Ein Facharzt für Neurochirurgie operiert an Gehirn, Rückenmark, Wirbelsäule und peripheren Nerven. Zu den Patienten gehören Menschen mit Hirntumoren, Aneurysmen und Hirnblutungen, Schädel-Hirn-Verletzungen, Bandscheibenvorfällen und Spinalkanalstenosen, aber auch Kinder mit Hydrozephalus oder Patienten mit Parkinson, die einen Hirnschrittmacher erhalten. Die Eingriffe verlangen mikrochirurgische Präzision, oft unter Neuronavigation und intraoperativem Monitoring, damit Sprache, Motorik und Sehen erhalten bleiben.

Neurochirurgie ist fast ausschließlich Klinikmedizin, meist an Universitätskliniken und großen Häusern mit Neurointensivstation. Der Tag beginnt mit Frühbesprechung und Bildgebung, dann folgen stundenlange Operationen, Visiten und Notfallkonsile. Bereitschaftsdienste sind häufig, denn Hirnblutungen und Traumata dulden keinen Aufschub. Eng arbeitest du mit Neurologen, Neuroradiologen und Anästhesisten zusammen. Nur wenige Neurochirurgen sind mit Wirbelsäulenschwerpunkt ambulant tätig.

  • Mikrochirurgische Entfernung von Hirntumoren
  • Operationen an Bandscheiben und Wirbelsäule
  • Versorgung von Hirnblutungen und Schädel-Hirn-Trauma
  • Clipping von Aneurysmen, Shunt-Anlage bei Hydrozephalus
  • Implantation von Systemen zur tiefen Hirnstimulation
  • Beurteilung von CT und MRT in der Frühbesprechung
  • Du hast ruhige Hände und extreme Ausdauer im OP.
  • Du triffst schwerwiegende Entscheidungen mit großer Sorgfalt.
  • Du hältst Rückschläge aus, wenn Patienten bleibende Schäden behalten.
  • Du nimmst zahlreiche Nachtdienste und Notfälle in Kauf.
  • Du interessierst dich für Neuroanatomie und Bildgebung.

Vorteile

  • Hohes Gehalt, ausgeprägte Anerkennung im Kollegenkreis
  • Technologisch führend: Neuronavigation, Robotik, Wachoperationen
  • Wirbelsäulenchirurgie eröffnet auch ambulante und private Tätigkeitsfelder

Herausforderungen

  • Sechs Jahre Weiterbildung mit vielen Diensten und langer Lernkurve
  • Weiterbildungsstellen sind begehrt, Bewerber zahlreich
  • Fehler haben oft irreversible Folgen, Belastung entsprechend hoch
  • Zusatz-Weiterbildung Intensivmedizin
  • Zusatz-Weiterbildung Spezielle Schmerztherapie
  • Zusatz-Weiterbildung Notfallmedizin
  • Zusatz-Weiterbildung Klinische Akut- und Notfallmedizin
  • Zusatz-Weiterbildung Ärztliches Qualitätsmanagement

Die Nachfrage nach Wirbelsäuleneingriffen wächst mit der alternden Bevölkerung, und hier konkurriert die Neurochirurgie mit der Orthopädie um Patienten und Standorte. In der kranialen Chirurgie verschieben sich Aneurysmen zunehmend zur endovaskulären Behandlung, während Tumorchirurgie mit Fluoreszenz, Wachoperationen und intraoperativem MRT anspruchsvoller wird. KI unterstützt Bildsegmentierung und OP-Planung. Weiterbildungsstellen sind begehrt, fertige Fachärzte werden aber in Kliniken und Wirbelsäulenzentren gesucht, auch international.

Wie lange dauert die Weiterbildung zum Neurochirurgen?

Mindestens sechs Jahre. Bis zu komplexen Tumor- oder Gefäßeingriffen als Hauptoperateur vergehen meist einige Jahre mehr.

Wie schwer ist es, eine Stelle zu bekommen?

Neurochirurgie gehört zu den begehrtesten Fächern bei überschaubarer Zahl an Abteilungen. Frühe Famulaturen, PJ-Tertial und eine Doktorarbeit im Fach verbessern die Chancen deutlich.

Kann ich mich als Neurochirurg niederlassen?

Selten, aber möglich: Einige Neurochirurgen betreiben Wirbelsäulen- oder Schmerzpraxen mit ambulanten Eingriffen. Der Regelfall ist die Klinikkarriere.

Wie werde ich Neurochirurg?

Nach Medizinstudium und Approbation bewirbst du dich auf eine Weiterbildungsstelle in einer neurochirurgischen Klinik. Das Studium ist auch NC-frei im EU-Ausland möglich, der Abschluss wird in Deutschland anerkannt.

Neurochirurgen liegen beim Gehalt im oberen Bereich der operativen Fächer, inklusive Dienstzuschlägen. Die Praxis ist die Ausnahme, in Wirbelsäulenzentren aber lukrativ.

  • Assistenzarzt in Weiterbildung (TV-Ärzte/VKA bzw. TdL): ca. 71.000 € brutto/Jahr
  • Angestellter Facharzt in der Klinik: ca. 120.000 € brutto/Jahr
  • Oberarzt / leitender Arzt: ca. 190.000 € brutto/Jahr
  • Ambulante Wirbelsäulenchirurgie oder Chefarztposition: ca. 250.000–350.000 € brutto/Jahr
  • 72 Monate Weiterbildung, davon 6 Monate Intensivmedizin (neurochirurgisch oder interdisziplinär)
  • Bis zu 12 Monate können in Neurologie, Neuroradiologie oder anderen Gebieten angerechnet werden
  • Richtzahlen für kraniale und spinale Operationen als Operateur, z. B. Bandscheibeneingriffe, Kraniotomien, Shunt-Anlagen
  • Inhalte zu Neurotraumatologie, Neuroonkologie, vaskulärer und pädiatrischer Neurochirurgie
  • Dokumentation aller Eingriffe im eLogbuch

Die Facharztprüfung ist ein mündliches Fachgespräch vor der Landesärztekammer, in dem Bildgebung, Indikationsstellung und Operationsstrategie geprüft werden.