Als Facharzt für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie operierst du alles zwischen Halswirbelsäule und Schädelbasis: Gesichtsschädelbrüche nach Unfällen, Tumoren der Mundhöhle, Kieferfehlstellungen, Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten, Speicheldrüsen und Zahnimplantate mit Knochenaufbau. Voraussetzung ist ein abgeschlossenes Studium der Humanmedizin und der Zahnmedizin, du bist also doppelt approbiert. Deine Patienten reichen vom Säugling mit Spalte bis zum Tumorpatienten, dessen Kiefer mit Beckenknochen rekonstruiert wird. Auch Kiefergelenk, Speicheldrüsen und Gesichtshaut gehören zu deinem Gebiet.

In der Klinik dominieren OP-Tage mit langen Tumor- und Rekonstruktionseingriffen, dazu Sprechstunden, Visiten und Tumorboards. Gesichtsverletzungen und Abszesse kommen nachts, Dienste sind Standard. In der Praxis ist der Tag planbarer: ambulante Weisheitszahn- und Implantatchirurgie, Kieferaufbau und kleine Eingriffe in Lokalanästhesie, oft zusammen mit Zahnärzten und Kieferorthopäden.

  • Gesichtsschädelfrakturen reponieren und mit Platten fixieren
  • Mundhöhlentumoren entfernen und den Kiefer rekonstruieren
  • Kieferfehlstellungen operativ korrigieren (Dysgnathiechirurgie)
  • Zahnimplantate setzen und Knochen aufbauen
  • Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten bei Kindern verschließen
  • Abszesse und Weisheitszähne operativ versorgen
  • Du bist bereit, zwei Studiengänge zu absolvieren und lange zu lernen.
  • Du arbeitest gern feinmotorisch an einem ästhetisch sensiblen Bereich.
  • Du bleibst konzentriert bei Operationen, die sechs Stunden und länger dauern.
  • Du magst die Verbindung von Zahnmedizin, Chirurgie und Rekonstruktion.
  • Du willst später eine eigene Praxis mit chirurgischem Schwerpunkt führen.

Vorteile

  • Sehr gute Verdienstmöglichkeiten in Praxis und Klinik
  • Wenig Konkurrenz durch die hohe Eintrittshürde Doppelstudium
  • Breites Spektrum von Implantologie bis Tumorchirurgie

Herausforderungen

  • Doppelstudium verlängert die Ausbildung um mehrere Jahre
  • Nachtdienste und lange OPs an Kliniken
  • Tumorpatienten mit belastenden Verläufen und Entstellungen
  • Plastische und Ästhetische Operationen
  • Notfallmedizin
  • Spezielle Schmerztherapie
  • Röntgendiagnostik – fachgebunden –
  • Ärztliches Qualitätsmanagement

MKG-Chirurgen sind knapp, weil das Doppelstudium den Nachwuchs begrenzt, während Implantologie, Tumor- und Traumachirurgie steigenden Bedarf haben. Kliniken suchen aktiv Assistenten und Fachärzte, Praxen finden leicht Zuweiser. Digitale Planung, 3D-Druck patientenspezifischer Implantate und navigierte Chirurgie verändern das Fach schneller als die meisten anderen Disziplinen. Wer beide Approbationen hat, hat auf Jahre hinaus einen freien Markt in Klinik und Niederlassung, mit sehr guten Chancen auf Oberarztstellen.

Wie lange dauert es, MKG-Chirurg zu werden?

Länger als in jedem anderen Fach: Humanmedizin und Zahnmedizin zusammen dauern mit Anrechnung meist neun bis zehn Jahre, danach fünf Jahre Weiterbildung. Realistisch bist du 15 bis 16 Jahre nach dem Abitur Facharzt. Viele beginnen das Zweitstudium parallel zur Assistenzarztzeit.

Muss ich beide Studiengänge komplett machen?

Ja, beide Approbationen sind Pflicht. Universitäten rechnen aber Leistungen des ersten Studiums an, sodass das Zweitstudium in der Regel drei bis vier Jahre dauert. Für das Zweitstudium gibt es an deutschen Universitäten eine eigene Quote, die ebenfalls eng ist.

Wie komme ich ohne Spitzen-NC ins Fach?

Das erste Studium, Humanmedizin oder Zahnmedizin, ist an vielen Universitäten im EU-Ausland NC-frei möglich, der Abschluss wird EU-weit anerkannt. Mit deutscher Approbation bewirbst du dich dann um das Zweitstudium und die Weiterbildungsstelle. Beides hängt von Noten und Engagement ab, nicht vom Studienort.

Wie viel verdient ein MKG-Chirurg?

Als Oberarzt etwa 181.000 € brutto/Jahr, in der eigenen Praxis mit Implantologie häufig mehr. Der Selbstzahleranteil bei Implantaten und ästhetischen Eingriffen ist hoch. Das gleicht die lange Ausbildung wirtschaftlich wieder aus.

MKG-Chirurgen liegen in der Klinik im oberen Bereich, die Praxis mit Implantologie ist wirtschaftlich sehr attraktiv.

  • Assistenzarzt in Weiterbildung (TV-Ärzte/VKA, TdL): ca. 70.000 € brutto/Jahr mit Diensten
  • Angestellter Facharzt in der Klinik: ca. 115.000 € brutto/Jahr
  • Oberarzt oder leitender Arzt: ca. 181.000 € brutto/Jahr
  • MKG-Praxis mit Implantologie und ambulanter Chirurgie: Reinertrag je Inhaber realistisch ca. 250.000 bis 400.000 € vor Steuern
  • Voraussetzung nach MWBO 2018: Approbation als Arzt und als Zahnarzt, danach 60 Monate Weiterbildung
  • Bis zu 12 Monate können in anderen Gebieten wie Chirurgie, HNO oder Anästhesiologie abgeleistet werden
  • Richtzahlen für Traumatologie des Gesichtsschädels, Tumoroperationen, Dysgnathie- und Spaltchirurgie
  • Dentoalveoläre Chirurgie, Implantologie und Knochenaufbau in größerer Zahl
  • Plastisch-rekonstruktive Eingriffe und Lappenplastiken im Gesicht, Nachweis im eLogbuch

Die Prüfung vor der Landesärztekammer ist ein Fachgespräch zu Fällen wie Unterkieferfraktur, Mundhöhlenkarzinom oder Kieferabszess. Auch Bildgebung und Rekonstruktionsplanung werden besprochen.