Als Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie behandelst du psychische Erkrankungen von der frühen Kindheit bis zum jungen Erwachsenenalter: ADHS, Autismus-Spektrum-Störungen, Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen, Essstörungen, Psychosen, Suchtprobleme und Folgen von Traumatisierung. Anders als in der Erwachsenenpsychiatrie behandelst du immer das ganze System: Kind, Eltern, Schule und Jugendhilfe. Diagnostik heißt hier Gespräch, Beobachtung und Testverfahren, nicht Labor und Bildgebung.
In der Klinik betreust du Stationen, Tageskliniken und die Notaufnahme, wo Suizidalität und akute Krisen zu Aufnahmen führen, auch nachts. Der Tag besteht aus Einzel- und Familiengesprächen, Teambesprechungen mit Psychologen, Pädagogen und Pflege, Diagnostik und Medikamentenmanagement. In der Praxis dominieren Sprechstunden, Testdiagnostik, Psychotherapie und Berichte für Schulen, Jugendämter und Gerichte, mit planbaren Zeiten ohne Nachtdienste.
Kinder- und Jugendpsychiatrie ist ein ausgesprochenes Mangelfach: Wartezeiten auf einen Praxistermin betragen häufig Monate, viele Kliniken können Stellen nicht besetzen. Seit der Pandemie ist der Bedarf bei Depressionen, Angst- und Essstörungen deutlich gestiegen. Die KVen fördern Niederlassungen aktiv, in ländlichen Regionen mit Prämien. Videosprechstunden und digitale Therapieprogramme erweitern die Versorgung, ersetzen aber nicht das persönliche Gespräch. Wer das Fach wählt, hat freie Wahl bei Ort und Arbeitsmodell.
Fünf Jahre in Vollzeit, einschließlich der psychotherapeutischen Ausbildung mit Supervision und Selbsterfahrung. Teilzeit ist im Fach sehr verbreitet, dann dauert es entsprechend länger. Mit Studium bist du etwa elf Jahre nach dem Abitur Facharzt.
Nein, Kliniken suchen händeringend Assistenzärzte. Auch Weiterbildungen im ambulanten Bereich sind möglich und werden gefördert. Die Hürde ist eher, ob du die emotionale Belastung des Fachs auf Dauer tragen möchtest.
Über das Medizinstudium, das im EU-Ausland an vielen Universitäten NC-frei möglich ist. Der Abschluss wird EU-weit anerkannt, du erhältst die deutsche Approbation und startest regulär in die Weiterbildung. Gerade in einem Mangelfach spielt der Studienort bei der Stellensuche keine Rolle.
In der Praxis sehr gut: keine Nachtdienste, planbare Termine, Teilzeit ohne Nachteile. In der Klinik gehören Bereitschaftsdienste dazu, sie sind aber meist ruhiger als in somatischen Fächern. Die Belastung ist eher psychisch als körperlich.
Die Kinder- und Jugendpsychiatrie liegt beim Einkommen unter den operativen Fächern, bietet dafür sichere Stellen und viel Gestaltungsfreiheit.
Die Prüfung vor der Landesärztekammer ist ein Fachgespräch mit Fallvorstellung, häufig zu Depression mit Suizidalität, Essstörung oder ADHS. Dazu werden psychotherapeutische Behandlungsplanung und rechtliche Fragen wie Unterbringung geprüft.