Ein Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie diagnostiziert und behandelt komplexe Infektionen: Sepsis, Endokarditis, Knochen- und Protheseninfektionen, HIV, virale Hepatitis, Tuberkulose, Tropenkrankheiten nach Reisen sowie Infektionen mit multiresistenten Erregern. Er wählt die richtige Antibiotikatherapie, interpretiert mikrobiologische Befunde, betreut immungeschwächte Patienten nach Transplantation oder Chemotherapie und entscheidet, wann eine Therapie beendet oder umgestellt werden kann. Das Fach ist seit der MWBO 2018 eine eigenständige Facharztbezeichnung.
Der Alltag findet fast ausschließlich in der Klinik statt: Visiten auf der eigenen Station oder Konsile auf Intensivstation, Chirurgie und Onkologie, Antibiotic-Stewardship-Visiten mit Apothekern und Mikrobiologen, Ambulanzen für HIV und Hepatitis, dazu Fallbesprechungen und Ausbruchsmanagement mit der Krankenhaushygiene. Dienste laufen meist über die Innere Medizin. Viel Zeit fließt in Kommunikation, denn der Infektiologe ist Berater für das gesamte Haus.
Die Nachfrage nach Infektiologen ist nach der Pandemie und angesichts steigender Antibiotikaresistenzen stark gestiegen; Antibiotic Stewardship ist an vielen Kliniken inzwischen Pflicht, das Personal dafür fehlt aber. Da der Facharzt erst seit wenigen Jahren existiert, sind Oberarzt- und Leitungsstellen an Zentren, Universitätskliniken und Gesundheitsbehörden offen. Digitale Surveillance, Sequenzierung und KI-gestützte Erregerdiagnostik verändern das Fach schnell, ersetzen aber nicht den Arzt, der den Befund am Krankenbett einordnet.
Nach dem Medizinstudium absolvierst du 72 Monate Weiterbildung: drei Jahre Innere Medizin und drei Jahre Infektiologie an einer befugten Klinik, meist einem Universitätsklinikum oder Maximalversorger. Danach folgt die Facharztprüfung.
Nur selten. Die meisten Infektiologen arbeiten in Kliniken, Universitätszentren oder Behörden. Ambulante Nischen sind HIV-Schwerpunktpraxen und reisemedizinische Beratung, oft kombiniert mit hausärztlich-internistischer Tätigkeit.
Weil das Fach neu ist, ist die Zahl befugter Weiterbildungsstätten noch begrenzt, wächst aber deutlich. Wer im Common Trunk Interesse an Mikrobiologie und Antibiotic Stewardship zeigt, findet in der Regel einen Platz.
Ja. Ein NC-freies Medizinstudium im EU-Ausland führt zu einem EU-weit anerkannten Abschluss und zur Approbation in Deutschland. Die Weiterbildung zur Infektiologie beginnst du dann wie jeder andere Absolvent.
Infektiologen werden in der Klinik nach den ärztlichen Tarifverträgen bezahlt; Zulagen ergeben sich vor allem über Dienste und Leitungsfunktionen.
Die Facharztprüfung findet als Fachgespräch vor der Landesärztekammer statt und deckt internistische wie infektiologische Fallkonstellationen ab.