Ein Facharzt für Herzchirurgie operiert am Herzen und an den herznahen Gefäßen: Bypass-Operationen bei koronarer Herzkrankheit, Ersatz oder Rekonstruktion von Herzklappen, Eingriffe an der Aorta, Implantation von Kunstherzsystemen und Herztransplantationen. Die Patienten sind meist schwer herzkrank, oft älter und multimorbid, immer häufiger auch Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern. Viele Eingriffe finden an der Herz-Lungen-Maschine statt.
Herzchirurgie ist reine Klinikmedizin in rund 80 Herzzentren in Deutschland. Der Tag beginnt früh im OP, oft mit mehrstündigen Eingriffen, danach folgen Visiten auf der Intensivstation und Fallbesprechungen im Heart-Team mit Kardiologen und Anästhesisten. Bereitschaftsdienste mit Notfalloperationen, etwa bei Aortendissektion, gehören dazu. Der Weg zum selbstständigen Operateur ist lang, das Team im OP dafür extrem eingespielt.
Die Herzchirurgie steht im Wettbewerb mit der interventionellen Kardiologie: Klappen werden zunehmend per Katheter ersetzt, klassische Bypass-Zahlen sinken leicht. Gleichzeitig wachsen Kunstherzprogramme, Aortenchirurgie und Hybrideingriffe, und die alternde Bevölkerung sorgt für komplexe Fälle. Der Nachwuchs ist knapp, viele Zentren suchen Assistenzärzte. Roboterassistierte und minimalinvasive Techniken sowie KI-gestützte Risikoabschätzung verändern die OP-Planung. Karrierechancen liegen in Herzzentren, Universitätskliniken und in der Medizintechnik, die erfahrene Operateure für Produktentwicklung sucht.
Die Weiterbildung dauert mindestens sechs Jahre, eigenständige Eingriffe wachsen schrittweise. Bis zur vollen Selbstständigkeit bei komplexen Operationen vergehen häufig zehn Jahre nach dem Studium.
Es gibt nur rund 80 Herzzentren, dafür ist der Nachwuchs knapp. Wer früh Famulaturen und das PJ in der Herzchirurgie absolviert, hat gute Chancen.
Anspruchsvoll: lange OP-Tage, Notfälle und Dienste. Viele Kliniken arbeiten aber an verlässlicheren Dienstplänen, und das Gehalt gleicht einiges aus.
Du brauchst ein abgeschlossenes Medizinstudium und die Approbation, danach die chirurgische Basisweiterbildung und die Spezialisierung. Das Studium ist auch NC-frei im EU-Ausland möglich, der Abschluss wird EU-weit anerkannt.
Herzchirurgen gehören zu den bestbezahlten angestellten Ärzten in Deutschland, die Gehälter enthalten hohe Dienstzuschläge. Eine Niederlassung gibt es nicht, die Spitze bilden Chefarztpositionen.
Die Facharztprüfung ist ein mündliches Fachgespräch vor der Landesärztekammer, in dem Operationsindikationen, Technik und Komplikationsmanagement geprüft werden.