Ein Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie weist Krankheitserreger nach und berät Kliniker bei der Behandlung: Er identifiziert Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten aus Blut, Urin, Liquor oder Abstrichen, testet Resistenzen, befundet PCR- und Sequenzierdaten und beurteilt, welches Antibiotikum sinnvoll ist. Seine Patienten sieht er selten direkt, sein Rat beeinflusst aber die Therapie bei Sepsis, Meningitis, HIV, Hepatitis oder Ausbrüchen mit multiresistenten Erregern.
Der Alltag findet im Labor eines Universitätsinstituts, eines Großlabors oder einer Klinik statt: Befundvalidierung am Mikroskop und am Bildschirm, Telefonate mit Stationsärzten, Antibiotic-Stewardship-Visiten, Hygienebegehungen, Ausbruchsanalysen mit Sequenzierung, dazu Forschung und Lehre. Dienste sind meist Rufbereitschaften, keine Nachtschichten am Bett. Das Fach ist ruhig, analytisch und stark teamorientiert.
Antibiotikaresistenzen, neue Erreger und die Ausweitung molekularer Diagnostik machen Mikrobiologen langfristig unverzichtbar; gleichzeitig sind viele Institutsleiter und Laborärzte kurz vor dem Ruhestand. Großlabore und Universitätsinstitute suchen Fachärzte, auch für Leitungspositionen. Automatisierte Kulturanlagen, Massenspektrometrie, Sequenzierung und KI-gestützte Befundung verändern die Arbeit hin zu Interpretation und Beratung. Wer Infektiologie, Hygiene und Datenanalyse verbindet, hat breite Optionen in Klinik, Labor, Behörden und Diagnostikindustrie.
60 Monate nach dem Studium, davon kann ein Jahr in klinischen Fächern wie Innerer Medizin oder in der Hygiene absolviert werden. Viele Mikrobiologen promovieren oder forschen parallel an Universitätsinstituten.
Wenig direkten, aber viel indirekten: Du berätst Stationsärzte täglich telefonisch und in Visiten, entscheidest über Antibiotika mit und leitest Ausbruchsuntersuchungen. Wer Patientenkontakt sucht, kombiniert das Fach mit Infektiologie.
Möglich, aber selten als Neugründung. Üblich ist der Einstieg als Partner in eine Laborgemeinschaft oder eine leitende Anstellung in einem Großlabor. Viele arbeiten dauerhaft an Universitätsinstituten oder in Behörden.
Ein NC-freies Medizinstudium im EU-Ausland führt zu einem EU-weit anerkannten Abschluss und zur deutschen Approbation. Danach bewirbst du dich regulär an Instituten für Mikrobiologie und Virologie.
In Universitätsinstituten und Kliniken gilt der Ärztetarif; in Großlaboren und Laborgemeinschaften sind die Gehälter oft frei verhandelt und liegen darüber.
Die Facharztprüfung ist ein Fachgespräch vor der Landesärztekammer über Erregerdiagnostik, Resistenzinterpretation, Hygiene und epidemiologische Fragestellungen.