Als Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie behandelst du psychische Erkrankungen von der frühen Kindheit bis zum jungen Erwachsenenalter: ADHS, Autismus-Spektrum-Störungen, Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen, Essstörungen, Psychosen, Suchtprobleme und Folgen von Traumatisierung. Anders als in der Erwachsenenpsychiatrie behandelst du immer das ganze System: Kind, Eltern, Schule und Jugendhilfe. Diagnostik heißt hier Gespräch, Beobachtung und Testverfahren, nicht Labor und Bildgebung.

In der Klinik betreust du Stationen, Tageskliniken und die Notaufnahme, wo Suizidalität und akute Krisen zu Aufnahmen führen, auch nachts. Der Tag besteht aus Einzel- und Familiengesprächen, Teambesprechungen mit Psychologen, Pädagogen und Pflege, Diagnostik und Medikamentenmanagement. In der Praxis dominieren Sprechstunden, Testdiagnostik, Psychotherapie und Berichte für Schulen, Jugendämter und Gerichte, mit planbaren Zeiten ohne Nachtdienste.

  • Psychische Störungen im Kindesalter diagnostizieren
  • Psychotherapie mit Kindern, Jugendlichen und Familien
  • Medikamentöse Behandlung bei ADHS, Depression, Psychose
  • Akute Krisen und Suizidalität stationär behandeln
  • Mit Schulen und Jugendhilfe zusammenarbeiten
  • Gutachten für Familiengerichte und Behörden erstellen
  • Du findest leicht Zugang zu Kindern und Jugendlichen und nimmst sie ernst.
  • Du bleibst geduldig bei Behandlungen, die Monate bis Jahre dauern.
  • Du hältst belastende Geschichten aus und kannst dich abgrenzen.
  • Du arbeitest gern im multiprofessionellen Team auf Augenhöhe.
  • Du willst reden und verstehen statt operieren und messen.

Vorteile

  • Extremer Fachkräftemangel, Stellen und Praxissitze überall frei
  • Planbare Arbeit in der Praxis, viel Teilzeit möglich
  • Tiefe Beziehungsarbeit mit sichtbarer Entwicklung junger Menschen

Herausforderungen

  • Gehalt unter dem Niveau operativer und internistischer Fächer
  • Emotionale Belastung durch Missbrauchs- und Suizidfälle
  • Viel Schreibarbeit für Berichte, Anträge und Gutachten
  • Forensische Psychiatrie
  • Psychoanalyse
  • Suchtmedizinische Grundversorgung
  • Schlafmedizin
  • Sozialmedizin

Kinder- und Jugendpsychiatrie ist ein ausgesprochenes Mangelfach: Wartezeiten auf einen Praxistermin betragen häufig Monate, viele Kliniken können Stellen nicht besetzen. Seit der Pandemie ist der Bedarf bei Depressionen, Angst- und Essstörungen deutlich gestiegen. Die KVen fördern Niederlassungen aktiv, in ländlichen Regionen mit Prämien. Videosprechstunden und digitale Therapieprogramme erweitern die Versorgung, ersetzen aber nicht das persönliche Gespräch. Wer das Fach wählt, hat freie Wahl bei Ort und Arbeitsmodell.

Wie lange dauert die Weiterbildung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie?

Fünf Jahre in Vollzeit, einschließlich der psychotherapeutischen Ausbildung mit Supervision und Selbsterfahrung. Teilzeit ist im Fach sehr verbreitet, dann dauert es entsprechend länger. Mit Studium bist du etwa elf Jahre nach dem Abitur Facharzt.

Ist es schwer, eine Weiterbildungsstelle zu bekommen?

Nein, Kliniken suchen händeringend Assistenzärzte. Auch Weiterbildungen im ambulanten Bereich sind möglich und werden gefördert. Die Hürde ist eher, ob du die emotionale Belastung des Fachs auf Dauer tragen möchtest.

Wie werde ich Kinder- und Jugendpsychiater ohne Einser-Abitur?

Über das Medizinstudium, das im EU-Ausland an vielen Universitäten NC-frei möglich ist. Der Abschluss wird EU-weit anerkannt, du erhältst die deutsche Approbation und startest regulär in die Weiterbildung. Gerade in einem Mangelfach spielt der Studienort bei der Stellensuche keine Rolle.

Wie ist die Work-Life-Balance?

In der Praxis sehr gut: keine Nachtdienste, planbare Termine, Teilzeit ohne Nachteile. In der Klinik gehören Bereitschaftsdienste dazu, sie sind aber meist ruhiger als in somatischen Fächern. Die Belastung ist eher psychisch als körperlich.

Die Kinder- und Jugendpsychiatrie liegt beim Einkommen unter den operativen Fächern, bietet dafür sichere Stellen und viel Gestaltungsfreiheit.

  • Assistenzarzt in Weiterbildung (TV-Ärzte/VKA, TdL): ca. 62.000 € brutto/Jahr
  • Angestellter Facharzt in der Klinik: ca. 95.000 € brutto/Jahr
  • Oberarzt oder leitender Arzt: ca. 135.000 € brutto/Jahr
  • Eigene Praxis: Reinertrag je Inhaber realistisch ca. 150.000 bis 200.000 € vor Steuern, bei Sozialpsychiatrie-Vereinbarung mit Team auch mehr
  • 60 Monate nach MWBO 2018, davon 12 Monate in Kinder- und Jugendmedizin, Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik oder Neurologie
  • Psychotherapeutische Weiterbildung mit einem anerkannten Verfahren, z. B. Verhaltenstherapie oder tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
  • Mehrere hundert Stunden Theorie sowie dokumentierte Behandlungsstunden unter Supervision
  • Selbsterfahrung in Einzel- oder Gruppensetting als Pflichtbestandteil
  • Richtzahlen für Diagnostik, Familiengespräche und Krisenbehandlungen, Dokumentation im eLogbuch

Die Prüfung vor der Landesärztekammer ist ein Fachgespräch mit Fallvorstellung, häufig zu Depression mit Suizidalität, Essstörung oder ADHS. Dazu werden psychotherapeutische Behandlungsplanung und rechtliche Fragen wie Unterbringung geprüft.