Als Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie behandelst du Erkrankungen von Speiseröhre, Magen, Darm, Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse. Zu deinen Patienten gehören Menschen mit Refluxbeschwerden, Reizdarm, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, Leberzirrhose, Hepatitis oder Tumoren des Verdauungstrakts. Dein zentrales Werkzeug ist das Endoskop: Du schaust nicht nur hinein, du entfernst Polypen, stillst Blutungen und legst Stents. Dazu kommen Sonographie, Leberelastographie und Funktionsdiagnostik der Speiseröhre.

In der Klinik wechselst du zwischen Station, Funktionsabteilung und Notaufnahme. Blutungsnotfälle kommen zu jeder Tageszeit, deshalb gehören Rufdienste für die Endoskopie dazu. Du arbeitest eng mit Viszeralchirurgen, Onkologen und Radiologen im Tumorboard zusammen. In der Praxis oder im MVZ dominieren Vorsorgekoloskopien, Sonographie und die Betreuung chronischer Darm- und Lebererkrankungen, meist ohne Nachtdienste.

  • Gastroskopien und Koloskopien inklusive Polypektomie durchführen
  • Gastrointestinale Blutungen endoskopisch stillen
  • ERCP und Stentanlagen an Gallenwegen
  • Abdomensonographie und Leberelastographie befunden
  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen mit Biologika behandeln
  • Tumorpatienten im interdisziplinären Board vorstellen
  • Du arbeitest gern mit den Händen und magst feinmotorische Arbeit am Bildschirm.
  • Du bleibst ruhig, wenn ein Patient akut blutet und schnell entschieden werden muss.
  • Du magst die Mischung aus Innerer Medizin und Intervention.
  • Du hast kein Problem mit Körperflüssigkeiten und unangenehmen Untersuchungen.
  • Du bist bereit, zunächst drei Jahre breite Innere Medizin durchzuziehen.

Vorteile

  • Endoskopie macht das Fach handwerklich und abwechslungsreich
  • Gute Niederlassungsperspektive mit wirtschaftlich starken Praxen
  • Hohe Nachfrage durch Darmkrebsvorsorge und Lebererkrankungen

Herausforderungen

  • Endoskopie-Rufdienste in der Klinik auch nachts und am Wochenende
  • Sechs Jahre Weiterbildung mit langem Common Trunk
  • Konkurrenz um Weiterbildungsstellen an großen Endoskopiezentren
  • Intensivmedizin
  • Notfallmedizin
  • Medikamentöse Tumortherapie
  • Proktologie
  • Infektiologie
  • Ernährungsmedizin

Die Nachfrage steigt: Darmkrebsvorsorge ab 50, Fettlebererkrankungen als Volkskrankheit und immer mehr ältere Patienten mit Mehrfacherkrankungen sichern volle Endoskopiepläne. Gleichzeitig verlagern sich Eingriffe in den ambulanten Bereich, was Praxen und MVZ stärkt. KI-Systeme zur Polypenerkennung sind bereits im Einsatz und verbessern die Trefferquote, ersetzen aber nicht den Untersucher. Wer interventionell gut ausgebildet ist, hat in Kliniken wie in der Niederlassung sehr gute Karten.

Wie lange dauert die Weiterbildung zum Gastroenterologen?

Sechs Jahre in Vollzeit: drei Jahre Basis Innere Medizin und drei Jahre Gastroenterologie. Wer schon Facharzt für Innere Medizin ist, kann die Schwerpunktzeit teilweise anrechnen lassen. Mit Studium bist du etwa zwölf Jahre nach dem Abitur fertig.

Kann ich mich als Gastroenterologe niederlassen?

Ja, gastroenterologische Praxen und MVZ mit eigener Endoskopie sind verbreitet und gehören zu den ertragsstarken Niederlassungsformen. Die Geräteinvestitionen sind hoch, deshalb sind Gemeinschaftspraxen üblich. In Ballungsräumen sind Sitze begrenzt, im Umland oft frei.

Wie hart ist die Konkurrenz um Weiterbildungsstellen?

Die Basisweiterbildung Innere Medizin ist leicht zu bekommen, die Schwerpunktstelle in der Gastroenterologie an großen Zentren dagegen begehrt. Wer früh Endoskopie-Interesse zeigt und intern rotiert, hat gute Chancen. Auch mit einem NC-freien Medizinstudium im EU-Ausland und deutscher Approbation stehst du bei der Stellensuche gleich da wie jeder andere.

Wie sieht die Work-Life-Balance aus?

In der Klinik gehören Endoskopie-Rufdienste dazu, die nachts unplanbar sind. In der Praxis arbeitest du mit festen Zeiten und ohne Nachtdienste. Viele Gastroenterologen wechseln deshalb nach einigen Oberarztjahren in die Niederlassung.

Gastroenterologen verdienen in der Klinik leicht über dem internistischen Durchschnitt, in der Praxis mit Endoskopie deutlich mehr.

  • Assistenzarzt in Weiterbildung (TV-Ärzte/VKA, TdL): ca. 68.000 € brutto/Jahr mit Diensten
  • Angestellter Facharzt in der Klinik: ca. 111.000 € brutto/Jahr
  • Oberarzt oder leitender Arzt: ca. 170.000 € brutto/Jahr
  • Gastroenterologische Praxis mit Endoskopie: Reinertrag je Inhaber realistisch ca. 250.000 bis 320.000 € vor Steuern
  • 72 Monate nach MWBO 2018: 36 Monate Basisweiterbildung Innere Medizin plus 36 Monate Gastroenterologie
  • Mindestens 6 Monate Intensivmedizin und 6 Monate Notaufnahme im Rahmen der Basisweiterbildung
  • Richtzahlen für Ösophago-Gastro-Duodenoskopien und Koloskopien, jeweils mehrere hundert, einschließlich Polypektomien und Blutstillungen
  • Kenntnisse in ERCP, Endosonographie, Kapselendoskopie und Funktionsdiagnostik
  • Mehrere hundert Abdomensonographien, Nachweis im eLogbuch

Die Prüfung vor der Landesärztekammer umfasst Innere Medizin und Gastroenterologie gemeinsam. Typisch sind Fallbesprechungen zu Blutungen, Leberzirrhose, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und Tumoren.