings intensiv werden. Amtsärzte sind meist verbeamtet oder im öffentlichen Dienst angestellt; Ministerien, Landesbehörden und das Robert Koch-Institut sind weitere Arbeitgeber.

  • Infektionsausbrüche erfassen und Schutzmaßnahmen anordnen
  • Einschulungsuntersuchungen und Kinder- und Jugendgesundheitsdienst
  • Amtsärztliche Gutachten zu Dienst- und Reisefähigkeit erstellen
  • Hygienebegehungen in Kliniken und Pflegeheimen durchführen
  • Impfberatung und Impfaktionen für die Bevölkerung organisieren
  • Gesundheitsberichterstattung und kommunale Gesundheitsplanung
  • Du denkst in Systemen und Bevölkerungsgruppen statt in Einzelfällen.
  • Du kannst mit Verwaltung, Politik und Gesetzestexten umgehen.
  • Du legst großen Wert auf geregelte Arbeitszeiten und Sicherheit.
  • Du hast Interesse an Epidemiologie, Prävention und Sozialmedizin.
  • Du kommunizierst klar, auch gegenüber Medien und Öffentlichkeit.

Vorteile

  • Verbeamtung mit Pension möglich, geregelte Arbeitszeiten ohne Dienste
  • Gesellschaftlich wirksame Arbeit mit Einfluss auf ganze Regionen
  • Wenig Konkurrenz, viele Gesundheitsämter suchen dringend Ärzte

Herausforderungen

  • Deutlich niedrigeres Gehalt als in Klinik oder Praxis
  • Viel Verwaltung, Gutachten und Aktenarbeit, wenig Heilkunde
  • Krisenzeiten wie eine Pandemie bringen hohe Belastung und öffentlichen Druck
  • Zusatz-Weiterbildung Sozialmedizin
  • Zusatz-Weiterbildung Betriebsmedizin
  • Zusatz-Weiterbildung Ärztliches Qualitätsmanagement
  • Zusatz-Weiterbildung Suchtmedizinische Grundversorgung
  • Zusatz-Weiterbildung Medizinische Informatik
  • Master of Public Health als ergänzende Qualifikation

Die Pandemie hat gezeigt, wie unterbesetzt die Gesundheitsämter sind; mit dem Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst wurden bundesweit tausende Stellen geschaffen, von denen viele noch unbesetzt sind. Ein großer Teil der Amtsärzte geht in den nächsten Jahren in den Ruhestand. Digitale Meldesysteme, Ausbruchsmodellierung und Datenanalyse werden zu Kernkompetenzen. Wer Public Health und Verwaltung verbindet, kann schnell Amtsleitungen oder Positionen in Landesbehörden und Ministerien erreichen.

Wie lange dauert die Weiterbildung zum Amtsarzt?

Fünf Jahre nach dem Studium: drei Jahre klinische Tätigkeit, zwei Jahre im Gesundheitsamt und ein halbjähriger Theoriekurs an einer Akademie. Wer bereits Facharzt in einem klinischen Fach ist, bekommt große Teile angerechnet.

Wie viel verdient ein Amtsarzt?

Fachärzte im Gesundheitsamt liegen bei rund 90.000 € brutto im Jahr, Amtsleitungen bei etwa 119.000 €. Das ist weniger als in Klinik oder Praxis, dafür gibt es Verbeamtung, Pension und einen Arbeitstag ohne Dienste.

Wie ist die Work-Life-Balance im Öffentlichen Gesundheitswesen?

Sehr gut: feste Arbeitszeiten, Gleitzeit, Teilzeit und keine Nacht- oder Wochenenddienste. Ausnahme sind Krisenlagen wie Ausbrüche oder Pandemien, in denen Gesundheitsämter über Wochen im Ausnahmezustand arbeiten.

Wie werde ich Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen?

Nach dem Medizinstudium und der Approbation sammelst du zunächst klinische Erfahrung und wechselst dann in ein Gesundheitsamt mit Weiterbildungsbefugnis. Das Studium ist auch NC-frei im EU-Ausland möglich; der Abschluss wird in Deutschland anerkannt.

Im Öffentlichen Gesundheitsdienst gilt Beamten- oder Tarifrecht des öffentlichen Dienstes; das Gehalt liegt unter Klinikniveau, dafür mit Pensionsanspruch und ohne Dienste.

  • Assistenzarzt in der klinischen Weiterbildungszeit (TV-Ärzte/VKA bzw. TV-Ärzte TdL): ca. 62.000 € brutto/Jahr
  • Facharzt im Gesundheitsamt: ca. 90.000 € brutto/Jahr, je nach Besoldungsgruppe und Bundesland
  • Amtsleitung oder leitender Amtsarzt: ca. 119.000 € brutto/Jahr
  • Perspektive Landesbehörde, Ministerium oder Bundesinstitut: höhere Besoldungsgruppen mit ca. 120.000 bis 150.000 € brutto/Jahr
  • 60 Monate Weiterbildung, davon 36 Monate in Gebieten der unmittelbaren Patientenversorgung, z. B. Innere Medizin, Allgemeinmedizin oder Kinder- und Jugendmedizin
  • 24 Monate im Öffentlichen Gesundheitsdienst, in der Regel an einem Gesundheitsamt
  • Theoretischer Lehrgang von 720 Stunden an einer Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen, z. B. in Düsseldorf oder München
  • Inhalte: Infektionsschutz, Hygiene, Epidemiologie, Begutachtung, Verwaltungs- und Gesundheitsrecht, Gesundheitsberichterstattung
  • Dokumentation im eLogbuch mit Nachweis von Gutachten, Begehungen und Ausbruchsmanagement

Die Facharztprüfung ist ein mündliches Fachgespräch vor der Landesärztekammer; der abgeschlossene Amtsarztlehrgang ist Voraussetzung.