Als Facharzt für Humangenetik berätst du Menschen zu erblichen Erkrankungen und führst die passende Diagnostik durch: Paare mit Kinderwunsch und familiärer Belastung, Schwangere mit auffälligem Ultraschall, Familien mit erblichem Brust- oder Darmkrebs und Kinder mit seltenen Syndromen, deren Diagnose oft jahrelang gesucht wird. Du erklärst Risiken verständlich, ordnest Chromosomen- und Genanalysen an und wertest sie aus.
Der Alltag teilt sich in Beratungsgespräche und Laborarbeit: Am Vormittag Sprechstunde mit Stammbaumanalyse und Aufklärung, am Nachmittag Befundung von Exom- oder Genomsequenzierungen, Fallkonferenzen mit Pädiatern, Gynäkologen oder Onkologen und Diskussion unklarer Varianten mit Naturwissenschaftlern im Labor. Nachtdienste gibt es nicht, Zeitdruck vor allem in der Pränataldiagnostik. Praxen und Institute mit angeschlossenem Labor sind der typische Arbeitsplatz.
Genetische Diagnostik wird Teil fast jeder Fachrichtung: Tumortherapien richten sich nach Mutationen, Genomsequenzierung wird bei Verdacht auf seltene Erkrankungen zur Regelversorgung, und die Zahl der Beratungsanlässe wächst mit jedem neuen Test. Humangenetiker sind knapp, Wartezeiten auf Beratungstermine sind lang. KI und Bioinformatik übernehmen die Vorfilterung von Varianten, die ärztliche Bewertung bleibt. Praxen mit Labor, MVZ und Universitätsinstitute suchen gleichermaßen, und Konzerne der Labormedizin zahlen für Fachärzte überdurchschnittlich.
Fünf Jahre nach dem Studium, davon je etwa zwei Jahre Beratung und Labordiagnostik. Viele promovieren parallel, weil das Fach forschungsnah ist. Rund elf Jahre nach dem Abitur bist du Facharzt.
Ja, deutlich mehr als viele denken. Die genetische Beratung ist ein langes, persönliches Gespräch, oft mit ganzen Familien und über Jahre. Der Laboranteil kommt hinzu, sodass du beides verbindest.
Nach dem Medizinstudium und der Approbation bewirbst du dich an einem humangenetischen Institut oder einer Weiterbildungspraxis. Das Studium ist auch NC-frei im EU-Ausland möglich, der Abschluss wird in Deutschland anerkannt. Ein Interesse an Molekularbiologie und eine Doktorarbeit im Bereich Genetik helfen bei der Bewerbung.
Eine der besten in der Medizin: keine Nacht- oder Wochenenddienste, feste Sprech- und Laborzeiten, Teilzeit problemlos. Belastend sind eher die Inhalte der Gespräche als die Arbeitszeit.
Das Einkommen in der Humangenetik liegt in der Klinik im Mittelfeld, die Niederlassung mit eigenem Labor ist wirtschaftlich attraktiv.
Die Prüfung vor der Landesärztekammer ist ein Fachgespräch mit Fällen aus Beratung und Labor, etwa Stammbaumanalyse mit Risikoberechnung oder Bewertung einer unklaren Variante. Rechtliche Vorgaben des Gendiagnostikgesetzes werden ebenfalls geprüft.