Ein Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen arbeitet nicht für den einzelnen Patienten, sondern für die Gesundheit der Bevölkerung. Im Gesundheitsamt überwacht er Infektionsausbrüche, ordnet Maßnahmen nach Infektionsschutzgesetz an, untersucht Schulanfänger, erstellt amtsärztliche Gutachten zu Dienstfähigkeit oder Pflegebedürftigkeit, kontrolliert Hygiene in Kliniken und Pflegeheimen und berät Kommunen zu Gesundheitsplanung. Patienten sind hier Kinder bei der Einschulungsuntersuchung, Menschen ohne Krankenversicherung, Beamtenanwärter und Betroffene meldepflichtiger Infektionen.
Der Alltag ist ein Bürojob mit Außenterminen: Untersuchungen, Begehungen, Gutachten, Krisensitzungen bei Ausbrüchen und Zusammenarbeit mit Verwaltung, Schulen und Behörden. Nacht- und Wochenenddienste fehlen fast vollständig, in Krisen wie einer Pandemie kann es allerdings intensiv werden. Amtsärzte sind meist verbeamtet oder im öffentlichen Dienst angestellt; Ministerien, Landesbehörden und das Robert Koch-Institut sind weitere Arbeitgeber.
Die Pandemie hat gezeigt, wie unterbesetzt die Gesundheitsämter sind; mit dem Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst wurden bundesweit tausende Stellen geschaffen, von denen viele noch unbesetzt sind. Ein großer Teil der Amtsärzte geht in den nächsten Jahren in den Ruhestand. Digitale Meldesysteme, Ausbruchsmodellierung und Datenanalyse werden zu Kernkompetenzen. Wer Public Health und Verwaltung verbindet, kann schnell Amtsleitungen oder Positionen in Landesbehörden und Ministerien erreichen.
Fünf Jahre nach dem Studium: drei Jahre klinische Tätigkeit, zwei Jahre im Gesundheitsamt und ein halbjähriger Theoriekurs an einer Akademie. Wer bereits Facharzt in einem klinischen Fach ist, bekommt große Teile angerechnet.
Fachärzte im Gesundheitsamt liegen bei rund 90.000 € brutto im Jahr, Amtsleitungen bei etwa 119.000 €. Das ist weniger als in Klinik oder Praxis, dafür gibt es Verbeamtung, Pension und einen Arbeitstag ohne Dienste.
Sehr gut: feste Arbeitszeiten, Gleitzeit, Teilzeit und keine Nacht- oder Wochenenddienste. Ausnahme sind Krisenlagen wie Ausbrüche oder Pandemien, in denen Gesundheitsämter über Wochen im Ausnahmezustand arbeiten.
Nach dem Medizinstudium und der Approbation sammelst du zunächst klinische Erfahrung und wechselst dann in ein Gesundheitsamt mit Weiterbildungsbefugnis. Das Studium ist auch NC-frei im EU-Ausland möglich; der Abschluss wird in Deutschland anerkannt.
Im Öffentlichen Gesundheitsdienst gilt Beamten- oder Tarifrecht des öffentlichen Dienstes; das Gehalt liegt unter Klinikniveau, dafür mit Pensionsanspruch und ohne Dienste.
Die Facharztprüfung ist ein mündliches Fachgespräch vor der Landesärztekammer; der abgeschlossene Amtsarztlehrgang ist Voraussetzung.