Als Facharzt für Gefäßchirurgie operierst du Arterien und Venen außerhalb von Herz und Gehirn: verengte Halsschlagadern, Aortenaneurysmen, verschlossene Beinarterien, Dialyseshunts und Krampfadern. Deine Patienten sind oft älter, rauchen oder haben Diabetes, und häufig geht es darum, ein Bein oder das Leben zu retten. Neben der offenen Chirurgie beherrschst du endovaskuläre Techniken mit Katheter, Ballon und Stent, häufig kombiniert in einem Hybrid-Eingriff.
Das Fach ist fast ausschließlich Klinikmedizin. Der Tag beginnt mit Visite und geht in den OP oder den Hybrid-OP, dazu kommen Gefäßsprechstunde, Duplexsonographie und Wundvisiten. Rupturierte Aneurysmen und akute Verschlüsse kommen nachts, deshalb gehören Ruf- und Bereitschaftsdienste fest dazu. Du arbeitest mit Angiologen, Radiologen, Diabetologen und Wundmanagern im Gefäßzentrum zusammen.
Gefäßerkrankungen nehmen mit dem Alter zu, und die Zahl der Diabetiker steigt, deshalb wachsen die Fallzahlen in Gefäßzentren stetig. Die Weiterbildung produziert weniger Fachärzte als gebraucht werden, entsprechend gut sind die Chancen auf Oberarzt- und Chefarztstellen. Endovaskuläre Verfahren verdrängen einen Teil der offenen Chirurgie, wer beides beherrscht, ist am gefragtesten. Ambulante Varizen- und Shuntchirurgie eröffnet begrenzt auch Wege in Praxis und MVZ.
Sechs Jahre: zwei Jahre chirurgische Basis und vier Jahre Gefäßchirurgie. Mit dem Studium bist du etwa zwölf Jahre nach dem Abitur fertig. Viele hängen noch die Zusatz-Weiterbildung Intensivmedizin an.
Nur eingeschränkt. Die meisten Gefäßchirurgen arbeiten in Kliniken, einige in ambulanten Gefäßzentren mit Varizenchirurgie oder in MVZ. Der klassische Karriereweg ist die Klinik bis zum Oberarzt oder Chefarzt.
Sehr gut. Gefäßchirurgie ist ein kleines Fach mit Nachwuchsmangel, viele Zentren suchen Assistenten. Auch wer NC-frei im EU-Ausland studiert hat und die deutsche Approbation besitzt, konkurriert gleichberechtigt um diese Stellen.
Fordernd. Nachtdienste und Rufbereitschaften gehören während der gesamten Karriere dazu, Notfälle wie rupturierte Aneurysmen dulden keinen Aufschub. Teilzeitmodelle existieren, sind in der Weiterbildung aber schwerer umzusetzen als in konservativen Fächern.
Als operatives Fach mit hoher Dienstbelastung liegt die Gefäßchirurgie in der Klinik im oberen Bereich.
Die Prüfung vor der Landesärztekammer ist ein Fachgespräch mit Fallbeispielen zu Aneurysma, Carotisstenose und peripherer Verschlusskrankheit. Häufig wird nach Indikationsstellung und der Wahl zwischen offenem und endovaskulärem Verfahren gefragt.